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E_1938_Zeitung_Nr.070

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BERN, Dienstag, 30. August 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 70 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: A (ahne Versicherung) halbjlhrlieh Fr. 5—, jihrlfek P*. Ausland mit Portoziuchlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversieh.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insaasenvenicherung) Yierteljihrlieh Fr. 7.50 Eneheint J«den Dienstag und Freitag Wöchentliche Bcilace „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GMehlftsatelle Zürich« Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIO1VS.FR EIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrCssere Inserate nach Spezialtarit fnseratensebluss 4 Tage vor Erseheinen der Nnmmer So timfasst also nun die Strafe für die vom feiehter einzig zu beurteilende Gesetzesübertretung nicht mehr nur die Ahndung der in dieser konkreten Tat verwirklichten Schuld des Angeklagten, sondern auch einen Teil vorweggenommener Sühne für noch gar nicht geschehenes Unrecht, das vielleicht — ja hoffentlich! — gar nie eintreten wird. Was aber ist in diesem Fall vom Richter geübte Generalprä-eention anderes als bewusstes Unrecht gegenüber dem Tor den Schranken des Gerichtes Btehenden TJebeltäter? Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erkenntnis eines solchen Unrechts nicht nur in den davon Betroffenen, sondern in der ganzen Rechtsgemeinschaft überhaupt das Rechtsgefühl nur gefährden kann. Denn wo ich nicht mehr nur für meine eigene Schuld bestraft •werde, sondern auch für die — künftigel — Schuld anderer zugleich, hört für mich die sinnvolle Führung meines Tuns durch den Gedanken an die mir drohenden Strafen geradezu auf. Sobald es möglich ist, dass ich schon für das geringste Verhängnis, das durch unglückliche Fügungen einen Unfall zur Folge hat, in einer Weise bestraft werde, die zu keiner wirklichen Schuld in keinem Verhältnis mehr steht, kann mich nur völlige Resignation erfassen; ich werde zum Fatalisten. Und was braucht mich überhaupt eine Strafe zu scheeren, die ja gar nicht dem von mir geübten Unrecht gilt, sondern der Abschreckung anderer? Auf alle Fälle •verliert die Strafe jene Wirkung auf mich, der allein sie doch dienen sollte: mich zu bessern, indem sie mein — und nur mein — Unrecht bestraft. Kann demnach eine Generalprävention, die sich in die Urteilsmotive der Gerichte einschleicht, nur rechtszersetzend wirken, so beleuchtet sie noch auf eine andere Weise einen gefährlichen Sachverhalt. Die Absicht der Rechtsprechung, durch Verschärfung der Praxis generalpräventiv mit zur Verbesserung der Sicherheitsverhältnisse auf der Strasse beizutragen, ist nämlich nichts mehr und nicht weniger als ein Beweis für die sachliche Hilfslosigkelt gegenüber den Problemen des praktischen Verkehrslebens. Die Gerichte sehen, dass es trotz ständiger Verschärfung der Strafen nicht möglich ist, die Verletzung von Verkehrsvorschriften und die Verkehrsunfälle zu unterdrücken. Die Gründe dieser an sich gewiss bedauerlichen Erscheinung jedoch bleiben ihnen verborgen. Mitzuhelfen an der Beseitigung dieses Zustandes fühlen sie sich indessen trotzdem berufen. So gehen sie zur Schreckwirkung euf die Allgemeinheit durch ihre Strafen über und steigern sich dadurch, da der Erfolg ausbleibt, in eine immer gefährlichere Verbohrtheit in Aufgaben allgemeiner Natur hinein, die ihnen nicht obliegen. Denn sonst müsste es sich ihnen «eigen, dass nun einmal Verkehrsunfälle überhaupt nur zu einem gewiesen Teile menschlicher Schuld z uz u - echreiben sind. Was auf andere Ursachen zurückzuführen