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E_1938_Zeitung_Nr.064

E_1938_Zeitung_Nr.064

BERN, Dienstag, 9. August 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 64 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 RJu Grössere Inserate nach Spezialtaril lnseratensehlnss 4 Tage TOT Erscheinen der Xnmmer aj Verkehr als Mörder" Unter diesem sensationslüsternen, um nicht zu sagen blutrünstigen Titel erschien unlängst in einigen Schweizer Zeitungen ein Artikel, der offensichtlich darauf angelegt war, dem harmlosen, leichtgläubigen Leser das Gruseln vor dem menschenfressenden Scheusal Strassenverkehr beizubringen. Wäre der Schuss, womit man da einem tit. Publikum einen heilsamen Schreck in die Glieder zu jagen versucht, noch aus ehrlichen Motiven heraus abgegeben worden, er hätte bei uns ein ganz anderes Echo ausgelöst. Allein: «Strassenunfälle» sagte man, um der Greuelnachricht einen unverfänglichen Anstrich zu geben — und das Motorfahrzeug meinte man. Ihm sollte diese Anprangerung in erster Linie gelten. Aus welcher Küche das famose Presseerzeugnis stammt? Der Verfasser verbirgt sich mutig und tapfer hinter dem Mantel der Anonymität, aber der Geist, den das Elaborat atmet, die Verschleierungstaktik, worin es sich gefällt und die ganze Art und Weise, wie es entscheidende Tatsachen kurzerhand unterschlägt, legen die Vermutung nahe, es könnte in den Retorten der Litra gebraut worden sein. «Die braune Liesel kenn' ich am Geläut», denn es geschähe nicht zum erstenmal, dass die «Liga für rationelle Verkehrswirtschaft» gerade dieses ihr Steckenpferd reitet. In durchaus löblicher, menschenfreundlicher Absicht natürlich — wofür ja schon die allerdings nicht näher präzisierte Forderung nach einer «umfassenden Verkehrsregelung» spricht. Was es damit auf sich hat, wurde schon früher ungeschminkt herausgesagt: Drosselung des Strassenverkehrs, namentlich des Gütertransports mit Lastwagen, lautete der selbstlose Zweck der Uebung. Nach bewährtem Litra-Muster treibt auch die Einsendung, welche heute unsere Feder in Bewegung setzt, frivolen Missbrauch mit statistischem Material. «2457 Menschen wurden in der Zeit von 1934 bis 1937 getötet, 48,275 verletzt und 81,629 Unfälle mit Personen- und Sachschaden spielten sich ab. Wer war schuld daran? — Der Verkehr!» So hebt die Anklage an. Die Zahlen stimmen. Und wenn der Artikel weiter behauptet, dass es 1935 insgesamt 19,771 Strassenunfälle gegeben habe, 1936 schon 19,891 und 1937 «sogar» 21,312, dann lässt sich auch an der Richtigkeit dieser Ziffern nicht rütteln. So unanfechtbar aber die Basis, um so skrupelloser die Töchter, ein. halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 9. Fortsetzung. Verwertung und «Ausdeutung», die ihnen zuteil wird. Was man' sich da an Vertuschungskniffen und Entstellungskünsten leistet, würde sogar einen Meister der schwarzen Magie vor Neid zum Erblassen bringen. Genau ebenso zu Recht — oder Unrecht — wie der Schreiber, der dieser perfiden Mache zu Gevatter gestanden, den Verkehr als Mörder zu brandmarken beliebt, müsste die Oeffentlichkeit beispielsweise angesichts der gerade jetzt sich häufenden Berg- und iBadeunfälle mit dem Alarmruf «Sport als Mörder» ins Bockshorn gejagt werden. Sein Wissen um die Unfallzahlen kann der Urheber dieser fragwürdigen « Aufklärung » nur aus der offiziellen Statistik geschöpft