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E_1938_Zeitung_Nr.073

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m Automobil-Revue —

m Automobil-Revue — N° 73 Blick auf die junge Mode Die kommende Mode ist ein Produkt gemischt aus Vernunft und Phantasie. In der angenehm proportionierten Linie der Kleider und Ensembles, der Mäntel und Tailleurs, in der Qualität der Stoffe liegt diese Vernunft verankert, die Phantasie aber lebt sich in den Farben aus, in der Art, wie sie sich zueinanderfügen, ihre Leuchtkraft gegenseitig heben. Sie schwingt auch in der Fülle schmückender Zutaten und entfaltet in einer ungemein vielseitigen Hutmode eine Keckheit, die mit bizarren Ideen durchsetzt ist. Vor Jahren übten die Mode und ihre Erfinder so etwas wie eine Diktatur aus, der man sich zu fügen hatte, wollte man nicht in den Ruf der Altmodigkeit, des Schlechtangezogenseins geraten. Heute wird nicht mehr diktiert und befohlen, dafür mit Zärtlichkeit und mit einer anmutigen Verführungskunst geworben. Man denke nur an die Mäntel, die in den ersten brütend heissen Augusttagen zu Hunderten von den schier unter ihrer Last verschmachtenden Mannequins in den Pariser Schneidersalons vorgezeigt wurden. Kein Stück vom nämlichen Schnitt wie das andere, keines gleicht dem andern in der Verarbeitung. Selbst Farben, Farbstellungen und die Beschaffenheit des Materials scheinen fast ohne Grenzen zu sein. Die Entscheidung wird deshalb nur um so schwerer fallen. Angeführt durch den mit Stoffülle wahrhaftig nicht geizenden Slipon geniesst die grosse Gruppe der sportlich gesinnten Mäntel steigendes Ansehen. Solch ein Slipon ist die Bequemlichkeit in Gestalt. Manches Modell fällt gerade und schlicht von den Schultern, ein anderes wirkt auffallend eckig und ist im Rücken breit eingefalteti Der Typ des sportlichen Kollermantels, lang und dreiviertellang, macht als Neuerscheinung Furore, zumal die in Quetschfalten gebändigte Rückenweite schafft eine ungewohnte, fliehende Linie. Die Herrschaft des schlichten Reverskragens ist merklich erschüttert, denn jede andere Kragenform gilt mehr, sei es der Stehkragen, der Umlegkragen oder einer, der wie ein Kelch aufgebogen, das Oval des Gesichtes umrahmt. Für den taillierten Sportmantel bestehen gleichfalls Aussichten, das Rennen erfolgreich mitzumachen, denn schliesslich sind diese Slipons und ihre Verwandten nicht jeder Figur bekömmlich. Das Material aller Sportmäntel scheint mit der Buntheit eines Bilderbuches zu Wetteifern; es fügt sich zu grossen und übergrossen Karos, ist diagonal gestreift und von Zickzackmustern belebt, die ihrerseits wieder von Streifen und Streifenbündeln durchpflügt sind. Einem neuartig veloutierten Kamelhaarstcff. in allen aktuellen Farbbädern geschwenkt, wird man die Bewunderung nicht versagen können. Kaum weniger interessante Seiten hat der elegante Mantel uns darzubieten. Wiederum sind es die Stoffe, die faszinieren, die geradezu locken, ihre Weichheit zu befühlen. Samtartige Duvetines, mitunter von Rippen durchfurcht, haben die Modelleure zu vornehmen Schöpfungen angeregt. Wie wird es um die Farbigkeit bestellt sein, wenn einmal der Winter mit seiner ganzen Düsterkeit über uns hereinbrechen wird? Werden ihr die eichhörnchenbraunen, saphirblauen