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E_1938_Zeitung_Nr.068

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 23. AUGUST 1938 — N° tours t23*Sff?89 f0t?t2 13 1* IS 16 & 18 19 20 & 22 23 24-2S 25 27 28 29 30 St 32 33 3t 35 36 3738 3$ 40 4f 42 43 ** 4S 46 4? 43 49 $0 Seamann 16 ffi y/ & . .— v - Lang 1U ff n X /Ss\ X w iß Camciola n \ / XI— 4_ 4 XL Stuck 8 X L^JKs 2_ io X X to X 4 8 Brauchitsch 10 \/ Z V )c 38 8 to _ Y1B_ Mül/er 4 Wimille w . \Y 38 X foY uo Yw iß ; Kautz 2 U [X ^ K l ^ ^ ** " Fama 38 yC-^ A/A . ''YS ~n_ 6_ Taruff/ 28 üreyfus 18 ^^ß A /fr /^K fr X zo Teagno 26 ^C/ffX Z6 zo Ä~ 3Z 14 Raph 20 v 3zY X3Z Au X Tz • Romano 2k S>C 20 £± X .** V 2£ Christen 32 Marn/iro/a 30 Minozri 22 . /\30. 5$Mte au 54 \ Graphisch! Darstellung des Grand-Prlx-Reanverlaufs. Gegen di« Deutschen und die Italiener hatten die beiden kompressorlosen Delahaye, wie man schon zum vorneherein wusste, wenig zu bestellen. Aber auch wenn sie nicht besonders hervortreten, sondern bescheiden und ohne Aufsehen zu erregen im Hintergrund blieben, sie «stellten ihren Mann» und Hessen sich nicht kleinkriegen. Ueberhaupt: Ausfälle gehörten in diesem Grand Prix zu den Seltenheiten. 19 Mann am Start, 14 am Ziel, das ist eine überraschend gute Bilanz, sofem man sich daran erinnert, wie verheerend andere Grosse Preise dieses Jahres in den Reihen der Konkurrenten gewirkt haben. Von den Fabrikfahrern streckten einzig Kautz und Müller die Waffen, währenddem es sich bei den drei übrigen um Individueis handelte. Dass das Feld nicht stärker zerrissen und gesiebt wurde, dazu hat wohl nicht zuletzt der Regen beigetragen, denn die nasse, glitschige Piste zwang zur Vorsicht und liess ein volles Aufdrehen nicht zu. Dafür aber zeigten sich die Wagen dankbar. Ebenso wie auch die Pneus : man erlebte während des ganzen Rennens nicht einen einzigen Reifenwechsel, so dass sich die Tätigkeit der Mechaniker in der Hauptsache auf das Tanken beschränken konnte. Bloss etwa 17 000 Zuschauer besetzen die Tribünen und säumen die Strecke, als mit etwelcher Verspätung auf den «Fahrplan» die Wagen, eingehüllt in Decken, an den Start geschoben werden. Die Fahrer schlendern heran, mit and ohne Schirm. Unter das Weiss ihrer Overalls mischt sich das Blau der Mechaniker, die überall noch Hand anzulegen haben. Dann stieben sie zur Seite, ein infernalisches Toben und Brüllen und seltsam nach Chemie riechende, den Auspuffrohren entsteigende Düfte erfüllen die Luft. Ein wahrhalt packendes Bild, diese 19 zitternden, schlanken Bennwagenleiter, voran die Silberfischo von Mercedes und Auto-Union. Von den 20 Gemeldeten ist einzig der Schweizer de Graffenried nicht dabei; ein Kolbendefekt, den sein Maserati am Vortage erlitten, zwingt ihn, dem Rennen fernzubleiben. Nach den Trainingsergebnissen hat die Rennleitung die Aufstellung am Start wie folgt bestimmt: Caranciola Lang Seaman Mercedes-Benz Mercedes-Benz Mercedes-Benz v. Brauchitsch Mercedes-Benz Stuck Auto-Union Wlmllle Alfa Romeo Nuvolari Auto-Union Mailer Auto-Union Dr. Farina Alfa Romeo Teagno Maserati Raph Delahaye Mandlrola Masurati Der Rennverlauf. de Sztrlha Alfa Romeo Startfolge: Dreyfus Delahaye Christen Masurati Kautz Auto-Union Taruffi Alfa Romeo Romano Alfa Romeo Minozzi Alfa Romeo Ganz programmwidrie hat der Regen in diesem Moment ausgesetzt, aber nach wie vor braut dunkles, wenig Gutes verheissendes Gewölk über dem Wald. Und lange wird es auch nicht dauern, bis