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E_1938_Zeitung_Nr.073

E_1938_Zeitung_Nr.073

BERN, Freitag, 9. September 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 73 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 Vom ABONNEMENTS-PREISE: FW / Es gibt noch Humor! In ihrer Ausgabe vom 1. September wid met uns dip « Arbeiterzeitung Basel » einen längeren Artikel, den sie mit dem sinnigen Titel «Der Pferdefuss in der Automobil Revue» versehen hat. Was uns die hohe Ehre und den Vorzug verschafft, der Auf merksamkeit dieses Blattes für würdig be funden zu werden ? Um es kurz zu sagen wir sind verdächtig, wir sind dem offiziellen Organ der sozialdemokratischen Partei beider Basel und des Gewerkschaftskartells Baselland politisch (in seinem Sinne natürlich) nicht stubenrein genug, weshalb « man » sichs denn auch ,angelegen sein lassen wird, uns künftighin unter die Lupe zu nehmen, weil — ja weil die Vermutung besteht, unsere Immunität gegen den Bazillus der Deutschfreundlichkeit lasse etliches zu wünschen übrig. Sie fragen, verehrter Leser, womit wir in diesen für die Nase der «A. Z. » so beleidigenden und abstossendeh Geruch gekommen N seien ? Die Antwort darauf erteilen Ihnen die offenbar mit einem übermenschlich feinen Riecher begabten Herrschaften in Basel. Mit Auszügen aus der Diskussion nämlich, zu deren Plattform sich die «Automobil- Revue » in der Angelegenheit der Anpöbelung fremder Automobilisten gemacht hat. Zwei Haare zugleich entdeckte der Sperberblick der A. Z. in der Suppe : zum einen die < tiefe Entrüstung », die uns wegen der Anpöbelung eines deutschen Automobilisten auf den Plan gerufen und wobei man sich unwillkürlich fragen müsse, ob sie wirklich nur dem Automobilisten und nicht eher dem Deutschen gegolten habe, zum andern die Veröffentlichung zweier uns zugegangener Einsendungen, worin der Presse etwas mehr Zurückhaltung in der Beurteilung Deutschlands ans Herz gelegt wird. Diese « Funde» nun entlocken dem erwähnten Blatt einen Kommentar, der schlechthin eine Gipfelleistung an Albernheit darstellt. Beim Vulkanausbruch der « Automobil-Revue » — lesen wir da mit belustigtem Lächeln — handle es sich um eine rein politische Angelegenheit, hinter der wieder einmal mehr der lange deutsche Arm zu vermuten sei... Wenn wir auch nicht von ferne daran denken, den Gespenstersehern der A. Z. Rechenschaft über unser Tun und Lassen abzulegen, soviel können wir ihnen ohne die geringsten Umschweife und ohne die leiseste reservatio mentalis gestehen, dass ihrer Weisheit letzter Schluss auf völlig freier Erfindung beruht und ins Kapitel der Greuelmärchen gehört. Mögen sie bei ihren Vermutungen selig werden — wir unserseits können ihnen den Gefallen leider nicht erweisen, uns weiter mit derart dummdreisten Unterschiebungen auseinanderzusetzen, die sich in ihrer Bizarrerie selbst richten. Immerhin, so undankbar sind wir keineswegs, als dass wir in diesen humorlosen Zeiten eine gedankenakrobatische Produktion mit ausgesprochen grotesk-komischem Einschlag, wie sie uns die A. Z. gratis und franko serviert, nicht als unterhaltsames Intermezzo zu kosten wüssten. Nur können wir nicht umhin, die gegen uns ausgesprochenen Verdächtigungen an die Adresse ihrer Urheber zurückzugeben und dabei zu fragen, ob die hochgradige Nervosität, welche aus dem Artikel des sozialdemokratischen Basler Organs spricht, nicht ungleich verdächtiger sei. Nach der Heftigkeit der Reaktion zu schliessen, fühlt man sich dort offenbar mächtig betupft, betupft vielleicht durch die Anspielung auf gewisse Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Schreibereien über unsern nördlichen Nachbar und macht nun seinem Unmut darüber in der fürchterlichen Offenbarung Luft, es sei füglich an der Zeit, die A. R. unter die Lupe zu nehmen. Wie sagt doch das Sprichwort ? Wenn man dem Hund auf den Schwanz tritt, so bellt er. Für die Geisteshaltung des in Frage stehenden Blattes ist "es bezeichnend, dass es sich krampfhaft müht, einer Aktion, die sich ausschliesslich auf der Ebene der Autotouristik bewegte, zu einer politischen Affäre umzudichten, in der unverhüllten Absicht, uns apostrophieren zu können. Ob es den Leuten passt oder nicht: das eidg. Departement des Innern hat auf die Demarchen des Fremdenverkehrsverbandes und der schweizerischen Verkehrszentrale hin tatsächlich Schritte