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E_1938_Zeitung_Nr.068

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BERN, Dienstag, 23. August 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 68 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Atufab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht poitamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab* C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und.Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. »7, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern ' Geschäftsstelle Zurlchi Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 KP. Grossere Inserate nach SpezialtarU Inseratensehlnss 4 Tage Tor Erscheinen der Nummer Wie Im Vorjahr wieder ein dreifacher Mercedes-Sieg. — Caracciola feiert seinen dritten Triumph auf der Bremgarten-Rundstrecke. — Seaman fährt die beste Rundenzeit des Tages. — Stuck rettet den vierten Platz für die Auto-Union, nachdem Müller kurz vor Schluss ausser Gefecht gesetzt worden Ist. — Ein Schlechtwetterrennen. — Sehr wenige Ausfälle. Wie lagen nur schon die Dinge vor dieser fünften Auflage des Grand Prix ? Zweimal hatte Mercedes mit Caracciola triumphiert, zweimal war die Auto-Union mit Stock und Rosemeyer in den Kränzen gelandet. Um so gespannter fragte man sich, nach welcher Seite hin wohl das Zünglein an der Waage ausschlagen würde. Die Antwort lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig; alle Wenn und Aber haben davor zu schweigen. Mit einem dreifachen Sieg gekrönt, kehrt Mercedes-Benz von Bern nach Hause zurück und wiederholt damit seinen Erfolg vom letzten Jahr, das die Untertürkheimer Werke ebenfalls mit drei Mann obenaufschwingen sah. Wie es denn überhaupt mit dieser Drei sein ganz besonderes Bewenden hat: zum dritten Mal triumphiert Caracciola im Grossen Preis der Schweiz und gleichzeitig heimst die ruhmreiche Marke mit dem Dreizackstern ihren dritten Dreiersieg der laufenden Saison ein. In Tripolis hatte die fast unwahrscheinlich anmutende Serie ihren Anfang genommen, der Grosse Preis von Frankreich bildete das nächste Glied in der Kette und jetzt findet sie ihre Fortsetzung auf der Bremgartenrundstrecke. Dabei hat das Glück seine Gaben gerecht verteilt, denn hiess der Sieger des Millionenrennens auf Afrikas heissem Boden Lang, so lächelte Frau Fortuna in Reims endlich einmal dem chronischen Pechvogel Brauchitsch, und am vergangenen Sonntag nun erwies sie ihre Gunst dem letztjährige Europameister Caracciola. An der Konstellation, wie sie sich während der Rennsaison 1938 herausgebildet, hat also auch der Grosse Preis der Schweiz nichts geändert, das nicht. Er hat sie vielmehr konsolidiert und jenen recht gegeben, die da behaupten, dass Mercedes die Lösung der in der neuen Formel enthaltenen konstruktiven Aufgabe am besten gelungen sei. Tatsächlich hinterliess auch die Leistung, womit die Firma bei uns aufwartete, ein Eindruck, dass momentan gegen ihre Wagen so gut wie kein Unkraut gewachsen sei. Ganz ohne Kampf allerdings fielen ihr die drei ersten Ränge nicht in den Schoss, und wenn sie auch die Führung über die ganze Distanz von 364 km nicht einen Moment abgab, so setzte ihr doch, am Anfang wenigstens, ein aus Stuck, Müller und Kautz bestehendes Trio der Auto-Union hart zu. Aber das Durchstehvermögen der Mercedes- Silberfische und die kluge Taktik, die sich Neubauer für diese Auseinandersetzung zurechtgelegt, brachten es fertig, alle Angriffe abzuschlagen. Gewiss gehörte auch eine Dosis Glück dazu, gleich ein ganzes Trio in Front zu bringen, den Ausschlag gab aber doch die Zuverlässigkeit der Wagen, welche ohne die geringste Störung ihre 50 Runden herunterspulten. Mit der Periode der Kinderkrankheiten scheint es bei den neuen Mercedes vorbei zu sein. Aus der Tatsache, dass erst