haben. Nun gut : entweder gesteht er dann, es sei ihm aus eben dieser Statistik beispielsweise bekannt gewesen, dass die Unfallkurve von ihrem Höchststand, den sie 1934 mit 20.655 Unfällen erreichte, während der beiden folgenden Jahre wieder unter die Grenze der 20.000 gesunken, dass die für 1937 ermittelte neuerliche Zunahme vor allem dem Konto des Fahrrades zu belasten und* dass die Zahl der Todesopfer des Verkehrs 1937 kleiner gewesen sei als je seit 1934 — oder er muss den Vorwurf bewusster Irreführung, der Demagogie in Reinkultur auf sich sitzen lassen. Statistisch erwiesene Tatsache ist jedenfalls, dass 1937 bei 12.480 Personenwagenunfällen insgesamt 4931, bei 8234 Fahrradunfällen aber 5953 Personen zu Schaden kamen, dass es bei jenen auf 100 Unfälle durchschnittlich 46,6 Verletzte und 1,8 Getötete traf, währenddem bei diesen die entsprechenden Ziffern auf 80,0 Verletzte und 2,7 Getötete lauten, ganz zu schweigen davon, dass selbst die amtlich© Statistik nach ihrer Anlage und ihrem Aufbau niemals in der Lage ist, ein zuverlässiges Bild der Unfallursachen zu vermitteln. Durchaus zutreffend und in richtiger Erfassung des ganzen Problemkomplexes kommentiert das Statistische Amt die Entwicklung der Unfallkurve mit den Worten, die Bewegung der Unfallzahlen verlauf© deutlich parallel zur Ihre Augen wanderten immer wieder über den Tisch, und die Gefälligkeit, die sie Tante Betty erwies, war ihr ein Opfer. Aufmerksame Beobachter sehen natürlich einiges von dem, was sich auf einem Schauplatz abspielt, wenn sie die Beteiligten so kennen wie ich meine Kinder. Aber zurzeit war mir Hardacre noch fremd, und so sympathisch er mir war, konnte ich" doch nicht wissen, was in seinem Kopf vorging. Jedenfalls gehörte er nicht zu den Männern, die ihr Herz auf der Zunge tragen, und ich konnte nicht sehen, dass er gegen eine der Schwestern herzlicher war als gegen die andere. Ueber Martha habe ich noch nicht viel gesagt. Sie ist nicht so schön wie Celiä oder so begabt wie Nancy; aber wenn irgendwo zugepackt werden muss, dann ist sie zur Stelle; sie tut alles ruhig und selbstverständlich und ist stets hilfsbereit. Sonst aber hat Martha, wie ihre anderen Schwestern auch, ihre persönlichen Wünsche und Träume. Bekümmert stellte ich es im Falle Lukas Hardacre fest, denn es wurde von Tag zu Tag klarer, dass Nancy ihn einwickelte. Dieser Ausdruck stammt von Tante Betty, die zu denken schien, dass ihre Lieblingsnichte vor einer wünschenswerten Verbindung stände; es war schwer zu sagen, warum sie für Nancy so zuversichtlich war. Ich hatte oft Zweifel. Manchmal kümmerte Hardacre sich nicht um Nancy und widmete sich nur Martha, so zum Beispiel an dem Tage, an dem wir nach den Menwinionfelsen gingen und er Hand in Hand mit Martha zur See abstieg und eine Weile mit ihr in den Felsenteich hinabsah. Die arme Nancy sass mit den andern hoch über ihnen, und ihre Augen hatten einen wütenden Ausdruck. Sie schnauzte George Vincent an, der mit uns gekommen war, und gab ihm zu verstehen, dass er nicht verstünde, seine Kinder zu erziehen, was richtig war. Aber wenn wir uns alle gegenseitig die Wahrheit sagen würden, wäre die Welt ein noch schlimmerer Aufenthaltsort, als sie es ohnehin schon ist, und das sagte ich ihr, als George beleidigt davon ging. « Ich bin durchaus nicht deiner Ansicht, Elisabeth », mengte sich Tante Betty