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E_1938_Zeitung_Nr.077

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BERN, Freitag, 23. September 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 77 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. S , jahrlieh F*. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 StrassentransporfOrdnung vor dem Nationalrat Die Eintretensdebatte — Im Eilschritt durch 35 Gesetzesartikel — Die Dringlichkeit, der Eckpfeiler der ganzen Vorlage wird mit 77 zu 32 Stimmen bejaht — In der Gesamtabstimmung sind 96 Nationalräte für und nur 3 gegen die Vorlage — Militärpolitische Erwägungen im Vordergrunde. Wieder einmal steht im Nationalrat das weitschichtige Problem Bahn/Auto zur Diskussion. Der weltpolitische Hintergrund, vor dem die diesjährige Herbstsession ihren Verlauf nimmt, ist düster. Stündlich schwingt das Pendel zwischen Krieg und Frieden hin und her. Für die Kleinstaaten scheint auf jeden Fall eine Aera angebrochen, die sie zu totaler Neuorientierung zwingen wird. Lücken und Unterlassungen au! militärischen] Gebiet können heute mit erschreckender Plötzlichkeit ausschlaggebend, vernichtend sein. Man sieht — an Aktualität fehlt es den nationalrätlichen Beratungen, von denen schliesslich die Möglichkeit der Schaffung eines ausreichenden militärtauglichen Lastwagenstandes abhängt, nicht. Der Vorwurf, dies Problem erdauert, in ungebührlicher Weise auf die lange Bank geschoben zu haben, kann unsern Parlamenten nicht erspart werden. Mit Rücksicht auf das gegenwärtige Weltgeschehen wiegt er besonders schwer. Seit Jahren schon waren die diesbezüglichen unhaltbaren Verhältnisse den eidgenössischen Parlamentariern bekannt; seit Jahren bereits beschäftigte sich sogar die öffentliche Meinung mit diesem Uebelstande in unserer Wehrvorsorge. Doch ebensolange triumphierten politische oder auf die Lage unserer Bahnen ängstlich Bedacht nehmende Rücksichten und verhinderten eine energische Inangriffnahme des Strassentransportproblems immer wieder. Allein 15 Monate strichen ins Land, ehe die bundesrätliche Vorlage- betreffend Personen- und Sachentransport mit Motorfahrzeugen endlich durchberaten. Heute nun wird der gesamte Gesetzesentwurf in ca. 4 Stunden geradezu durchgepeitscht und schlussendlich dringlich erklärt. Zwar hatte der nämliche Rat knappe 24 Stunden vorher beschlossen und erklärt, seine Vorlagen nicht mehr durch Dringlicherklärung dem Urteil und Entscheid des Volkes zu entziehen. Aber dies Versprechen ist wohl bereits in Vergessenheit geraten ! Zugegeben, die Zeit drängt: ein weiteres Hinausschieben der endlichen Sanierung unhaltbarer Verhältnisse auf dem Gebiete der motorisierten Strassentransporte wäre kaum zu verantworten. Und doch sind wir überzeugt davon, dass sich die nun zur Begründung der Dringlichkeit dienenden militärischen Erfordernisse auch auf anderem Wege raschestens hätten verwirklichen lassen. Wird das Volk es verstehen, dass wieder eine Vorlage — seit Jahren pendent — urplötzlich dringlich geworden, und wird es billigen, dass unter dem Vorwand der ernsten Weltsituation ein Problem abgetan, das nur im Zusammenhang mit der doch mindestens so dringlichen Sanierung der SBB behandelt werden durfte ? Doch nun zu den Ratsverhandlungen selbst Die schwache Besetzung des Nationalratssaales spricht der Behauptung Bratschi, man sei gerade auf dem Lande anlässlich der Unterschriftensammlung für die Gütertransportinitiative auf ein ganz gewaltiges Interesse an den Fragen des motorisierten Strassentransportes gestossen, Hohn. Das für diese Spezialmarke vorhandene Interesse bewegt sich ersichtlich in recht bescheidenem Rahmen. Einleitend referieren die beiden Kommissionsmitglieder Berthoud (Neuenburg) und Erscheint jeden Dlensta« und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlieb 1 mal „Gelbe Lifte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 2S.