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E_1938_Zeitung_Nr.063

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BERN, Freitag, 5. August 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 63 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PREISE» Alugabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Wann endlich wird gegen die Anpöbelung ausländischer Automobilisten in der Schweiz eingeschritten? Die Sektion Zürich des ACS benützt seit Jahren ihr© Auslandsfahrten dazu, die besuchten ausländischen Automobil-Clubs zu Gegenbesuchen zu veranlassen. So kam kürzlich der Reale Automobile Club d'Italia, Sektion Reggio Emilia, auf einer längeren Tourenfahrt durch die Schweiz, und es ist nun auch gelungen, zwei grosse Gaue des DDAC (Der Deutsche Automobil-Club, welcher heute rund 150,000 Mitglieder zählt) zu einer sieben- resp. viertägigen Schweizerfahrt zu veranlassen. Leider muss man nun feststellen, dass unangenehme Erfahrungen, die deutsche Automobilisten in den letzten Wochen in der Schweiz gemacht haben, dazu geführt haben, dass Anmeldungen von Teilnehmern für die. genannten Club - Schweizerfahrten wieder rückgängig gemacht wurden. Dem DDAC schreibt z. B. ein Studienrat aus dem direkt an die Schweiz angrenzenden Gebiet: « Ich habe mich vor einiger Zeit zu der Schweizerfahrt im August angemeldet. Nun habe ich Sonntag, den 26. Juli, mit meiner Familie eine Autofahrt nach Glarus und Linthal gemacht. Dabei habe ich unterwegs allerlei Anpöbelungen von Seiten Jugendlicher erfahren müssen (Sauschwob! — Anspuckten des Wagens während der Fahrt durch Radfahrer), so dass ich mich gezwungen sehe, meine Anmeldung zurückzuziehen. Dabei habe ich weder durch meine Fahrweise noch durch sonstiges Verhalten irgend einen Grund zu diesen Lausbubereien gegeben. Ich bringe Ihnen dies zur Kenntnis, da ich auch von hiesigen Bekannten ähnliche Vorkommnisse gehört habe. » Dieses Schreiben sagt genug. Man komme nicht mit der Ausrede, es handle sich nur um Einzelfälle, die nicht verallgemeinert werden dürfen. Die Praxis spricht für das Gegenteil, ja die Fälle mehren sich wieder, wo nicht nur der deutsche Fahrer, sondern auch andere Auslandsautotouristen und selbst Schweizerfahrer mit allen möglichen lieben Titeln bedacht werden. Ein vom Ausland zurückkehrender Schweizerfahrer hat kürzlich ostentativ erklärt, dass er sofort darüber im Bilde war, wann er sich wieder in der Schweiz befand; die gehässigen Zurufe hätten ihn darüber einwandfrei aufgeklärt. Auch der Fall des amerikanischen Generalkonsuls in München, der wegen seiner deutschen Kontrollnummer am Wagen in der Ostschweiz öffentlich beschimpft worden ist, Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gdbe IJste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 uss esioweaf kommen! Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 8. Fortsetzung. « Sie wissen ganz gut, Melinda, dass Sie ein Häubchen tragen und Briefe auf einem Tablett bringen sollen, und auch, dass Sie • mich Madame anzusprechen haben », sagte ich, aber unglückseligerweise erschien in diesem Augenblick Alberta, und wann immer diese beiden einander trafen, begannen sie zu kichern. Nicht etwa spöttisch, nein, soweit ich es beurteilen konnte, aus reiner Lebensfreude. Und selbstverständlich wollte Alberta ebenfalls für fünf Minuten verschwinden, um die Musikkapelle auf der Promenade zu hören. «Ich hasse Häubchen», sagte Melinda widerspenstig, «ich bekomme Kopfschmerzen davon. > « Und