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E_1938_Zeitung_Nr.072

E_1938_Zeitung_Nr.072

BERN, Dienstag, 6. September 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 72 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: An*gab* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlteh abonniert Ausgab« B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassen Versicherung) rierteljahrlleh Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS- PREIS: Die aehtcespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezlaltarü Inseratensehlnss 4 Tage »or Erseheinen der Nnmmir Neue Bemühungen nm die ..Verkehrs-Koordination" In jüngster Zeit sind in einigen westeuropäischen Ländern wieder einmal lebhafte Bemühungen um die sogenannte Verkehrskoordination bemerkbar. Wie meistens, fallen sie auch diesmal in eine Periode rückläufiger Verkehrsentwicklung bei den Eisenbahnen und enthüllen damit aufs neue ihren eigentlichen Zweck: die Entwicklung des Automobilismus zu hemmen, um die des Schienenverkehrs zu beleben. So haben auch in dem Ende vorigen Monats veröffentlichten Sammlererlass der französischen Notverordnungen neue Koordinationsbestimmungen ihren Platz gefunden. Seit Januar dieses Jahres ist der Verkehr auf den französischen Bahnen um 15—16% zurückgegangen. Durch die Rückwirkungen der 40-Stunden-Woche, in deren Gefolge 100,000 Neueinstellungen eine Mehrbelastung von 1,5 Milliarden franz. Fr. erforderten, hat sich die finanzielle Lage der Nationalen Eisenbahngesellschaft so stark verschlechtert, dass bis 1. Juli der Betrieb auf 2000 km Bahnstrecke aufgegeben werden musste. Auf Grund der jüngsten Verordnung vom 17. Juni sollen bis zum 1. Oktober 5% der Personenzüge und insgesamt 4500 Strekkenkilometer stillgelegt werden. Soweit die Pläne hierfür nicht schon fertiggestellt sind, will das Ministerium für öffentliche Arbeiten sie von sich aus autoritär festsetzen. Da die Regierung sich aber offenbar von diesen Schritten noch keine ausreichende Minderung des chronischen Eisenbahndefizits verspricht, hat sie zugleich den gewerblichen Güterkraftverkehr weiteren scharfen Beschränkungen unterworfen. Die Besteuerung, Kontingentierung und Strafmassnahmen, die bisher nur für den öffentlichen Kraftverkehr galten, sind nun auf den privaten Güterverkehr ausgedehnt und auch die Wagenverleiher in die Kontingentierung und Besteuerung einbezogen worden. Der gesamte Güterverkehr wird künftig der behördlichen Tariffestsetzung unterstellt. Aus dem Motivenbericht zum letzten Dekret geht hervor, dass der Staat die einheitliche Zusammenfassung von Bahn- und Automobiltransporteuren im Fernverkehr, also letzten Endes die Nationalisierung des Güterkraftverkehrs, anstrebt. Der Ruf nach Schaffung eines schweizerischen Strassenverkehrsamtes ist .nicht neu. Abgesehen von den eigentlichen Verkehrsfragen, die dringend eine Vereinheitlichung erheischen — man denke nur an die Lokalverkehrsverordnung, die noch immer nicht über das Stadium der Beratung hinausgelangt ist — ständen auch zahlreiche Strassenfragen zur Diskussion resp. Behandlung, weil der Kantönligeist auch auf diesem Gebiet unentwegt seine Blüten treibt. Gewiss, die Bundesbehörden verfügen über ein eidg. Oberbauinspektorat; aber diese Amtsstelle nimmt sich der eigentlichen Strassenverkehrspolitik fast überhaupt nicht an und Iässt Kantone und Gemeinden ruhig nach ihrem Willen kutschieren. Erfreulicherweise hat sich der Schweizerische Autostrassenverein teilweise mit dieser Aufgabe befasst und seine Vermittlung angeboten, wenn es galt, Differenzen im Strassenbau zwischen Kantonen und Kantonen oder Kantonen und Gemeinden zu beseitigen. Dass aber diesen Aktionen mit Hilfe eines eidg. Strassenamtes mehr .Nachdruck verschafft werden könnte als durch einen Verband, ist ebenso wahr und klar. Die Divergenzen, die sich jeweils bei solchen Strassenbauten beobachten lassen, sind der verschiedensten Art, wenn sie auch alle der selben Ursache entspringen : dass keiner der beiden Teile nachgeben will. Einen Durch entsprechende Steuerfestsetzung sollen die defizitären Betriebe des gewerblichen Kraftverkehrs auf Kosten der rentablen entlastet werden. Die Konzessionen für das gesamte Automobilgewerbe werden auf zehn Jahre vergeben und bei ihrer Nichterneuerung Entschädigungen nur für nicht amortisierte