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E_1938_Zeitung_Nr.063

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8 AUTOMOBIL-REVUE

8 AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, S. AUGUST 193S -» N° 63 „Ein Kind könnte es einfallen , . .«* Keine Oelspritzer, keine öligen Hände mehr mir der handlichen, gelben 1-Literdose! Vorsorgliche Fahrer verstauen "BP" long l'rfe Motor Oil in dieser praktischen Packung vor jeder grösseren Tour als Reserve in ihren Wagen. Wegen Aufgabe des Detailgeschäftes billig zu verkaufen: passend für: FORD V8, Pleuellager, -©• 50,6, 50,5, 49,8 mm. TRAKTOR BOHRER (Ford 1930), Hauptlager •©• 50 mm. BERNA-DEUTZ-DIESEL, 1930, Pleuel- und Hauptlager -0" 74 mm. BÜSSING-DIESEL, 6—110 Pleuellager •& 69,8 mm Hauptlager -©" 79 mm SAURER, A-D Pleuellager -©• 51,9 mm A-E » er 54 mm B-H » & 49,9 mm B-L > •& 54,9 mm SAURER, CRD., kl. Diesel, 105/130. BERNA, Pleuellager -©• 65 mm Hauptlager J& 80 mm Gesucht gut eingeführte Autoreparaturwerkstätten als zu günstigen Bedingungen. Offerten unter Chiffre 16470 an die Automobil-Revue, Bern. 9 PS, Mod. 1933, geräumiger Wagen, mit Separation, Hl Fr. IM».-. — Offerten unt. Chiffre Z 6810 an die Automobil-Revue, Bureau Zürich. neueres Mod., Chassis od. karossiert. Aussergewöhniich günstige Bedingungen. Ev. Zahlungserleichterungen. — Offert unt Chiffre 6835 an die (63,64 u, Automobil-Revue. Bern. Ankaut von alten und verunfallten Personen- und Lastwagen QrSsstes Occasionsersatztei Ilager von Ober 200 verschied. Marken M OTO R E N, AC H S E IM etc. Ständiges Lager von guten Personen- und Lastwagen Chassis Camion, Modell 1933, sehr sohönes Fourgonnette, in tadellos. Zustand, Tragfähigk. 800 kg, Kasten 170X140X120, Fr. 1275.—. Photo. (63 R, Schärlig, Prutigenstrases 34, Thun. .6851 Dreiseiten- Kippwagen, 61 m. Holzgas-Generatoranlage, alles in einwandfrei betriebsfähigem Zustand, zu sehr vorteilhaftem Preis Lieferung ev. sofort. Anfragen erbet, unter Chiff. Z 6225 an d. Automobil-Revue, Bur. Zürich. (63,65 17M»Mö Metalrose-Lager Depositäre Zu verkaufen Original-6/7-Plätzer CITROEN SWAN Zu verkaufen neuer FORD-LASTWÄtJEN Auto - Abbruch V.TOGNAZZO, ZÜRICH-HÖNGG Am dessen 49 Tel. 67.299 FIAT 614 8CV F.B.W. zu verkaufen Zu verkaufen weg. Um- Stellung des Geschäftes ein Lastwagen BERNA Günstige Gelegenheit 5-7-PI. Occasionswagen FIAT-OLDSMOBILE-NASH FORD - PLYMOUTH Bequeme Zahlungskonditionen Badenerstrasse 627 Telephon 70.777 hellgrau, Lederpolster, Modell 34/35, 45 000 km gefahren. Preis Fr. 3200.-, Offert, an Postfach 14, Grenchen. (62,63 Aus Auftrag zu verkaufen Original- Lieferungswagen 800 kg, 9 HP, Fr. 900.—. Zu besichtigen bei Garage Wyder, Sursee, OPEL, mit Spezialkarosserie, gut erhalten, erst 18 000 km gefahren, Nutzlast 400 kg, ist günstig abzugeben. — Nähere Auskunft u. Besichtigung bei Standard Telephon & Radio A.-G., Seestr. 395, Zürich. 75536 1*4 T., 4 Zyl„ 18,7 PS, Jahrg. 1929, Brückenmaße 3,5X2 m, vorne einfach, hinten doppelt bereift, Scheibenräder, ganzer Wagen kompl. durchrevid., in allerbestem Zustande, Fr. 3950.—. Besichtigung u. Vorführung sowie weitere Auskunft bei RITZI & WAGNER, Central-Garage, St. Gallen. Teleph. 25.525. Sehr vorteilhaft abzugeben: _ . _ _ . ruRD- Lastwagen G.5, auf Niederrahmen- ^5, T i n . n !!!' mi . t " eu^S 1 Chassis, kombinierbar m. Motorblock, 17 PS, einem Möbelkasten, 5,90! S r ° sse Brücke und gern lang und 1 m Vorbau,! schlossene Kabine, m 2,20 m breit, 2,40 m hoch, garantiert . ta .4 elI , osem 1 Ladebrücke, 4,50 m Ig., Zustd durch die Ford- 2 m breit, 1 30-PI.-Karos- Garantie R & G. Sich Serie. Der Wagen ist gut zu wenden an AC1L erhalten und kann alle S. A., Lausanne. Ver- Tage im Betrieb besichtigt treter für die Schweiz der werden. — Verkaufspreis Firezone-Oele, Fr. 7000.— gegen Kassa. ._______^__«_ Offerten unter Chiffre 6834 an die (63,64 nftmCinil I Automobil-Revue, Bern. Ul#l#A9lUN l Dtf Zu verkaufen "*C IW* Zu verkaufen "