und ockerfarbenen Töne trotzen? Können sich Türkisblau und Mandelgrün, Violine- und Brombeerbraun gegen die Uebermacht der schwarzen Stoffe erfolgreich behaupten? Eines steht fest: so viele Anstrengungen um den Modewinter mit Farben zu erheitern, wurden schon lange nicht mehr unternommen und von ihnen profitiert der Mantel in reichem Mass. An den eleganten Mänteln vereinigen sich nicht selten zwei Kolorite. Oft ist es sodann das Pelzwerk, das ihnen eine zweite Farbe zuträgt. Ein schilfgrünes Modell schmückt sich mit braunen Nutriaärmeln, aus denen notfalls ein Muff geformt werden kann. Schwarzer Seal läuft in einer breiten Bahn durch einen senfgelben Mantel; ein andermal liefert er das Material zum Koller eines rostroten Modells. Die Tendenz, den eleganten Mantel zu erweitern, ist unverkennbar; häufig wird seinem Corsageteil ein schräg geschnittenes Rockteil angefügt, das bei kühner komponierten Modellen im Rücken mit einer stark fronzierten oder in tiefe Falten gelegten Partie aufwartet. Wiederum fällt die kapriziöse Kragengestaltung auf, und die Art, alle Kanten und die Aermel mit Pelzwerk reizsam zu verbrämen. Wie viele kostbare Astrachan- und Breitschwanzfelle wurden ohne Umsehen zu schmalen Blenden zerschnitten! Sie laufen als Diagonalstreifen über die Aermel oder b#d£n ein interessantes Zickzackmuster auf. dem Rockteil. Weite Aermel werden vorn in ein winziges Pelzbündchen zusammengerafft, und dies nicht nur an schwarzen, sondern häufig an farbigen Mänteln. Selbstredend sind auch Silberfüchse, Blaufüchse, schwarzgefärbter Fuchs und gar nicht selten nur der rote russische Fuchs um die Verschönerung des Mantels bemüht. Vereinzelt nimmt der Mantel auch mit einer Samtgarnitur fürlieb. Zeichnungen Irminger. Bevor noch das Regiment des Mantels beginnt, haben Kostüme und Ensembles das Wort. Man möchte ihnen einen langen, sonnigen Herbst wünschen, denn sie verdienen alle lobenden Adjektive. Die Kälte wird sie wohl diesmal nicht ganz zum Hausarrest vei» urteilen; man hat ja den weiten Mantel, der die verwandtschaftlichen Beziehungen zum Kostüm mit kleinen Finessen im Farbbild des Stoffes aufrecht erhält. Um die Kostüme ist es nun so bestellt, dass viele den Frühlingsgedanken der andersfarbigen Jacke in herbstlicher Variante weiterspinnen. War damals das Karo Trumpf, so ist es jetzt der Streifen. Breit und nadelfein, wie Notenlinien gebündelt, in regelmässigen und willkürlichen Abständen hat er von dem häufig melierten oder in sich gemusterten Grund Besitz ergriffen. Doch das genügt noch nicht, das Jackenbild zu beleben, denn die Schneider erfinden durch die Stellung der Streifen so etwas wie ein Ueberkaro, ein Uebermuster, dem zuerst unsere Aufmerksamkeit gilt. Die Basis vieler bi- und trikolorer Kostüme und Ensembles ist der schwarze Rock, wozu das farbige Jäckchen getragen wird und eine Bluse, die sich ihrerseits mit Bezug auf die Farbe recht eigenherrlich benimmt. Wenigstens scheint es von weitem so. Bei näherer Betrachtung wird man indes gewahr, dass ihr Zitronengelb, ihre Granatfarbe irgendwo in der Buntheit des Jackengewebes angetönt ist. Selbstredend bleibt auch das einfarbige Tailleur ein Bestandteil der neuen Mode. Was die Jacken anbelangt, nehmen sie sich jede