sich wieder der gänzlich unerwünschte feuchte Segen über Baum und Piste und Zuschauer ergiesst und die Fahrer zum Einsatz ihrer höchsten Kunst nötigt. Drei Mercedes bilden die vorderste Startreihe, der vierte, mit Brauchitsch am Steuer, steht in der zweiten Linie neben Stuck. Ob es dem langen Hans gelingen wird, sich zwischen der feindlichen Phalanx hindurchzuschlängeln? Teilweise, ja. Nach einem vorbildlichen Start, wobei sich das ganze Feld geschlossen in Bewegung setzt, nimmt Seaman mit der Spitze reissaus, aber schon nach kurzer Distanz hat sich Stuck vorgeschoben und sitzt dem Leader auf. In der Eymatt prescht die Meute mit Seaman, Stuck, Caracciola und Müller auf den ersten Plätzen vorbei. Die « Mischung» lässt allerhand erwarten. Zweimal hintereinander je ein Mercedes und ein Auto-Union — da dürfte sich was tun. Fiebernde Spannung breitet sich über die Zuschauer, wie das metallische Klirren das Nahen des Rudels kündet. Als Erster biegt Seaman in die Tribünen-Kurve er absolviert die erste Runde in 3:10,8 und hat sich bereits etwas vom Felde gelöst. Kampfatmosphäre in den ersten Runden. Stuck taucht als Zweiter auf, und hinter ihm passieren Caracciola, Müller, Kautz, Brauchitsch, Nuvolari, Lang, Farina, Taruffi, Wimille usf. Der Kampf um die Positionen ist in vollem Gang, wobei der Schweizer Kautz als Fünfter ausgezeichnete Figur macht. Bis zur zweiten Runde hat Seaman seinen Vorsprung auf Stuck erhöht, währenddem Caracciola schon näher an den Auto- Union-Piloten herangerückt ist und ihn vor sich her hetzt. Nuvolari dagegen muss vor Farina und Lang die Segel streichen und «tauscht» damit seinen 7 Platz gegen den neunten ein. Am Ende der dritten Runde hat sich Seaman bereits um 10 Sekunden von seinen Verfolgern distanziert, während sich das Scharmützel zwischen Stuck und Caracciola immer mehr verschärft, denn Rudi lässt nicht nach. Und wirklich: aus der 4. Runde kehrt er als Zweiter wieder. Stuck hat seinem Ansturm nicht standhalten können. Zwei Mercedes, drei Auto-Union und abermals zwei Mercedes — so präsentiert sich nunmehr das Bild an ; der Front. Die Deutschen sind offensichtlich überlegene Herren der Situation. Bereits erlebt man auch den ersten Boxenhalt: der ungarische Einzelfahrer de Sztriha landet an seinem Ersatzteillager und gibt sang- und klanglos auf. Vorne aber tobt die Schlacht weiter und andauernd ist auf dem Kriegsschauplatz etwas los. Die beiden Mercedes- Spitzenreiter machen sich aus dem Staube und sagen Stuck adieu, dieweil von hinten Müller und Kautz zu ihm aufscbliessen. Aber im Rücken des Auto-Union-Terzetts lauern Brauchitsch und Lang, bereit, einzugreifen. Nur wenige Meter liegen Seaman und Caracciola bei fünf Runden noch auseinander; zugleich knüpft auch Müller sehr «nachbarliche » Beziehungen zu Stuck an, mit dem Erfolg, dass dieser zwei Runden später seinem jungen Teamkollegen den Vortritt überlassen muss, der einen unbändigen Drang nach vorn in sich zu spüren scheint und sich in dieser illustren Gesellschaft ausgesprochen heimisch fühlt. Die Ueberrundungen beginnen. Zur allgemeinen Verblüffung lenkt Lang in der 7 Runde seines Mercedes an die Boxe, aber nur um Kerzen zu wechseln. Ein paar Augenblicke danach stoppt auch Nuvolari an seinem Stand und verliert dabei etwas über 50 Sekunden. Und weil anscheinend auch hier aller «guten > Dinge drei sind, schaltet auch Kautz einen kurzen Zwischenhalt ein, um Brennstoff nachzufüllen, eine Operation, die