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E_1938_Zeitung_Nr.083

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AUTOMOBIL-REVUE Letzte

AUTOMOBIL-REVUE Letzte Ifleldun^en AufomobüwivtsdiaH Unsere Treibstoffimporte im Zeichen der europäischen Krise. Ganz allgemein kennzeichnet sich die Entwicklung des schweizerischen Aussenhandels im Monat September durch vermehrte Einfuhren aller möglichen Produkte, was im Hinblick auf die gespannte politische Lage wohl verständlich erscheint, um so mehr, als in dieser oder jener Branche die Lagerbestände einen beträchtlichen Schwund zu verzeichnen hatten. Dass von dieser Bewegung in erster Linie die Treibstoffe mit erfasst wurden, liegt auf der Hand. Allein im Monat September haben die Benzinimporte beispielsweise eine Zunahme von 179.255 q auf 226.697 q, also um 47.442 q zu verzeichnen. Dass es sich bei diesen Mengen um auf Lager gelegte Vorräte handelt und keineswegs um in den Konsum übergegangene Quantitäten, braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden. Damit aber hat sich einmal mehr eine Schattenseite unserer Treibstoffversorgung aufgezeigt — eine vollkommen ungenügende Lagerhaltung von einem Produkt, das nicht nur für die Landesverteidigung selbst von grösster Wichtigkeit ist, sondern auch in kriegswirtschaftlicher Hinsicht bedeutsame Funktionen zu erfüllen hat. Wir zweifeln nicht daran, dass die Eidgenossenschaft für den Bedarf der Armee vorgesorgt habe, soweit ihr das bei den beschränkten Lagerungsmöglichkeiten überhaupt möglich war. Dagegen scheinen die Treibstofflager der Importeure und Detaillisten nicht gerade voll ausgenützt gewesen zu sein, ansonst kaum innert einiger Tage beinahe 5000 Tonnen zur Lagerung hatten importiert werden können. Im Hinblick auf die anhaltenden Spannungen in den internationalen Beziehungen ist wohl kaum zuviel gefordert, wenn behördlicherseits darauf gedrungen wird, dass in Zukunft unsere Treibstofflager, und zwar auch diejenigen der Privatwirtschaft, zweckentsprechend aufgefüllt bleiben. Im Ernstfalle braucht eben nicht nur die Armee, sondern auch ein grosser Teil der lebenswichtigen Betriebe, insbesondere der Lebensmittelbranche, grössere Benzinquantitäten. Dass der eigentliche Benzinkonsum mehr oder weniger in einer rückläufigen Entwicklung begriffen ist, zum mindesten jedoch stagniert, erhellt sich aus dem Umstände, dass die während den ersten drei Quartalen eingeführten Benzinquantitäten gegenüber denjenigen der entsprechenden Vorjahresperiode knapp die im September eingeführten Mehrquantitäten übertreffen. Das Verhältnis steht nämlich 1.541.189 : 1.491.076 q, d.h., die Mehreinfuhr von 50.113 q übertrifft um etwas weniges die im September allein mehr eingeführte Benzinmenge, welche mit der Erhöhung der Lagerbestände zusammenfallen dürfte. Eine beinahe ähnliche Entwicklung verzeichnen die Importe von Mineral- und Teerölen zum Antrieb von Fahrzeugmotoren. Im September sind 24.813 q eingeführt worden oder 12.661 q mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Für die ersten 9 Monate des laufenden Jahres ergibt sich eine Gesamteinfuhr an Mineral- und Teerölen von 100.186 q gegenüber 72.813 q in den drei