Freiheit der Form heraus, erscheinen einreihig und mit doppelter Knopfzeile, kurz und mehr noch hüftlang, in Gürtelfasson und in der Taille durch Nähte körpernah moduliert. Zuweilen flattern sie auch lose. Besonders elegante Modelle dieser Fasson zeigen mit Fuchs befrachtete Kanten. Taschen — bis zu zehn Stück — eingeschnitten, mit Klappen versehen und aufgesetzt, zählen mit samt reichen Reliefsteppereien zum hauptsächlichsten Schmuck der Kostümjacke, die in den Achseln noch .immer, wenn auch mit Mass betont, oft kaum der seidengestreiften oder Velours-Echarpe am Hals ein wenig Durchblick gewährt. Es gibt nichts, was die Kleider mehr verschönt, sie bei aller Strenge lieblich erscheinen lässt, ihre eingeborene Anmut noch mehr erhöht, als die Stickerei. Mit ihr erfrischen manche der grössten Pariser Schneider ernste, vornehme Samt- und Tuchkleider. Reliefartig erhöht und wie eine Halskette wirkend, ziehen sich farbige Blumenranken über die,stillen und sonst fast schmucklosen Corsagen mancher Tageskleider. Viel wird auch mit Gold gestickt und an den Abendkleidern hebt oft ein Leuchtfeuer von Strass, Stiftperlen und Pailletten an, die in kunstvollen Mustern brodiert sind. Die junge Mode ist nicht nur in den Farben ungemein kontrastfreudig, sie nützt ebenso mit Raffinement den Gegensatz des Da ist in New York ein Kunstseidenfabrikant, nicht mehr ganz jung. Er heiratet im Mai 1937 eine neunzehnjährige Verkäuferin der Woolworth-Läden. Sie war Strumpfmodell, das heisst, sie stand jeden Tag sieben Stunden lang im Schaufenster der Firma Woolworth und zeigte die neuesten, hauchdünnen Strümpfe, in natürlich tadellos schönen Beinen. Diese Beine gefielen dem Kunstseidenfabrikanten. Er heiratete rasch und benutzte seine Frau gleichzeitig als Modell für einen neuen Kunstseidenstrumpf, den er auf den Markt brachte, indem er einen Werbeprospekt drucken Hess, der auf der Titelseite die Beine seiner Gattin zeigte. Und diese Beine waren so schön, dass der Photograph, der diese Beine photographiert hatte, sich auch in sie verliebte. Er verstand es, der jungen Frau einzureden, sie solle ihren Beruf weiter ausüben, denn eines Tages könne ihr Mann sein vieles Geld verlieren, sie stände mittellos da und wäre dann sicherlich froh, wenn sie sich etwas erspart hätte. Der jungen Frau leuchteten diese Gründe ein; dass der Photograph nicht aus Altruismus seinen Plan geäussert hatte, ahnte sie nicht. Sie glaubte an seine Liebe und dass er sie aus der Ehe, Materials aus. Wie liebt und versteht sie es, Tuch mit Tüll und mit Samt zu verschwistern. Eine grosse Meisterschaft zeigen hierin die Schneiderkönige Marcel Rochas und das Modehaus Patou. Kühne Kombinationen wie die mehrfarbigen Samtbouillones auf einem schwarzen Tuchensemble schafft der eine, sehr dezente Zusammenstellungen applizierter Tuchornamente auf Tüllgrund der andere. Wahrhaftig, die Kleider sind noch um ein paar Fingerbreiten kürzer geworden. Das Spiel der Falten, der schräge Schnitt, sie tragen Schuld daran. Indes, auch hier ist die Mode nicht tyrannisch und will uns nicht allesamt mit Gewalt in junge Mädchen verwandeln. Neben dieser durchaus jugendlich wirkenden Mode ist auch in kluger Weise für die grosse Gemeinde der nicht mehr Zwanzig- und