ihn 43 Sekunden kostet. Nicht genug damit, dasa Stuck schon binnen der kurzen Zeitspanne seit Beginn um zwei Ränge abgestiegen ist und jetzt Vierter ist, sucht auch er (man schreibt die neunte Runde) die Boxe auf. Was ist passiert? In der Forsthauskurve hat sich sein Auto-Union gedreht, der Motor ist dabei «gestorben», doch mit vieler Mühe gelingt es ihm, den 'Wagen wieder anzuschieben. Immerhin: das Gasgestänge hat dabei gelitten, deshalb der Halt an der Boxe. Nebenbei bemerkt, hat Seaman in diesem Moment seine ersten Opfer geschnappt und mit den Ueberrundungen begonnen. Durch den Zeitverlust Stucks bei »einem Boxenhalt, belegt Kautz nun wieder den vierten Rang. Spürt Seaman, dass Caraeciola gegen ihn was im Schilde führt? Auf jeden Fall dreht der Engländer, der ein grosses Rennen fährt, noch mehr auf und bringt in der 10. Runde mit 2:54 0 (150,920 km/St.) die bisher beste Zeit auf sein Konto. Stand bei 10 Rundtn: 1. Seaman (Mercedes-Benz) 90:20,7 2. Caracciola (Mercedes-Benz) 30:22,1 3. Müller (Auto-Union) 30:47,3 4 Kautz (Auto-Union) 31:04,8 5. v. Brauchitsch (Mercedes-Benz) 81:08,8 Caracciola entreisst Seaman die Spitze. Was man voraussah, ereignet sich in der 11. Runde- Caraccicla entwindet Seaman das Heft aus den Händen und reisst das Kommando an sich. Inzwischen ist Lang neuerdings am Mercedes-Stand vorgefahren. Er steigt aus und an seiner Stelle übernimmt der junge Bäumer den Wagen Nr. 14. Ursache dieses Wechsels- Lang ist am Auge verletzt. Auch 4er Franzose Raph fährt an den Stand, um sich mit einer neuen Brille und einer andern Haube zu versehen. 20 Sekunden gehen dabei drauf. Für 3as Tempo, das die führenden Mercedes vor- ' legen, ist es übrigens bezeichnend, dass schon nach dem ersten Fünftel des Rennens nur noch 7 Mann mit ihnen in der gleichen Runde liegen. Als einziger unter den Auto-Union-Fahrern vermag der junge Müller der Pace des Zweigespanns Caracciola-Seaman. zu folgen, während Kautz, zwar immer noch Vierter, nicht mehr so ganz gut mitkommt. Zur Abwechslung gondelt Nuvolari schxm wieder an die Boxe, um eine andere Brille zu fassen. In der 14. Runde glückt es Stuck; sich an Wimille vorbeizudrängen, während Nuvolari zum drittenmal an die Boxe geht, diesmal um zu tanken. Vorne gibt Caracciola, der typische Schlechtwetterfahrer, kräftig Fersengeld, und zugleich arbeitet sich Müller auffällig nahe an Seaman heran, ohne ihm freilich etwas anhaben zu können. Die Boxenhalte bei der Auto-Union nehmen üierhand; jetzt ist die Reihe wieder an Kautz, der Benzin nachfüllt in der nächsten Runde aber duren eine Vergaserstörung zu längerem Verweilen gezwungen wird und damit vom 4. auf den 6. Rang zurückfällt, womit für Farina der Weg zum 5. Rang frei wird. In dieser Runde wird auch der Rückzu» Mandirolas gemeldet, dem übrigens Kautz beim Stand von 19 Runden folgt. Ein neuerlicher Vergaserdefekt hat ihn schachmatt gesetzt. Bei 20 Runden befinden sich nur noch die fünf ersten in derselben Runde. Seaman trägt wiede"r eine Attacke;, gegen Caraociola vor, holt sich aber dabei eine Absage. Wir nähern uns der 25. Runde, der Mitte des Rennens. Die Zeit zum Tanken ist gekommen. Caracciola und Müller besorgen diese Operation in der 24. Runde, was bei jenem 31 Sekunden, bei diesem 1 Min. 12 Sek. dauert. Damit heisst der Leader wieder Seaman; gleichzeitig bringt es der Boxenaufenthalt Müllers mit sich, dass Brauchitsch an ihm vorbeiflitzt und damit Dritter wird. Stand bei 25 Runden: 1. Seaman, Mercedes-Benz, 1:18:02,7 2. Caracciola, Mercedes-Ben«, 1:18:41,1 3. v. Brauchitsch, Mercedes-Benz, 1:19:29,6 4. Müller, Auto-Union, 1:20:00,3 5. Dr. Farina, Alfa Romeo. 