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E_1938_Zeitung_Nr.088

E_1938_Zeitung_Nr.088

BERN, Dienstag, 1. November 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 88 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Ansfabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uite" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp. GrSssere Inserate nach SpezialtarU Inseratehscbrnss 4 Tage »er Erseheinen der Nmnmn Letzten Freitag Hess der Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartementes die bundesstädtische Presse durch den Chef der Nachrichtensektion der Generalstabsabteilung zu handen der Oeffentlichkeit über aktuelle Fragen der Landesverteidigung orientieren. Ausgelöst worden sein dürften diese obrigkeitlichen Erklärungen durch die in zunehmendem Masse laut werdenden Befürchtungen weiter Kreise unseres Volkes hinsichtlich der Schlagfertfgkeit unserer Armee. Durch Beschönigen der Verhältnisse kommt man einer ernsten Situation nicht bei; man verpasst — und hierin wird uns der Leser unbedingt Recht geben — dank dieser Methode höchstens noch den letzten 'Moment für die entscheidende Tat. Darum sei es in aller Ehrlichkeit zugegeben: Die erhaltenen Aufklärungen vermochten in keiner Weise zu befriedigen. Im Gegenteil! Sie haben gehegte Befürchtungen bestätigt. Um jedes Missverständnis unmöglich zu machen, möchten wir hier feststellen: Das wachsende Misstrauen richtet sich in keiner Weise gegen unsere militärische Führung oder unsere Armee als solche, sondern einzig und allein gegen das eidg. Militärdepartement. Die Verpolitisierung militärischer Belange war nie ein glücklich Ding und wurde seit Jähren in zunehmendem Masse als unangenehm empfunden. Heute ist sie unhaltbar geworden und — auch das ist offenes Geheimnis — kann gerade mit Rücksicht auf das weltpolitische Geschehen vom Volke nicht mehr geduldet werden. Zugegeben, es lässt sich nichts auf Befehl aus dem Boden stampfen und schon gar nicht hinsichtlich Erhöhung der Wehrbereitschaft. Gewiss, man versucht nach Möglichkeit Versäumtes nachzuholen, Unterlassenes so rasch es eben geht jetzt vorzukehren. Sicherlich, die geleistete und weiterhin zu leistende Arbeit ist grösser, als gemeinhin angenommen. Niemand wird ernsthaft verlangen wollen, dass unser Kriegsgenügen sich mit demjenigen unserer grossen und mächtigen Nachbarn solle messen können, um so weniger, als Technik und Kampfweise in steter Entwicklung begriffen und gerade diesbezüglich der Ausspruch: Das Neueste ist der Feind des Neuen, prototypische Gültigkeit hat. Um so wichtiger aber ist für unser kleines Land die Erkenntnis der in seiner Wehrbereitschaft noch vorhandenen Lücken, desto schwerer wiegt die Verantwortung für die Ausmerzung derselben, und zwar besser heute schon als erst morgen ! Während der Vorgänger des jetzigen Chefs des Militärdepartements — Bundesrat Scheurer — um der Befriedigung der bescheidensten Armeebedürfnisse willen in den eidgen. Räten förmlich kämpfen musste, brachte das Volk heute im Interesse seiner Verteidigung willig grosse Opfer, ist es bereit, noch grössere zu bringen. Aber es will nachgerade die Wahrheit vorgesetzt bekommen — unbeschönigt, festumrissen. Es wird nicht erschrecken vor den Forderungen, die sich aus ihr ergeben; der beruhigenden, unbestimmten Erklärungen aber ist es müde. In Frankreich und England wird die Oeffentlichkeit rücksichtslos und restos über die wir bereit? Aktuelle Fragen der Landesverteidigung. - Beruhigend sein sollende Auskünfte des Militärdepartementes.- Lieber die Heeresmotorisierung schweigt man sich aus. - Schöne Worte, aber herzlich wenig Taten! Rüstungen, ihren Stand und ihre notwendige weitere Vervollkommnung aufgeklärt. Man hält dort dafür, dass nur auf dieser Grundlage von jedem Bürger das Aeusserste verlangt werden könne, dass auf derselben aber bestimmt jeder Patriot bereit sei, an seinem Platze seinen ganzen Mann zu stellen. In der ältesten Demokratie aber hüllen sich die verantwortlichen Stelle in schöne Worte. Man sehe sich nur die erwähnte Freitagserklärung unseres Militärdepartements darauf etwas genauer an : «Es sind Kurse vorgesehen für die bei den Territorialtruppen eingestellten Wehrmänner; Die Territorialtruppen sollen so ausgebildet und ausgerüstet werden ...; Für die Offiziere der Territorial- und Grenztruppen sind fünftägige Kurse vorgesehen..., Vorbereitet ist die Organisation der Spezialtruppen des Landstrumea und ferner die Organisation des Hilfsdienstes...; —Die verantwortlichen Instanzen prüf;?,», gegenwärtig, ob und gegebenenfalls in welchen? Äusmasse eine nochmalige Verlängerung de.r Rekrutenschulen in Betracht kommen kann; Vorgesehen ist eine Neuregelung der Schießscijulen und der Zentralschulen I und II; Uebpr die Frage der Umgestaltung der Armeeleitung ist ein Projekt ausgearbeitet... Die Zahl der freiwilligen Grenzschutzkompagnien soll erhöht werden.» Ein Beispiel: Wer wüsste /jicht um den strittigen Uniformkragen, nichr um die endlosen Diskussionen dieses «Problems». Kürzlich wurde nun offiziell festgestellt, die Versuche mit der neuen Uniform seien