ersten Quartalen des Jahres 1937, was einer diesjährigen Mehreinfuhr von 28.373 q entspricht Um nur 27 q hat hingegen die Septembereinfuhr von Petroleum zum Antrieb von Komiort für Verkehrspolizisten. Die Pariser Verkehrspolizisten werden im kommenden Winter mit heizbaren Fussplatten ausgerüstet werden, um Erkältungen zu verhüten. Gelbes Scheinwerferlicht in Frankreich obligatorisch. Mit Wirkung zum 1. Januar 1939 wird in Frankreich das gelbe Scheinwerferlicht für alle Motorfahrzeuge als obligatorisch erklärt. Reifen mit Kunstseideneinlage werden nunmehr, nachdem bereits die amerikanische Pneuindustrie zu deren Herstellung übergegangen war, auch von den englischen Fabriken produziert. Norwegen baut Fjord-Autostrasse. In Norwegen befindet sich eine Autostrasse im Bau, die, von Oslo ausgehend, der Küste entlang bis Kirkenes im hohen Norden führen wird. Das neue Werk soll bis zum Herbst 1942 vollendet sein. Fahrzeugmotoren zugenommen. Insgesamt sind in den ersten 9 Monaten 11.309 q dieses Motortreibstoffes eingeführt worden, oder 543 q mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Aufschlussreich sind insbesondere wieder die Importe von Petroleumsurrogaten zum Antrieb von Fahrzeugmotoren. Während diese im September 1937 nur in einer Menge von 11 q eingeführt wurden, waren es im September des laufenden Jahres nicht weniger als 1268 q. Insgesamt aber sind während den ersten 9 Monaten gegenüber dem entsprechenden Abschnitt des Vorjahres nur 565 q dieses Motortreibstoffes mehr eingeführt worden. Ablösung der kantonalen Automobilsteuer—ein Versuchsballon? Letzten Mittwoch trafen die kantonalen Finanzdirektoren mit den Spitzen der Bundesverwaltung und der Nationalbank zwecks Behandlung der verschiedenen finanzpolitischen Landesfragen zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Frage der Verwendung des eidg. Nibelungenschatzes — des bald sagenhaft gewordenen Abwertungsgewinnes nämlich — und das Problem der Kapitalertragssteuer. Dr. Maurer vom Amt für Verkehr referierte bei dieser Gelegenheit auch über das» für manchen Automobilisten zwar bestechende, aber ausgesprochen zweischneidige Schwert der Ablösung unserer kantonalen Automobilsteuern durch eine Bundessteuer (Umlage auf Benzinzoll). Die Hüter der kantonalen Finanzhoheit scheinen jedoch diesem seit langem wieder und wieder ventilierten Projekte noch immer keine grosse Begeisterung entgegenzubringen. Uns will übrigens der Moment zur Erörterung des Umlageverfahrens schon vom rein politischen Standpunkte aus als schlecht gewählt erscheinen. Unsere welschen Miteidgenossen opponieren einer weitern Zentralisierung unter allen Umständen und zweifellos heftig. Ausserdem haben die Benzinkonsumenten hinsichtlich indirekten Steuerfragen mit dem Bunde die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht: Er lässt ja nicht einmal mit sich reden, wenn — wie dies beim Benzinzoü der Fall — unter seiner Starrköpfigkeit unsere Wehrbereitschaft leidet! istischer Den Bogen überspannt. Finnland geht in seinen Massnahmen zur Bekämpfung der durch übermässigen Alkoholgenuss hervorgerufenen Verkehrsunfälle so weit, dass der Fahrer, bei dem sich auch nur die geringsten Alkoholspuren nachweisen lassen, zum Sündenbock gestempelt und als schuldig erklärt wird. Das heissen wir das Kind mit dem Bade ausschütten! 