Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1938_Zeitung_Nr.092

E_1938_Zeitung_Nr.092

BERN, Dienstag, 15. November 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 92 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-Pn EISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Masazin". Monatlich 1 mal „Grlbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Geschäftsstelle Zürich! LBwenstrasseäl, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU lnseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Die Via Vita zum Problem dea* Heeresmotorisierung In einem ganzen Schock von Motionen und Interpellationen verschaffte sich während der vergangenen Sessionswoche der eidg. Räte die Besorgnis des Volkes um unsere militärische Bereitschaft Luft. Den Reigen dieser parlamentarischen Aktionen eröffnete am 9. November Nationalrat Vallotton mit seiner Motion, worin er, wie an dieser Stelle bereits geschildert, das Tempo der bisherigen Massnahmen zur Sicherung unserer Landesverteidigung einer zwar scharfen, doch sachlichen Kritik unterzog, dabei den Akzent auch auf die unaufschiebbare Notwendigkeit beschleunigter und umfassender Vorkehrungen für die Heeresmotorisierung legend, über die man sich zuständigenorts in ein Schweigen gehüllt, das je länger desto beunruhigender wirkt. Diese Bedenken spiegelt auch die Broschüre, welche die Via Vita just zur Zeit, da die Probleme der militärischen Wehrbereit- Schaft im Brennpunkt parlamentarischer Diskussion standen und da sich aller Augen nach Bern richteten, dem Bundesrat, den Mitgliedern der beiden Kammern sowie den Spitzen der Armee überreichen Hess. « Heeresmotorisierung, eine ungelöste Frage der schweizerischen Landesverteidigung » betitelt sich die wohldokumentierte Aufklärungsschrift, welche den Problemkomplex «Motorfahrzeug&ßstond und militärischer wie ziviler Motorfahrzeugbedarf in übersichtlicher Gliederung von allen Seiten aufrollt. Mit schonungsloser Offenheit zeichnet sie, ihre Darstellungen durch eine Fülle von Tatsachen und Zahlen untermauernd, die verhängnisvolle Entwicklung, welche der Bestand an armeetauglichen Lastwagen unter dem Druck der fiskalischen Abgaben, dem Einfluss der Bestrebungen nach Einführung einer Verkehrsteilung und unter den drohenden Folgen der Gütertransportinitiative genommen hat. Die Bilanz ist besorgniserregend genug: Bei einem Gesamtbestand von 13,000 Lastwagen kann die Armee unter den gegenwärtigen Verhältnissen bei einem Sofortbedarf von 9000 Fahrzeugen nur 7500 Lastwagen requirieren. Es fehlen somit, auch wenn alte Fahrzeuge schweizerischer Fabrikation bis zu 16 Jahren requiriert werden, 1500 Lastwagen. Dieses Manko erhöht sich auf etwa 5000, wenn die nötigen Reserven eingerechnet und die Requisition auf Fahrzeuge mit einem Höchstalter von 10 Jahren F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. 31. Fortsetzung. « Die Cookies möchte, dass ihr alle morgen bei ihr im Atelier das Dinner nehmt; beinahe hätte ich vergessen, euch einzuladen. Sie kann die von Mutter mitgebrachten Hühner kochen. Unser Führer kommt. > « Hoffentlich fängt er mit seinem Aderlass nicht bei einer festlichen Gelegenheit an ? > sagte ich. Niemand weiss, was der Meister tun wird. Er ist bewundernswert, aber er dürfte wahrscheinlich mit dem Unterhaus anfangen.» « Wie Guy Fawkes ? » « Das war ein Stümper. Was der Meister plant, führt er