BERN, Freitag, 5. August 1938 Automobil-Revue - II. Blatt Nr. 63 Ein Veteran des Automobils erzählt: Herr Schlotterbeck axäU in In seinem grossen, kühlen und sehr wohnlichen Arbeitsraum sitze ich Herrn Schlotterbeck senior gegenüber. Nur die Platte seines gemütlichen Schreibtisches trennt uns. Draussen glastet sommerliche Hitze, aber hier lässt sich's so angenehm plaudern, dass die Zeit verrinnt, ohne dass wir's bemerken. Ich habe kurze Minuten gewartet und nun entschuldigt er sich bei mir, indem er sich die Hände wäscht: «Ich habe noch rasch ein neues Modell ausprobiert!» «Also immer mitten drin?» Mit elastischen Schritten eilte er auf mich zu, mich freundlich zu begrüssen: «Na — nicht mehr so ganz wie man möchte. Wenn man nächstes Jahr siebzig wird... Sie verstehen ?» * Die kräftige, untersetzte Gestalt; sein frisches, gesundes Aussehen — man glaubt es ihm schwer. Rasch kommt er nun zur Sache und fragt mich rund heraus, was ich gern von ihm wissen möchte. Ich habe mir da eine sehr schöne Frage ausgedacht: «Wie sind Sie zum Automobil gekommen?» Ich habe, wie ich bald merken darf, damit ins Schwarze getroffen, denn von hier ab brauche ich kaum mehr eine Zwischenfrage zu stellen. Der Born der Erinnerung ist auf Anhieb angezapft und sprudelt nun weit über eine Stunde lang munter fort. Und was hat Herr Schlotterbeck, heute ein Senior des Automobilismus, nicht alles zu erzählen) Während er aus der Zeit vor der Jahrhundertwende berichtet, schweift mein Blick oft und oft durch die tiefen Fenster hinaus auf die belebte Strasse beim Viadukt und wandert hinunter auf den Tankstellenvorplatz des immensen Garagebaues, der heute die Basler Zentrale des Grossunternehmens Schlotterbeck darstellt. Zuerst das Zweirad ... «Als ich noch Angestellter beim Karossier Reinbold, heute Reinbold & Christe, war, da fuhr ich bereits ein Zweirad, in der heutigen Form, während viele meiner Freunde noch dem Hochrad den Vorzug gaben. Damals, 1894, fanden wir uns im Cycliste-Club zusammen Und veranstalteten auf den Strassen und Wegen in den Langen Erlen, jenem Gehölz, das sich gegen Riehen hin zieht, aufregende Velorennen untereinander und bauten dann wenig später auf der Schützenmatte eine richtige Rennbahn mit ausgebauten Holzkurven! Bald kannte man mich und die Kinder zeigten auf mich, sportbegeisterte Jugend schon damals: «Dort fährt der Schlotterbeck!» Jetzt, wie ich mir mein Gegenüber so als Radsportler vorzustellen suche, sehe ich doch, dass die Zeit nie stillgestanden ist. Dann das Motorrad ,uort fährt der Schlotterbeck" — Im Jahre 1900 verkaufte ich vier Wagen Wenn die Schweiz ihre Chance erkannt hätte... «Bald wurde indessen aus dem Zweirad ein erstes Motorrad. Eine Hildebrand & Wolfmüller - Maschine mit Glührohrzündung. Und was habe ich jenem Vehikel nicht alles zugemutet. Fuhr ich doch da einmal bis nach Strassburg hinunter, 125 km, und zurück, und den ganzen Weg zog ich an einer Schnur einen Freund auf seinem Fahrrad hinter mir herl Wie die Strassen damals waren, von der Maschine