598 autotechnische Patente in einem Jahr. Während des Jahres 1937 hat das deutsche Reichspatentamt 598 Patente auf Erfindungen motorfahrzeugtechnischen Charakters erteilt. Im nämlichen Jahre erfolgten nicht weniger als 3062 derartige Patentanmeldungen. Was ein neues « Modelljahr > kostet. Meldungen aus New York zufolge hat die Aus der Verwaltung der SBB. (Mit?.) Unter dem Vorsitz seines Vizepräsidenten, Herrn Ständerat Beguin, versammelte eich der Verwaltungsrat der SBB am 12. Oktober zu einer Sitzung ~n Bern. Zunächst hatte der Rat einige Wahlgeschäfte vorzunehmen, um danach als wichtigstes Traktandum den Voranschlag für das Jahr 1939 zu behandeln. Dieser ist nach wie vor auf äusserste Sparsamkeit abgestimmt. Der Bauvoranschlag sieht Ausgaben von 24 84190Q Franken vor, die für die Fortsetzung der begonnenen Bauten, die Inangriffnahme der dringlichsten Neu- und Ergänzungsbauten, sowie die notwendige Erneuerung des Rollmaterialparkes Verwendung finden. Der Betriebsvoranschlag rechnet mit Transportein,nahmen von 310 000 000 Franken, was gegenüber den Einnahmen des Jahres 1937 einen Rückgang von 4,2% bedeutet. Die Betriebsausgaben werden unter Beachtung grösstmöglicher Einschränkungen auf 233 429 000 Franken veranschlagt. Der Voranschlag rechnet mit einem Fehlbetrag der Gewinnund Verlustrechnung von 37 700 000 Franken. Der Verwaltungsrat beschloss, dem Bundesrat zuhanden, der Bundesversammlung das Budget nach den gestellten Anträgen zur Genehmigung zu unterbreiten. Es gibt wenige gefährlichere Manöver beim Autofahren als das Ueberholen bei Dunkelheit. Das «Vortasten> hinter dem Vordermann, um zu sehen, ob die Strasse frei ist, muse schon mit besonderer Vorsicht geschehen. Sieht man dabei vorn irgendwelches Licht auf der Strasse, sei es noch so klein und scheine es noch so entfernt zu sein, so unterlaese man das Ueberholen. Es ißt nämlich so gut wie unmöglich, die Entfernung eines Lichtes richtig abzuschätzen und die Geschwindigkeit eines entgegenkommenden Fahrzeugs zu beurteilen. Ein Fehler, der hierbei gemacht wird, kann katastrophale Folgen haben. Täglich länger bleibt es dunkel, täglich müssen die Scheinwerfer früher eingeschaltet werden. Kurz — die elektrische Beleuchtung ist jetzt für den Kraftfahrer unentbehrlich. Er sollte deshalb dafür sorgen, dass er nie auf sie zu verzichten braucht. Dass Lichtmaschine, Batterie und Kabel tadellos in Ordnung sind, sollte man voraussetzen dürfen; dann braucht man von ihrer Seite nicht so leicht Ueberraschungen zu fürchten, denn sie sind ziemlich dauerhaft. Dagegen ist der « Lebensfaden » der verschiedenen Lampen sehr schwach, auch die Sicherungen sind recht empfindlich. Deshalb ein guter Rat: Reserve-Birnen und Reserve-Sicherungen im Wagen mitführen, möglichst auch eine Zündspule — dann kann man sich fast immer helfen! Aber man muss auch das «Schaltschema» des Wagens zur Hand haben, damit man nicht» lange zu suchen bracht, wo der Fehler steokt. Firmenänderung: Die Fa. Labico Leuchtwegweiser AG., Langnau, hat in der G. V. die Fa. abgeändert