1:21:50,3 In der 26. Runde wird auch Seaman zum Tanken abkommandiert und Caracciola geht wieder in Führung, Brauchitsch fasst in der 27. Runde neuen Brennstoff, nachdem Farina zwei Runden zuvor seine Reservoirs ebenfalls hat auffüllen lassen. Mit Rekordgeschwindigkeit erledigt Wimille die Tankerei; er braucht hiefür nur 40 Sek. Die. folgenden Runden bringen einstweilen keinen Szenenwechsel, abgesehen davon, dass Müller gegenüber den Spitzenreitern stärker ins Hintertreffen geraten ist und auf sie einen Rückstand von nahezu 2 Min. verzeichnet Mit erstaunlicher Regelmässigkeit ziehen Caracciola und Seaman ihre Runden, ohne sich sonderlich zu beeilen, denn das haben sie ja gar nicht nötig. Stuck tankt in der 33. Runde und muss dabei sowohl Farina als auch Taruffi passieren lassen, schnappt aber den letzteren zwei Runden später wieder, weil auch der Brennstoff nachfüllen muss. Die Delahaye dagegen kommen «ungetankt» durch, weil ihre kompressorlosen Motoren bedeutend weniger Benzin schlucken. Stand bei 40 Rundtn: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 2:03:02,2 2. Seaman (Mercedes-Benz) 2:03:30,1 3: v. Brauchitsch (Mercedes-Benz) 2:05:21,0 4. Müller (Auto-Union) 2:06:04,7 5. Dr. Farina (Alfa Romeo) 2:09:36,5 Stuck holt auf! Die letzten 10 Runden stehen im Zeichen eines grandiosen Endspurts von Caracciola und Seaman, die eich fegenseitig mit neuen Rundenbestzeiten überbieten, wobei Seaman mit.2 Min. 51,0 Sek. das bessere Ende für sich behält. Was allerdings nicht hindert, dass ihm Caracciola auf Nimmerwiedersehen ausrückt und sich bis zum Schluss einen Vorsprang von 26 Sekunden sichert. Seit dem Beginn des letzten Fünftels ist übrigens auch Müller überrundet, was nichts anderes bedeutet, als dass nur noch das Mercedes-Trio Caracciola - Seaman - von Brauchitsch in der nämlichen Runde liegt, so souverän beherrscht es die Situation. Wir stehen bei der 47 Runde, da bleibt Müller plötzlich aus. Männiglich hält nach ihm Ausschau; aber umsonst. Er ist, wie bereits erwähnt,, bei einem Ueberholungsmanöver neben die Piste geraten und hat dabei seinen Wagen havariert, so dass er nolens volens zum Rückzuff blasen muss. Inzwischen hat sich aber Stuck mit dem Alfa-Fahrer Farina in ein Duell eingelassen, kämpft ihn dabei nieder und rettet kurz vor Torechluss noch den 4. Platz für die Auto-Union, allerdings zwei Runden hinter den drei «tonangebenden» Mercedes-Leuten. Schlussklassement: 1. Caracciola (Mercedes-Benz) 2:32:07,8 2. Seaman (Mercedes-Benz) 2:32:33,8 3. v. Brauchitsch (Merc.-Benz) 2:32:11,6 49 R. 4. Stuck (Auto-Union) 2:34:12,5 48 R. 5. Dr. Farina (Alfa Romeo) 2:34:34,8 48 R. 6. Taruffi (Alfa Romeo) 2:32:59,8 47 R. 7. Wimille 2:34:16,3 47 R. 8. Dreyfus (Delahaye) 2:34:16,9 46 R. 9. Nuvolarl (Auto-Union) 2:34:50,9 46 R. 10. Lang (Mercedes-Benz) ' 2:32:39,6 45 R. 11. Raph (Delahaye) 2:32:41,0 43 R. 12. Romano (Alfa Romeo) 2:32:51,5 41 R. 13. Christen (Maserati) 2:33:53,7 40 R. 14. Teagno (Maserati) 2:34:55,9 39 R. StundenmlHel des Siegers Caracciola: 143,561 km/St Beste Runden der einzelnen Fahrer im Grossen Preis der Schweiz: Nr. 2 Kautz 3:01,4 » 4 Müller 2:55,3 » 6 Nuvolari 2:58,9 » 8 Stuck 2:59,2 » 10 von Brauchitsch 2:55,1 » 12 Caracciola 2:51,5 » H Lang 3:04,3 » 16 Seaman 2:51,0 (= beste