nicht zu reden, immerhin ein gehöriges Unternehmen!» Seine Augen leuchteten, und er freut sich noch heute dran. «Ein Benzwagen war der nächste Schritt. Mit einer Bürgschaft des Vaters konnte ich dann 1899 von Badertscher in Zürich die Basler Filiale des Velogeschäftes in der Freien Strasse übernehmen und dank meinem sportlichen Bekanntsein brachte man mir Zutrauen entgegen, so dass ich schon damals hie und da ein Peugeot-Automobil verkaufen konnte. Das war eben damals eine ganze Geschichte. Viel Korrespondenz und Kataloge, und schliesslich ein Abschluss. Das bedeutete jeweils eine Reise in die Fabrik. Abholen des Wagens, ein Vierteljahr Animier- und Vor-, führungsfahrten — und wehe, wenn da einmal Wmw mmm etwas schief ging — und dann noch ein Vierteljahr Fahrten, um den neuen Besitzer in die Geheimnisse der Fahrkunst einzuweihen, was zu jener Zeit natürlich auch eine gründliche Kenntnis der Maschine in sich schloss. Jedenfalls waren die 10% Provision — so ein Auto kostete damals vielleicht 8000 Fr. — reichlich verdient! Ich sehe mich noch heute mit Burckhardt-Köchlin in den Kurven des Beatenberg herumsägen, bis ich das Steuer übernahm und die Kiste mit Heckmotor, Kettenantrieb, Glührohrzündung und liegendem Motor stolz zur Höhe führte. Auch Alexander Clavel, einer meiner ersten Kunden, kaufte sich bei mir ein schönes Peugeot-Phaeton. 1900 verkaufte ich vier Wagen, dann zehn und später immer mehr und mehr. den — zahlreich waren sie nicht — und verkaufte vier dieser neuen Fahrzeuge auf einen Schlag. 1902 kamen dann die Martini-Wagen auf. Die Leute bauten ein wirklich fabelhaftes Auto, Aber sie wussten's nicht. Zu einer Zeit, da man in Amerika erst bescheiden von unbedeutenden, einzylindrigen Oldsmobile- und Studebaker-Modellen sprach, hatte ich bereits eine Art Weltvertrieb der Martini, jedenfalls den Alleinverkauf in Europa, und ich lieferte überall hin. Allzu lang dauerte die Herrlichkeit zwar nicht. Spater verkaufte ich den ebenfalls schweizerischen SAG der Societe Anonyme Genevoise, der ausgezeichnet war „und. aus dem sich dann der Pic-Pic herausentwickelte. Was ist heute noch übrig vom C. Schlotterbeck senior (Basel) mit seinem Sohn Max (Max leitet heute die Filiale Zürich). Dann tauchte Louis Renault auf, der als Erster einen modernen Wagen — zuerst in einem Gartenhäuschen — erbaute. Motor vorn und Cardan-Antrieb. Bald hatte ich mir die Vertretung gesichert, und ich entsinne mich, wie am Rennen Paris—Wien ein Equipe von vier Renault - Wagen durch Basel kam. De Dion-Bouton-Motoren: Stehende Zylinder, Motor vorn, Cardan, elektrische Zündung. Ich war ganz aus dem Häuschen vor Begeisterung und telephonierte auf der Stelle meinen Kunschweizerischen Personenwagenbau? Ich habe mich je und je dafür eingesetzt bei Firmen, wie Sulzer zum Beispiel, dass ein Personenwagen in der Schweiz gebaut werden sollte. Leider ohne Erfolg. Wäre das Wagnis beizeiten aufgezogen worden, so könnten wir heute sehr wohl in der Schweiz einen hochwertigen Qualitätswagen erzeugen; wir, mit unserer hervorragenden Qualitäts- und Präzisionsindustrie! Denken Sie an Rolls Royce! Wahrhaftig ein teurer Wagen; aber nichts auszusetzen, und die Leute verdienen heute noch, was sie wollen. Hätten wir auch haben können!» Automobilsport von damals ... Ich frage: « Glauben Sie, dass Sie dank Ihrer automobilsportlichen Betätigung viel verkauft haben?» «Ja. Durch viele gewonnene Bergrennen, die Coupe Monod in Montreux-Caux, die Coupe Bollinger-Elmenhorst am