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E_1938_Zeitung_Nr.086

E_1938_Zeitung_Nr.086

BERN, Dienstag, 25. Oktober 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 86 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Ei Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht pottamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Un/allvereich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Die Probe aufs Exempel « Es ist hier gleich wie mit den Konsamsteuern; werden sie übersteigert, dann weicht der Konsum und der Ertrag geht trotz gesteigerter Ansätze zurück.» Der Satz stammt nicht von uns. Er fand sich eingeflochten in die Rede, welche Bundesrat Obrecht am 28. September im Nationalrat über das Problem der Milchpreisstützung hielt und bezog sich auf die Eindämmung der Kraftfuttereinfuhr. Aus dem Munde eines Vertreters unserer Exekutive hört sich die damit formulierte These für automobilistische Ohren wie eine Offenbarung an. Das war auch der Grund, weshalb wir es uns nicht versagen konnten, diesen Ausspruch auf die Ebene der bundesrätlichen Benzinzollpolitik zu projizieren, gewinnt er doch gerade in solcher Beleuchtung sein besonderes Relief. Die Versuchung lag deshalb für uns nahe, den Film der Massnahmen unserer obersten Behörden in der Domäne der Treibstoffbesteuerung einmal in seinen wichtigsten Phasen abzurollen und deren Auswirkungen auf ihre Uebereinstimmung mit dem von Herrn Obrecht verkündeten Grundsatz hin zu prüfen. Um es gleich vorwegzunehmen : Punkt für Punkt bestätigen — für uns keineswegs überraschend — die Tatsachen die Richtigkeit dieser Erkenntnis und erteilen damit dem Bundesrat eine Lektion, unter deren Gewicht die Argumente, womit er bisher sein System der « endlosen Fiskalschraube » gegenüber dem Automobil untermauerte, wie Kartenhäuser zusammenbrechen. Welche Etappen kennzeichnen doch schon den Leidensweg des schweizerischen Automobilbesitzers ? Bis zum 8. Juni 1921 entricbtet das Benzin eine Abgabe von 30 Rappen pro Bruttozentner. Am 8. Juni 1921 schnellf der Ansatz von 30 Rp. . auf 10 Fr. empor. Am 17. Dezember 1923 dekretiert der Bundesrat den ersten Zuschlag, womit der Gesamtansatz auf 20 Fr. pro Zentner anschwillt. Der 25. Juni 1935 bringt die sattsam bekannte Erhöhung des Grundzolles von 10 auf 18 Fr., womit die Totalbelastung auf 28 Fr. ansteigt. Am 1. Dezember 1936 entschliesst sich der Bundesrat, den Grundzoll um Fr. .1.50 zu reduzieren, um die durch die Abwertung bedingte Benzinverteuerung zu mildern. So weit der historische Werdegang der Benzinbelastung. Erscheint Jeden Dienstag und Freltao „ Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Wie hat nun der Verbrauch auf die verschiedenen Anzapfungen reagiert ? Bis zum Juni 1935 hielt sich die Belastung noch innert einigermassen erträglichen Grenzen; der Konsum, wohlverstanden für motorische Zwecke, nahm unaufhörlich zu und erreichte 1934 seinen Höhepunkt mit 2.083.000 q. Von 1935, dem Jahr der verhängnisvollen Schröpfkur an, setzt die rückläufige Entwicklung ein. Und 1937 fällt der Verbrauch auf rund 1,8 Mill. q, womit er das Niveau von 1931 bloss noch um 64.000 q. überschreitet. Anders ausgedrückt haben 1937 die 77.431 Personen- und Lieferwagen ca. 200.000 q Benzin weniger « verzehrt» als die 74.973 Fahrzeuge gleicher Gattung im Jahre 1934. Die Rechnung ist einfach. Ihre Lösung liegt eingeschlossen in der lapidaren Feststellung, dass weniger gefahren wird. Und weniger gefahren wird deshalb, weil das Automobil, längst zu einem Arbeitsinstrument geworden, die « seinem » Brennstoff aufgebürdete Steuerlast schlechterdings nicht mehr zu tragen vermag; weil sie ihn zwingt, den Fahrbetrieb abzubauen. Unerbittlich nimmt das Gesetz vom Nachlassen der Steuererträge bei Uebersteigerung der Ansätze seinen Gang. Ein Rückgang um rund 14 % Warum nicht eine deutlichere Sprache? Wie weit ist die Vorlage Ober die Bestandeserhöhung für armeetaugliche Lastwagen gediehen? In der «Neuen Berner Zeitung», die als offizielles Organ der bernischen Bauern-, Bürger- und Gewerbepartei dem Chef des Militärdepartements ziemlich nahesteht, erschien jüngst ein Artikel, der unter dem Titel « Mehr Motorfahrzeuge für die Armee » die Notwendigkeit einer erhöhten Wehrbereitschaft unseres Landes betonte und als Mittel zur Erreichung dieses Ziels auch die Beschleunigung der Heeresmotorisierung in den Vordergrund rückte. «Der Chef des