Betriebsanlagen gezahlt werden. Es ist vorgesehen, Neubeschaffungen durch gewisse steuerliche Vergünstigungen zu erleichtern und im übrigen die feste jährliche Koordinationsabgabe sukzessive in eine Steuer auf den Tonnenkilometer umzuwandeln. Die neuen Koordinationsdekrete nehmen dem gewerblichen Kraftverkehr Frankreichs den Rest von Selbständigkeit und Rerirtabilitätsaussicht, den er nach der Regelung von 1937 noch bewahrt hatte. In England ist das nämliche Problem vor kurzem gleichfalls wieder aufgeworfen worden. Die nationale Eisenbahner-'Gewerkschaft hat auf ihrer letzten Jahrestagung am 5. Juli die völlige Koordination des gesamten Transportsystems gefordert Auch hier fiel dieser Wunsch wiederum in eine Zeit, da die Verkehrsausweise der Eisenbahnverwaltungen, nach ansehnlichen Gewinnsteigerungen in 1937, für das erste Halbjahr 1938 wieder ungünstigere Betriebsergebnisse zu melden hatten. Die vier Gesellschaften verzeichneten für die ersten 6 Monate des laufenden Jahres trotz der am Jahresbeginn vorgenommenen Tariferhöhungen eine Mindereinnahme von über 1.8 Mill. Pfd. St. (Fortsetzung Seite 2.) Mehr Zusammenarbeit bei Strassenbauten «lachenden» Dritten gibt es aber dabei .nicht, vielmehr ist der Strassenbenützer der Leidtragende, weil — ja weil eben unbefriedigende Lösungen die Folge sind, die sich in Gestalt erhöhter Verkehrsgefährdung und -erschwerung manifestieren. Häufiger ist beispielsweise der Fall, dass ungleiche Strassendimensione'n Anwendung finden. Da hat erst kürzlich eine ostschweizerische Industriestadt eine wichtige Ausfallsträsse auf 9 m Fahrbahn ausgebaut, der Kanton aber Hess es bei der Verbesserung seines direkt anschliessenden Teilstücks bei einer Breite von 8 m bewenden. Auch bezüglich der Radfahrer- und Gehwege bestehen hinsichtlich der Dimensionen oft ziemliche Unterschiede zwischen Stadt und Kanton. Nicht genug damit werden auf Stadtgebiet die Radfahrer- und Gehwege mit einer Ueberhöhung von 8 oder 10 cm angelegt, auf kantonalem Gebiet aber niveaugleich, damit ja nicht eine einheitliche Anlage zustandekomme und Radfahrer wie Fussgänger sich alle paar 100 Meter neu orientieren müssen. Nicht selten sind auch die Fälle, da der eine Kanton eine Strasse modern ausbaut, der andere es aber nicht als angezeigt erachtet, sein anschliessendes Teilstück ebenfalls einer Korrektur zu unterziehen, so dass man oft beim Kantonsgrenzstein vom « Paradies » in die «Hölle» zu fahren glaubt. Aber selbst wenn dann nach etlichen Jahren In dieser Nummer s Querschnitt. Schweiz. Zuverlässigkeitsfahrt Eine bemerkenswerte Vorderradabfederung. Vom AIT - Kongress. Monza verspricht gross zu werden. Um die Europa-Meisterschaft 1938. Bilder: S. A. DIE KLEINE REVUE • doch die nötige Einsicht für eine etwas freundeidgenössischere Einstellung Platz greift, so werden — vide oben — wiederum andere Normalien angewendet. Ebenso unerquickliche Verhältnisse stellen sich dort ein, wo die Stadt beidseitig Radfahrer- und Gehwege anlegt, der Kanton sie aber auf der einen Seite abnimmt. Damit zwingt er Fussgänger wie Radfahrer plötzlich auf freiem Feld die Fahrbahn zu überqueren und nicht nur sich selbst, sondern; auch den Fahrverkehr zu gefährden. Aber noch weiter wird der Spass getrieben ! In allerletzter Zeit hat ein grosser Kanton der Ostschweiz eine wichtige Ausfallstrasse grosszügig ausgebaut, mit Geh- und Radfahrerweg auf der einen Strassenseite. Bis zur Stadtgrenze dauert diese Herrlichkeit. Wohl hat von hier an der Kanton den Ausbau der Strasse mit den gleichen Dimensionen weiter geführt, aber — man staune — die Radfahrer — und Gehwege wurden nicht auf der gleichen Strassenseite belassen, sondern auf die andere verlegt, mit dem Erfolg, dass Radfahrer und Fussgänger genötigt sind, sozusagen mitten in freier Natur über die ganze Fahrbahn auf die andere Strassenseite zu wechseln. War es wirklich ein Ding der Unmöglichkeit, die Radfahrer- und Fussgängerwege bis zum nächsten Ort auf der gleichen Strassenseite verlaufen zu lassen, um den Wechsel innerorts, wo der Fahrer sein Tempo ohnehin ermässigen muss, zu vollziehen. « Nit möööglich », würde da Grock sagen. In solchen Situationen könnte ein eidg. Strassenamt, mit den nötigen Kompetenzen versehen, mit Bestimmtheit namhafte Verbesserungen erzielen. Schildbürgerstücklein, wie die oben beschriebenen, müssen inskünftig verunmöglicht und die verschiedenen auf- Ausbaudimensionen und -Anordnungen einander abgestimmt werden. F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. von Cecily Sidgwick. 