noch nicht abgeschlossen, sie würden auch noch in den Schulen und Kursen des Jahres 1939 fortgesetzt! Man kann dieses Kragenproblem eidgenössischen Ausmasses nicht als lächerlich abtun, denn es ist eben doch die Folge einer Mentalität, deren Gewährenlassen die Lösung aller und vor allem der grossen landesverteidigungspolitischen Probleme unendlich erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Sustenstrasse Und wie steht es mit dem Motorlsierungsproblem unserer Armee? Als Bundesrat Minger im Nationalrat das Postulat Feldmann (Heeresmotorisierung) beantwortete, verlangte er : « dass er (Nationalrat Feldmann) von der Forderung abrücke, Bericht und Antrag (des Bundesrates) zu verlangen, denn die Anträge, die er wünsche und die Begründungen dazu werden ganz automatisch in Erscheinung treten in der Botschaft zum Gesetze, das dann den Beschluss über Transport von Personen und Gütern nach einigen Jahren abzulösen hat. > Wenn alles gut geht, dann dürfte es etwa 1943/44 zu der definitiven Fassung der in der letzten Session als dringlich erklärten Strassentransportordnung kommen! Der Chef unseres Militärdepartements schiebt also die Begründung der Beantwortung einer der bren- Nach Einbruch der Dunkelheit bog am östlichen Ausgang des Städtchens Morges ein Auto aus einem Privat weg in die Hauiptstrasse Genf - Lausanne ein und querte langsam die breite Fahrbahn, um für die Richtung Lausanne die jenseitige Strassenhälfte zu gewinnen. Als er dieses Manöver begann, hatte ein bekannter ausländischer Rennfahrer in einem mit zwei Passagieren besetzten Wagen eben Morges von der entgegengesetzten Seite her durchquert und näherte sich nun in etwa 220 m Entfernung mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 100 km; er sah den Seit einiger Zeit sind die Bauarbeiter sowohl auf der Urner-, als auch auf der Bernerseite der Sustenstrasse am Werk. Das prächtige Herbstwetter hat den Bau soweit gefördert, daes auch nach Einbruch des Winters eine stattliche Anzahl von Leuten dabei Beschäftigung finden kann. Im besonderen umfasst das «Winterprogramm» den Durchstich einer Anzahl von Tunneln. Unser Bild gibt einen Ausschnitt aus dem Stand der Arbeiten auf der Bernerseite. Am Südabhang der Gadmerflühe ist das Strassenbett bereits ausgehoben und fundamentiert. Rollbahnen führen die ausgesprengten Felsmassen zur Auffüllung der Straese weg. In dieser Nummer s Für und wider eine Autostrasse auf die RlgL Major Gardner eröffnet die neue Dessauer Rekordstrecke. Neues Gerät zur exakten Einstellung der Scheinwerfer. Von stufenlosen mechanischen Getrieben. Beilage: nendsten Probleme der Landesverteidigung behandelndes Postulat um volle fünf Jahre auf. In seiner diesjährigen Rede anlässlich der Eröffnung des Genfer Automobilsalons aber führte der nämliche Bundesrat im Anschluss an die bange Frage, ob unser Land wohl auch in einem künftigen Kriege wunderbarerweise verschont bleiben würde, wie während des Weltkrieges, folgendes aus : Schluss Seite 2. Vortrittsrecht gilt nicht ohne Einschränkungen im* Bau Zwei Entscheide des fBuiidesgecichts. seine Fahrbahn mit abgeblendeten Lichtern kreuzenden Wagen erst auf kurze Entfernung und konnte den Zusammenstoss nicht mehr verhüten. Da er, weil auf der Hauptstrasse fahrend, nach Art. 27 des Motorfahrzeuggesetzes vortrittsberechtigt war, belangte er den andern Automobilisten auf Schadenersatz. Das Waadtländer Kantonsgericht wies den Kläger gänzlich ab, weil der Unfall einzig seinem eigenen Verschulden, nämlich seiner viel zu hohen Geschwindigkeit, zuzuschreiben sei. Dagegen hat das Bundesgericht die Klage teilweise geschützt, da den Kläger Va, den Beklagten ^ des Verschuldens treffe. Gewiss sei das Verschulden des Klägers schwerer, der des Nachts und noch dazu bei der Ausfahrt aus einer Ortschaft in viel zu hohem Tempo gefahren sei. Aber auch der Beklagte sei im Verschulden, weil er vor der Einmündung in die Hauptstrasse kein Scheinwerfersignal gegeben und bei seinem langsamen Manöver das Vortrittsrecht der H'auptstrasse zu wenig beachtet habe. Wer in eine vortrittsberechtigte Hauptstrasse einfahre, brauche zwar nicht unbedingt zu warten, bis kein Wagen sichtbar sei, da er sonst bei dichtem Verkehr stundenlang warten müsste. Dagegen müsse er die Verkehrsverhältnisse, namentlich Entfernung und Geschwindigkeit der andern Fahrzeuge, berücksichtigen und er dürfe sich nicht darauf verlassen, dass der Vortrittsberechtigte verlangsamen werde. Allerdings sei damit nicht gesagt, dass der Vortrittsberechtigte nicht verpflichtet sei, zur Verhütung eines Unfalles zu verlangsamen oder anzuhalten. Auf derselben Ueberlandstrasse fuhr am hellen Tage der Automobilist C. von Versoix her gegen Genf, wobei sein Bugatti=Wagen auf der nach dem Dorfe Versoix folgenden geraden und ebenen Strecke gut 130—140 km gefahren sein muss. Diese Gerade wird aber rechtwinklig gekreuzt von einer nach der Bahnstation Genthod führenden Nebens t r a s s e, die auf der Hauptstrasse durch ein Signal angezeigt ist. Ein Milchmann G. kam mit seiner Cammionnette von links, schaute sich vorsichtig um und da er den von