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E_1938_Zeitung_Nr.087

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BERN, Freitag, 23. Oktober 1SC3 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 87 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10«— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenverslcherunai vierteljährlich Fr. 7.50 Die Probe aufs Exempel Eine weitere Frage verlangt indessen in Hiesem Zusammenhang nach Abklärung. [Wfe haben sich die "Zollerträgnisse unter dem Regime der übersetzten Benzinbelastung gestaltet ? »Sie sind ja gar nicht zurückgegangen, im Gegenteil», wird der Herr Finanzminister frohgemut erklären. Gewiss, fast 48 Millionen warf das Benzin 1934, im Jahre vor dem grossen Beutezug auf die Taschen des Automobilisten, ab, 1935 steckte der Bund 55,3 und 1936 58,3 Millionen ein. Also kein Ertragsschwund als Folge der Ueberspannung des Bogens? Doch, behaupten wir! Denn die Spekulation, welche bei jenem Coup vom 25. Juni 1935 angestellt worden war, erwies sich als Fehlschlag. Wie lagen die Dinge doch schon? Hatte man sich nicht aus diesem neuen Aderlass eine Mehreinnahme von 16 Millionen für die Dauer des Finanzprogramms III errechnet? Und was geschah dann? Der Import bröckelte ab, von 2,185 Mill. q im Jahr 1934 auf 2,066 Mill. 1935 und 1,938 Mill. q 1936, um letztes Jahr auf nahezu gleicher Höhe zu verharren. Das finanzielle Fazit aber präsentierte eine Ertragssteigerung von bloss 10,4 Millionen, 35% weniger also, wie man sich auf dem Papier zurechtgelegt hatte. So betrachtet, mussten Bundesrat und Parlament eine Schlappe einstecken. Wie wir es schon anfangs prophezeit, so kam es auch: Unser Automobilwesen hielt diese Belastungsprobe nicht aus. Der 28iränkige Zoll genügte vollauf, um dem Fass den Boden auszudrücken und die Kalkulationen über die Mehreinnahmen zu durchkreuzen, Man hatte — und darin lag des Pudels Kern '— der «gewaltigen Bedeutung des Automoibils> zu wenig Gerechtigkeit widerfahren lassen. Jedoch beim Ausfall von 5,5 Mill. blieb es nicht. Indem er die Automobilisten annähernd kahl schor und sie zu Paaren trieb, gab der Bund das Signal zur Flucht in den Kleinwagen. Das Ergebnis fiel ebenso unerwartet wie instruktiv aus. In den Einnahmen aus dem Import von Automobilen gähnte ein Loch von 5,5 Millionen. Und die Bilanz? Dass die 16 Millionen, welche nach der «Annahme» des Bundesrates die Schröpfkur am Automobil hätte einbringen sollen, schliesslich auf 4,5 Millionen zusammenschmolzen. Was einmal mehr die abgedroschene Wahrheit erhärtet, dass in steuerlichen Belangen 2X2 nicht unbedingt 4, ja nicht einmal 3 sein müssen. Man kann eben nicht ungestraft aus einer kleinen Schicht von Steuerzahlern im Jahr beinahe ein volles Drittel der Zolleinnahmen herauspressen. (Schluss aus Nr. 86.) Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilaße „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GeschaFtsstellt Zürich! Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 Selbst wenn man übrigens die 4,5 Millionen, welche sich der Bund dank seiner weltfremden Finanzstrategie anstatt der erhofften 16 Millionen einverleibte, noch als Mehreinnahme gelten lassen wollte, so fragt es sich, um welchen Preis sie erkauft worden ist und in welchem Verhältnis dieser «Gewinn» zu den Schäden steht, die dem Körper unserer Gesamtwirtschaft durch eine derartig exzessive Fiskalität zugefügt worden sind. Lassen sie sich auch zahlenmässig nicht erfassen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass sie weit grösser sind als jener Betrag, den die Bundeskasse nach dem misslungenen Versuch, die Milchkuh Automobil zu einer weiteren Verbesserung ihrer Produktion zu zwingen, herausholte. Man