Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.080

E_1938_Zeitung_Nr.080

BERN, Dienstag, 4. Oktober 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 80 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISEt A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenvenlcherung) vierteljahrlieb Fr. 7.50 Grosszügiger Strassenbau Ein gutes und ein schlechtes Beispiel. Im Hinblick auf die nächstes Jahr stattfindende Landesausstellung haben die stadtzürcherischen Behörden mit der Ausführung eines Strassenbauprogrammes begonnen, das vor allem, weil es sich nicht nur auf das engere Stadtgebiet begrenzt, sondern auch grosse Strecken ausserhalb der eigentlichen Stadtzone miteinbezieht, unbedingt grosszügig genannt werden darf. Besonderes Gewicht'wurde auf die Steigerung der Leistungsfähigkeit aller Hauptzufahrtsstrassen gelegt Die höchsten Frequenzen unter diesen haben heute schon die Limmattal-Industriestrasse und die nach Winterthur-Uster führende Ueberlandstrasse der Stadt aufzuweisen. Während erstere den gesamten Verkehr aus der ganzen Nordwestschweiz aufnimmt, rollen auf der letztern die Fahrzeuge aus der industriereichen Ostmark unseres Landes Zürich zu. Schon ist der Ausbau der Seer Bellerivestrasse vollendet und kürzlich konnten sowohl die auf Stadtgebiet gelegenen Teilstrecken der Winterthurer Ueberlandstrasse als auch die Limmattal-Industriestrasse für den Verkehr wieder durchgehend freigegeben werden. Der stadtzürcherische Teil der Winterthurer Ueberlandstrasse hat einen soliden Betonbelag erhalten. Die gesamte Strassenbreite beträgt 9 m; 2,64 m entfallen auf die Mittelplatte, je 2,73 m auf die beiden 2% nach links oder rechts geneigten Seitenplatten und je 45 cm schliesslich auf die randseitigen Betonschalen für den Wasserablauf (Abb. l). An eigentlicher Fahrbahn stehen somit 8,10 m, und zwar restlos für Motorfahrzeuge, zur Verfügung, denn für Radfahrer gibt es rechts und links der Strasse besondere Radfahrwege und für Fussgänger gibt es einen linksseitigen Fussgängerstreifen zu alleiniger Benützung. Durch Verlegung des Längsgefälles, das die sich in 25 m Abstand foilgenden Wassersammler erfordern, in den 45 cm breiten Schalenstreifen erreichte man überdies die Befreiung der eigentlichen Fahrbahn von jeglicher Unebenheit. Die aus dieser Anordnung resultierende Möglichkeit einer hundertprozentigen Ausnützung der Fahrbahn stellt einen wichtigen Faktor neuzeitlichen Strassenbaues dar und verdient um so mehr Erwähnung, als — wie Erscheint jeden. Dlenataj und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION U. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschirtsstelle Zürichs Ltwensträsse 51, Telephon 39.743 wir im Nachstehenden dartun werden —z.B. die Limmattal-Ueberlandstrasse diesbezüglich in konstruktiver Hinsicht unbedingt erhebljche Mängel aufweist. Schon ganz allgemein muss dem Automobilisten bei Vergleichen zwischen diesen beiden Ueberlandstrassen folgendes auffallen: Auf der Winterthurer Strasse werden lediglich die beiden durch einen schmalen Teerstreifen sichtbar von der Mittelplatte abgetrennten Seitenfahrbahnen durch die stadtwärts- resp. stadtauswärts fahrenden Motorfahrzeuge beansprucht; der Mittelstreifen bleibt für Ueberholungsmanöver frei und es ist also eine beinahe maximale Verkehrssicherheit gewährleistet. Auf der Limmattal-Ueberlandstrasse dagegen meiden die Motorfahrzeugführer durchwegs das an den Trottoirrand angrenzende Fahrbahnstück. Fast ausnahmslos wird rechts oder links des weissen Mittelstreifens, also in Fahrbahnmitte, gefahren.Jjin.JJe'berholen hat daher meistens auf der Fahrbahn des Gegemfahrers stattzufinden. Mit Tandem Worten: Von der totalen Fahrbahnbreite von 12 m gehen eigentlich 4—5 m für den Schnellverkehr verloren. Der Grund für diese « Konzentration auf die Mitte » ist bei Betrachtung von Abb. 2, d. h. eines Ausschnittes aus dem Schalenlängsprofil, leicht ersichtlich. Weil nämlich das Längsgefälle zwischen den in 25 m Abstand liegenden Wasserschächten parabelförmig nicht, wie bei der Betonstrasse, auf einen schmalen Randstreifen beschränkt, sondern im Gegenteil um Walzenbreite in die Strasse hinausgezogen wurde, weist diese nun eine wellenartige Form auf. Abb. 3 illustriert diese Tatsache vorbildlich. Sehen Sie sich den Verlauf des Schlagschattens längs des linken Trottojrrandes genau an; verfolgen Sie ebenso gewissenhaft die