Runde!) » 18 Dreyfus 3:06,4 » 20 Raph 3:12,7 » 22 Minozzi 3:36,2 » 24 Romano 3:27,7 » 26 Teagno 3:26,7 »'28 Taruffi 3:04,1 » 30 Mandirola 3:46,7 Rund um den Qvand Jbux Die Rennfahrer der Auto-Union betrachten sich die Rennstrecke von Alpar-Flugzeug aus. Wer sich am Freitagmorgen zufälligerweise auf der Strasse nach Wabern-Belp befand, der konnte gegen 10 Uhr eine herrliche Karawane von 5 Auto- Union-Personenwagen (Horch und Wanderer) beofoachten, die in gemächlichem Tempo gegen den Flugplatz Be'.pmoos fuhren. Warf er dann gar einen Blick ins Innere dieser Wagen, so ward es ihm klar, dass da etwas Besonderes los sein musste; denn allen voran kam Tazio Nuvolari, der kürzlich aus seinem Ruhestand wieder ausgetreten ist, in den er sich nach dem Unfall von Pau zurückgezogen hatte. Heute startet er mit unerhörtem Wagemut für Auto-Union und gedenkt sicher, am nächsten Sonntag einen dieser Boliden zum Sieg zu führen. Hinter Nuvolari sah man Christian Kautz, den sympathischen Schweizer im Auto- Union-Rennstall, dann Hermann Müller, Rudolf Hasse und zuletzt, ganz gross, in ganz grossem Horch, mit schneeweisser Mütze. Hans Stuck. Dr. Feuereissen und Dr. Voelter von der Rennleitung der Auto-Union waren auch mit dabei: es ging zur Besichtigung der Rennstrecke aus der Luft. HB AMI, das zehnplätzige, zweimotorige Schnellverkehrsflugzeug der « Alpar», nahm die Gäste auf und fühlte sie, wohl zum erstenmal in ihrem Leben, mit 250 Stundenkilometern über die Rennstrecke im Bremgartenwald, ohne dass sie auch nur einen Finger rühren mussten. Zur Ueberraschung der Insassen dehnte sich indesseh der Rückflug immer länger aus, näher und näher kamen die Alpen,- bis die Eisernordwand drohend vor den Rennfahrern stand Das herrliche Wetter begünstigte den Flug, und die Begeisterung war allerorts gross. Tazio insbesondere fand alles immer wieder « molto fantistico » er versicherte in allan Sprachen, er hätte noch nie einen solchen Flug erlebt. Mit dieser Einladung hat sich die « Alpar » zum erstenmal in den Dienst der Rennfahrer gestellt, und der Erfolg hat ihr bestätigt, dass das Flugzeug auch hier geeignet ist besonderen Zwecken zu dienen.

N° 68 *-> DIENSTAG, 23. AUGUST 1933 AUTOMOBIL-REVUE dxsUnots Sduouz&tsieQ im Hug (Maserati 4 Zyl.) gewinnt den V. Preis von Bern Pietsch (Maserati) Sieger im ersten, Mays (ERA) im zweiten Vorlauf Die Favoriten Villoresi L. (Maserati) und Prinz «Bira» (ERA) im Ausscheidungslauf. Mays (ERA) im Finale ausgeschieden Start 78 16 Mays Howe fleisch Bianco Rolt deTeffe 38 Hug & Wilson n Teagno 44 Wakefield 12 Pollock ö fferkuleynsw Plate G. 28 7 Hanson $ ^ Im ersten Vorlauf: Die Favoriten fallen aus und Pietsch (Maserati) gewinnt Der erste Ausscheidungslauf zum internationalen * Preis von Bern » für Rennwagen der Anderthalbliterklasse verspricht sehr interessant und spannend zu werden, stehen sich doch den raschen ERA des siamesischen Prinzen « Bira» und der Engländer Wakefield und Wilson die teufelsschnellen Maserati des Italieners Luigi Villoresi und des deutschen Pietsch gegenüber, von denen der zweitletztgenannte im Samstagtraining die phantastisch niedere Zeit von 2:54,4 erreichte und damit den bestehenden, von Dobson auf ERA im Vorjahr aufgestellten Rundenrekord von 2:58,3 um nicht weniger als 3,9 Sekunden verbessert hatte. Kurz vor 10 Uhr stellt sich Rennleiter Huber folgendes 11 Mann starkes Feld: Wakefield Bim Villorecl E.R.A. E.R.A. Maserati Wifsofi Plefcch E.R.A. Maserati