ist, kann aber offenbar nicht durch Strafen aus der Welt geschafft werden. Selbst wenn die Generalprävention menschlich durchaus aohtenswerten Beweggründen des Richters entspringt. Siehe auch Nr. 69. Generalprävention ? (Schluss)" Die vorbeugende Bekämpfung der Vergehen im allgemeinen, der Verletzung des Strassenverkehrsrechtes im besonderen und damit der Verkehrsunsteherheft, ist die Aufgabe der VerwaltnngsEehörden, der Polizei, der Erziehungsbehörden im allerweitest denkbaren Sinne, der Volkshygiene usw. Die Rechtsprechung kann nur nach der Tat ihre Missbilligung aussprechen und einzig auf diesem Wege in jenen Kampf um die Sicherheit der Strasse eingreifen. Der Mensch soll sich im Grunde auch eigentlich nicht durch die Furcht Tor der Strafe vom unrechten Tun abhalten lassen, sondern durch seine Einsicht in die sachliche Unrichtigkeit dieses Tuns und dessen Unverträglichkeit mit den Interessen der Gesamtheit, worin er — dies ist nicht zu vergessen — ja auch wieder inbegriffen ist Diese Das Schauspiel, das während der letzten Wochen die Diskussion um den Bau einer Strassenverbindung Glarus-Graubünden bot, ist nicht durchwegs erhebend und bildet kaum ein Ruhmesblatt für freitndeidgenössisches Einvernehmen. Segnes, Panixer- oder Kistenpass, das ist hier die Frage. Dass sie Gemüter im Tal der Linth und in Alt Fry Rätieo nicht gleichgültig lässt, das wäre, verkehrsund militärpolitisch betrachtet, nicht einmal ein schlechtes Symptom. Und wenn sie Federn en masse in Bewegung setzt, berufene oder auch weniger berufene, so gehört dieser Aufwand an Druckerschwärze und die Mobilisierung der Presse mit zum Bilde schweizerischer Kropfleerung. Soweit wäre nach tmsern Maßstäben und Begriffen altes in Ordnung. Aber — und das ist die weniger erhebende Seite der Angelegenheit — es offenbart sich auch hier wieder, wie schwer es manchenorts fällt, die Kantonesenhaut abzustreifen. Die Auseinandersetzung darüber, ob Segnes, Panixer oder Kistenpass bewegt sich mitunter in den Bahnen einer ausgewachsenen regionalpolitischen Guerilla, wobei man mit seinem Pulver gar nicht sparsam umgeht. Aus allen möglichen Argumenten werden Waffen geschmiedet, um seinen von lokalen oder regionalen Interessen beherrschten Standpunkt gegen Andersdenkende zu verteidigen. Im Eifer dieses heissen Bemühens, sich eine möglichst grosse Schnitte des vom Bund gestifteten Kuchens zu ergattern, bleibt der Blick für das Ganze, für jenes Moment, das letzten Endes in diesem Fragenkomplex aHein den Ausschlag gibt und geben darf: für das gesamtschweizerische Interesse, das einer Strassenverbindung Glarus-Graubünden Erkenntnis der rtwissermassen technischen Zusammenhänge, Tvie man gerade mit Bezug auf den Strassenverkehr recht wohl sagen kann — sie sollte den Fahrzeugführer vor der Ueberschreitung seiner berechtigten Interessen bewahren. Dies zu unterlassen, und gar bewusst die möglichen Nachteile und Gefahren für andere auf sich zu nehmen, dies macht seine Schuld aus und dafür soll er Strafe erleiden. Von diesen Ueberlegungen aus vermögen wir nun das Unrecht zu erfassen, das im Namen einer höheren und allgemeineren Gerechtigkeit jenem Autofahrer angetan wurde, dessen Verurteilung den Anlass zu unseren Betrachtungen gegeben hat. Von tadellosem Vorleben und ohne jegliche Busse in seiner jahrelangen Vergangenheit als Fahrzeugführer ist er ein einziges Mal vom Verhängnis ereilt worden, das aus einem Teil persönlicher Lässigkeit, aus der täglichen beruflichen Nötigung zum Genüsse alkoholischer Getränke und aus dem zufälligen gleichzeitigen Zusammentreffen dieser Faktoren mit Vorgängen, die ausserhalb der Person des Autofahrers lagen, jenen fatalen Kausalzusammenhang