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E_1938_Zeitung_Nr.082

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BERN, Dienstag, 11. Oktober 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 82 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS. PREISE« Austab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10*— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenvenicherunc) rierteljihrlich Fr. 7.50 Reißbrett-Phantasten Ein Beitrag zur Diskussion der Autotunnel-Projekte Es scheint, als würden gewisse Kreise durch die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten unseres Landes und die weitere Zuspitzung seiner militärpolitischen Lage direkt zur Propagierung phantastischer Bauprojekte aufgestachelt. Zweifelsohne glauben sich diese Leute Wegbereiter einer neuen Konjunkturperiode; jedenfalls nehmen sie ihre Mission entsprechend wichtig und sprechen nur im tiefsten Brusttone der Ueberzeugung. Zugegeben — das Problem des Autotunnelbaues steht heute im Vordergrund des Interesses; zugegeben — es bietet dem Techniker ein verlockendes und fesselndes Betätigungsfeld. Doch um es vorweg zu nehmen: Von kunstgerechtein Tunnelbau versteht der Grossteil dieser Projektverfasser etwa soviel — aber auch nicht mehr — als ein Zahnarzt von der Chirurgie. Doch weit betrüblicher noch als diese Tatsache ist die Erkenntnis, dass zur Popularisierung solcher Pläne jeweils Politiker berufen werden, deren Urteil in den seltensten .Fällen durch Sach- oder Fachkenntnis beschwert ist. Diese Verpolitisierung der Bauvorhaben aber macht die Verwirrung noch grösser, dies Phantasieren noch gefährlicher. Mitschuldig an dieser — man ist versucht zu sagen « Autotunnelbau-Epidemie » sind ganz bestimmt die während der letzten Jahre in dichtbesiedelten Großstädten des Auslandes ausgeführten Bauten ähnlicher Natur. (Holland-Tunnel 2610 m, Boston-Tunnel 1720 m, Scheide-Tunnel 1770 m, Mersey-Tunnel 3220 m, Lincoln-Tunnel 2504 m u. a. m.). Solch technische Kühnheit ist begeisternd, der Wunsch wird zum Vater des Gedankens und da unser Land Großstädte, deren Verkehrsdichte solche Konstruktionen erfordert, nicht besitzt, übertrugen phantasievolle Leute hinter Reissbrettern die Idee ganz einfach auf die Alpenzone. Warum sollte, nachdem im Zeitalter der Schiene der Alpenwall an allen möglichen Stellen unterfahren, jeder nur einigermassen bedeutsame Berg mit einer Aussichtsbahn und dem zugehörigen Gipfelkasten ausgerüstet worden war, dem motorisierten Strassenverkehr heute nicht gleiches Recht werden? Innert kurzer Zeit durfte unser Land infolgedessen ein neues Privileg für sich be- , ansprachen: Auf kleinstem Räume die grösstmögllche Auswahl an Autotunnel-Projekten zu präsentieren ! Es sei in diesem Zusammenhang lediglich an folgende angeregte Bauten erinnert: Ericheint jeden Dienst«« and FrelUg Wöchentliche Beilag» „Autor-Magazin". Monatlieb 1 mal „Gelke liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.223 - Pöttch'eelt III414 - Telegramm-Adresse; Autorevue, Bern GeschlftssteUe Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 Col de Ferret-Tunnel 6 km; Umbau des einen der beiden Simplön-Tunnels für den Automobil-Verkehr 19 729 m; Gotthard-Strassentunne'l: a) Basisturinel von 15,1 km, b) Scheiteltunnel 9,8 km; Titlis-Tunnel 5,8 km; Tödi-Kistenpass: Variante I 2250 m, Variante II 4000 m, Variante