Berg Ghersi Maserati Maserati Bircher Castelbarco Bugatti Maserati Herculeyni Gigi Platt M.G. Talbot Ueber dem Bremgartenwald hangen die Wolken grau in grau wie am Vortag und die Piste ist von den Regengüssen, die in der Nacht und noch am Sonntag früh niedergingen, fast durchwegs nass, vor allem natürlich jene Streckenabschnitte, die jdurch Wald führen, während das Klein-Pflaster an der Murtenstrasse sich in gut angetrocknetem Zustande präsentiert. Dennoch, die Aussichten sind nicht vielverheissend. Wenn auch ab und zu ewischen den Wolkenfetzen des Himmels Bläue für kurze Augenblicke sichtbar wird, so ist zu Optimismus in Sachen Wetter keine Ursache vorhanden. Mit Pünktlichkeit nimmt der Prolog zum V. Grossen Preis der Schweiz um 10 Uhr seinen Anfang. Ziemlich geschlossen setzt sich das Rudel in Bewegung und verschwindet mit Villoresi und Pietsch an der Spitze in Richtung Betlehem-Kurve den Blicken der Zuschauer, die sich trotz der unfreundlichen Witterung — wenigstens soweit dies von der Tribüne aus festzustellen ist — recht zahlreich eingefunden haben. Um es gleich vorweg zu nehmen: « Bira » ist nicht gut vom Start gekommen und wie die Meute nach der ersten Rande erstmals an den Tribünen vorübersaust, da fehlt vom siamesischen Prinzen «Jegliche Spur ». Mit gewaltigem Vorsprung flitzt Villoresi, der die Startrunde in 3:22,4 129,466 km/St.) erledigt hat, auf seinem roten Maserati an den Boxen vorüber und in seinem Rücken huscht, einem Schatten gleich, der Deutsche Pietsch daher. Dann verstreichen etliche Sekunden bis Wakefield, der erste ERA-Mann und Berg auf Maserati erscheinen und die übrigen, als da sind Castelbarco, Wilson, Ghersi, Bircher, Gigi Plate und der gemütliche Herkuleyns folgen mit grossen Abständen. Und eh man sich's versieht, ist Villoresi schon wieder da, der ein wahnwitziges Tempo vorlegt und die zweite Runde in 3 :13,5 (135,511 km/St.) hinter sich bringt Sonst wäre nichts von Belang zu vermelden, als dass Plate en Bircher vorbeigegangen ist. Wie der im Mittelfeld liegende Ghersi die Tribünen passiert hat, trudelt der längst überfällige « Bira » mit Vergaserschaden an das Ersatzteillager, verliert mit der Reparatur mehr als drei Runden, um dann wieder « auf Strecke > zu gehen, wobei es keines feinen Gehörs bedarf, um herauszufinden, dass der Motor alles andere denn sauber tönt. Inzwischen hat der Spitzenreiter seine dritten Runde heruntergespult und weist — Pietsch befindet sich noch immer auf dem zweiten Platz — auf den ersten ERA-Fahrer Wakefield bereits einen Vorsprung von 20 Sekunden auf. Das Feld ist schon hübsch auf die ganze Strecke verstreut und während die vorderen vier Positionen weiterhin gleich bleiben, ist Ghersi auf Kosten von Wilson und Castelbarco vom 7. auf den ß. Rang vorgerückt. Nachdem Villoresi zum viertenmal seine Aufwartung gemacht und die englische Konkurrenz noch mehr distanziert hat, beendet « Bira > nicht nur «rst seine zweite Runde, londei» fötemec auch das Rennen als solches, indem sein ERA, nicht mehr zu neuem Leben zu erwecken ist. Zwar macht er sich nochmals auf den Weg, schleicht mühsam gegen die Betlehem-Kurve, um dann endgültig schachmatt zu sein. Der erste der beiden Favoriten ausgeschieden! Ein besseres Schicksal wird auch dem zweiten nicht beschieden sein, dem Maserati-Piloten Villoresi, der, obwohl ei- praktisch vom Start weg, nachdem Bira ins Hintertreffen geriet, keine Konkurrenz mehr zu fürchten hatte, ein ungestümes