auch durch, und er sagt, dass ,die Roten' im Unterhaus nichts taugen. Er wolle sie ebenso vernichten wie die andern. Er sagt auch, dass er lieber einen Tory am Leben lasse als einen lauen Sozialisten. > beschränkt wird. Für die Landesversorgung und die Kriegswirtschaft sowie für das Verkehrswesen stehen im Mobilisationsfall höchstens 5500 alte oder ungeeignete Lastwagen zur Verfügung, ein Zustand, der ebenfalls düstere Perspektiven eröffnet, ganz abgesehen davon, dass die Frage der Sicherstellung des zivilen Transportwesens bei einer Mobilmachung bis heute noch keine Abklärung gefunden hat. In weiteren Kapiteln setzt sich die Veröffentlichung der Via Vita mit den Auswirkungen der Gütertransportinitiative auf die Wehrbereitschaft der Schweiz, sowie mit dem Thema «Transportmittel und Wirtschaft» auseinander, um spdann das Fazit ihrer gründlichen Studien in nachfolgenden Schlussfolgerungen zusammenzufassen: 1. Die Notwendigkeit der Regelung der gewerbsmässigen Transporte von Personen und Gütern mit Motorfahrzeugen ist unbestritten. Der diesbezüglich von den eidg. Räten in der Sepfembersession angenommene dringliche Bundesbeschluss entspricht dem gegenwärtigen Bedürfnis und schafft die Möglichkeit, Erfahrungen für die spätere gesetzliche Regelung zu sammeln. 2. Die-im Bundesbeschluss enthaltenen Bestimmungen über die Erteilung von Bewilligungen zur Ausübung des Transportgewerbes, insbesondere Die « Schuld» einer bestimmten Gruppe von Verkehrsteilnehmern kann nämlich sinnvoll höchstens in Prozenten derjenigen Unfälle angegeben werden, an denen diese Kategorie von Strassenbenützern überhaupt beteiligt war. Dr. Freudiger aber « berechnet» beispielsweise die « Schuld » der Fussgänger auf Grund einer Gesamtzahl von Unfällen, an denen zum grossen Teil Fussgänger überhaupt nicht beteiligt waren, und es ist leicht einzusehen, dass bei einer solchen Berechnutigsweise deren Schuldanteil selbst dann sehr bescheiden ausfallen kann, wenn sie überhaupt an sämtlichen Unfällen schuld sein sollten, in die sie verwickelt waren ! In Wirklichkeit nun waren während unserer zwölf Jahre nach den Erhebungen Dr. « Wie heisst euer Führer ? > fragte ich. « Wenn wir ihn morgen sehen, können wir ihn doch weder Meister noch ,Roter Hering' ansprechen. » « Er hat nichts dagegen, wenn man ihn Führer oder Meister anredet. » « Aber er ist nicht unser Führer. > « Er wird es werden », sagte Hester. Martha bemerkte nun, dass sie um viereinhalb Uhr mit Lukas verabredet sei, und ob sie drei oder vier Theaterbillets besorgen solle, und Hester rückte endlich damit heraus, dass sie sich gestern mit dem Meister irgendwo in Soho zum Dinner verabredet habe, aber wir könnten wohl alle zusammen sein. Der Name des Meisters ist Tscherikow, zumindest ist es der Name, den er sich gewählt hat, und unter dem er bekannt ist, obgleich er in Leicester als Sohn bürgerlicher Eltern geboren ist, von denen er sich aber losgesagt hat. Sie ermahnte uns, den Namen nur ja richtig auszusprechen, und zwar mit dem Ton auf der letzten Silbe, und machte uns darauf aufmerksam, der Meister wisse nicht, dass er und seine Anhänger « die roten Hering©» die Bedürfnisklausel, sind so zu handhaben, dass eine Verminderung des Bestandes an militärtauglichen schweizerischen Lastwagen vermieden wird. 3. Das Initiativbegehren um Schaffung eines neuen Verfassungsartikels 37quater ist in der vorgelegten Fassung abzulehnen. Die Schaffung eines Transportmonopols der Eisenbahnen im Fern- Güterverkehr ist militärisch und wirtschaftlich nicht zu verantworten. 