braute, der den Tod eines Menschen nach sich Eidgenossen unter sich Glossen zur Diskussion um die Strassenverbindung Glarus-Graubünden. fnnewohnt, häufig genug verdunkelt. Da redet man daher, als ob Mutter Helvetia, die ja schliesslich die Millionen herausrücken muss, nur .noch Ja und Amen zu sagen hätte. Indessen: keine Regel ohne Ausnahme. Es fehlt in diesem Meinungsstreit, der sich etwas allzusehr an einseitigen Wünschen und Begehrlichkeiten entfacht, nicht an ruhigen, objektiven Stimmen, welche sich über den Kirchturm hinaus erheben und die Dinge von jener höhern Warte aus beurteilen, die gerade hier allein den Boden für eine unvoreingenommene Abklärung zu liefern vermag. Zu diesen weissen Raben zählt u. a. das Aktionskomitee für eine Strassenverbindung Glarnerland- Blenio, das in seiner Eingabe an die Mitglieder der parlamentarischen Kommissionen für die Beratung der Landesverteidigungsund Arbeitsbeschaffungsvorlage den Standpunkt vertritt, es müsse in Anbetracht der allgemein schweizerischen Bedeutung der Frage und mit Rücksicht auf das daraus hervorgehende schwerwiegende Interesse der Eidgenossenschaft Sache der Bundesbehörden sein, über die beste Lösung zu entscheiden, gehört weiter jener Einsender, der in den « Glarner Nachrichten > schreibt, es scheine, dass bei gewissen, in der Presse vorgebrachten «Beweisführungen » eben doch viel weniger allgemeinschweizerische als regionale Interessen die Richtung weisen möchten. Es sei deshalb gut, wenn eine kommende Strassenverbindung Glarus-Graubünden von höchsten und das allgemeine Verkehrsinteresse vertretenden Instanzen festgelegt werde. Was sich mit unserer Auffassung völlig deckt. In dieser Nummer: Was andere erwägen. Schweiz. Zuverlässigkeitsfahrt 1938. Neue Fordpatente für Heckmotorwagen. Lecke Stellen am Wagen. zog. Bedurfte es ihm gegenüber wohl keiner generalpräventiven Abschreckung vor gleichem Tun für die Zukunft, da er doch durch jahrelanges strafloses, korrektes Verhalten im Verkehr auf vielleicht Hunderttausenden von Kilometern wahrlich genug Beweise für seine Gewissenhaftigkeit abgelegt hatte? Er wird es kaum je zu fassen vermögen, dass er nun besonders durch die Verweigerung des bedingten Straferlasses andern als warnendes Beispiel dienen soll, die vielleicht erheblich schuldhafter als er einen Unfall verursachen und dann im Vergleich zu ihm kaum schwerer bestraft werden können, weil schon seine eigene Sühne an der oberen Grenze des Strafmasses liegt, das für Verkehrs-, vergehen üblich ist. Nein, wirklich : die Generalprävention in der Hand des Richters ist ein zweischneidiges Schwert, und es wäre dringend zu wünschen, dass sich die Rechtsprechung in Verkehrsunfallsachen wieder auf ihre eigene Aufgabe besinne, die einzelne Tat zu ahnden nach der Verantwortung des Täters, die allgemeine Repression der Verkehrsgefahren aber der Gesetzgebung und den Instanzen zu überlassen, denen diese zusteht. * Landesverteidigung und Arbeitsbeschaffung in der nationalrätlichen Kommission. STRASSENPROBLEME UND ANDERE FRAGEN, WELCHE DAS AUTOMOBIL BERÜHREN. Im Verlauf der letzten Woche hat die nationalrätliche Kommission für die Vorlage über Landesverteidigung und Arbeitsbeschaffung ihr Arbeitsprogramm erledigt und den Entwurf der Regierung unter Dach gebracht. Wurden dabei die Probleme, welche das Projekt für uns Automobilisten aufwirft, auch nur gestreift, so entbehrt es doch nicht des Interesses, zu vernehmen, dass die Kommission die Wichtigkeit der Schafhing eines Ostalpenübergangs nach Graubünden anerkannt und den Wunsch geäussert habe, die Bundesbehörden möchten die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten genau untersuchen, bevor