Seaman und dann Caracciola die Spitze innehatte, und dass sie die Situation von der ersten bis zur letzten Minute beherrschten, den Schluss abzuleiten, sie seien dabei sozusagen spazieren gefahren, hiesse indessen den Dingen nicht gerecht werden, wiewohl ihnen keine ernsthafte Gefahr drohte, wiewohl sie es sich also hätten leisten können, ihre Positionen einfach zu halten, fuhren sie immer und immer wieder neue Rundenbestzeiten. Was nun freilich keineswegs besagen will, dass etwa der Rundenrekord von 2.34,5 hätte dran glauben müssen. Davon konnte keine Rede sein, zum ersten weil die Spitzengeschwindigkeit der neuen Formelwagen unter derjenigen der Vorjahresmodelle liegt — was weiter nicht verwundert, wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese fast doppelt so grosse Motoren unter der Haube sitzen hatten — zum andern auch, weil d ie s e s Wetter und diese regennasse Piste ganz und gar nicht dazu angetan waren,, neuen Bestleistungen zum Dasein zu verhelfen. Wie wir vorausgesagt, wurden auch die im Training erzielten Zeiten nicht erreicht, doch vollbrachte Seaman mit seiner besten Runde von 2.51,0 eine Leistung, die angesichts der Verhältnisse, unter denen sie zustande kam, ehrliche Bewunderung verdient. Und die Zeit des Siegers Caracciola, der für die 364 km nur rund 15 Minuten mehr benötigte wie 1937, muss bei der Würdigung aller Umstände als mehr wie respektabel angesprochen werden. Er lieferte eine Partie würdig eines grossen Meisters. Das siegreiche Mercedes-Trio mit zwei Prominenten der Fabrik: Von links nach rechts: Oberingenieur Uhlenhaut. Brauchitsch, Caracciola, Seaman und Dir. Sailer. Schwärzestes Pech verfolgte die Auto-Union, die allein das Zeug in sich hatte, dem Mercedesteam mit einiger Aussicht auf Erfolg die Stirne zu bieten. Kam Nuvolari nie über das Mittelfeld heraus, so entfesselten Stuck, Müller und Kautz im ersten Drittel eine wilde Jagd auf die beiden Spitzenreiter Seaman und Caracciola. Wie die Kletten klebten sie an ihnen, bis zuerst Stuck zurückfiel, dem kurz hernach auch Kautz folgte. Einmal übers andere suchte der Schweizer seine Boxe auf, bis ihn in der 20. Runde ein mechanischer Defekt endgültig aus dem Rennen warf. Von Nuvolari abgesehen, der jedoch, wie bereits angedeutet, den Anschluss zur Spitze nicht fand, blieb so nur noch Müller. Hut ab vor dem jungen Nachwuchsfahrer der Zwickauerwerke ! Was er am Sonntag zeigte, war beste Marke und bewies, dass in diesem « Jungen » ein vielverheissendes Talent steckt, dass er noch von sich reden machen wird. Von der 7. Runde an heftete er sich dem führenden Mercedes-Tandem an die Fersen, verteidigte zäh und bravourös seine Stellung und hatte den dritten Rang so gut wie in der Tasche, als er, knapp vor Schluss, in der 47. Runde beim Ueberholen eines Konkurrenten ins Schleudern geriet und mit etlichen «Dingern» drauf in den Wald hineinsauste, wobei sein Wagen beschädigt wurde. Er selbst zog sich zwar mit heiler Haut aus der heiklen Affäre, aber das Intermezzo zwang ihn natürlich, die Waffen zu strecken. Wenn man das nicht rabenschwarzes Pech nennt! An seiner Stelle rettete Stuck, der sich inzwischen wieder emporgearbeitet, den vierten Platz für die Auto-Union. Nach seinen Trainingsergebnissen durfte Alfa Romeo auf einen Ehrenplatz rechnen. Er blieb ihm denn auch nicht versagt, passierte doch Farina, 22 Sekunden hinter Stuck, als Fünfter das Ziel, nach einem bestechend regelmässigen Rennen. Der zweite Pilot von Alfa Corse, Wimille, klassierte sich als Siebenter. Womit die' Mailänder Fabrik einmal mehr die Zuverlässigkeit ihrer Wagen unter Beweis gestellt hat. Caracciola (Mercedes-Benz) nach 6einem dritten Sieg im Grossen Preis der Schweiz. Der Start zum EndJaul des Preises von Bern. Zum erstenmal siegte im Preis von Bern ein Schweizer: der Lausanner Hue.