4. Das Transportwesen unseres Landes ist unter Berücksichtigung der militärischen und volkswirtschaftlichen Bedürfnisse zu gegebener Zeit neu zu ordnen. Die Neuordnung soll auf Grund der Erfahrungen mit dem dringlichen Bundesbeschluss geschehen. Jede überstürzte Regelung, wie sie die Gütertransport-Initiative verlangt, ist abzulehnen. 5. Eine — vielleicht gemilderte — Konkurrenz unter den Transportmitteln ist im Interesse der Volkswirtschaft und selbst in dem der Eisenbahnen notwendig. Monopole und Gleichschaltung verhindern den Fortschritt und verfeuern die Lebenshaltung. Die Neuordnung des Transportwesens hat daher eine Verkehrsteilung und nicht eine einseitige Behinderung des Strassenverkehrs zur Voraussetzung. 6. Der Bestand an militärtauglichen Lastwagen ist mit allen geeigneten Mitteln sofort zu heben. Die Forderungen der Landesverteidigung haben das Primat vor jenen der Eisenbahnen. Rasches Handeln ist notwendig, denn die beste Truppe und das modernste Material versagen, wenn sie nicht rechtzeitig und am rechten Ort eingesetzt werden können, 7. Der Bund hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass das im Volk weit verbreitete und berechtigte Gefühl der Unterlegenheit unserer 'Armee in bezug auf die Motorisierung raschestens verschwindet. Die Frage, in welcher Weise die Motorisierung gefördert und der Bestand an geeigneten Fahrzeugen gehoben werden kann, ist genügend « erdauert n worden. Eine bedenkliche Statistik Schluss aus Nr. 91. Freudigers insgesamt 1619 Fussgänger an Verkehrsunfällen beteiligt. Dies also ist die Höchstzahl von Unfällen, die als Grundlage für eine richtige Schuldberechnung der Fussgänger dienen kann. Tatsächlich wäre sie wohl noch etwas kleiner, weil wahrscheinlich das eine oder andere Mal zwei oder mehr Fussgänger in den gleichen Unfall verwickelt waren. Als « schuldig » werden aber in der Tabelle Dr. Freudigers auf Seite 23 insgesamt 220 Fussgänger bezeichnet, und dies nun gibt, auf das Total von 1619 Unfällen bezogen, immerhin bereits einen Schuldanteil der Fussgänger von 13,6%, der dreimal höher* ist und jedenfalls der Wirklichkeit bereits erheblich näherkommen dürfte, als die 4,2 % Dr. Freudigers ! Die Unfallstatistik ist bei aller Eignung als Hilfsmittel im Kampf gegen die Unsicherheit genannt würden. Diese Bezeichnung rühre daher, dass alle Mitglieder in den Glub, in dem sie sich wöchentlich zusammenfinden, ihren Hering mitbringen und ihn dort auf dem Gasofen *braten. Der Fischgeruch an diesen Abenden sei so stark, besonders da einzelne Mitglieder ihre Heringe verbrennen lassen, dass der Hauswirt Klagen von verschiedenen Mietern bekommen habe. Tscherikow habe erklärt, dass er und seine Freunde ebenso ein Recht auf ihr Abendbrot hätten wie andere Einwohner, und wenn es ihm gefiele, könne er Heringe braten bis die Hähne krähen. Nach dieser Auseinandersetzung hatte der Hauswirt versucht, sie hinauszuwerfen, aber keinen Erfolg damit gehabt. Das Gesetz war auf Seite der «Roten«. Maftha war über die Abänderung unseres Planes ziemlich bestürzt; aber ich winkte ihr zu, sich mit dem Dinner in Soho einverstanden zu erklären. Ich war Hesters wegen in so hochgradiger Ungeduld, dass ich nicht schnell geung eingehendere