denke nur an die Gegenüber dem Bahnhof Wollishofen. am südlichen Ende des auf dem linken Ufer des Zürichseebeckens gelegenen Ausstellungsareals steigt, echon heute an seiner schleifenförmigen Gestalt erkennbar, der Pavillon' empor, der die Abteilung «Verkehr auf der Strasse> beherbergen wird. Unsere Bilder zeigen (oben links) das Holzgerüst von Norden, vom Dach des benachbarten Ausstellungehotels aufgenommen, unten von Süden. Die REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern zahlreichen Erwerbszweige, welche das Automobil alimentiert: Garagen-, Reparatur- und Tankstellengewerbe, die Hotellerie und mit ihr die Landwirtschaft, die Automobil- und Zubehörindustrie usw. Sie alle hat der eidgenössische Heisshunger nach den Benzinmillionen in Mitleidenschaft gezogen. Für einen vermeintlichen Gewinn ein ehedem blühendes Gewerbe auszuhöhlen und die Arbeitslosigkeit zu vermehren, das sind finanz- und wirtschaftspolitische Eisenbart« Methoden. Der einfachste Krämer handelt nach jenem elementaren Geschäftsprinzip, das ihm gebietet, seine besten Kunden zu pflegen. Zwar erfreut sich auch das Motorfahrzeug als «bester Kunde» des Bundes besonders liebevoller Aufmerksamkeit, nur besteht die Kulanz in diesem Falle darin, dass man mit seiner Lebenskraft Raubbau treibt. Fortsetzung Seite 2. Der Strassenverkehrs-Pavillon an der Schweiz. Landesausstellung im Werden dem äusseren, etwas erhöhten Streifen versehie dene Strassenbelagsarten und Fahrzeuge aller Art, Automobile, Strassenbau- und Strassenunterhaltsm aschinen zur Schau; sie gliedert sich harmonisch in die grosse Abteilung «Die Schweiz, Ferienland der Völker» ein. — Rechts oben; Hoch oben auf dem Fachwerk der Balken turnen die Zimmerleute herum, ein Anblick, der im Zuschauer mehr Schwindelgeiühl erregt als beim Arbeiter selbst. Denn der verrichtet sein luttiges Werk mit einer verblüffenden Selbst Verständlichkeit. (Photos P. Senn.) INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 KP. Grossere Inserate nach Spezialtarii snsehlTO» 4 Tane »OT Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Erfolgreiche Kritik. Steuererleichterungen in Baselland? Sportliche Jahresbilanz 1938. Von stufenlosen, mechan. Getrieben. Signalisierung vereister Strassenstellen. Beilage: Heraus mit dem Namen! Durch die ganze schweizerische Presse hat letzter Tage eine Meldung ihre Runde gemacht, wonach in Obergerlafingen ein am Ausgang des Dorfes auf Seuchenwache stehender Sägereiarbeiter von einem Berner Automobilisten, der dem Haltesignal keine Beachtung schenkte, im 70-km-Tempo überfahren und derart schwer verletzt worden sei, dass er auf dem Platze starb. Den Automobilisten, fügt die Notiz weiter bei, habe man in Haft genommen. Ein derart gewissen- und rücksichtsloses Benehmen, auf das keine andere Bezeichnung passt als die einer unerhörten Brutalität, ruft nicht nur im Volk, sondern auch bei allen Automobilisten, welche dieses Namens würdig sind, Abscheu und schärfste Verurteilung hervor. Und man kann angesichts dieser Barbarei, die eine kaum fassbare Respektlosigkeit vor dem menschlichen Leben verrät, die Frage nicht unterdrücken, weshalb die Polizei noch immer davor zurückschreckt, Namen und Adresse solcher Attentäter auf Leib und Leben anderer öffentlich bekanntzugeben. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Milde gegenüber Leuten, die sich auch über die allerelementarsten Gebote des Strassenverkehrs hinwegsetzen und einen derart abgründigen Mangel an Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen, scheint uns fehl am Platz. Genau so wenig übrigens wie im Fall jenes Strolchenfahrers, der in der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag in Bern am laufenden Band Wagen entwendete und damit, obwohl er von Fahrkenntnissen durchaus nicht beschwert war, Streiche verübte, die selbst nach den Angaben der Polizei an Wahnwitz grenzten, kam dabei doch nur wie durch ein Wunder niemand zu körperlichem Schaden. Weshalb nur in solchen, besonders krassen Fällen, noch so viel Nachsicht, weshalb nicht an den Pranger mit den Uebeltätern ? Wer einer Gesinnung fähig ist, wie sie sich in diesen Vorkommnissen offenbart, der hat damit Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 27. Fortsetzung. «Dann muss er ein Esel sein», sagte Tante Betty, zu Celia gewandt, und nur für sie bestimmt. « Wenn Prinz Borovitch wieder in den Besitz seines Vermögens gelangt, wird er einer der reichsten Männer Russlands sein, und Sonja ist sein einziges Kind. Wäre nicht die Revolution gekommen, hätte sie zweifellos einen Grossfürsten geheiratet. Sollte sie sich in England verheiraten, wird der Prinz einen seiner Titel auf seinen Schwiegersohn übertragen. » « Nicht schlecht aufgeschnitten », flüsterte Tante Betty Celia zu. « Was haben Sie gesagt ? » fragte Frau Oleveland. «Dass mich diese Sache amüsiert», entgegnete Tante Betty. « Ich kenne nämlich die Borovitchs. Ich habe sie in der Familie Spoon getroffen.» « Wirklich ? » sagte Frau Cleveland. « Wir nennen ihn einfach Herr Borovitch. Er ist kein Prinz, und Sonja ist keine Prinzessin. » « Vielleicht nicht jetzt, nicht in England. > « Weder in England, noch sonst irgendwo. Herr Borovitch war Sprachlehrer in Petersburg. Sonja ist mindestens dreissig ... > « Aber so apart, so anziehend und so gescheit. » «Ich kann nicht die Spur Apartes an ihr entdecken, und für mich hat sie auch nichts Anziehendes », sagte Tante Betty. « Möglicherweise sprechen wir von ganz verschiedenen Leuten », bemerkte Frau Cleveland. » < Ich glaube nicht», erwiderte Tante Betty. «Ich war gerade vor meiner Abreise mit Borovitchs zusammen und musste ihnen begreiflich machen, dass ich keine Lady Ramsham bin und Herrn Borovitch keine Anstellung an der Universität in Leeds verschaffen kann. Sie erzählten mir, sie hätten bei einem Gartenfest eine Frau Cleveland aus Porthlew kennengelernt, die so freundlich war, ihnen anzubieten, diese Sache einzufädeln — und zwar durch mich. Sie sind jetzt in Paris.» Solche Situationen meinte ich, wenn ich sagte, dass Tante Betty Frau Cleveland mit dem Dreschflegel bearbeitet, wobei ich stets in die tödlichste Verlegenheit gerate. Aber gerade als ich wünschte, die Erde würde sich auftun, erhob sich Frau Cleveland und sagte, sie hätte mir allein noch eine Mitteilung zu machen. « Es ist mir doppelt peinlich », begann sie, < weil ich Ihnen doch bereits einmal gesagt habe, dass Ihre Töchter in aller Leute Mund sind. Ich halte es eben nicht für richtig, der Volksstimme sein Ohr zu verschliessen. Man hat Hester in London in sehr zweifelhafter Gesellschaft gesehen. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich sie sofort nach Hause berufen. » « Wer hat sie gesehen ?» fragte ich. « Das kann ich Ihnen nicht sagen; aber die Sache stimmt. Man hat sie in einem Nachtclub gesehen, wo sie mit einem widerlichen Menschen, der unter dem Namen ,Der rote Hering' bekannt ist, trank und tanzte.» « War sonst noch jemand bei ihr ? » « Ja, diese zwei Weibsstücke, mit denen sie hier herumlief. Wie Sie und Ihr Mann so etwas erlauben können, verstehe ich nicht!» Ich schwieg. < Warum klingeln Sie Hester nicht an und verlangen, dass sie auf der Stelle zurückkommt ? > sagte Frau Cleveland, die nicht locker lassen wollte. «Das würde ich tun; aber ich lasse ja auch keine Dummheiten durchgehen.» Zweiundzwanzigstes Kapitel. Etwas säter kam Bill Cleveland und erzählte mir, dass er zwei Tage in London ge-