ein Entscheid getroffen werde. Offen blieb dabei allerdings die Alternative, ob die Verbindung mit dem Bünd- Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 13. Fortsetzung. « Und meine Tochter >, setzte Gilfoy hinzu. « Oh, das ist eine Familienpartie, da muss ich mit meinen Bemerkungen vorsichtig sein. Spielen wir ein Herz? > « Nein », sagte ich, c wir spielen drei, contriert. Ich habe Ihnen Contra gegeben. > « Bestimmt? > « Ganz bestimmt. > Als Herr Beale zu einer kleinen Erfri* schung bat, begaben wir uns alle ins Speisezimmer, wo die Bewirtung viel opulenter war als bei ähnlichen Anlässen in Porthlew. Frau Barbar stand neben mir, Celia plauderte in meiner nächsten Nähe mit Cressida Hendra. Mein Vetter Tim blickte mich so an, als ob er mir etwas zu sagen hätte, aber es nicht tun könne, solange Frau Barber neben mir stand. Sie hatte mir soeben erzählt, .dass sie mit Beala entfernt verwandt sei und grosse Stücke von ihm halte. « Ein so reizender, lieber Mensch und in so guten Verhältnissen. Er ist imstande, einer Frau alles zu bieten, was sie sich nur wünscht: Schmuck, Pelze, Autos, Pferd© für die Jagd; er kann sich auch bestimmt eine Yacht kaufen, wenn es ihm Spass macht >, fuhr sie fort. «Eine kolossale Chance für ein Mädchen, finden Sie nicht auch? Uebrigens gibt es so viele hübsche Mädchen wie Blaubeeren, wenigstens in London. Ach, Champagner! Bei Champagner werde ich nie nein sagen, noch dazu bei einer besonderen Gelegenheit. Ich hoffe, dass meine Annahme nicht falsch ist, wenn ich von einer besonderen Gelegenheit spreche; oder doch? Oh Gott, ich fürchte, das war «in faux pas.» Sie stürzte dem Hausherrn nach, und ich bemerkte, dass Beale sie abfallen Hess. Tim Hendra kam jetzt wieder auf mich zu und sagte leise: «Nein», sagte ich äusserst überrascht. « Sicher werden wir Nachricht bekommen, Bill wird doch an Nicholas schreiben. > «Sie kommen ganz plötzlich, weil Isabel Godolphins Vater im Sterben liegt. Hauptmann Godolphin hat es mir soeben mitgeteilt. > Celia und Cressida waren ganz in meiner Nähe, und ich konnte bemerken, dass Celia gespannt horchte; aber Tim, der mit dem Rücken gegen sie stand, ahnte es nicht. « Er sagt, dass Bill und Isabel verlobt sind, und dass sich der alte Herr darüber freut. Ich nehme an, dass es wahr ist, wenn er es erzählt >, schloss Tim. Celia sah aus, als ob ihr Herz stillstünde. Sie sprach kein Wort. Zwölftes Kapitel. Einige Tage später trat im Befinden des Vaters Isabel Godolphins eine überraschende Besserung ein; die Clevelands kamen nicht zurück und setzten ihre Reise fort. Bill schrieb später von Paris aus an Nicholas, erwähnte aber nichts von seiner 'Verlobung, und Nicholas sagte, dass er nur halb und halb daran glaube. Diese Neuigkeit stamme aus einem Briefe Frau Clevelands, die noch nie im Leben die Wahrheit gesagt habe, er könne daher nicht einsehen, warum sie gerade diesmal damit anfangen sollte. In Porthlew aber glaubte man an die Verlobung, und die meisten Leute vermieden es sorgfältig, mit mir darüber zu sprechen. Das verriet ein gewisses Taktgefühl ihrerseits, aber auch, dass man der Ansicht sei, Bill habe Celia sitzen lassen. Ich selbst sah es so, konnte also niemandem böse sein. Nach aussen hin ging unser Leben seinen gewohnten Gang; in meinem Innern aber ging ich nur darin auf, ein zu Tode verwundetes Geschöpf, das mir lieb war, angstvoll zu beobachten. Und zu allem war Herr Beale aufmerksamer denn je. Ich sagte Celia, dass sie einen Entschluss fassen und ihm den Abschied geben solle, falls sie ihn nicht heiraten will. Sie erwiderte aber, dass man eher den schwarzrot gefleckten Schmetterlingen sagen könne, sie sollten die Astern in Ruhe lassen.