Mitteilungen über diesen Mann, den sie zu ihrem Propheten erhoben hatte, erhalten konnte. < Selbstverständlich kommt Abendtoilette In dieser Nummer s Zur Scheinwerferkontroll- Aktion des A. C. S. Sitzung der nationalen Sportkommission. Gutes Licht und wie man es erhält. Aus der Arbeitsheschaffungs- Debatte im Nationalrat. im Strassenverkehr ein gefährliches Werkzeug in der Hand dessen, der sie nicht mit aller Vorsicht und allem Verantwortungsbewusstsein benutzt. Allzuoft dient sie, bewusst oder unbewusst, zur Diskriminierung des Motorfahrzeuges als desjenigen Strassenbenützers, dem allein wir die heute vermeintlich so unerfreulichen Verhältnisse im Strassenverkehr zu verdanken hätten. Und die Arbeit Dr. Freudigers selber liefert ja den eindrücklichsten Beweis dafür, wie schnell sie der Führung durch sachliche Ueberlegungen entgleiten kann und dann dazu dienen muss, vorgefasste Meinungen zu rechtfertigen, auch wo die einfachste Selbstbesinnung zu einem ganz andern Ergebnis führen müsste. Wie leicht sich diese verhängnisvollen Kräfte ungenauer oder gar unrichtiger Darstellung der Zusammenhänge ins Bewusstsein der öffentlichen Meinung einschleichen, kann wohl nicht schlagender bewiesen werden als durch die Tatsache, dass in einer Besprechung der Arbeit Dr. Freudigers in einer Tageszeitung die nach jener verfänglichen Tabelle zu 91,2 % am Total der Verkehrsunfälle schuldigen Fahrzeugführer kurzerhand als... Automobilisten bezeichnet werden, aus dem einfachen Grunde, weil die populäre Vorstellung beim Worte «Fahrzeugführer » meist nur an sie denkt. So übersieht auch jener Berichterstatter unter dem Einfluss der Tendenz der Freudi§erschen Darlegungen vollständig, dass sich unter den insgesamt 14.003 Fahrzeugen, die an den untersuchten Unfällen beteiligt waren, nicht weniger als 3472 Fahrräder, 369 Pferdegespanne und 141 Handwagen usw. befanden, zusammen also rund 4000 nichtmotorische Fahrzeuge, und dass demnach auch von den an den Unfällen « schuldigen » Fahrzeugführern ein erheblicher Teil auf Radfahrer, Fuhrleute und dergleichen entfallen dürfte. Zu schlüssigen Urteilen über die Verantwortlichkeit der einzelnen Kategorien von Strassenbenützern für die vorkommenden Unfälle vermöchte höchstens eine Darstellung zu führen, die für jede dieser Gruppen getrennt nachwiese, wie weit die betreffenden nicht in Frage >, sagte Hester, « keine von uns trägt eine. > Endlich einigten wir uns dahin, dass wir uns am Abend im Chat Noir treffen wollten, und dass Lukas nach dem Dinner ihm geeignet erscheinende Vorschläge zu unserer Unterhaltung machen könne. Hester meinte, wir könnten alles dem Meister überlassen, und dass er uns möglicherweise in den Club führen werde, wo wir Reden mitanhören könnten über die Pläne, wie eine bessere Welt für uns aufgerichtet werden könne. Sie machte uns noch darauf aufmerksam, dass wir in diesem Falle nicht überrascht sein dürfen, wenn die Männer in Hitze geraten. Kürzlich habe ein Mann, namens Prutzki, sein Messer herausgezogen und einem andern, namens Liebmann, sei beinahe der Hals durchschnitten worden. Es handelte sich um eine Meinungsverschiedenheit; Liebmann war für die Guillotine, während Prutzki der Ansicht war, Maschinengewehre führten schneller und radikaler zum Ziel. Sie wurden von andern Mitgliedern getrennt, die sagten, wenn sie nur etwas Geduld hätten, könnten sie wahrscheinlich beides haben.