Tempo vorlegt und dabei Miene macht, als würden mindestens ein halbes Dutzend gefährlicher Gegner hinter ihm herjagen. Klassement nach der 5. Runde : L Villoresi L. (Maserati) 15:57,7 2. Pietsch (Maserati) 16:05,5 3. Wakefield (E.R.A.) 16:28,3 •i. Berg (Maserati) 16:55,9 6. Ghersi (Maserati) 17:58,7 Inzwischen ballen sich -wieder schwere Wolken über dem Schauplatz des Kampfes. Ueber kurz oder lang wird das Unwetter erneut losbrechen. Es ist unglaublich, aher wahr: Villoresig Abstand auf Wakefield beträgt nach der 6. Runde 32 Sekunden und noch scheint der Italiener nicht die geringste Lust zu spüren, die ungerechtfertigt hohe Geschwindigkeit herabzumindern. Die Folgen dieser unklugen Taktik, die Auswirkungen solch absolut unnötigen Forcierens lassen denn auch nicht lange auf sich warten. In der 7. Runde, also genau nach Halbzeit, fährt Villoresi an die Boxen und sein Maserati ist tot und erschossen! Schluss, aus! Vom rein sportlichen 7 8 ff W II 12 13 14- /S 7S 17 13 79 2ff 27 54- 22 12 w 38 \& Graphische Darstellung des Rennverlaufes im Finale des c Preis von Bern ». Standpunkt aus ist der Ausfall ausserordentlich zu bedauern, werden doch nun die E.R.A. im Endlauf ohne ihren gefährlichsten Konkurrenten antreten. Nach dem Ausscheiden Villoresis ist Pietsch automatisch am Leaderbord erschienen. Inzwischen hat wieder wolkenbruchartiger Regen eingesetzt, und die vorüberhuschenden Wagen ziehen lange Wasserfahnen nach sich. An Castelbarcos Maserati bemerkt man Aussetzer, er wird immer langsamer, verliert in jeder Runde, einen Platz. Der Bindfadenregen hat zwangsläufig eine Verminderung des Renntempos zur Folge, Regentropfen ... die auf den Sturzhelm klopfen... Berg und andere fahren zur Boxe, um die Brille zu holen, kann man sich doch vorstellen, welch ein Vergnügen es sein muss, bei diesem Hundewetter rundumzujagen. In der 10 Runde vermisst man Berg, der gemäss Meldung des Lautsprechers CTAkirtADn.UlKJCDAI ACI DDAnill/TC A CL * rcronkiftcr 1 Q unterwegs das Brennstoffreservoir verloren hat (ja, einfach verloren!), Wakefield wird mit grosser Verspätung notiert und schliesslich schnappt Ghersi dem Engländer sogar noch den 4. Platz weg. Der zwölf Jahre alte Talbot des Gigi Plate und der alle Jahre wiederkehrende M. G. des Holländers Herkuleyns drehen regelmässig ihre Runden und landen, der eine vor Bircher im 5., der andere als Schlusslicht im 7 Rang. In der letzten Runde, da. der schneidig und taktisch klug fahrende Pietsch als Sieger über die Ziellinie braust, bleibt Castelbarco zu allem Ueberfluss aus unbekannten Gründen stecken und erscheint zu guter Letzt mit Berg auf dem Heck seines Wagens, ohne selbstverständlich klassiert werden zu können, während Wakefield im Endspurt Ghersi passiert und somit hinter seinem Markenkollegen Wilson den dritten Platz belegt. 14 Runden (= 101,920 km) : 1. Pietsch (Maserati) 48:56,6 (124,944 km/St. 2. Wilson (E.R.A.) 52:17,8 3. Wakefield (.E.R.A.) 49:35,4 13 Runden 4. Ghersi (Maserati) 49:40,7 13 > 5. Plate Gigi (Talbot) 51:51,4 13 » 6. Bircher (Bugatti) 50:47,2 12 Runden 7. Herkuleyns (M.G.) 51:33,8 11 » Schnellste Runde: ViDoresi (Maserati) in 3:05,5 = 141,206 km/St. Der zweite Vorlauf: Wie erwartet Mays auf E.R.A. Zum zweiten Vorlauf, der von Regengüssen ebensowenig verschont bleibt wie der erste, nehmen die Fahrer nach Massgabe der Trainingsresultate wie folgt Aufstellung: Hug Maserati Bianco Maserati Rot E.R.A. RESULTATE Lord Howe E.R.A. de