Dreissigjährigen gesorgt. Für sie sind die kunstreich drapierten Kleider geschaffen, die portefeuilleartig geschnittenen Röcke mit dem eleganten Seitengodet der nach hinten gerafften Weite. Ihnen sind hochansteigende Corsagen willkommen, als Flächenaufteilung oftmals verwendete Diagonaleffekte, und die Abendmode, die fast mehr noch als zum Holden, zum Prunkvollen neigt. Eine herrliche Speisekarte von Geweben ist uns für den Abend geschenkt. Es dominieren vor allem die Velours mit einem heissglühenden Farbenspiel. Eine ganz eigenartige Schattenwirkung geht von samtfassonierter Musseline aus. Die Stilkleider — unter ihnen manches Modell mit einem richtigen Reifrock — haben sich der schweren Taft, Poult, Moir6 und Faille bemächtigt. Wunderschön sind Tüll- und Spitzenroben, sind in allen Schattierungen gleissende Lamdkleider, die man wiederum auch in kurzer, fast sportlicher Machart trifft. Der Streifenmode huldigt der Abend insofern, als Spitzen und Tüll, glänzender und matter Satin, Samt und Tüll schmalbahnig gegeneinander verarbeitet sind. Still und vornehm geben sich neben all diesem Glanz die schlank gearbeiteten Tuchroben. Unendlich viel wäre noch von der künftigen Mode zu berichten. Noch haben wir nicht der Capes Erwähnung getan, die hüft- und kleidlang, am Abend den Boden streifend, neuerdings aufgegriffen wurden. Haben nicht gesprochen von den liebenswürdigen Kleinigkeiten, den Knöpfen und Klips in hunderterlei Gestalt, den Gürteln, an denen eine Miniaturgeldkatze hängt, den auf den Achseln und in der Taille wuchernden Blumengirlanden, der Stepperei, die, lustige Matelasseeffekte erzeugend, eilfertig über Jerseytailleurs, Mäntel und Abendkleider huscht, dem Müffchen, in das wir nur zu gerne die Hände verstecken. Das Problem der Hutmode wird uns wieder mehr als im Sommer beschäftigen. Ihre Modelle sind Legion. Stolz ragen Toques, Zylinder und winzige Turmhütchen, mit Samt- und Moirebändern befrachtet, umwunden mit alierfeinstem Jersey, Musseline oder Tüll. Andere sodann halten sich in durchaus vernünftigem Rahmen, wenn auch ihre Ränder irgendwie und irgendwo unternehmend aufgeschlagen sind. Mehr als bis anhin wird der Schleier aus dem Gesicht ein kleines zur Ergründung reizendes Geheimnis machen. ho. Die Frau im Schaufenster in der sie sich nicht wohl fühlte, befreien würde, wenn er nur genügend Geld hatte. Da die junge Frau wusste, dass es ihrem Mann nicht recht sein würde, wenn sie weiter im Schaufenster arbeiten würde, so erklärte sie ihm, sie wolle einen Krankenpflegerinnenkurs mitmachen, und während der ahnungslose Gatte im Büro sass, stand die junge Frau, allerdings nicht mehr bei Woolworth, sondern in einem feinen Spezialgeschäft im Schaufenster. Eines Tages flog die Sache auf. Der Gatte beantragte die Scheidung, mit der Begründung, dass es unmoralisch sei, wenn eine verheiratete Frau im Schaufenster ihre Beine zeige. — Und im moralischen Amerika wurde die Ehe aus Verschulden der Frau geschieden. Seegurken verleihen ewige Jugend Die Seegurken, von den Eingeborenen «Palolo» genannt, sind in diesem Sommer in besonders grossen Mengen an den Küsten Nordaustraliens und Polynesiens gefangen worden. Obgleich die meisten Palolo an Ort und Stelle abgehäutet, getrocknet und verzehrt