III 11350 m Tunnellänge; Bifertenstock 9500 m; Basistunnel vonTruns nach Thierfehd 14 km; Panixer 5660 m Tunnellänge; Segnes 1300 m Tunnellänge; Bernhardin 5061 m TunneLlärige. Nun hat sich dies Programm um einen weitern Punkt verlängert: Neuerdings meint nämlich ein Basler Architekt hinsichtlich eines Gotthard-Strassentunnels das non plus ultra gefunden zu haben. Der Traum dieses Herrn Hosch wäre ein zum Gotthardbahn-Tunnel parallel verlaufender Strassentunnel. Anstatt 80 Millionen Franken, welche das Grunersche Basisprojekt auf Vorabwertungsgrundlage veranschlagte, würde seine Lösung des Problems dank der Einbeziehung des bestehenden Bahntunnels in den Bauvorr gang und als Frischluftzufuhrkanal nur 48 Millionen Franken beanspruchen. Kurz skizziert schlägt das Hosch'sche Projekt folgendes vor: Achse des Autotunnels 25 m von der Achse des bestehenden Eisenbahntunnels entfernt, und zwar Kote 1109 m Göschenenportal, Kote 1145 m Südportal bei Airolo und 1154.50 m Scheitelhöhe. 17 Quer Stollen hätten den Autotunnel mit dem Bahntunnel zu verbinden. 8 dieser Querstollen dienen anfänglich zum Bau des Autotunnels: durch diese Massnahme Hesse sich die Bauzeit des Sohlstollens auf 13 Monate beschränken. Da das dem Autotunnel nächstgelegene Geleise für den Aushub benötigt würde, hätte • der Bahnverkehr durch den Gotthard während 2 Jahren eingleisig vor sich zu gehen. Das Bedenklichste an diesem Projekte erscheinen uns jedoch die jeder Grundlage entbehrenden Rentabilitätsberechnungen. An Einnahmen werden veranschlagt: Durchfahrtsgebühr von 20 Fr. bei 100,000 Wagen = 2 Millionen Franken. Als wahrscheinlich nimmt der Projektverfasser jedoch die Jahresfrequenz von 300,000 Wagen an, mit andern Worten: er sieht eine 12 folge Verzinsung des Anlagekapitals voraus! Diese wenigen Angaben genügen bei Unvoreingenommenheit doch sicher vollauf, um die- Bezeichnung «Phantasieprodukt > zu rechtfertigen. Hören wir, was die « Schweiz. 'Bauzeitung » —r vom technischen Standpunkte aus betrachtet — einwendet: « Man steile sich das Aus- und Einfahren des Materials, einschliesslich Holz für die Zimmerung, mit Umlad in die senkrecht zum S.B.B.-Geleise liegenden engen Querschläge, die Arbeiterzüge beim Schichtwechsel der 16 Vortriebe usw vor! All dies dicht neben dem Bahnbetriebsgeleise mit seinen Express-, Personen- und Güterzügen; es ist völlig undenkbar. Sodann aber ist es absolut ausgeschlossen, während der jahrelangen Bauzeit den Bahnbetrieb im Gotthardtunnel einspurig zu führen. Um dessen Dichtigkeit zu beurteilen, genügt es natürlich nicht, die fahrplanmässigen Züge zu zählen; man muss überdies wissen, dass die 110 täglichen Züge (nicht 60, wie Hosch annimmt) sich nicht gleichmässig auf die 24 Stunden verteilen, dass ferner dazu kommen, die 10 Fahrordnungen der Schnelltriebwagen im Sommer. Die S.B.B, waren daher genötigt, die 15,8 km lange Blockstrecke Göschenen-Airolo durch eine Blockstation in Tunnelmitte zu unterteilen, so dass jetzt ge- INS ERTIONS. PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach SpezialtarU lnserntcnsehjuss 4 Tane vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Eisenbahn-Rationalisierung und Autoverkehr. Rekordfahrt eines Fiat-SIata in Monza. Automobil-Aussenhandel im II. Quartal u. I. Halbjahr 1938. Auto-Beleuchtung einst und jetzt. DIE KLEINE REVUE legentlich bis 4 Züge gleichzeitig im