14. Fortsetzung. «Nicholas, warum Iässt du mich so im Ungewissen ? Ist es wahr oder nicht ? > fragte ich ihn fieberhaft erregt. « Wovon sprichst du ? > « Von der einzigen Sache, die zu besprechen ist. Die einzige Sache, die meinen Kopf beschäftigt. Ist Bill mit Isabel verlobt ? » « Ich weiss es nicht, sie haben mir nichts darüber mitgeteilt. > «Willst du damit sagen, dass du eine halbe Stunde mit diesen Leuten zusammen warst und es doch nicht weisst ? > « Meine liebe Elisabeth, ich war Bill bei dem Gepäck behilflich. Sie haben einen Koffer verloren. > « Wie kannst du von Koffern sprechen, wenn Celias Glück auf dem Spiel steht.» « Ich konnte auf dem Bahnsteig nicht über Celias Glück sprechen», sagte Nicholas. « Sei doch vernünftig, meine Liebe. > lassen. Ich wüsste nicht, was ich sonst tun könnte. Hallo ! > Her Beale war auf der Bildfläche erschienen. Vierzehntes Kapitel. Er war puterrot vor Wut, riss seinen Mantel vom Haken herunter und nahm seinen Hut. Als er sich mir näherte, gab er ein eigentümliches, keuchendes, gurgelndes Geräusch von sich. Ich trat etwas zurück, um ihn vorbei zu lassen, streckte ihm aber meine Hand nicht entgegen, weil ich befürchtete, ihn noch mehr zu reizen. Am liebsten wäre ich in eine Versenkung verschwunden, da ich das aber nicht konnte, verhielt ich mich still und hoffte, dass er wortlos aus dem Hause stürzen würde. Bill stand abwartend neben mir, und auch er sprach nicht. Mir war es eine Beruhigung, ihn in der Nähe zu haben. Aber als Beale bei der Ausgangstür angelangt war, schien er andern Sinnes zu werden. Jedenfalls öffnete er sie nicht, sondern drehte sich um und wandte sich an mich. « Unverschämt >, polterte er. « Unverschämt. Man hat mir gesgt, dass ich ein Schafskopf bin, wenn ich Ihre Tochter heirate ... Dieser Herr hier...» Bill packte ihn, bevor ich noch sprechen c Aber gleich morgen, wenn du Bill siehst, wirst du über die Sache sprechen.» « Du weisst ganz gut, dass ich nichts dergleichen tun werde. > « Dann lade ihn zum Lunch ein.» « Ich werde sehen. » Das war alles, was ich bei Nicholas erreichen konnte, und am nächsten Tag kam er ohne Bill zum Lunch. Er sagte, dass er ihn nicht eingeladen habe, und dass Bill zu Godolphins zum Lunch gegangen sei. Ich hatte am Nachmittag verschiedene Besuche zu machen und nahm Jane mit mir. Hester war ausgegangen und Sally im Nachbarhaus. So blieb Celia allein. Aber als wir ziemlich verspätet zum Tee nach Hause kamen, fanden wir sie mit Beale und Bill im Salon. Ich fühlte sofort, dass eine Spannung in der Luft lag. Bill, der nie viel sprach, schien sich zu freuen, dass er uns sah, und gratulierte mir zu Marthas Verheiratung. «Wann findet Ihre Hochzeit statt ? > fragte Beale überraschend. * « Ich weiss es nicht >, entgegnete Bill. Aus dem Ton der beiden war zu hören, dass sie sich nicht leiden konnten. « Aber ich habe gehört, dass sie bereits festgesetzt ist», sagte Beale unbeirrt. Bill gab keine Antwort Es entstand eine unbeoder mich rühren konnte. Das ging blitzschnell. Die Tür sprang auf, Herr Beale flog in die Abenddämmerung hinaus, und Bill und ich waren wieder allein. « Schwein », sagte Bill; und Celia, die den Lärm gehört hatte, kam jetzt in die Halle hinaus, um zu sehen, was es gab. «Nichts weiter, Herr Beale hat sich verabschiedet », sagte ich, aber ich dürfte aufgeregt ausgesehen haben. Beide halfen mir in den Salon zurück, weil mir die Knie zitterten. Ich fühlte, dass, wie Sally es nennt, in mir alles wackelte. «Ich hoffe, dass er nie wieder hierher kommen wird », sagte Celia. Als Bill gegangen war, erzählte mir Celia, dass Beale ihr zuerst keinen Heiratsantrag gemacht hätte, ihr aber zu verstehen gegeben habe, dass er sich dazu entschliessen würde, wenn er über ihre Beziehungen zu Bill beruhigt würde. Anfangs hätte sie nicht verstanden, worauf er eigentlich hinaus wollte, aber als er über den Lebenswandel der modernen Mädchen zu sprechen begann, wus'ste sie, was er eigentlich meinte. Daraufhin liess sie ihn abfallen, und in seiner Wut verlor er alle Selbstbeherrschung. Er zankte immer weiter, und inmitten aller Vorwürfe platzte er