werden, sind doch nicht weniger als 41 Schiffsladungen nach SüdchWa gegangen, Wo die Seegurken von den Frauen als Mittel geschätzt werden, das ihnen die ewige Jugend verleiht. Ein Kilogramm getrockneter Seegurken, das am Ursprungsort fast nichts kostet, wird im südlichen China mit 2—3 Dollar bezahlt. Lange Zeit hielt man die Sitte, Palolo zu verzehren, um jung zu bleiben, für reinen Aberglauben; erst vor kurzem haben japanische Gelehrte nachgewiesen, dass die Seegurken auch noch in getrocknetem Zustande tatsächlich einen Stoff enthalten, der dem weiblichen Geschlechtshormon sehr nahe verwandt ist. Es ist daher durchaus nicht ausgeschlossen, dass den Palolo wirklich eine gewisse verjüngende Kraft für Frauen zukommt.

JJ073 ^_ Antomobfl-Revn,, Uli Der Mensch ist ein kleines Wesen und der Hai ein grosses Tier. In einem aber ähneln sie einander. In der Laune. Dass der Hai, ich spreche vom Blauhai, einen Menschen verfolgt, ohne ihm ausser einem Riesenschrecken etwas zu Leide zu tun, spricht für seine Laune, für seine Unberechenbarkeit. Nun, Sie können selbst urteilen. Mit zwanzig Jahren ist man jung und dumm. Ich lag im Sand unter der heissen Sonne, und das blaue Meer plätscherte ganz leise. Es war Mittag und noch fast gar keine Menschen am Strand. Das alles interessierte mich aber nicht. Was mich interessierte, war jene Frau, die schräg über mir an der Küste sass und ab und zu von ihrem erhöhten Balustradensitz zu mir herunterlächelte. Schüchtern lächelte ich zurück. Ich war doch erst zwanzig, und sie — die schönste Frau Tampicos. Wie soll ich es beschreiben? Ich war selig, ein armer Tramp, und sie eine schöne, begehrte Frau. Tampico flüsterte von ihrem Reichtum, ihrer Macht. Ich machte mir Vorwürfe wegen meiner Feigheit. Ich denke nach, was ich als Kind zu Hause gelernt habe über das Benehmen mit feinen Leuten. Verflucht, mir fällt nichts ein, was auf sie passen würde. Du wirst der Frau erst einmal zeigen, dass du ein Kerl bist, denke ich. Du wirst hinausschwimmen ins offene Meer und dann da draussen an der Sandbank Taucherkunststücke vollführen. Sie hat ein Glas bei sich und wird dich natürlich beobachten. Sie wird dich selbstverständlich für einen Riesenkerl halten, weil du ganz allein ins offene Meer geschwommen bist, wo es doch so viele Haie gibt. Haie? Seit vierzehn Tagen hat sich keiner an der Küste sehen lassen. Also losl See Jttauhai Sine Öteise in Ich stehe auf, recke die Glieder und lasse die Muskeln spielen, nur darauf bedacht, zu imponieren. Ich tauche und komme an der anderen Seite der Wellen wieder hoch, drehe mich auf den Rücken und winke. Richtig, sie sieht zu mir herüber und winkt wieder. Jetzt zeige, was du kannst! ermahne ich mich. Tempo unter dem Wasser, Tempo über dem Wasser, hundert, zweihundert, vierhundert, achthundert Meter. -Noch ein paar Züge, und ich stehe auf dem Grund. Die Sandbank ist erreicht. Herrlich ist es hier draussen. Weil die Frau das Glas an den Augen hat, denn anders kann ich mir das gar nicht vorstellen, tauche ich und imitiere die Schwimmart des Delphins. Langsam und gelassen rollt der Oberkörper, Gesicht nach unten, in die Tiefe, Die geschlossenen Beine steigen schräg in die Luft und versinken kerzengerade ganz gleicht mehr einem Traum als