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesehlrtsuelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Eder (Thurgau) über die allgemeinen, mit der Transportordnung zusammenhängenden Fragen. Als wichtig wird vor allem die Teilung in Werk- und gewerbsmäss : gen Verkehr hervorgehoben und erklärt, es habe, sich auf Grund der statistischen Erhebungen über den Güterverkehr mit Motorfahrzeugen ergeben, dass bei einer Durchschnittsdistanz von 40 km zwei Drittel der Transportmengen auf den erstem, bei einem Mittel von 70 km ein Drittel derselben auf den letztern entfallen. Bemerkenswert sei ferner, wie der Anstoss zur Neuregelung der Verhältnisse trotz dem den Bahnen durch die Automobilkonkurrenz schätzungsweise erwachsenden jährlichen Ausfall von 25 Millionen Fr. nicht von diesen, sondern vom Lastwagengewerbe ausging. Ausserdem verlange die soziale Lage der Chauffeure die Sanierung der unhaltbaren Verhältnisse, und abgesehen davon seien — und darauf komme es vor allem an — gewichtige militärische Interessen durch die Neuregelung zu wahren. Es gehe um die Erneuerung und Verjüngung unseres Lastwagenbestandes, sollen die 7500 auf dem Requisitionswege zu beschaffenden Motorfahrzeuge der Armee in Zukunft auch wirklich zur Verfügung stehen. Sodann dürften arbeitsbeschaffungspolitisohe Motive mit ausschlaggebend sein, denn infolge der herrschenden unklaren Verhältnisse auf dem Gebiete der Strassentransporte sei der Bestellungseingang bei der schweizerischen Lastwagenindustrie nachgerade auf dem Minimum angelangt. Es biete sich also hier ein dankbares Gebiet für produktive Arbeitsbeschaffung. Da sämtliche am Strassenverkehr interessierten Kreise sich mit den Grundzügen des vorliegenden Entwurfs einverstanden erklärt hätten, seien die Kommissionen einstimmig für Eintreten gewesen. Hinsichtlich Art.«35 der Vorlage, welcher bekanntlich die Dringlichkeitsklausel enthält, führt Dr. Eder aus: Mit Rücksicht auf die von Tag zu Tag sich verschlimmernde wirtschaftliche Lage des Transportgewerbes sollte der Dringlichkeitserklärung stattgegeben werden. Der Erlass der Vorlage als Gesetz zöge eine länger dauernde Umarbeitung nach sich, überdies wäre in diesem Falle eine vorgängige Verfassungsrevision notwendig. Zudem dringe die Generalstabsabteilung auf baldige Inkraftsetzung der Vorlage, und schliesslich erscheine die Dringlichkeit sowohl im Interesse der Automobilindustrie wie im Interesse der Angestellten des Autotransportgewerbes als geboten. Neben diesen materiellen Gründen sei überdies zu berücksichtigen, dass die vorgeschlagene Neuordnung ja ein auf 5 Jahre befristetes Provisorium darstelle. Erst während dieser Zwischenzeit liessen sich für eine definitive Lösung hinreichend fundierte Unterlagen gewinnen; ein Vorgehen, das sich um so eher rechtfertige, als auch aus dem Auslande abschliessende Urteile über die mit Transportordnung und Verkehrteilung gemachten Erfahrungen noch nicht vorlägen. Immerhin habe sowohl die nationalrätliche als die ständerätliche Kommission der Dringlicherklärung nur im Verhältnis von 8 zu 7 Stimmen beipflichten können. Vexkehi und Strossen de* Zukunft an det Ihnx tyvtkvi lüeCtaussteCCuna General Motors hat durch den Künstler Norman Bei Geddes ein Gebäude für die Weltausstellung in New York konzipieren lassen, das die zukünftige Entwicklung des Verkehrswesens und der Strassen darstellt. Der ganze Komplex nimmt ein Areal von 30.000 m s ein und enthält Fahrstühle für die Besucher, in denen sie das ganze Gebäude fahrend besichtigen können. Jeder Fahrstuhl ist mit einem kleinen Lautsprecher ausgerüstet, damit der Besucher ungestört die Erklärungen . des Führers vernehmen kann. Die