Teffe Maserati Hanson Maserati Mays E.R.A. Teagno Maserati Plate Enrico Pollock Maserati E.R.A. Uboldi Maserati Von den 11 Konkurrenten, die eich dafür qualifiziert, sind alle zur Stelle. LeichteT Regen rieselt nieder, wie der Rennleiter die Startflagge senkt. Unverzüglich sucht der Engländer Maye da« Weite, gefolgt vom Schweizer Hug, Lord Howe und Bianco. Dass Mays nach .seinem fulminanten Start als Erster aus der Anfangsrunde zurückkommt, ist soweit ganz normal, aber hinter ihm liegt nicht etwa Hug. wie man erwartet hatte, sondern der zweite Fabrikfahrer von E.R.A., Lord Howe, Hug braust als Dritter vorüber und hinter ihm passieren, echon jetzt in aufgelöster Marschordnung, Bianco, Teagno, Rolt, de Teffe, Hanson, Pollock, Uboldi und Enrico Plate. Schon jetzt riecht es nach einem englischen Sieg, denn bereits in der zweiten Runde hat Hug weitern Boden auf die beiden Spitzenredter verloren. Wir chronometrierten seinen Rückstand auf Lord Howe schon jetzt mit 17 Sekunden. Hinter Bianco, der sich in vierter Position behauptet, haben Rolt und de Teffe ihre Plätze gewechselt, während Teagno um zwei Ränge abgestiegen und Pollock umgekehrt an Hanson vorbeigegangen ist. Aber Rolt wühlt unverdrossen weiter, verdrängt in der dritten Runde Bianco von seinem Platz und Si»o»t im Fortsetzung siehe Seite 4. Ausland Grosser Bergpreis von Deutschland In zwei Teilen. Bei einer Besichtigung der Grossglockner-Strasse durch Korpsführer Hühnlein hat sich herausgestellt, dass verschiedene in Aussicht gestellte Strassenverbesserungen besonders in den Bergabkurven auf der Strecke Fuscher Törl - Guttal, sowie notwendige Sicherheitsvorkehrungen für das Durchfahren des Tunnels im Renntempo nicht so rechtzeitig fertiggestellt werden können, dass die Grossglookner-Strasse in allen Teilen den an sie zu stellenden Anforderungen für die Durchführung des Rennens genügt. Aus Sicherheitsgründen wird daher der grosse Bergpreis von Deutschland am 28. August in zwei Abschnitten unter NeufraTisierung der Bergabstrecke Fuscher Törl - Guttal gefahren. Es werden also die beiden Abschnitte Ferleiten - Fuscher Törl und Guttal - Franz-Josefs-Haus gewertet. Captain Eystons Rekordversuch missglückt. Der Versuch des bekannten englischen Rennfahrers Capt. G. Eyston, mit seinem auf acht Rädern laufenden, rund sechs Tonnen schweren Ueberrennwagen «Blitzstrahl» den von ihm selbst mit 501,075 km/Std. aufgestellten absoluten Geschwindigkeits-Weltrekord der Automobile im schlagen, ist vorerst misslungen. In der Salzwüste bei Bonneville, im Staate Utah, erreichte Capt. Eyston eine mittlere Geschwindigkeit von rund 445 km/Std. Dabei gab es noch einen aufregenden Zwischenfall, denn der Bremsbelag geriet in Brand, und dichte Rauchwolken umhüllten das noch mit hoher Geschwindigkeit dahinschiessende Fahrzeug. Der Fahrer verlor jedoch keinen Augenblick die Geistesgegenwart, er brachte den Wagen zum Stehen und erklärte sogleich, dass er in der nächsten Woche zu einem neuen Rekordversuch starten werde, nachdem er an der Bremskonstruktion und an der Kühlung des Fahrersitzes einige kleine Aenderungen vorgenommen hat. Die neuen ERA's werden erprobt. Wie die englische Fachpresse berichtet, hat der erste Formel-Rennwagen der English Racing Automobiles Ltd. die Konstruktionswerkstätten kürzlich verlassen. Er drehte auf der Donington- Rundstrecke einige Proberunden, über deren Ereebnis jedoch keine Einzelheiten bekannt gegeben I «orden sind,