ins Gespräch. « Meiner Meinung nach sollte jeder immer nur die Wahrheit sprechen. > « Und meiner Meinung nach sollte man oft den Mund halten», sagte ich erregt, denn Veränderung der Fahrzeugbestände. Zufälligerweise scheint diese Feststellung dem Skribenten des uns hier beschäftigenden Artikels nicht entgangen zu sein. Zufälligerweise bloss ? Mit nichten, denn das Raffinement, womit er gewisse, ihm und seinen Zwecken mJssHeblge Dinge einfach totschweigt, verrät nur allzudeutlich, dass ihm weder das Zahlenmaterial noch die Berichte dazu ein Buch mit sieben Siegeln sind. Seine Vertrautheit damit bildet geradezu die Voraussetzung für die virtuose Heimtücke, die er bei der Nutzanwendung dieser Kenntnisse an den Tag legt. Machen wir doch die Probe aufs Exempel! Ueber die Wechselbeziehungen zwischen Unfallhäufigkeit und Fahrzeugbestand ist der Einsender genau im Bild. Wie sonst könnte er schreiben, «die Statistik zeige mathematisch genau, dass mit der fortschreitenden Motorisierung und dem daraus folgenden Ansteigen des Verkehrs auch die Zahl der Unfälle zunehme? > Schon da ertappen wir ihn bei einer seiner Hinterhältigkeiten : Sollten sich die Unfälle Ueber die Beratungen des letzten Stockholmer Kongresses der AIACR, insbesondere über die Beratungen der Internationalen Touristikkommission, erfahren wir nachträglich noch folgende Einzelheiten: Die Clubs müssen Mittel und Wege suchen, damit diejenigen Automobilisten, welche im Ausland einen Unfall erleiden, die allenfalls geforderten Sicherstellungen (Kautionen) leisten und so eine Sequestrierung ihres Wagens vermeiden können. Speziell für Fahrer aus valutaschwachen Ländern oder aus solchen, die Beschränkungen in der Devisenübermittlung eingeführt haben, können sich sonst sehr unliebsame Situationen ergeben, besonders auch, wenn es sich um Schäden am eigenen Fahrzeug handelt. Es soll nun eine Lösung in der Weise gesucht werden, dass die dem internationalen Verband angeschlossenen Automobil-Clubs die bezüglichen Garantien für die Mitglieder übernehmen, in gleicher Weise wie dies auch gegenüber den ausgestellten Zolldokumenten geschieht. Auf diese Weise liesse es sich vermeiden, dass FahreY im Ausland für geraume Zeit immobilisiert werden, weil die nötige Sicherstellung fehlt. An den Stockholmer Verhandlungen wurde ein Fall zitiert, wo ein Automobilist vom Karfreitag bis Donnerstag nach Ostern wegen eines Unfalls im fremden Land zurückgehalten wurde, weil die in Betracht kommenden behördlichen und Versicherungs- Bureaux über die Feiertage geschlossen waren. drei meiner Mädels hatten Herzenskummer und Sally hatte sich die Zehe gestossen. Immerhin entspannte sich die Atmosphäre plötzlich, als Martha mit Hardacre zurückkam und sich mit SaHys Zehe beschäftigte. Nancy schlenderte die Küste entlang und pflückte Heidekraut. Hardacre war mit ihr gegangen, sass beim Tee neben ihr, nahm sie und George Vincent in seinem Wagen mit nach Hause, und nach Tisch spielten sie zusammen Bridge. Ich muss gestehen, ich wunderte mich sehr und verärgerte Tante Betty damit, dass ich sagte, er beabsichtige wohl, weder die eine noch die andere von meinen Töchtern zu heiraten. « Er wird Nancy heiraten », sagte sie in ihrer lauten, bestimmten Art, und unglückseligerweise bemerkte sie nicht, dass Martha gerade das Zimmer betrat. « Er kann nicht beide heiraten », plapperte Tante