Tunnel fahren. Da ist die Einspurigkeit und damit der Herrn Arch. Hosch vorschwebende Bauvorgang absolut ausgeschlossen. Damit reduzieren sich aher die Angriffst eilen auf die beiden Portale, und Bauzeit wie Baukosten nähern sich denen des Projektes Grüner. Der Vorschlag von Arch. Hosch gehört somit ins gleiche Reich der Utopie wie die einspurige Simplonidee. Damit erübrigt sich ein näheres Eintreten auf die mancherlei weitem Punkte, die zu fachmännischer Kritik herausfordern. » (Fortsetzung Seile 2.) Parkierungssorgen an der Schweizerischen Landesausstellung ' Nur noch 7 Monate trennen uns von der Eröffnung der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich und noch ist man immer nicht orientiert, wie es mit der nicht so leicht zu lösenden Frage der Parkienmg der privaten Motorfahrzeuge steht. Man weiss zwar, dass sich die städtischen Polizeibehörden schon seit Wochen und Monaten mit diesem heiklen Problem befassen, dass aber ihre Vorschläge für die Bereitstellung ausgiebiger Parkplätze wie das alte Tonhalleareal und die Escherwiese beim Kongressgebäude bis anhin stets an der Unnachgiebigkeit des Stadtrates scheiterten. Man scheint sich bei dieser Instanz in der Parkierungsfrage einem Optimismus hinzugeben, den man in Verkehrs- und Automobilkreisen nicht zu teilen vermag. Immer wieder stützt sich der Stadtrat auf weitabgelegene Parkplätze, die er sogar an der Stadtperipherie zu errichten beabsichtigt und übersieht daher vollständig, dass, wie die Erfahrungen stets gezeigt haben, die Automobilisten diese weitabgelegenen Parkplätze überhaupt nicht benützen werden, und dass auch nicht die Möglichkeit besteht, sie dazu zu zwingen. Die logische Folge wird sein, dass alle Strassen in der Nähe der beiden Ausstellungsareale (linkes und rechtes Ufer) überfüllt und verstopft sein werden und nicht einmal die dort wohnenden Anstösser ihre eigenen Wagen mehr aufstellen können. Das Verlangen ist deshalb nicht ungerechtfertigt, dass endlich aufnahmefähige Parkpläte bereitgestellt werden, auch wenn deren Schaffung für die Stadt mit gewissen Kosten verbunden ist. Dies gilt für das alte Tonhalleareal wie für die Escherwiese. Nachdem nun für die Kantonsschule neue Turnplätze mit Hallen erstellt werden, bietet sich eine Parkierungsmöglichkeit auch auf dem bisherigen Kantonsschulturnplatz beim Heimplatz, der den Vorteü hat, sehr günstig gelegen zu sein. Wenn wir richtig informiert sind, besteht bei den Stadtbehörden eventuell Geneigtheit, gewisse Parkplätze besonders herzurichten, wobei man hofft, die Kosten durch Erhebung einer Parkplatzgebühr wenn nicht ganz, so doch teilweise decken zu können. Die Ausstellungsorgane werden auch gegen diese neueste Erfindung finanzhungriger Beamten Verwahrung einlegen müssen. Nicht nur käme dadurch die Stadt Zürich in argen Verruf, sondern die Stadtverwaltung würde eine weitere Enttäuschung erleben, denn so viel liegt auf der Hand, dass die Automobilisten diese abgabepflichtigen Parkplätze sofort meiden würden. Es gibt für die Stadt Zürich und die Schweizerische Landesausstellung nur eine klare, saubere Lösung : Bereitstellung genügender, gebührenfreier Parkplätze möglichst nahe der Ausstellung oder dann doch an solchen Punkten, die ohne erhebliche Zeitverluste und ohne viel Geld leicht vom Ausstellungsareal erreicht werden können. V Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwlck. 