ich sehe verboten darin aus », bemerkte Alberta. «Und warum sollen wir Häubchen tragen, wenn die Weber auch keine trägt 2 > spricht Bände. Es sind dies Zeichen einer Flegelhaftigkeit und eines « Heldentumes », die man sonst in Europa nirgends mehr findet. Von Seiten der Hotellerie mehren sich die Klagen über den steten Rückgang in der Einreise deutscher Gäste zusehends, wobei man es sich oft so leicht macht, diese bedauerliche Tatsache einfach auf die Devisenschwierigkeiten zurückzuführen. Wer sich aber näher in Deutschland umsieht, wird rasch feststellen können, dass auch die unfreundliche Aufnahme, welche die deutschen Touristen nicht so selten in der Schweiz finden, in starkem Masse hiebei mitbestimmend sind. Und man wird diesen Leuten ihr Tun auch nicht verargen. Denn wer in derart unqualifizierbarer Weise mit Schimpfwörtern bedacht und angespuckt worden ist, hat sicher kein Verlangen, wieder nach einem solchen Land zurückzukehren, zumal in der Ostmark, den Dolomiten und Jugoslawien sehr konkurrenzfähige Touristikgebiete zur Verfügung stehen. Es ist höchste Zeit, dass nun von behördlicher Seite aus diese Lausbubereien gründlich abgestellt werden, wenn die Schweiz autotouristisch nicht in schlimmsten Verruf kommen soll und will. Die eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Polizeibehörden müssen rasch zusammenstehen und radikal durchgreifen. Auch an alle am Fremdenverkehr interessierten Stellen und Verbände: Schweiz. Verkehrszentrale, Schweiz. Fremdenverkehrsverband, Schweiz. Hotelierverein, Verkehrsvereine, Automobilistenverbände etc. muss ein analoger Ruf ergehen. Einsetzen muss man aber vor allem bei der Jugend, die von den Lehrkräften in erster Linie wieder mehr zu Anstand, Achtung dem Gaste und Mitmenschen gegenüber und zu korrektem Benehmen auf der Strasse erzogen werden muss. Es wäre unverantwortlich, irgend etwas von diesem nachweisbar vorhandenen Uebelstand verschweigen zu wollen. Die Dinge Hand aufs Herz — wie steht s bei Ihnen, Verehrtester? Sie könnten doch auch mal Ihre Frau fahren lassen! « Weil es eben so Sitte ist; Fräulein Weber ist nicht meine Angestellte, sondern die Fräulein Ramshams.» « Ach, ihr Vater hat nur eine einzige Kuh im Stall stehen >, sagte Melinda wegwerfend, und dann begann sie zu schmeicheln. « Ja, können wir gehen ?... Wir haben doch unsere ganze Arbeit getan. » Das war richtig. Von halb sieben früh bis abends hatten diese Kinder geschuftet, und jetzt, an diesem köstlichen Sommerabend, hatten sie das Verlangen, eine Stunde am Meer bei Musik, bei den im Hafen von Penlew von Mondschein umflossenen Booten zu verbringen. Zweifellos würden sie dort Freunde treffen, Freunde, die ihnen berauschende Dinge erzählten, und die Staffage würde das ihre tun. Welch eine glückliche Stunde würden sie haben! Ich hatte nicht das Herz, sie ihnen zu verweigern, und als ich in den Salon zurückkam, wo meine fünf erwachsenen Töchter die Bridgetische zurechtmachten, taten die Mädchen mir unendlich leid. « Es ist ebenso leicht, Hauspersonal gut zu erziehen, wie es wild herumlaufen zu lassen >, sagte Tante Betty gerade in ihrer selbstherrlichen Art. < Wenn Melinda einen Monat bei mir wäre, würdet äir sie nicht wiedererkennen. > Keiner von uns konnte ihr sagen, dass Melinda nicht eine Stunde bei ihr aushalten würde. «Albertas Vater hat dreissig Kühe im Stall stehen», piepste Sally, die schon längst zu Bette hätte sein sollen und eben dabei war, mit allen möglichen Verzögerungen Gute