Betty weiter. « Warum schneidest du denn solche Grimassen, Elisabeth ? Du findest mich wohl undelikat? Ich werde Nancy hundert Pfund für ihre Aussteuer geben und wünschte, dass Nicholas das Geld noch hätte, das er für ihr Studium hinausgeworfen hat. Sie wird eine sehr gute Gattin werden, übrigens Martha ebenfalls, wenn es einmal so weit ist. Es wäre nicht schlecht, wenn sie George Vincent heiraten würde: sie In dieser Nummer: Zum Projekt eines Titllsdurchstiches. Lang gewinnt die Coppa Clano. Haben die U. S. A. den Tiefpunkt überschrittten? Von seltsamen Getrieben. Der Kanton Bern hat schlechte Strasssen. DIE KLEINE REVUE mit wachsender Verkehrsdichte weiter vermehren, so schiebt er die Schuld daran a priori und I ausschliesslich dem Motorfahrzeug in die I Schuhe. (Schi,,« Se» B 2 .) Autotouristische Probleme Bezüglich der internationalen Strassensignalisierung wurde der Notwendigkeit einer Vereinheitlichung das Wort geredet. Noch halten sich verschiedene Staaten keineswegs an die Genfer Konvention und verwenden oft Phantasie-Signale, die von den Automobilisten anderer Länder unmöglich verstanden werden können. Eine neue Aktion für weitestgehende Vereinheitlichung der Strassensignalisierung soll eingeleitet werden. Aus diesem Grunde wurde auch der Vorschlag des A. C. von Schweden für die Einführung eines neuen Vortrittssignals an Stelle des auf die Spitze gestellten Dreiecks abgelehnt. Die Vereinheitlichung der Verkehrsvorschriften hat durch den bereits vorgenommenen und auf den 3. Oktober 1938 noch vorzunehmenden vollständigen Uebergang Oesterreichs vom Links- zum Rechtsverkehr Fortschritte gemacht. Dabei konnte der englische Vertreter die bedeutsame Erklärung machen, dass England den Uebergang des Links-Ausweichens zum Rechtsausweichen prüfe und vielleicht vorläufig mit dieser Aenderung zu rechnen sei. Ein Vorschlag Belgiens, unter Beibehaltung des Rechtsfahrens zum Linksausweichen überzugehen, fand kein Gehör, da eine solch grundsätzliche Aenderung erneuter Zersplitterung und damit vermehrter Verkehrsunsicherheit rufen würde. Die von verschiedenen Clubs geschaffenen Grenzauskunftsstellen sollen einen weiteren Ausbau erfahren, da sie berufen sind, dem in- würde sich wenigstens um die armen, vernachlässigten Kinder kümmern.» « Bitte, Tante Betty», sagte Martha, die die Brille, die der alten Dame entfallen war, aufgehoben hatte. «Oh Gott, Kind, hast du mich erschreckt ! » schrie Tante Betty auf. «Ich habe dich gar nicht eintreten gehört.» Mir gefiel Hardacre so gut, dass ich wünschte, Tante Betty würde richtig prophezeien. Aber ich glaube nicht, dass sie die Dinge dadurch ins Rollen bringt, dass sie Andy King über die Stellung und die Aussichten seines Freundes ausfragt. Eines Tages tat sie es sogar in meiner Gegenwart, während ich las, und ein Kind hätte ihre Absichten erraten. «Es sind schwere Zeiten», sagte Andy, « wir wursteln uns gerade so durch. » «Was verstehen Sie unter .durchwursteln' ?» fragte Tante Betty. «Ich weiss nie, ob Sie im Ernst sprechen oder Witze mit mir machen. Wie alt sind Sie ? > « Siebenundzwanzig. •» « Warum heiraten Sie dann nicht ? > « Ich denke daran. » Tante Betty sah ihn mit einem ihrer eigenartig spähenden Blicke an, und dieser gerissene Junge stellte sich so, als ob er vor Verlegenheit errötete. Er unterhielt sich immer gut mit der alten Dame, und sie schien