Albis, das Gempenrennen, wo sich später auch meine Söhne Karl und Max hervortaten, trugen natürlich dazu bei, meinen Namen bekannt zu machen. Aber es war doch hauptsächlich Arbeit. Immer bei der Spitze. Immer zuerst da sein und das Neueste bieten! Wenn ich nur an die vielen schönen und teuren Wagen denke, die ich bei den Herren von der Stickerei in St. Gallen verkaufen konnte. Die suchten sich direkt gegenseitig mit immer noch schöneren Fahrzeugen zu überbieten. Wie oft gondelte ich vor vier Uhr früh von Basel weg und war um acht Uhr mit dem Vorführwagen in St. Gallen bereit! Und die Leute standen dann in höchsteigener Person in Cherbourg und holten ihre amerikanischen Käufer mit dem eigenen Auto ab. Boten ihnen eine achttägige Schweizerreise und erst dann wurden die grossen Geschäfte in St. Gallen getätigt. Bei Aufträgen über eine oder zwei Millionen lohnte sich das wohl.» Das heutige Unternehmen Ich bohre weiter: «Und wie kam es denn zu diesem Bau? Welche Marken sind .so in grossen Zügen durch Ihre Hände gegangen?» «Also: Von der Freien Strasse zog ich zum Aeschengraben und von dort nach der Leonhardstrasse. Als ich dann noch eine Zeitlang an der Steinentorstrasse mein Geschäft hatte, folgte die Liegenschaft am Steinenring, an die Sie sich erinnern. Das war 1904. Kurz vor Kriegsausbruch riss ich dort ab und baute mir Garage, Wohnhaus und Laden. Einige Jahre nach dem Krieg wurde es dann dort immer enger und enger. Oft hatten wir noch sechs bis acht Wagen am Trottoirrand in Reparatur und immer Geschichten mit der Polizei, die diesen Zustand wenig schätzte. Deshalb kontrahierte ich dann 1927 zuerst für das 9000 m*- Areal, auf dem heute die Markthalle steht, und als mir dann die Stadt durch ein zweijähriges Garagen-Bauverbot den Platz wegzuschnappen wusste, erstand ich die anliegenden 5000 m 2 , auf denen das Gebäude steht, in dem wir uns jetzt befinden und das heute schon 3600 m 2 bedeckt.» Mit Freude zeigte er mir eine holländische und eine englische Fachzeitschrift, die seinen Riesen-Zweckbau mit Bildern ebenso eingehend als vorbildlich bespricht. «Bis 1914 hatte ich die Vertretung der Renault inne und dazu einmal noch drei Jahre die Mercedes von 1910 bis 1912. Mit Peugeot hatte es angefangen und dann war da also noch SAG, später Pic-Pic. Bald nach dem Krieg folgte Fiat. Vom Modell 502 hatte ich an die 250 Stück verkauft, ohne den Wagen gesehen zu haben, und was musste ich nach Turin fahren, mit meiner Tochter als Dolmetscherin, um den Leuten die Wagen Stü^k für Stück zu entreissen. Man kam nicht nach mit Liefern. Der Wagen war prima, und tatsächlich trifft man ihn heute noch da und dort. 1920 folgte dann Dodge. Darauf Cadillac und Buick, die ja heute durch die Agence Americaine General Motors vertrieben werden. Den Anfang hatte ich gemacht. 1922 übernahm ich sodann Essex und Hudson, deren Verkauf sich prächtig entwickelt hat. Und dann sind ja auch noch Wanderer und Horch hinzugetreten.» So haben wir uns gemütlich bis in die heutige Zeit emporgeplaudert und ich gewann den ehrlichen Eindruck, dass auch er es ein wenig bedauerte, als die Stunde schlug, die mich abrief. Stundenlang hätten wir noch interessante und amüsante Dinge auskramen können. Sie sind nicht mehr zahlreich, die den Automobilismus von Anfang an miterlebten — und dazu noch aktiv, mitten drin von damals bis heute. Jedenfalls drückte ich mit bedeutend mehr Ehrfurcht, wie sonst, auf meinen Anlasserknopf, als ich mich auf den Heimweg machte! rbc.