in Labico Schweizerische Leuchtwegweiser-Unjernehmutig AG. Die Statuten wurden einer Totalrevision unterzogen und an das neue Recht angepasst. Die Gesellschaft bezweckt die Erwerbung und die Verwertung der Lahico-Leuchtwegweiser-Patente und Schutzrechte, sowie die Erwerbung, Verwertung und Uebernahme der Vertretung von andern Verkehrs-, reklame- und lichttechnischen Erfindungen, Lizenzen, Patenten und Schutzrechten. Die Gesellschaft kann sich an andern verwandten Unternehmungen beteiligen. Die Kommanditgesellschaft unter der Firma 0. Steiner & Co., Reparaturwerkstätte, Garage, Handel mit Automobilen, Pneu und Zubehör, in Rorschach, ist infolge Auflösung und Uebernahme der Aktiven und Passiven durch die Firma «Otto Steiner» erloschen. Firmenlöschung. Die Kollektivgesellschaft unter der Fa. Fritz Hausin & Sohn, Strassen- und Tiefbauunternehmung, Isolationen, mit Hauptsitz in Zug und Zweigniederlassung in Luzern, wird infolge Erlöschens am Hauptsitz im Handelsregister von Luzern von Amtes wegen gestrichen. Die Fa. Rudolf Kipfer, Auto-Reparaturwerkslätte, in Arth, Garage und Autoreparaturwerkstätte, ist infolge Aufgabe des Geschäftes und Wegzugs des Inhabers erloschen. Die Fa. «Rohag» Rohoel-Generatoren, Aktiengesellschaft, Verwertung und Ausnützung einer amerikanische Automobilindustrie für die Umstellung ihrer Maschinen, Werkzeuge usw. zur Fabrikation der 1939er Modelle dieKonstruktion zum Umbau von Benzinmotoren auf Summe von 60 Millionen Dollar ausgegeben. Rohöl- resp. Spezialbrennstoffretrieb, Ankauf und Kein Pappenstiel. Verwertung anderer techn. Neuheiten usw., mit Sitz in Bern, welche faktisch aufgelöst ist, wird gestützt auf die Ermächtigung der kant. Justizdirektion von Amtes wegen im H. R. von Bern gelöscht. h n«»n F«B» Überholen bei Dunkelheit. Reserve nicht vergessen! den £rUAPFlUII bewältigte, hat er sich den tiefgefühlten Dank seiner Kollegen erworben. Schweren Herzens nehmen wir Abschied von dir, lieber Gust. Schlafe wohl, die Erde «ei dir leicht! Zu einem Nachmitfagsbummel, Sonntag, den 16. Oktober, mit Car ins Zugerland, laden wir alle Mitglieder mit ihren Angehörigen freundlich ein. Abfahrt ab Beatenplatz (Du Pont) 13 Uhr. Rückkehr nach Uebereinkunft, ca. 20 Uhr. Fahrpreis pro Person ca. 4 Fr. Keiner versäume diese Fahrt, denn irgendwo wird ein Ehrentrunk gespendet. Bei zweifelhafter Witterung gibt Tel. 11 ab 10)4 Uhr Auskunft über Abhaltung. Der Vorstand. Aus de* V« CHAUFFEUR-VEREIN ZÜRICH Indusf* Autogen-Schweisskurs. Die Continental Lichtund Apparatebau-Geselschaft in Dübendorf veranstaltet vom 8. bis 11. November 1938 für ihre Kunden und weitere Interessenten neuerdings einen S'ohweisskurs. Sowohl der theoretische wie auch der praktische Unterricht werden von geübten Fachleuten erteilt. An einem Kursabend findet ausserdem ein sehr interessanter und lehrreicher Filmvortrag 6tatt, welcher die Teilnehmer über die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten der Autogen-Sohweissung aufklärt. Man verlange sofort das ausführliche Kursprogramm von obiger Gesellschaft. Redaktion: Dr. A. Locher — Dr. E. Waldmeyer, Dipl.-Ing. F. 0. Weber. Das stabilisierte Mineralöl der Weltrekorde! Gen.-Vtrtr. f.