unternommen, um eine Aktion bei den Schulbehörden unseres Landes in die Wege zu leiten, deren Ziel die Erziehung der Schuljugend zu anständigem Benehmen gegenüber den ausländischen Automobilisten bildet, ganz gleichgültig, woher sie kommen. Ein neues Meisterwerk der Strassenbautechnik dem Verkehr übergeben Am 1. September hat der glarnerische Standesherr Hefti die neue Ostrampe der .Kerenzerbergstrasse von Rüteggli bis Tiefenwinkel dem Durchgangsverkehr freigegeben; Zusammen mit der bereits ausgebauten Strecke Mollis—Obstalden ist damit ein Werk vollendet worden, auf das die Glarner zweifellos stolz sein dürfen. Die neue Strecke gereicht aber auch unserem ganzen Lande zur Ehre, zeichnet sich doch die neue, einen prächtigen Tiefblick ins Wallenseebecken bietende Aussichtsstrasse durch besonders grosse Leistungsfähigkeit aus. Die Kosten für den ganzen Strassenzug Näfels—Tiefenwinkel beliefen sich auf ca. 5 Mill. Fr., woran der Bund etwas mehr als 1 Mill. Fr. leistete. Unsere Bilder zeigen die Linienführung der Kerenzerbergstrasse beim 6Q m-langen Fuchsfallenhorn-Tunnel, der mit weissen Kunststeinen ausgepflastert ist, insbesondere ist das Nordportal während des Baues und nach vollendeter Ausführung ersichtlich, INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. GrSssere Inserate nach SpezialtarU lmeratenschluss 4 Tage vor Ersebelnen der Nummer Wohin die Fahrt? Im November 1930 haben die Schweizerischen Bundesbahnen den bekannten Warnruf «caveant consules» auf den Schild erhoben. Bereits in jener Schrift ist das Motorfahrzeug zum Sündenbock für die bestehende, nicht zuletzt aber für die sich immer schärfer entwickelnde Bahnmisere gestempelt worden. Je mehr sich die finanzielle Lage unseres grössten Staatsbetriebes verschlechterte, um so kräftigere Töne glaubten die « Mächtigen > der Schiene anschlagen zu müssen. So ist ein Motorfahrzeuggesetz zustande gekommen, das zahlreiche Bestimmungen enthält, die den primitivsten Bedürfnissen der Heeresmotorisierung zuwiderlaufen. Mit dem Zaunpfahl der Dringlichkeit soll die neue Transportordnung gestartet werden — nur dort, wo die Verhältnisse in erster Linie aber eine dringliche Regelung erheischen, nämlich in und um unsere kostspieligen Staatsbahnen, wird in geradezu unverantwortlicher Weise weiter gewurstelt. Bekanntlich trat im Monat Februar dieses Jahres der Nationalrat zu einer Extrasession zusammen, um die Bundesbahnvorlage möglichst rasch durchzujagen. Wenn auch dieser Rat einer mit der Finanzlage des Unternehmens kaum vereinbare Bevorfechtung des SBB-Personals zustimmte, so war doch der Wille vorherrschend, das grösste Sorgenkind unserer schweizerischen Verkehrspolitik etwas solider zu betten. Ein ümsrekehrtes Verfahren glaubt hingegen der Ständerat einschlagen zu dürfen. In der Junisession wurde beispielsweise die kurz vorher als unaufschiebbar bezeichnete Bundesbahnvorlage überhaupt nicht in Beratung gezogen. Dagegen ist die zur Behandlung dieses Geschäftes eingesetzte ständerätliche Kommission zweimal zusammengetreten. Die vom 22. bis 25. August in Villars abgehaltene Sitzung musste bekanntlich vorzeitig abgebrochen werden, da nicht weniger als fünf Kommissionsmitglieder, nämlich die Herren Eve'quoz (Wallis), Müller (Zug). Schöpfer (Solothurn), Walker (Uri) und de Weck (Freiburg) an der Mitarbeit verhindert waren ! Der Vorsitzende setzte dann eine weitere Tagung auf den 12 September an. Nach Umfrage bei den übrigen Kommissionsmitgliedern und nach Fühlungnahme mit dem Eisenbahndepartement ist aber auch diese Sitzung abgeblasen worden. Da die Herren Ständeräte wahrscheinlich der Ansicht huldigen, der nach-der Abwertung eingesetzte und von den Bundesbahnen propagandistisch nach allen Regeln der Kunst ausgewertete Auftrieb halte heute und in Zukunft an, so dürfte eine Zusammenkunft im Verlaufe der demnächst beginnenden Herbstsession vollauf früh genug zur Behandlung der etwas weitschichtigen Materie sein. .Zweifellos dürfte die Herbsttagung der eidg. Rete zu Ende gehen, ohne dass im Ständerat die Bundesbahnvorlage zur Behandlung gelangen wird. Nachdem der Nationalrat anlässlich der Abstimmung über die In dieser Nummer: Fortschritte im Bau von Betonstrassen. Vor dem Grossen Preis von Italien. Der Wagen «schlägt» hinten aus. Bilder von der Zuverlässigkeitsfahrt S. 6. Feuilleton «Töchter ein halbes Dutzend» S. 2. Beilage: