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E_1938_Zeitung_Nr.089

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s AlTTOMOBIL-REVUE FREITAG, 4. NOVEMBER 1938 — N° 89 Unerfreuliches Erhöhung der Verkehrssicherheit durch Letztes Jahr machten wir auf diese verkehrshindernden, weil 2 m in die Fahrbahn hineinragenden Bäume aufmerksam Sollen die stummen Aufforderungen und Warnungen der Verkehrsschilder ihren Zweck erfüllen dann muss die Sprache dieser Zeichen universal Esperanto im besten Sinne des Wortes sein! Nur wenn alle Strassenbenützer sie verstehen, kommt denselben wirklich verkehrsregelnde Bedeutung zu. Gerade deren einheitliche Deutung durch die Automobilisten ist überaus wichtig,- ob einer Engländer oder Franzose, Deutscher oder Italiener Amerikaner oder Chinese und schliesslich Zürcher oder Berner — dasselbe Verkehrsschild darf für sie alle nur eine einzige Auslegung zulassen. Speziell im Hinblick auf die Entwicklung des internationalen Autotourismus, an dem unser Land aus leicht ersichtlichen Gründen sehr stark interessiert ist, drängt sich die Erfüllung dieser Forderung gebieterisch auf. Aber auch für den «Hausgebrauch» muss verlangt werden, dass die Schildersprache von den Angehörigen aller vier Sprachgebiete, von allen Bürgern der 25 Kantone nur auf eine die richtige Weise ausgelegt werden kann. Im grossen und ganzen lässt übrigens die Sprache der Verkehrszeichen auf dem Gebiete der Eidgenossenschaft hinsichtlich Einheitlichkeit nicht viel Abb. 2. Da, wo die nach Biel, Basel und Zürich führende Hauptstrasse von der Berner Papiermühlestrasse abzweigt, stehen seit Jahren in zirka 8 m Entfernung voneinander zwei Kreuzsignale, wie sie üblicherweise vor unbewachten Bahnübergängen Aufstellung finden. Während des nördliche der Zeichen (auf dem rechten Bilde im Hintergrund) eine gewisse Berechtigung haben mag, indem ein von Norden kommendes Fahrzeug, das in Richtung Papiermühle einbiegt, beim Gewinnen der rechten Strasscnseite das Geleise der Ueberlandbahn zu kreuzen hat, so ist die Daseinsberechtigung des vordem Signals durchaus rätselhaft. Zwar queren etwa 200 m hinter demselben die Bundesbahngeleise die Strasse, doch geschieht dies mit Hilfe einer Brücke, in etwa 5 m Höhe über der Strasse. Von einem Niveau-Uebergang aber ist keine Spur. Warum also 9 Schlechte, d. t h. ungenügende Kenntlichmachung einer Baustelle kann leicht zu Verkehrsunfällen führen. Abb 1. Im hablichen Berner Dorf Sumiswald gabelt sich. die Hauptstrasse und führt rechts nach Wasen, links nach Huttwil. Ein Wahrnehmen der ob dar schwarz weissen Wegbezeichnung « Wasen'» "ärfge-ä brachten blaugrundigeh Richtungstafel « Hutfwü » ist selbst bei langsamer Fahrt ausgeschlossen.,; fers| eine Unterbrechung der Fahrt und genaue Umschau fördern die gesuchte Aufschrift dann im Schälten und Geäst eines Baumes zu Tage. Verkehrsfördernd lässt sich diese Tatsache nicht nennen, doch ganz abgesehen davon stellt diese allerdings malerische Strassengabelung infolge ihrer Unübersichtlichkeit für einbiegende Fahrzeuge eine bedenkliche Gefahrenquelle dar. Wir verweisen auf nachstehende Zeitungsmeldung: « An der Kreuzstrasse Brünigstrasse/Schoried ereignete sich ein Unglücksfall, indem ein, gebrechlicher Mann mit dem Velo in eiu Auto hineinfuhr, dabei sich mehrere Bippen brach und eine Armverletzung davontrug. Er musste in das Spital nach Samen verbracht werden. Der Unfall passierte an unübersichtlicher Stelle, die aber mit gutem Willen durch das Beschneiden eines Garte nhages übersichtlich gestaltet werden könnte.» Welcher Automobilist kennt sie nicht, diese durch Bretter gekennzeichneten Strassenverengungen', die so oft Wahrzeichen der Kantonsgrenzen bilden? Freiburg, 16. Okt. Beim Niveauübergang von Meyriez bei Murten überschlug sich ein Genfer Automobil, wobei zwei der Insassen aus dem Wagen geschleudert wurden. Während der eine mit einigen Schürfungen davonkam, erlitt der andere Insasse, namens Hägi, so schwere Verletzungen, dass er kurz nach seiner Einlieferung ins Spital starb. Das Automobil wurde zerstört. — Wie obige Abbildung zeigt, ist der an der Hauptdurchgangsstrasse Nr. 1 liegende Bahnübergang von Murten her ausserordentlich schwer erkennbar. zu wünschen übrig. Was dagegen da und dort noch sehr im argen, das sind Mängel, welche sich einerseits aus der Möglichkeit verschiedener Auslegung infolge unklarer Beschriftung oder andererseits auf Grund unrichtiger und schlechter Placierung der Tafeln ergeben. Zugegeben — die gewaltige Arbeit, die während der letzten Jahre auf dem Gebiete der Strassenbeschilderung geleistet wurde, verdient die Anerkennung aller Strassenbenützer. Doch wie in so manchen Bezirken des Lebens, gestattet das Tempo unserer Zeit auch hier kein Ausruhen auf Lorbeeren. Es gilt noch manches zu verbessern, eindeutiger zu gestalten, sich veränderten Verhältnissen erneut anzupassen. Möchten die verantwortlichen Behörden die bezüglichen Hinweise und Bilder nicht als lästige Kritik, sondern als Anregungen im Interesse der Verkehrssicherheit auffassen! Und nun sei die Lupe angesetzt! Aufmerksame Beobachter werden des öftern ausserkantonale oder landesfremde Automobilisten konstatieren, die entweder in verbotener Richtung in Einbahnstrassen einfahren oder aber sich selbst auf Ueberlandstrassert verfahren. Nimmt man sich die Mühe, diesen Fahrfehlern nachzugehen, so wird man in den wenigsten Fällen Nachlässigkeit des Fahrzeuge lenkers dafür verantwortlich machen können, dagegen in weitaus der grössten Zahl solcher Vorkommnisse unrichtig placierte Verkehrsschilder feststellen. Man hört oft und sicher nicht zu Unecht die Ansicht vertreten, die Strassenbeschaf^ fenheit bilde einen der bleibendsten Eindrücke, welche der fremde Automobilist aus unserem Lande mit nach Hause nehme. Gewiss — aber er und schliesslich auch die jeweiligen «Bürger anderer Kantone», wie es im Berner Amthaus so schön heisst, haben ausserdem ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen dafür, ob die Erreichung! eines bestimmten Zieles dank richtiger und leicht sichtbarer Beschilderung der Strossen ein Kinderspiel oder eher den Lösungsversuchen eines Kreuz- Worträtsels vergleichbar gewesen. Das Interesse Abb. 3. Sieben verschiedene Richtungspfeile tauchen im selben Augenblicke Tor dem Fahrer auf! Wer von Thun oder Luzern herkommend der Bundesstadt zusteuert, sieht sich beim Burgernziel plötzlich einem sogen. Wegweiser gegenüber, der in Fahrrichtung gleichzeitig drei in entgegengesetzter Richtung weisende Pfeile trägt Der oberste Pfeil wie derjenige einer Reklametafel zeigen nach links, der untere, die Fährrichtung anzeigende dagegen weist nach rechts. Bei Tageslicht wirkt eher der untere, auf blauem Grunde angebrachte als Blickfang; nachts aber springen die oberen, von innen her beleuchteten Pfeile in die Augen. Und der eigentliche Sinn der untern, die»Verkehrsrichtung anzeigenden Tafel? Nichts mehr und nichts weniger als die Indikation des Kreiselverkehrs — vorausgesetzt, dass der Fahret sich aufs Rätselraten versteht. Beobachtungen ergaben, wie beispielsweise ausländische Fahrzeugführer in sinngemässer Auslegung dieses Zeichens meistens in die rechte Seitenstrasse und damit von der gewollten Route abschwenken. Das wirkliche Kreiselverkehr-Zeichen, das auf ähnlichen Plätzen anderer Städte längst zur Selbstverständlichkeit geworden, würde dieser Unsicherheit rasch ein Ende bereiten. Nach Anbringung desselben vermöchte selbst das Belassen des obern Pfeiles keine Verwirrung mehr zu stiften. Man bedenke, dass an dieser Stelle nicht weniger als_5 Strassen einmünden! Diese hinreichend unklare Situation erfährt jedoch noch eine weitere Steigerung durch einen dritten, hinter dem Wegweiser über einem Gartenhage angebrachten Pfeile, der zu einer Garage weist Im Blickfeld des nach Bern einfahrenden Motorfahrzeugführers befinden sich also im selben Momente 3 Pfeile (Bild links), die nach den verschiedensten Richtungen zeigen. Für einen Ortsunkundigen, der sich bei dem an dieser Stelle oft recht lebhaften Verkehr möglichst geschickt durchschlängeln möchte, entschieden etwas viel! Eine Betrachtung der Lageskizze zeigt, dass einzig die Anbringung von Kreiselzeichen, in Blickrichtung' der 4 Hauptverkehrsadern hier klare Verhältnisse schaffen und damit die notwendige Verkehrssicherheit gewährleisten wird. Ein Vorwegweiser, 200 m östlich dieser Pfeilwirrnis aufgestellt, würde ganz bedeutend zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beitragen.

N° 89 — FREITAG, 4. NOVEMBER 1938 AUTOMOBIL-REVUE 0 klare und eindeutige Schildersprache Erfreuliches der für unser land so wichtigen wirksamen Förderung des internationalen Autotourismus innerhalb unserer Grenzen erfordert deshalb scharfe Ueberwachurtg Und stetige Verbesserung der Schildersprache. Wer ausländische Automobilstrassen aus eigener Anschauung kennt, der weiss den hohen Wert einer klaren und leicht erkennbaren Wegleitung durch Verkehrszeichen zu schätzen. Vor allem Italien weist diesbezüglich direkt vorbildliche Verhältnisse auf und doch gibt es auch dort ten sind Zeitverlust und bringen das peinliche Gefühl der Unsicherheit mit sich. Hinsichtlich der allgemeinen Aufstellung von Richtungs- und Verkehrsschildern ist vor allem auf den Uebelstand der zu hohen Befestigung hinzuweisen. Vornehmlich in den Städten hängen die Tafeln nicht selten so hoch, dass sie vom Wagen aus nicht oder doch nur dank ausgiebiger Halsgymnastik zu sehen sind. Wir erinnern in diesem Zusammenhange an die Heuerampel der Kreu- Wir legten an anderer Stelle dieser Nummer dar, welch grosse Bedeutung zweckmässigen Leiteinrichtunge für die Sicherheit des Strassenverkehrs besitzen. Nun — die Rolle, die ein tatsächliches Esperanto der Verkehrsschilder in dieser Beziehung spielt, ist mindestens ebenso wichtig. Schon eine durchwegs sinngemässe und dem Zwecke gerechtwerdende Aufstellung der Tafeln vermöchte manche noch bestehende Unzulänglichkeit zu beseitigen. Sehr wesentlich erscheint uns gerade mit Heute sind die Bäume entfernt; ein weiterer Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit ist damit geleistet. Abb. 5. Sogenannte Vorsignale erleichtern den Verkehr unbedingt und tragen mit zur Erhöhung der Sicherheit bei. Schade nur, dass die bisher in der Schweiz aufgestellten Tafeln dieser Art sich annähernd an einer Hand herzählen lassen! In unsern Nächbaretaatnn dagegen ist die Anbringung solcher auf kommende Strassenabzweigunoren hinweisende Signale längst üblich. 1 Fahrricht-ung Rücksicht auf die angestrebte Erhöhung der Verkehrssicherheit und im Hinblick auf die zunehmenden Verkehrsgeschwindigkeiten eine viel schärfere Charakterisierung der eigentlichen Warneinrichtungen. Die Distanzpfähle vor unbewachten Niyeau-Ueberjängen beispielsweise ..sind gut jemeint;. zweckentsprechend sind sie nicht mehr. Wie leicht" lassen sie sich mit den" immer häufiger werdenden Leitsteinen und -pfosten verwechseln, Dieselbe Abschrankung in schwarz/weisser Bemalung ist für Automobilisten und Velofahrer frühzeitig und gut erkennbar Im Verlaufe einer halben Stunde fuhren durch obige, mittelst üblichem Signal gekennzeichnete Einbahnstrasse 4 Automobile, ein ausländisches, zwei ausserkantonale und ein bernischer Wagen ein. Das Rätsel dieses häufigen Verstosses gegen Verkehrs Vorschriften war leicht zu lösen. Die im rechten Kreise befindliche Verbottafel kann nämlich nur von jenen Fahrern wahrgenommen werden, die von rechts kommend in die gesperrte Strasse einzufahren versuchen. Die diagonal (siehe Lageskizze) auf die Strasseneinniündung zusteuernden Automobilisten dagegen bemerken das Einbahnzeichen in den seltensten Fällen, denn links, an Stelle des im linken Kreis erfassten Polizisten, befindet sich keine Verbottafel, ausserdem täuschen die bei der Strasseneinmündung stationierenden Omnibusse Fahrtmöglichkeit vor. AM>. X. noch Momente, in denen der fremde Automobilist das Gefühl des in einer Mausefalle Gefangenseins recht unangenehm empfindet. Während beispielsweise in Genua die Zufahrtsbezeichnungen zur Autocamionale guten Geistern gleich auch den Unsichersten rasch und zuverlässig auf die grosse Route lenken, kostet das Hinausfinden aus dem mailändischen Strassennetze auf die nach Como führende Autostrada einiges Kopfzerbrechen. Woran dies liegt? In Genua stösst man immer wieder auf die schwarz-auf-weissgrundigen, pfeilartigen Schildern angebrachte Bezeichnung: Autocamionale. Diese Anschriften springen direkt in die Auoen; selbst im dichtesten Verkehr passiert man sie nicht unbemerkt. In der lombardischen Kapitale dagegen muss der Wagen schon angehalten werden, damit unter den oft 3—7 übejeinander angebrachten Schildern mit den verschiedensten Fernzielen das Gewünschte entziffert werden kann. Die Bezeichnungen befinden sich hier überdies in weissen Buchstaben auf schwarzem Grunde und ist ausserordentlich klein. Aehnliche Beobachtungen machen sicher die ausländischen Automobilisten hinsichtlich Ein-, vor allem aber der Ausfahrtverhältnisse in unsern bedeutend kleinem Städten. Die hieraus resultierenden Irrfahrzung Bleicherweg-Talstrasse in Zürich I Dabei sollten solche Attribute der Verkehrsregelung doch wenn irgend angängig so niedrig hängen, dass sie nachts im Bereiche des Scheinwerferlichtes liegen. Bezüglich Verkehrsbeschilderung auf Hauptverkehrsstrassen kann die von Frankreich auf diesem Gebiete geleistete Arbeit nicht v/arm genug zur Nachahmung empfohlen werden. Dort- springen die auf weissen Sockeln montierten Warnungsschilder auch nachts bei Scheinwerferlicht geradezu vor den Wagen (Abb. 7). Des weitern ist bei der Placierung von, Verkehrstafeln bei uns unbedingt in stärkerem Masse darauf Rücksicht zu nehmen, dass diese bei jeder Witterung — nicht nur bei Sonnenschein oder Vollmond — leicht und bestimmt erkennbar sein sollen. Erst wenn der orts- oder landesunkundige Fahrzeu^führer bei Regenwetter und in der Nach, ohne Karte, ohne alle paar 100 Meter nach dem Wege fragen zu müssen, grössere Strecken anstandslos zurücklegen kann, darf die Strassenbeschilderung als gut und zweckentsprechend angeseher, werden. Unsere blauweissen Ueberlandtafeln genügen diesen Forderungen vollauf; die Bezeichnungen in den kleinen und mittleren Städten dagegen lassen noch allerhand zu wünschen übrig. Abb. 6. Anlässlich der wegen Strassenbauarbeiten zwischen Solothurn und Selzach notwendig gewordenen Umleitung des Verkehrs wurde zirka 200 m vor der ausserhalb des östlichen Solothurner Stadttores gelegenen Kreuzung in begrüssenswerter Weise ein Vorsignal aufgestellt, das durch zwei Querstriche die übliche Bielerzufahrt als gesperrt zu erkennen gab und den Fahrzeuglenker rechtzeitig auf die Verkehrsumleitung aufmerksam machte. welche vielfach ebenfalls schwarz auf weissem Grunde gekennzeichnet sind! Bleibt als Warnung also lediglich das 2 m vor dem unbewachten Geleise angebrachte Bahnkreuzungssignal — 2 m vor der drohenden Gefahr einen in voller Fahrt befindlichen Motorfahrzeugführer zu avisieren, über den Wert einer solchen Massnahme erübrigt sich jede Diskussion I Abb. 7. Auf weissem Sockel montiertes Kreuzungszeichen, wie sie auf Frankreichs Strassen zu beachten sind. Diese Verengerung .an der Strasse Bremgarioh Zürich ist seit etwa Jahresfrist verschwunden, ein weiteres Plus für die Verkehrssicherheit. Die neue öeberführung der Strasse Neuenburg—La Chaux-de-Fonds (Vue des Alpes) über die Geleise der SBB. Von den 5901 Niveau-Uebergängen des SBB-Netzes wurden von 1901—1937 deren 154?J aufgehoben, 968 Unter- bzw. Ueberführungen gebaut und hiefür 108,5 Millionen Franken verausgabt.