BERN, Freitag, 14. Oktober 1938 Die Erfindung eines Schweizers vor 200 Jahren: Die Maschlnenmenscheii von La Chaux-de-Fonds. Die Androiden (künstliche Menschen) des Uhrmachers P. J. Droz Von Frederic Chaudronnier. (Nachdruck verboten.) Ende bereitete. Ein junger französischer Adeliger durchbrach nach einer Vorstellung die Absperrung, riss die Puppe in seine Arme und küsste sie. Henri Droz gab ihm einen Stoss, dass er hinfiel. Wütend raffte sich der junge Mann wieder auf, zog seinen Degen und Die Sehnsucht der Menschen, sich ein künstliches Ebenbild zu schaffen, eine mechanische Figur, einen Automaten, einen Robot, ist uralt. Die moderne Technik, der Fortschritt der Mechanik verblüffen uns abgebrühte Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr im geringsten, und alles, was sich dreht und bewegt, auch wenn es dem menschlichen Ebenbilde gleicht, hat für uns nichts Mystisches, nichts Geheimnisvolles mehr, es ist eine Selbstverständlichkeit, die das Wissen und die Wissenschaft der Menschen hergestellt haben. Vor knapp zweihundert Jahren waren unsere Vorväter jedoch noch lange nicht so «abpier und der erstaunte Richter las die deutlichen Worte: «Wir sind die Androiden von Jacquet Droz.» War das Zauberei? Stand Droz mit dem Bösen im Bunde? Der hohe Rat von La Chauxde-Fonds verhaftete den braven Uhrmacher nicht, so unverständlich ihm der ganze Vorgang des schreibenden Knaben war und so unerklärlich allen Anwesenden die Konstruktion erschien. Wie ein Lauffeuer sprach sich nun die Geschichte von dem Gespensterknaben, von der Puppe, die selbständig schrieb, herum und eine wahre Völkerwanderung von Neugierigen strömte nach dem kleinen Gebirgsort, um « Wir sind die Androiden Jaquet Droz». Der schreibende Knabe des Uhrmachermeistera P J. Droz schrieb diese Worte auf ein Stück Papier. Dies ist eine Originalkopie der Niederschrift, die der erste Automat von Droz verfertigte. gebrüht», wie wir es heute sind, und es ist daher nicht verwunderlich, dass eines schönen Tages verschiedene Einwohner des kleinen Schweizer Fleckens La Chaux-de-Fonds zum Gericht liefen und die Verhaftung des Uhrmachers Pierre Jacquet Droz verlangten, mit der Begründung, er sei ein Zauberer und Hexenmeister. Denn, der Uhrmacher P. J. Droz hatte in seiher Wohnung einen künstlichen Menschen stehen. Man schrieb das Jahr 1748, und Hexenprozesse waren schon lange nicht mehr üblich, trotzdem sie noch verschiedentlich vorkamen, jedenfalls beschloss das Gericht, den Uhrmacher einmal zu besuchen und sich diesen künstlichen Menschen anzusehen. Droz hatte einen guten Namen als Handwerker und Bürger, und niemand hätte ihm Hexerei zugetraut. Was jedoch die Amtspersonen in der Wohnung des Meisters sahen, übertraf ihre kühnsten Erwartungen: Auf einer Bank sass in der Werkstatt des Meisters ein Knabe. In der Hand hielt er einen Schreibstift und vor ihm auf einem Brette lag ein Stück Papier. Etwas verärgert fragte der Richter den Uhrmacher, was dieser Mummenschanz denn bedeuten solle. Statt einer Antwort bückte sich Droz. lächelnd, drehte ein paarmal an einer Scheibe am unteren Teil der Figur, und wie von einer Zauberhand geführt, begann die Hand des Knaben zu schreiben. Langsam setzte sie Buchstaben nach Buchstaben auf das 'Pa- PC Jacquet Droz' Androiden, den künstlichen Menschen zu sehen. Bald drang die Kunde ins benachbarte Frankreich, und in Strömen kamen die Leute von weit her, von Lyon, ja sogar von Grenoble. Bis nach Paris war die Kunde gedrungen, und eines Tages stellte sich in La Chaux-de- Fonds der Steuerpächter La Popelniere ein, den das Problem, künstliche Menschen und Tiere herzustellen, schon mehr als zehn Jahre beschäftigte. Er war Steuerpächter König Ludwig XV. und hatte einst mit einem Maler gewettet, dass er