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E_1938_Zeitung_Nr.062

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BERN, Dienstag, 2. August 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 62 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rj». Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratensehlnss 4 Tage TOT Erscheinen der Nummer Die ärztliche Prüfung nach Art. 33 der Vollziehungsverordnung zum MFG Die Minimalanforderungen nunmehr festgelegt. - Keine allgemeine Untersuchungspflicht. - Behörden an das ärztliche Zeugnis nicht gebunden. - Rekursmöglichkeit gegen deren Entscheid. - Sofortwirkung der neuen Richtlinien. Um einer irrtümlichen Meinungsbildung und allenfalls daraus abgeleiteten schiefen Urteilen zum vornherein einen Riegel zu schieben: Die ärztliche Prüfung als eine der Vorbedingungen für den Erwerb des Fahrausweises ist unserem Verkehrsrecht durchaus kein neuer, bisher unbekannter Begriff. Tatsächlich existiert er schon seit dem 25. November 1932 in der Vollziehungsverordnung zum Motorfahrzeuggesetz, deren Art. 34 die gewerbsmässige Ausführung von Personentransporten mit Motorenwagen an die Voraussetzung knüpft, dass der Bewerber das Zeugnis eines durch die Behörde zu bezeichnenden Arztes beibringe. Heute hat sich diese Bestimmung derart eingelebt, dass sich kaum jemand daran stösst. Wenn deshalb das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement letzter Tage die « Minimalanforderungen » veröffentlicht hat, welche inskünftig an Bewerber um einen Führerausweis oder Fahrlehrerausweis gestellt werden, so beschreitet es damit grundsätzlich kein Neuland, sondern es sorgt lediglich für die Vereinheitlichung der Vorschriften über die Art und Weise der Durchführung der ärztlichen Prüfung. Aber dabei schöpft es nicht etwa aus eigener Machtvollkommenheit, sondern es erfüllt bloss einen Auftrag, den ihm der Bundesrat in der VO selbst erteilt, überbindet sie ihm doch in Art. 33 die Pflicht, nach Fühlungnahme mit der Verbindung der Schweizer Aerzte besondere Weisungen über die ärztliche Untersuchung zu erlassen. Mag sein, dass im Laufe der 5H Jahre seit der Inkraftsetzung des MFG die Erinnerung an diesen Befehl da und dort etwas verblasst war — dem Eingeweihten dagegen (und vielleicht noch dem Berner Automobilisten!) kommen die neuesten departementalen Weisungen alles andere denn überraschend. Vermöchte etwas bei ihnen Ueberraschen hervorzurufen, dann wäre es höchstens der Umstand, dass dieser Leitfaden erst jetzt das Lieh der Welt erblickt, mehr als ein halbes Dezennium nachdem das gesetzliche Fundament dafür gelegt war. Erst jetzt? Die Sache brannte doch kaum sonderlich auf die Finger? Nein, das tat sie nicht, und zum Drängen war für uns schon gar kein Anlass. F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cectty Sidgwick. 7. Fortsetzung. « Sie können morgen einen Arzt rufen lassen », sagte Nancy, « ich bin nicht empfindlich.» « Selbstverständlich wird er die Meinung eines andern Arztes hören wollen», sagte Tante Betty, während wir losfuhren. « Warum hast du darauf bestanden, wie eine Klette an ihm hängen zu bleiben; er hatte doch seinen Freund bei sich. > < Er hätte in Ohnmacht fallen können; es hat so ausgesehen >, sagte Nancy kurz. «Ach, um Gotteswillen ! » schrie Tante Betty auf. « Als ich ein Mädchen war, sind die jungen Damen in Ohnmacht gefallen, und die Männer beugten sich aufgeregt und ausser sich über sie. » « loh wäre nicht aus meiner Ruhe gekommen >, sagte Nancy. «Ich hätte ihn flach auf den Boden gelegt und die Bandage etwas gelockert. Nach dem Dinner werde ich Weil es jedoch feststand, dass uns diese Vorschriften eines Tages beschert würden, mit unentrinnbarer Gewissheit, so spricht wohl nichts dagegen, wenn wir die Ursachen dieser ausgiebigen « Erdauerung » kurz zu umreissen versuchen. Die Aerzte haben gewissenhafte Arbeit geleistet. Unmittelbar mit dem Moment, da das MFG seine Herrschaft angetreten, machten sich Behörden und Aerzte an die Arbeit. Leichthin aus dem Aermel schütteln Hess sich die Lösung nicht, das offenbarte sich von allem Anfang an. Zwischen der Verbindung der Schweizer Aerzte, die ihn geschaffen, und den Organisationen der Spezialärzte wanderte der Entwurf manches Mal hin und her, dann wieder brachten die Kantone Anregungen vor, die von den Medizinern gemeinsam mit dem Departement nach allen Ecken und Kanten hin geprüft und geklärt wurden, Konferenzen beschäftigten sich mit dem Projekt, feilten da und korrigierten dort, bis es endlich so weit war, dass die wieder und immer wieder gestriegelten Vorschläge dem Departement zugeleitet werden konnten. Dieses aber zog, seiner Verantwortung wohl bewusst, den Schlußstrich unter der Angelegenheit erst dann, als es sie in einer Besprechung mit dem ärztlichen Expertenausschuss neuerdings durchgekämmt hatte, wobei auch der Oberarzt der allgemeinen Bundesverwaltung mitwirkte. Die Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, womit bei der Ausarbeitung der Richtlinien ans Werk gegangen wurde, bieten Gewähr dafür, dass man sich zuständigenorts von der Tragweite, von der Bedeutung dieser Massnahme als einschneidenden Eingriff in die Rechtssphäre des Einzelnen genau Rechenschaft abgelegt hat. Und wenn wir in diesem Zusammenhang beifügen, dass die neuen Bestimmungen durchaus nichts Starres, sozusagen für alle Ewigkeit Gültiges verkörpern, dass vielmehr dem Departement die Befugnis zusteht, sie jederzeit zu ändern, dann dürfen wir diese Beweglichkeit auch als noch nach ihm sehen, um mich zu vergewissern, dass der Verband nicht zu fest ist. Und vielleicht bekommt er eine kleine Dosis Morphium. » «Elisabeth! » sagte Tante Betty, «du wirst doch nicht erlauben, dass Nancy diese jungen Männer in ihr Hotel verfolgt! So etwas ist mir noch nicht vorgekommen. Ich habe schon ziemlich viel über moderne Mädchen gelesen, aber ich dachte, es gäbe Grenzen. Wenn Herr King einen Arzt braucht, dann kann er sich einen männlichen holen lassen.» Nancy blickte sie an und murmelte : « Morphium und Strychnin gemischt. » Siebentes Kapitel. Als wir £u Hause anlangten, stiess Tante Betty mit der Weber gerade vor ihrem Schlafzimmer zusammen. « Ich habe Ihnen doch aufgetragen, alles zum Teekochen Nötige einzupacken», herrschte sie sie an. < Das habe ich nach bestem Wissen und Gewissen getan. Es ist mir aufgefallen, dass die Teetassen angeschlagen waren...» « Lassen Sie mich mit den Tassen zufrieden ! Womit kochen Sie Tee ? > eine gewisse Gewähr für die rechtzeitige Behebung allfälliger in der Praxis zutage tretender Unzukömmlichkeiten werten. Zu Ihrer Beruhigung übrigens: Von einem allgemeinen Obligatorium der ärztlichen Untersuchung kann auch jetzt keine Rede sein, vielmehr unterstehen ihm nur ganz bestimmte, exakt umschriebene Klassen von Fahrzeuglenkern: die Führer von Autocars, die Taxichauffeure und die Fahrlehrer. Sämtliche übrigen Kategorien, d. h. also die weitaus überwiegende Masse der Fahrer .erwartet bloss dann die Pflicht zur ärztlichen Prüfung, wenn die im Gesetz hiefür vorgesehenen Bedingungen erfüllt sind, präziser ausgedrückt, In dieser Nummer s Die automobilsportlichen Veranstaltungen an der Landesausstellung. Der grösste Automobilisten- Verband der Erde. Nochmals die Benzinzonen. Vom Heraushängen der Wagen in den Kurven. wenn Zweifel über die körperliche oder geistige Eignung bestehen oder der Kandidat das 65. Altersjahr überschritten hat. Auch eine Art der „Förderung des ^Fremdenverkehrs" Wir erhalten von einem Gesellschaftswagen-Besitzer, der in Bern gebüsst worden ist, weil er seinen Richtungszeiger irrtümlicherweise nicht sofort eingezogen hatte, folgendes Schreiben: « Ich habe gestern ein Zirkular erhalten, worin mir vorgeschlagen wird, am 14. August eine Fahrt nach Bern zur Tour de Suisse zu organisieren. Leider hat mich ein kürzlicher Vorfall, den ich Ihnen kurz schildern möchte, derart verärgert, dass ich es vorziehen muss, meine Fahrten nicht ausgerechnet nach Bern zu richten, sondern andere Ziele zu wählen. Am 12. Juni fuhr mein Sohn mit dem Gesellschaftswagen nach Bern und ich begleitete ihn mit dem Luxuswagen, da es nicht möglich war, die ganze Gesellschaft im Car unterzubringen. Kurz vor Bern wurden wir durch einen Bahnübergang, an dem ich zu warten hatte, getrennt und ich brachte meine Insassen in die Stadt. Nachdem ich die Klienten verabschiedete, wollte ich meinen Sohn aufsuchen, der sich meistens in einem bestimmten Restaurant aufhält. Ich fuhr vom Kasino herkommend Richtung Zeitglockenturm und wollte geradeausfahren, während der Polizist mich Richtung Marktgasse dirigierte. Ich fuhr geradeaus, wurde angehalten und darauf aufmerksam gemacht, dass ich strafbar gehandelt habe, weil mein Richtungsanzeiger auf links gestellt gewesen, ich jedoch geradeaus gefahren sei. « Ich gebe Tee in eine Kanne und... » Jetzt wusste die Weber, was sie vergessen hatte, aber sie war weit davon entfernt, es zuzugeben, und es wunderte mich nicht, dass Tante Betty über ihr scheinheiliges Getue in Wut geriet. « Aber das Wasser haben Sie vergessen », schrie sie sie an. Mit einem nervösen Lächeln auf ihrem Gesicht, das einem verdruckten Dessin glich, wandte sie sich an mich. «Es tut mir leid, Madame belästigen zu müssen, aber ich möchte um einen Schlüssel zu meinem Zimmer bitten. » «Ist denn keiner da ? » « Er passt nicht, und vielleicht würden Sie Die Berner Bussenpraxis floriert weiter. auch mit Fräulein Sally sprechen. Ich bin nicht gewöhnt, eine junge Dame in meinem Zimmer zu finden, die mein Bett wie ein Pfefferminzplättchen eine afrikanische Wilde darin herumtanzt. > « Fräulein Sally ist infolge eines Unfalls noch nicht einmal zurück.» «Es ist doch nichts mit Fräulein Sallys Beinen passiert ? > «Keine Spur», sagte ich scharf, denn wenn wir auch Sally weoen ihrer zu dünnen Nun habe ich zugegeben, dass dieser Irrtum durchaus möglich sei, da ich bisher nur mit automatischen Winkern gefahren und mein neuer Wagen, den ich eben einfuhr, nicht mit einem solchen versehen war (was inzwischen nachgeholt wurde). Wenn ich also gewohnt bin, dass meine Winker sich von selbst zurückstellen und nun auf einem neuen Wagen einmal vergesse ihn zurückzunehmen, so dürfte doch dies ein gewisser Entschuldigungsgrund sein. Jedenfalls erhielt ich statt der angekündeten Verweisung mit Fr. 5.— Busse einen Busszettel von Fr. 25.— wegen einer solchen Lächerlichkeit. Ich kann Ihnen versichern, dass solche Schikanen einem die Lust nehmen, Bern-Fahrten auszuführen, ja ich sehe mich sogar veranlasst, meine Kollegen auf den Vorfall aufmerksam zu machen. Anderswo wird man bei einem solchen Irrturti höchstens gewarnt und nicht derart begrüsst. Auch die Stadt Bern muss wissen, dass es für sie nicht gleichgültig ist, oh ich ihr im Jahr wie bisher ca. 20mal oder nie wieder Gäste bringe ». Diese Beschwerde ist bei weitem nicht die einzige. Stadt und Kanton Bern werden infolge ihrer Bussenpraxis, gegen welche bereits in der ganzen Schweiz herum grösster Unwille herrscht, immer mehr gemieden werden. Wie reimen sich solche Pratiken damit zusammen, dass der gleiche Kanton Bern vor kurzem erst drei Millionen für den Ausbau der Fremdenverkehrsstrassen bewilligt hat? Auf der einen Seite diese Anstrengung um den Strom der Touristik nach seinem Gebiet zu lenken, auf der andern der prohibitive Bussenbetrieb. — Was sagen die am Fremdenverkehr dazu ? (Schluss Seite 2.) interessierten Kreise Einen ähnlichen « liebevollen » Empfang hat übrigens auch Thun einer Anzahl welscher Automobilisten bereitet, die zum Besuch des Concours Hippique gekommen waren. Als Dank dafür wurden sie von der hohen Hermandad gebüsst, weil sie ihre Wagen an einer Stelle parkierten, an der kein Signal, keine Tafel solches Tun etwa als verboten erklärt hätte. Auf ihre Vorstellungen beim Gerichtspräsidenten ward ihnen die lakonische Ant- Beine gutmütig hänseln, erlauben wir doch niemand anderm, darüber zu spotten. « Gestern abend haben sich Melinda und Fräulein Sally in meinem Zimmer mit Wasser bespritzt, und mein Laken war ganz nass.» Nun griff Tante Betty ein und verschwand mit der Weber in ihrem Schlafzimmer. Alberta und Melinda kamen, Arm in Arm, die Treppe heraufgehüpft, um mir zu erzählen, wie tüchtig sie tagsüber gearbeitet hätten; das war eine althergebrachte Gewohnheit, mit der sie sich lieb Kind machten. Jane und Hester wollten Näheres über den Unfall wissen, und auch Nicholas erschien, der voll Stolz über Nancys Tüchtigkeit und Geschicklichkeit strahlte. Aber der gute Nicholas strahlte auch, wenn Dinge schief gingen. Bei Tisch sprach er ununterbrochen von plattdrückt und wiedem ausgerenkten Arm, und dass er Nancy gern bei ihrer Arbeit beobachtet hätte. Tatsächlich spielte er in aller Unschuld so ausgiebig die Rolle des stolzen Vaters, dass er Tante Betty auf die Nerven fiel. « In Anbetracht dessen, was des Studium gekostet und wieviel Zeit sie verschwendet hat, wäre es doch ein Wunder, wenn sie