Nacht zu sagen. «Ich habe genug davon, immer von diesen dreissig Kühen zu hören», sagte Tante Betty, sich erhebend. « Ich kann nicht einsehen, dass Kühe eine Entschuldigung für Flüchtigkeit und Zuchtlosigkeit sind. Gute Nacht, Sally, ich habe dir schon einmal einen Kuss gegeben. Nicholas, du und ich werden mit Elisabeth und Nancy spielen, aber überreizt mich nicht wie gewöhnlich. > Während Nicholas teilte, fragte er Nancy nach ihrem Patienten. «Er ist nicht mein Patient», sagte sie lachend, « als ich hinkam, fand ich Dr. Little dort. » « War es dir nicht doch unangenehm ? > fragte ich. «Und wenn, dann hat Nancy es sich selbst zuzuschreiben >, sagte Tante Betty. INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratensohlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer: Wer sind Rolls-Royce? Vor neuen englischen Rekordversuchen. Bei welcher Geschwindigkeit beginnt der Wagen in den Kurven zu schleudern? Um die Absage des Vortrags von Oberst Ruf. Beilage: liegen nun mal tatsächlich so; zu diskutieren gibt nur, wie man rasch für wirksame Abhilfe sorgen kann. Dabei geht auch an alle objektiv und anständig denkenden Schweizer die dringende Aufforderung, auf der Strasse selbst mitzuhelfen und solche Lausbuben und Krakehler, die sich gegenüber ausländischen Automobilisten unanständig benehmen, zurechtzuweisen und der Polizei zur Bestrafung zuzuführen. Und zwar gilt dies auch für Jugendliche! Die Schweiz war bis anhin stolz auf die anständige und ehrbare Gesinnung ihrer Bevölkerung. Soll sie nun derart schmählich in Verruf kommen? V Witt dcc !Bund das Jxinzdteii ivaaett? In seiner Antwort auf das Postulat des schaffhauserischen Ständeherrn und Litrapräsidenten Käser, das, wie erinnerlich, eine ausreichende Vermehrung der militärtauglichen Lastwagen einheimischen Fabrikats — allerdings «unter Wahrung volkswirtschaftlicher Grundlagen und berechtigter Interessen der Eisenbahn » — anregte, skizzierte der Chef des eidg. Militärdepartements die verschiedenen Möglichkeiten, die als Wege zur Erreichung dieses Zieles in Betracht fallen könnten. Dabei nahm er auch den Faden jenes Gedankens wieder auf, der es ihm offenbar ganz besonders angetan hat: das Recht zur Erhebung der Verkehrssteuern als Domäne des Bundes zu proklamieren und die Kantone dafür entsprechend zu entschädigen, was allerdings eine Änderung der Verfassung voraussetzen würde. Ob jedoch die Kantone einen solchen Einbruch in ihre Steuerhoheit sang- und klanglos schlucken würden, steht auf einem « Sie hätte die Sache auf sich beruhen lasseh sollen.» «Das hat Dr. Little getan «, rief Nancy. «Er sagte, der Arm ist ausgezeichnet eingerenkt. » « Wirklich ! » schrie Nicholas, ausser sich vor freudiger Aufregung, denn Dr. Little war der beste Chirurg in Porthlew. «Herr Hardacre will morgen zu uns kommen. Wir haben Herrn King noch ein paar Tage Ruhe verordnet, und durchleuchtet muss er auch noch werden », setzte Nancy hinzu. « Du wirst ihn also mit Dr. Little gemeinsam behandeln ? » fragte Tante Betty. «Ich behandle ihn überhaupt nicht», sagte Nancy. «Ich habe seihe Behandlung aufgegeben. » Achtes Kapitel. Obwohl noch keines von den Mädchen verheiratet ist, waren wir doch gewohnt, dass in unserm Hause junge Männer einund ausgingen, die sie verehrten. Manchmal dachte ich, dass ihnen die Wahl unter so vielen Schwestern schwer falle, und dass Martha, wenn ich Jane und Hester fortschicken könnte, bessere Chancen hätte. Nancy dachte nur an ihren Beruf, und Gelia