22. Fortsetzung. « Seife, viel Seife, Soda, Putzpulver, Möbelpolitur, Bohnerwachs, Terpentin », las er vor. «Ich hoffe, dass die neuen Dienstboten ordentlich sein werden; wann treten sie ihren Dienst an ? » « Ich habe ihren Antritt ein paar Tage hinausgeschoben. Ich möchte gern, dass Sie und Nancy drüben nachsehen, woran es fehlt; ich meine nicht für das Scheuerfest, sondern an Wäsche und Geschirr. Ich kann keinem Mädchen zumuten, das Haus in diesem Zustand zu übernehmen, nicht wahr ? Ich weiss nur nicht, was besser ist: jetzt alles instand zu setzen, so dass es verlockender aussiebt, oder damit zu warten, bis eine Entscheidung gefallen ist.» f Was meinen Sie damit ? > « Meine Wiederverheiratung. > < Es wäre das Vernünftigste, was Sie tun könnten.» f Selbstverständlich wäre es für die Kinder und mich sehr gut; aber ob auch für das Mädchen ? Wenn ich es von ihrem Standpunkt betrachte, bezweifle ich es. Es kann klappen, es kann aber auch schiefgehen.» «Denken Sie dabei an ein bestimmtes Mädchen ? » George paffte aus seiner Pfeife und machte dabei den Eindruck, als ob er genau wüsste, was er wolle; aber er äusserte sich nicht. Immerhin zeigte er mehr Hoffnungsfreudigkeit und Energie, als ich seit dem Tode des Kindes an ihm bisher gesehen hatte. Als Nancy und ich im Nachbarhause Inventur machten, fanden wir zerrissene Wäsche und kaum etwas von Glas und Porzellan vor. Ein gut Teil Silber war verschwunden. Ein Brand oder ein Einbruch hätte nicht so viel Schaden anrichten können, wie diese Prozession gewissenloser Geschöpfe in fünf Jahren. Ich schäme mich für mein eigenes Geschlecht, wenn ich über diese Leute schreiben muss, und bezweifle, dass ein Mann, welcher Klasse er auch immer angehört, so handeln würde. Nicholas sagt, dass ich vollständig recht habe, und dass Männer viel ehrlicher, gewissenhafter und fleissiger seien, wenn sie sich selbst überlassen blieben. Im Laufe der darauf folgenden Wochen habe ich mich nicht sehr viel darum gekümmert, war drüben vorging, weil ich zu sehr mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt war. Celia sah elend aus, und Dr. Little sagte mir, dass sie Luftveränderung haben müsse, damit sie nicht ganz herunterkommt. Dann schrieb mir Martha einen sehr glücklichen Brief aus Liverpool, in dem sie mich dringend zu einem längeren Besuch im Juli einlud. Kurz darauf aber kam die Nachricht, dass durch einen unvorsichtigen Sprung über eine Hecke alle freudigen Erwartungen zunichte geworden und Martha erkrankt sei. Celia begab sich für einige Zeit zu ihr, und ich war froh, dass sie dort war. Ich war aber auch froh, feststellen zu können, dass Bill Cleveland, der eines Tages zu uns kam, ausgesprochenen Unmut verriet, als er sie nicht vorfand. Er schien zu denken, dass man sich mit ihm über Celias Abreise vorher hätte besprechen müssen. Als er aber gar hörte, dass sie über Weihnachten in Liverpool bleiben würde, machte er ein so langes Gesicht, dass ich um Celias willen innerlich jubelte. In Porthlew glaubte zurzeit ausser Frau Cleveland niemand daran, dass Bill je Isabel Godolphin heiraten werde. Jane war zu Besuch bei Tante Betty. Sie hatte zwar, weil sie sich einsam fühlte, nach Nancy verlangt; aber diese sagte, sie könne sich nicht in Yorkshire abschliessen, da sie nach einer neuen Stellung Umschau halte. Tante Betty jedoch war der Ansicht, dass