der Wirklichkeit langsam. Vier- bis fünfmal mache ich es, dann muss ich Luft holen. Ich schnappe einmal tief und arbeite mich weiter durchs Wasser. «Mach' Schluss», denke ich, «sonst wird die Frau müde und geht fort.» Von ihrem erhöhten Terrassensitz aus kann sie jede Bewegung verfolgen. Langsam und gemächlich schwimme ich zurück. Die Flut hat eingesetzt und hilft mir. Die Wogen heben mich und lassen mich sinken. Es ist herrlich. Da — was war das? Die Sirene heult! Ein Unglück? Ein Ertrinkender? Wo? Ich schwimme schneller, vielleicht kann ich helfen, vielleicht schaffe ich es noch. Wieder heult die Sirene, eine Woge hebt mich, und ich sehe die Leute aufgeregt den Strand entlanglaufen, mit den Armen in der Luft herumfuchtelnd. Jetzt höre ich sogar lautes Schreien. Es ist die leise Brise, die es mir stossweise zuträgt. Aber, wo zum Henker, ist der Ertrinkende? Ich sehe mich um, und — der Atem stockt mir. Allmächtiger Gott! Ein Riesenhai, ein Blauhai, kaum sechs Meter hinter mir. Mein Messer, wo ist es? Verloren... Verloren beim Tauchen! Ist es Angstschweiss, der mir aus den Poren bricht? Tempo nach vorn, Gesicht nach hinten, schiesse ich davon. Ein Blauhai, ein Menschenhai. Seine riesige Finne, die durchs Wasser säuselt, sagt es. Ich irre mich nicht. Er ist sechs Meter hinter mir. Ganz langsam Die Toskana ist reich an geschichtlich berühmten Städten und den bekanntesten Kunstschätzen Besuchen Sie dort SIENA, FLORENZ, PISA und LUCCA In ROM finden Sie die Zeugen tausendjähriger Grosse harmonisch mit den Schöpfungen der Neuzeit vereint HAUEN ITALIEN Reisevergünstigungen: SCHECKS UND KREDITBRIEFE IN «REISE-LIRE» HOTEL- UND BENZINGUTSCHEINE EISENBAHNERMÄSSIGUNGEN VON 50 BIS 70% Auskünfte: ENIT, Bahnhofstrasse 51, Zürich ENIT, Place Longemalle 2, Genf ENIT, Via Monteceneri, Lugano und durch alle Reise- und Verkehrsbüros. schwimmt er und hält Schritt. Ich schwimme nicht mehr, ich schaufle. Will der Strand noch immer nicht kommen? Meine Arme tun weh und schmerzen. Es ist zum Wahnsinnigwerden! Ich blicke voraus. Der Hai taucht. Jetzt! Ich krampfe den Körper zusammen. Im nächsten Augenblick erwarte ich den Angriff, aber nichts passiert. Dann habe ich Sand unter den Füssenj ich stolpere durch das seichte Wasser — und sinke an den Strand. Zwei Stunden später sitze ich neben der schönen Frau im Wagen. Wir fahren nach Hause, nach ihrem Zuhause! Dann essen wir gut und trinken noch besser. Ich war sehr unbeholfen und sagte nichts. Sie erzählte mir von sich. Wie sie von Erdteil zu Erdteil getrieben wurde. Ich überlegte: sie konnte nicht jung sein nach allem, was sie erlebt hatte. Sie erzählte mir schliesslich, dass sie nach New-York gefahren sei, um sich bei einem Spezialisten für 5000 Dollar das Gesicht verjüngen zu lassen. «Du weisst doch, hier sieh her, hier siehst du noch die kleinen Narben!» Ich sehe die kleinen Narben, über die das Haar gewachsen ist, ich sehe das falsche Gebiss, und ich sehe das an den Wurzeln ergraute Haar. Mich friert vor dieser Frau, die alt ist und jung tut. Als sie einen Moment das Zimmer verlässt, fliehe ich. Und ihretwegen hätte mich bald der Hai gefressen. Man ist töricht, wenn man jung ist. G. A. W. Blitze — Saaltöchter — sparsame Frauen Die Frau und der Kugelblitz