eidg. Militärdepartements — liest man da — hat eine Vorlage hierüber in baldige Aussicht gestellt, die zweifellos eine Reihe von Massnahmen in Vorschlag bringen wird, die geeignet sein werden, den Bestand an armeetauglichen Motorfahrzeugen auf die wünschbare Höhe zu bringen.» Dass nach dieser Richtung hin unverzüglich etwas zu geschehen hat, dass Mittel und Wege gefunden werden müssen, um die Privatwirtschaft zur Anschaffung militärtauglicher Lastwagen zu ermuntern und ihr deren Haltung zu erleichtern, darüber noch ein Wort zu verlieren, Messe Wasser ins Meer tragen. Und es hätte wohl keiner ausdrücklichen Zusicherung mehr bedurft, dass entsprechende Massnahmen « in baldiger Aussicht » stehen. Damit wird — auch bei der günstigsten Interpretation des immerhin etwas kautschukartigen Begriffs der « baldigen Aussicht» — etwas ausgesprochen, das jeder Verantwortungsbewusste als Selbstverständlichkeit erwartet. Gerade aber weil \ man es scheinbar für wünschenswert hält, die Oeffentlichkeit darüber zu informieren, dass wirklich etwas im Wurfe sei, gerade dieser Umstand kann zu verschiedenerlei Deutungen Anlass geben. Und wenn sie sich bis zu der Vermutung verdichten, man gehe damit möglicherweise auf eine gewisse Be- schwichtigung der Gemüter aus, so mag es nicht einmal ganz so leicht fallen, eine solche Betrachtungsweise ins Reich der Ungereimtheiten zu verweisen. Würde bei der heutigen weltpolitischen Situation, deren düstere Aspekte überall einen neuen Rüstungswettlauf ausgelöst haben, eine präzisere Sprache nicht beruhigender wirken als die vage Formulierung, die ihrem Sinne nach nichts anderes besagt als dass die Angelegenheit im Studium sei, und dass deren Ergebnisse in nicht allzuferner Zeit einmal greifbare Form annehmen und ihren Niederschlag in einer Vorlage finden werden? Wollte man tatsächlich allfällige Bedenken ob der Bedächtigkeit zerstreuen, womit die Vorkehrungen zur Lösung der immer stärker auf die Finger brennenden Frage der ausreichenden Heeresmotorisierung voranschreitet, dann hätte man sich mit positiveren Angaben über den heutigen Stand wahrhaftig nichts vergeben. Schliesslich sind seit der Behandlung des Postulats Feldmann im Nationalrat schon gute drei Monate verstrichen, sind von verschiedenen Seiten Vorschläge eingeholt worden, ohne dass inzwischen über deren Schicksal etwas Näheres durchgesickert wäre. Heute noch bewegt man sich im Ungewissen darüber, welche von diesen Anregungen das departementale Projekt übernommen hat. Unbestreitbar besitzen aber sowohl jene Stellen, welche die Behörden seinerzeit um ihre Propositionen angegangen, als auch die Öffentlichkeit einen Anspruch darauf hat, klaren Wein eingeschenkt zu erhalten. Damit würde man zuständigenorts auch der Entstehung des Eindrucks vorbeugen, als sollte mit der Meldung über die gegenwärtige Sachlage dem Publikum eine Beruhigungspille verabreicht werden. INSERTIONS- PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Bv. Grössere Inserate nach Spezialtarif lnseratensrhluss 4 Tau« vor Erscheinen der JVammer In dieser Nummer s Hotelprospekte und Autotourismus. Wieder Nuvolari... diesmal in Donington. Biographie über Walter Chrysler. Wieso vibrationsfreier Motorlauf? Zur Verbesserung der Nordrampe der Gotthardstrasse. DIE KLEINE REVUE kennzeichnet den Benzinkonsum zu motorischen Zwecken im Zeitraum 1934/37, obwohl die Importziffern eine so starke Schrumpfung nicht erwarten Hessen. An die- Bundesrat am 1. Dezember 1936 den Zoll um Fr. 1.50 pro Zentner ermässigte. Er selbst ser nach abwärts gerichteten Bewegung änderte auch der Umstand nichts, dass der gesteht ja mit der Gewährung des verbilligten Ausländerbenzins ebenso wie mit der Schaffung jenes Fonds von 2 Millionen, mit dessen Hilfe er nach der Frankenabwertung das Preisniveau von 34 Rp. noch für einige Monate aufrecht erhielt, wieweit er mit seiner Fiskalpolitik übers Ziel hinausgeschossen hat. Wohl lieferte uns das Ausland hinlänglich schlüssige Beweise dafür, wie man die hier sich erhebenden Probleme anpackt, um beiden Teilen gerecht zu werden, allein unsere Behörden schritten darüber hinweg, dass beispielsweise Deutschland, das die Autohältung in grosszügiger Manier erleichterte, seinen Benzinverbrauch von rund 1,5 Mill. Tonnen im Jahre 1933 auf 2,5 Mill. Tonnen 1937 emporschnellen sah, weil die Neuzulassungen einen jährlichen Mehrkonsum von 350.000 Tonnen bedingten. Drastischer Hesse sich die Verkehrtheit unserer Benzinund Autopoilitik gar nicht illustrieren und es ist bezeichnend, dass sogar Nationalrat Walther, der als Verwaltungsratspräsident der SBB bestimmt nicht im Gerüche besonderer Autofreundlichkeit steht, im Parlament seine warnende Stimme erhob. « Wir sind nun » — mahnte er 1937 in der Herbstsession — « auf dem Höhepunkt, wo Jede weitere Belastung des Automobils verbrauchseinschrätikend wirkt... Die gewaltige Bedeutung des Automobilwesens verdient Beachtung und Gerechtigkeit. Fin Uebermass an Be!asf«ns bedeutet eine wirtschaftliche Störung.» Das musste sich der Bundesrat von einem prominenten Bahnvertreter sagen lassen. Schluss folgt. Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 26. Fortsetzung. Einund zwanzigstes Kapitel Nach kurzer Zeit schloss Nancy einen Kompromiss. Sie mietete geschulte Hausangestellte und traf auf ziemlich gute Leute. Ich konnte feststellen, dass aus Nancy sehr rasch eine verständige Hausfrau wurde, und eine gut gelaunte noch dazu. Nebenan ging nun alles zur Zufriedenheit, und ich brauchte mir aus diesem Grunde keine Kopfschmerzen zu machen. Martha war wieder ganz auf dem Posten. Celia kam nach Hause. Jane war weiter bei Tante Betty. Hester quälte ihren Vater, sie mit der Cockles und ihrer neuesten Freundin Elfrida Weekes nach London gehen zu lassen. Die Weekes, wie sie einfach genannt wurde, war eine kräftig gebaute Frauensperson mit einer kleinen, knollenförmigen Nase, einem grossen, losen Mund und nackten Beinen. Nicholas meint, man könne eigentlich nichts gegen sie sagen; aber ich glaube immer, dass er Hester nur nach London reisen lässt, weil es ihm so peinlich ist, sie mit der Coekles und der Weekes in Porthlew herumlaufen zu sehen. Hester wollte in London ein Wohnschlafzimmer mit der Weekes teilen, während sich die Cockles in dem Atelier eines Freundes in eine Ecke quetschen wollte, wie sie sich wörtlich ausdrückte. Die Weekes hatte entdeckt, dass Hester einen genialen Zug an sich habe, und dass es ein Verbrechen von uns wäre, sie in Porthlew abzuschliessen. In welcher Richtung Hesters Genialität sich auswärts entwickeln würde, wurde nicht präzisiert. Die Weekes sagte nur, die Luft von Chelsea sei von Inspiration erfüllt, da würden Hesters ausserordentliche Fähigkeiten bald zum Vorschein kommen. Inzwischen würde sie zum erstenmal in ihrem Leben mit Arbeitern zusammen sein und lernen, die Welt mit deren Augen zu sehen. Sie seihst, erklärte sie, gehöre einer Gemeinschaft an, deren Mitglieder als erleuchtete Geister bekannt seien, und sie hoffe, dass Hester sich bald in diesen Rahmen einfügen werde. Es handle sich um Menschen, die sich in der ernsten und grossen Absicht gefunden hätten, die gegenwärtige Gesellschaftsordnung in gutem oder bösem zu untergraben. Sie erklärte weiter, dass Männer und Frauen mit solchen Idealen etwas anderes im Kopf hätten als Seidenstrümpfe, zumal die Menschen, wenn erst das vorschwebende Ziel erreicht sein würde, ohnehin keine Strümpfe mehr brauchten und die Welt ein schönerer Aufenthaltsort sein würde. Sie war in solchem Eifer und so närrisch, dass Celia und ich uns nicht einmal ärgern konnten, als sie uns, bevor sie wegging, zu verstehen gab, eine Familie wie die unsere verdiene Hester gar nicht, und unverblümt äusserte, dass wir Parasiten und Blutsauger seien. Später stellte sich heraus, dass wir beide während ihres Vortrags auf ihre Beine geblickt und gewünscht hatten, dass kleine, natürliche Blutsauger dort ihre Spuren nicht zurückgelassen hätten. Sobald es mir möglich war, lenkte ich das Gespräch auf das Wohnschlafzimmer und fragte, ob es auch gut möbliert sei. Sie murmelte etwas von einem Schrank und einem Gaskocher. Ich wollte wissen, wie hoch sich die Ausgaben belaufen würden, konnte aber keinen Ueberblick gewinnen, denn die Weekes sagte, das hinge ganz davon ab, wie oft Hester ihre Mahlzeiten bei Freunden einnehmen oder « erleuchtete Geister » bei sich in dem Wohnschlafzimmer bewirten würde. Ich hätte auch gern etwas mehr über diese Freunde erfahren; aber alles, was ich aus der Weekes herausbringen konnte, war dass ein Mann namens Tscherikow ihr geistiger Führer war, und dass alle darin übereinstimmten, er erinnere an Lenin. Mit ihrer kleinen, roten Knollennase, ihrem grossen Mund, dem glatt angepressten Haar machte sie, während sie von den sozialen Umwälzungen sprach und auseinandersetzte, wir durch Blut und Hölle der Himmer auf