Schnittkante von Strassenbelag und rechtem Trottoirrand, den die Sonne voll bescheint! Der maximale Höhenunterschied zwischen Wellenberg und -tal, wie Sie sie hier in regelmässigen Abständen erkennen, beträgt 9-10 cm. Mit andern Worten: Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/St, hebt und senkt sich der Wagen alle \V> Sekunden um etwa diese Höhe. Die hiebei auftretenden Auf- und Abbewegungen der strasseneinwärts liegenden Achsenenden ist geringer als diejenige der beiden Gegenräder, aus dem einfachen Grunde, weil die Wellung sich allmählich anflacht und nur auf die beiden äussern, 2—3 m breiten Strassenbänder sich erstreckt. Nun wirken sich aber schon solche Höhenunterschiede von nur einigen Zentimetern, wenn sie sich periodisch in kurzer Distanz wiederholen, auf die Wagenführung unbedingt nachteilig aus. Ein derartiger Strassenausbau trägt auf jeden Fall den heutigen Verkehrsgeschwindigkeiten zu wenig Rechnung und es werden die stadtzürcherischen Baubehörden deshalb kaum um die Korrektur dieses konstruktiven Fehlers herumkommen. Wie dies geschehen kann, darauf gibt die Betonstrasse zwischen Oerlikon, resp. Schwamendingen und der Abzweigung Winterthur/Üster mit — wir wiederholen — ihrer Konzentration der zwischen den Wasserschächten liegenden Längsfällen auf eine schmale, ca. 45 cm breite Betonschale erschöpfend Auskunft. Würden die beiden Seitenstücke der Limmattal-Ueberlandstrasse mit gleichmässigem Neigungswinkel .flachgewalzt, dann Hessen sich an Stelle von 7—8 m 11,10 m der 12 m breiten Strasse restlos für den Motorfahrzeugverkehr ausnützen. Zugegeben — auf dem Papier mag die für die, Limmattal-Ueberlandstrasse gewählte Konstruktionsart bestechend ausgesehen haben, vor allem für den reinen Techniker oder Ingenieur. In der Praxis aber erweist sie sich schon heute als sehr nachteilig: einmal wegen unvollständiger Ausnutzung der geschaffenen Fahrbahn, zweitens infolge erheblicher Reduktion der Verkehrssicherheit und drittens durch unnötige Ueberbeanspruchung sowohl des Fahrers als des Fahrzeuges! Derselben Strasse haften aber auch noch andere Schönheitsfehler an, welche eine rasche Korrektur erheischen. Etwa 200 m östlich des Gaswerks der Stadt Zürich (bei Schlieren) künden zwei gelbe Streifen quer über die Strasse einen Fussgängerstreifen an. Diese Anordnung widerspricht denn doch den elementarsten Verkehrsprinzipien! Kaum Abb. INS ER TIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Inseratensrbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Der Lastwagen als Wehr- Reserve. Vor dem Bau eines deutseben 1,5-Liter-Rennwagens. Eine fehlerhafte Kreuzung. Der Zweitakter. ein Automobilist, und schon gar nicht ein ortsfremder, wird an jener Stelle, d. h. auf offener Strecke, einen Fussgängerstreifen erwarten. Er wird ihn bei einiger Geschwindigkeit auch unter keinen Umständen rechtzeitig genug erkennen können. Dieser Fussgängerstreifen muss, soll er anstatt zur Verkehrssicherheit beizutragen, dieser nicht im Gegenteil Abbruch tun, unverzüglich zur Häusergruppe des Gaswerkes verlegt werden. Rein instinktiv vermindert der Motorfahrzeugführer dort seine Geschwindigkeit; an jener Stelle wird er den Fussgängerstreifen rechtzeitig beachten und entsprechend handeln. Eine weitere, den heutigen Verkehrsbedürfnissen und der Forderung nach grösstmöglicher Verkehrssicherheit zuwiderlaufende Anordnung stellt die Kreuzung der mdustriemit der Altstetterstrasse dar. Hierüber wird an anderer Stelle dieses Blattes eingehend berichtet. Man verstehe uns recht: diese Kritik an verschiedenen Konstruktionsdetails der Limmattal-Ausfall- und Zufahrtsstrasse stellt keine Herabwürdigung der in diesem Umbau zum Ausdruck gekommenen strassenbautechnischen Leistungen dar. Im Gegenteil — die stadtzürcherischen Behörden verdienen für ihre grossdimensionierten und auf hohe Leistungsfähigkeit berechneten Strassenbauten alle Anerkennung. Wir haben aber als Sprachorgan der Motorfahrzeugbesitzer und* -führer die Pflicht, auf Mängel und Nachteile, welche erst die Praxis erweist, hinzuweisen. Darum: Sollen die hiefür aufgewendeten öffentlichen Mittel in Form maximaler Verkehrssicherheit Zins tragen, dann muss sich die Limmattal Ueberlandstrasse noch 2. Teillängssehnitt durch Strassen-Trottoir-Körper an der Industriestrasse. Abb. 1. Betonierte Winterthurer Ueberlandstrasse. Abb. 3.' Asphaltierte Limmattal-Industriestrasse.