In der Nähe der schwedischen Stadt Enköping ereignete sich vor wenigen Tagen ein so eigenartiges Blitzphänomen, wie es bisher verbürgt noch niemals berichtet wurde. Eine Frau, die sich während eines Gewitters in einem Zimmer befand, sah plötzlich durch .das Fenster eine etwa melonengrosse Feuer- 'Jiugel hereinrollen. Sie bewegte sich zuerst auf den Telephonapparat zu, rollte aber von dort zu der von Schreck erstarrten Frau, sprang auf ihren auf dem Tisch liegenden nackten Arm, rollte diesen entlang auf den Boden und dort durch die offenstehende Tür auf den Hof hinaus, wo sie unter gewaltigem Getöse zersprang. Der Kugelblitz hinterliess keinerlei Spuren, nicht einmal auf der Haut ; der Frau. Vom Gewitter und vom Blitz Auf der ganze Erde fahren pro Sekunde durchschnittlich 100 Blitze zu Boden. Die Arbeitsenergie im Blitz beträgt 3 Millionen Kilowatt. Sie entladet sich in wenigen Tausendstelsekunden. Ein Wunder seltenster Natur sind Kugelblitze, die sich dem Menschen langsam nähern. Der Bedrohte muss geistesgegenwärtig sein und darf ja nicht davonrennen. Er wird den Blitz im Auge behalten, als sei er ein Dschungeltier. Dabei zieht er sich selber langsam zurück. Beim Laufen entsteht Luftzug, dieser zieht einen Kugelblitz direkt auf Menschen. Es ist verkehrt, bei Gewittern Schutz unter Bäumen zu suchen. Am gefährlichsten sind hohe, schlanke Pappeln, richtige Blitzableiter. Das weiss jeder Bauer. Seltener fährt ein Blitz in Buchen. Aber bei Gewittern ziehen wir doch den Aufenthalt unter kahlen, überhängenden Felsen vor. Wir meiden Flussläufe und feuchte Wiesen. Metallene Gegenstände, wie Nagelschuhe oder Eispickel werden im Gewitter fortgeworfen. G.E. Die Fremdenlegionärin In der französischen Fremdenlegion, einem Sammelbecken von Abenteurern und Desperados aus aller Herrn Länder, war jahrelang ein Engländer namens Jack Norton berühmt wegen seiner Verwegenheit, Kaltblütigkeit und ungeheuren Körperkräfte. Bei militärischen Unternehmungen ins Atlasgebirge waren es immer gerade die gefährlichsten Aufgaben, die ihn lockten. Im Guerillakrieg bei Vorrücken unter heftigem Artgriffsfeuer, auf einsamen Patrouillen, immer musste Jack der Erste sein. Er trank tüchtig und schlug tüchtig zu. Wenn zwei Legionäre aneinander gerieten und ins Raufen kamen, ging Jack hin, ergriff beide an den Köpfen und stiess sie so hart aneinander, dass beide betäubt hinstürzten. Ja, Jack war der tollste Kerl in der Legion, bis... er eines Tages in den Strossen von Marrakesch ermordet wurde und es herauskam, dass er eine Frau war! Niemand, auch nicht die französischen Behörden, haben bis zu diesem Tage völlig das Rätsel dieser unglaubhaftesten aller Crnodernen Amazonen lösen können. Aus Briefen, die sie aus Chelmsford erhielt, ging hervor, dass dies ihre Vaterstadt sei. Aber die Erntezeit Sie sind um vier Uhr aufgestanden und hinausgeschritten ins tauige Gras, in den Schnitt mit blinkendem Stahle, als die Sonne aufstieg. Ja, heute früh stand der Wagen da, wo er jetzt die Garbenlast trägt, nur trug er grüne Bürde und duftend vom Nachttau. Die Pferde hielten ihre Köpfe gesenkt vor der lichten Tiefe eines Frühmorgens. Die Frauen waren zu jener Stunde noch tätig im Hof. Sie sorgten, dass die Schnitter ihre Stärkung bekämen, wenn