in diesem riesigen Komplex angelegten Strafen der Zukunft führen scheinbar an Abgründen vorbei, durch den Verkehr grosser Städte, durch Bergpässe und alle anderen möglichen Landschaften der Neuzeit. Eine Strecke der Strasse ist sogar in künstliche Nacht eingehüllt, wo wieder die neuen Beleuchtungsmöglichkeiten der Strassen und die zukünftige Handhabung der Automobil- Signa lisation durch polarisiertes Licht etc. gezeigt werden. Dieses Gebäude der General Motors soll hauptsächlich dem Zwecke dienen, das Publikum für die konstruktive Arbeit und die weit in die Zukunft hineinragenden Pläne der Verkehrs-Ingenieure und Strässenbau-Behörden zu begeistern und Verständnis für die Probleme einer neuen Verkehrsperiode zu vermitteln. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 KR. Grössere Inserate nach Spezialtarif tnseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer In dieser Nummer Die artikelweise Beratung der S trassentransportordnung. Maloja-Bergrennen. Eyston dem Tode entronnen. Welche Oeltemperaturen treten im Motor auf? Beilage: Wey (Luzern) begrüsst die endliche Schaffung einer Transportordnung vor allem aus sozialen Ueberlegungen. Speziell hinsichtlich Personalverhältnisse habe die bisherige Regelung grosse Mißstände mit sich gebracht. Dagegen sei darauf hinzuweisen, dass die neue Vorlage gegenüber der vom Volk am 5. Mai 193S verworfenen in mehr als einer Beziehung weiter zu gehen versuche. Sehr beachtlich seien vor allem die Eingriffe in die Wirtschaft, und es dränge sich deshalb die Frage aui, ob eine Dringlicherklärung sich rechtfertigen lasse. Nach seiner Ansicht sei es durchaus zweifelhaft, ob auf Qrund dieses 5jährigen Provisoriums und der damit gemachten Erfahrungen dann ein absehliessendes Urteil gefällt werden könne. Gafner (Bern) teilt diese Bedenken. Er hebt hervor, wie im Jahre 1935 Bahninteressen im Vordergrund der Vorlage gestanden, während heute ein neues Moment in Erscheinung trete : nämlich die Sorge um die militärische Bereitschaft unseres Landes. Im Falle eines europaischen Krieges, in den schliesslich auch wir verwickelt werden könnten, spiele die Schnelligkeit, mit der sich der Aufmarsch unserer Armee vollziehe, eine grosse Rolle. Dieses Tempo aber sei in weitgehendem Masse vom Grade der Motorisierung unseres Heeres abhängig. Die Gefahr eines ungünstigen Kriegsausganges infolge Mangel an militärtauglichen Motorfahrzeugen dürfe nicht von der Hand gewiesen werden. Uebrigens laufe ja die Tendenz des Bundesbeschlusses nicht auf eine Vermehrung, sondern gerade auf eine Reduktion des für unsere Landesverteidigung so notwendigen Wagenparkes hinaus. Wenn der Vorlage trotzdem zugestimmt werden könne, so nur im Wissen um unabhängig hievon ergriffene Massnahmen zu weiterer militärischer Motorisierung. Der Redner äussert sich dann zu der in der Vorlage eingebauten Bedürfnisklausel und sieht voraus, dass diese die Behörden vor schwierige Probleme stellen werde. Immerhin sei diese eines der Mittel, das die endliche Sanierung des Transportgewerbes bringe. Als sine qua non habe die,Privatwirtschaft die Freiheit des Werkverkehrs gefordert. Es soll dieser den nötigen Preisregulator bilden. Das Verbot des gemischten Verkehrs (Art. 5) stelle jedoch Mittel- und Kleinfirmen bestimmt recht bald vor die Frage, ob die Haltung eigener Lastwagen wirtschaftlich noch tragbar sei. Eine Verneinung dieser Frage aber brächte sie ganz zweifellos den grösseren Konkurrenzfirmen gegenüber ins Hintertreffen. Der Chef des Eidg. Post- und Eisenbahndepartementes sei deshalb gebeten, zu erklären, dass Art. 5 der Vorlage in largem Sinne gehandhabt würde. Bratschi (Bern) stellt eine Wandlung der bundesrätlichen Ansichten seit der Vorlage Fortsetzung des Feuilletons: «Töchter ein halbes Dutzend» in nächster Nummer.