künstliche Geschöpfe erzeugen könne. Zur Belustigung der Hofgesellschaft hatte er eine schnatternde, watschelnde Ente konstruiert, die sich vermittels eines Mechanismus genau so benahm' wie jede andere lebende Ente. Der Maler hatte seine Wette verloren und La Popelniere galt seitdem als Fachmann auf dem Gebiete der Automaten. Er bot dem Uhrmacher Droz 5000 Livres für seinen schreibenden Knaben. Droz lehnte ab: Der Knabe sei unverkäuflich. Aber er erklärte sich bereit, dem berühmten Franzosen entgegenzukommen und ihn längere Zeit in einem Hotelgarten in Paris aufzustellen. Der schreibende Knabe des Schweizers Droz stellte Paris auf den Kopf. Sogar Seine Majestät Ludwig XV. interessierte sich brennend für ihn und Hess sich den rätselhaften Apparat vorführen. Niemand vermochte zu sagen, wie die Figur funktionierte und doch war es Die beiden Maschinenmenschen des Uhrmachers Pierre Jacquet Droz aus La Chaux-de-Fonds, die ihn zuerst in den Ruf der Hexerei brachten und ihn später in Paris Ruhm, Ehren und Geld verschafften. Sogar Ludwig XV. besichtigte sie. Der Knabe links zeichnete auf ein Stück Papier, die rechte Figur schrieb alles das nieder, was man dem Uhrmachermeister sagte. kein Schwindel und es war auch keine Person im Inneren der Figur versteckt. Der Knabe schrieb tatsächlich allein und alles, was man seinem Herrn und Meister sagte. Droz hatte sich seit seiner Jugend mit den Plänen getragen, einen künstlichen Menschen herzustellen und das Produkt, das er gemacht hatte, war nahezu vollendet. Nach dem schreibenden Knaben baute er einen zeichnenden Knaben; sein Geheimnis verwahrte er, und bis heute ist es noch nicht wieder gelungen, Automaten-Menschen in derselben sinnreichen präzisen Konstruktion herzustellen, bis auf eine Ausnahme: Siebzig oder achzig Jahre später schilderte E. T. A. Hoffmann in einer Geschichte das schöne Automatenmädchen Olympia. Diese Olympia war keine Phantasiegestalt des Dichters. Sie hat existiert, sie war ein Gebilde aus Schrauben und Schräubchen und Hebeln, eine wunderschöne, mechanische Klavierspielerin, die der Sohn des Schweizer Uhrmachers Droz, Henri Droz, gebaut hatte. Von seinem Vater hatte er die Liebe zu den selbstgeschaffenen, künstlichen Menschen geerbt und war vor ihr Zeit seines Lebens erfasst. Er übertraf seinen Vater in der Kunst, den mechanischen Menschen zu schaffen, und wieder war es Paris, wo der Sohn Droz' sich um das Ende des 18. Jahrhunderts mit seiner Klavierspielerin produzierte. Die Menschen drängten sich wie toll um ein bildschönes Mädchen, das an einem Klavier sass und mit ausserordentlicher Kunstfertigkeit spielte. Sie folgte den Noten mit dem Kopfe, stand am Schlüsse des Stückes auf und verbeugte sich lächelnd. Es gab Tausende, die nicht glaubten, dass es sich um einen Automaten handle und einer dieser Ungläubigen war es, der dem Kunstwerk ein vorzeitiges durchbohrte die Klavierspielerin. Bei dem darauf folgenden Durcheinander wurde die Puppe vollkommen zertrümmert und Droz verliess Paris in einer entsetzlichen Gemütsverfassung. Er reiste noch am selben Abend und schwor," nie wieder ein künstliches Geschöpf zu bauen. Er hat seinen Schwur gehalten, aber er ist darüber trübsinnig geworden. Er starb im Alter von 39 Jahren in Neapel in tiefster Armut. Mit ihm starb die Epoche der Automatenmenschen. Unser modernes Zeitalter hat die Mystik vergessen, die vergangene Jahrhunderte so schön machte und stellt mechanische Menschen her, nicht aus Freude am Mechanismus und am Automaten, sondern um das Leben der wirklichen Menschen von Leib und Blut «angenehmer zu gestalten». Die Ente des französischen Steuerpächters La Popelniere, die er infolge einer Wette gebaut hatte, und die gackerte, watschelte, und sogar... wie eine richtige Ente verdaute.