sie nach der Lade Gras ans Schneiden der Gelbfrucht gingen. Die Männer hielten sich hart ans Werk und standen schweigend einer hinter dem andern, ausgerichtet zum segenbringenden Krieg. Sie fingen dort an, wo es heraufwogte von Frucht. Sie holten im Gleichtakte aus, hieben ins Innere, und Halm legte sich hinter Halm. Später kamen die Frauen vom Hof, der bestellt war zum Tage, Während die Streiter noch standen, zu Füssen das Getane, oberhalb das Schnittreife, begannen die Frauen ihr Werk und legten lose Dreiviertelsgarben zusammen. Nun dehnt sich ein leeres Weizenfeld. Gestern noch stand die Frucht. Manche Aehre war schwer zur Erde geneigt, vor Schwere des Reifens zur reifen, vollbringenden Erde. G. Egger. Briefe waren nur mit «Muriel» unterzeichnet Erkundigungen blieben vergeblich. Muriel hat sich nie gemeldet, um verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen zu bekennen. (Neues Wiener Journal.) Ungarn schafft die Saaltöchter ab In seiner letzten Sitzung hat der Landesausschuss der ungarischen Hoteliers und Gastwirte beschlossen, dass im ganzen Lande «aus moralischen Gründen» Saaltöchter nicht mehr beschäftigt werden dürfen. Dieser Beschluss trifft rund 3000 Kellnerinnen, die dadurch ihre Stellung verlieren. Ob sie nun, plötzlich stellenlos geworden, wesentlich zur Hebung der allgemeinen Moral beitragen werden, dürfte eine andere Frage seinl Ist die Frau sparsamer als der Mann? Eine amerikanische Journalistin, Miss Margaret Gillis, hat eine eingehende Untersuchung darüber angestellt, wer sparsamer ist, der Mann oder die Frau. Sie ist zu dem Resultat gelangt, dass die Frau in Kleinigkeiten unbedingt ökonomischer ist, zum Beispiel was Trinkgelder betrifft, was sie aber durchaus nicht abhält, kaltblütig grössere Summen für oft ganz überflüssige Dinge auszugeben. Ein französisches Blatt empfiehlt einen der heutzutage so beliebten «Tests», eine Gewissensprüfung für die'Pariserinnen, um feststellen zu können, ob das gleiche für sie gilt, wie für ihre amerikanischen Geschlechtsgenossinnen. Die mitunter recht kitzligen Fragen lauten folgendermassen: Sprechen Sie nach einem Diner davon, ein Taxi zur Nachhausefahrt zu nehmen und warten dann, bis Herr X. alle Anwesenden in seinem grossen Auto nach Hause führt? Lösen Sie beim Empfang eines Pakets sorgfältig den Knoten des Bindfadens oder durchschneiden Sie ihn? Wenn Sie in Gesellschaft einer Freundin reisen, die Zeitungen gekauft hat, kaufen Sie dann trotzdem welche? Geben Sie gern und reichlich Trinkgeld oder nehmen Sie sich Rockefeller zum Vorbild, der nie mehr als 10 Cent gibt? Verkaufen Sie Ihre alten Kleider, statt sie zu verschenken? Rechnen Sie im' Restaurant die Rechnung nach? Telephonieren Sie mit Vorliebe bei Ihren Bekannten? Lassen Sie sich im teuersten Restaurant einladen und arrangieren als Revanche ein Picknick? Verstauen Sie im Theater, um weniger für Garderobe zu zahlen, so viele Sachen in den Taschen Ihres Mantels, dass er einem wohlgefüllten Rucksack gleicht? Hat Sie dieser «Test» auf Ideen gebracht, die Sie noch nicht hatten? Wenn diese letzte Frage mit Ja beantwortet wird, dann hat der «Test», einerlei wie die übrigen Antworten ausfallen, seinen Zweck entschieden erreicht. (Nach dem « Prager Tagblatt ».)