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E_1938_Zeitung_Nr.093

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BERN, Freitag, 18. November 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — Na 93 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS. PREISE: A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Kr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Encheint jeden Dlenstno und Preitao Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe IJste w REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrafnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51. Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: de achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarll lnseratenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Die jüngsten Koordinationsverordnungen in Frankreich Seit Monaten arbeitet die französische Gesetzgebungsmaschinerie wieder einmal auf höchsten Touren. Kaum eine Woche vergeht, ohne neue Verordnungen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Auch die Oelindustrie wie der Autoverkehr sehen sich fortgesetzt Veränderungen ihrer Arbeitsbedingungen gegenüber. Fast ausnahmslos brachten sie bisher weitere Erschwerungen und oft einschneidende Hemmnisse ihrer freien Betätigung. In ganz besonderem Mass gilt dies von öen jüngst erlassenen Verfügungen zur sog. Koordination des Güterverkehrs auf Strasse and Schiene. Diese setzen gleichsam den legalen Sehlusspunkt hinter die schon jahrelang betriebene Unterdrückung des gewerblichen Automobil- Verkehrs im angeblichen Interesse der Eisenbahnen. Der erneute Rückgang der Schienentransporte, der die Einnahmen der Nationalen Eisenbahngesellschaft in den letzten zwölf Monaten um fast 2 Milliarden Francs schmälerte und deren Defizit mit über 3 Milliarden Francs etwa auf dem Stand im Zeitpunkt der Nationalisierung der Bahnen hielt, war bereits ein ziemlich sicheres Vorzeichen dafür, dass der Automobilismus wieder einmal zu weiteren schweren Opfern für die Schiene herangezogen werden würde. Der erläuternde Bericht des Ministers für Oeffentliche Arbeiten, M. de Monzie, zu den neuen Verordnungen gibt auch unumwunden zu, dass die jetzigen Massnahmen gegen den Auto-Güterverkehr durch den Zwang zur Sanierung der Bahnen diktiert seien. Diese Verordnungen verleihen zunächst den Eisenbahnen das Monopol für alle staatlichen Transporte tmd sie bringen erneut zum Ausdruck, dass grundsätzlich der Schiene der Fernverkehr, dem Auto der Nahverkehr zufallen solle. Dementsprechend wird nunmehr auch für den Personenverkehr prinzipiell festgelegt, dass die Tarife der Autotransporte mindestens so hoch sein müssen wie die der Bahn. Den Ausführungsbestimmungen zu dieser Vorschrift ist jedoch zu entnehmen, dass dem Kraftverkehr dadurch effektiv ein 10- bis 25prozentiger Aufschlag auf die Bahntarife aufgenötigt wird. Zudem kommen fortan noch die früher vorgesehenen Ausgleichszahlungen der Bahnen an die Automobiltransporteure, die einen Einnahmenrüokgang durch die sogenannte Gleichschaltung der Tarife erleiden, ganz in Fortfall, da das « öffentliche Interesse» die Tarifgleichheit verlange. Die Taxameter, die sogenannte Sammelfahrten ausführen, werden kontingentiert und einem Tarif unterworfen, der um 20 % über den Fahrpreisen der öffentlichen Autoverkehrsunternehmen liegen muss. Weitere Bestimmungen betreffen die Ueberwachung der Frachtvermittler, die Kontingentierung und Kontrolle der Mietkraftwagen im Güterverkehr, die Heranziehung von Eisenbahnbeamten für die Durchführung der Koordinationsvorschriften und die Ausdehnung des Zwangs zur Haltung eines Fahrtenbuchs. Für landwirtschaftliche Gütertransporte werden gewisse bürokratische Vorschriften gelockert, insofern die Nahverkehrszonen nunmehr zwei benachbarte Departements umfassen dürfen. Hingegen sind für den Güterfernverkehr mit Lastwagen om Ist das gesamtschweizerisch gedacht? An ihrem Parteitag haben die Bündner Demokraten eine Resolution gefasst, welche mit Bedauern die Einseitigkeit feststellt, womit sich der Sprecher des Bundesrates im Nationalrat zur Strassenverbindun.g Glarus- Graubünden geäussert habe. Der Parteitag — heisst es weiter — appelliere an die zuständigen Behörden, sich mit aller Entschiedenheit gegen den Bau der Kistenstrasse zu wehren, weil dadurch die Interessen des Kantons Graubünden geopfert würden. Für Graubünden könne nur eine Bahnverbindung mit dem Reusstal oder der Segnes in Frage kommen. Im übrigen verlange der Parteitag mit allem Nachdruck die Erstellung einer ganzjährigen Nord-Südverbindung mit Autotunnel durch den San Bernardino. die Fesseln noch viel fester angezogen worden als bisher. Seine Tarife müssen mindestens denen der Eisenbahnfrachtsätze für die verschiedenen Warengruppen entsprechen, aber tatsächlich werden die Güterferntransporte durch das Automobil wesentlich teurer sein als die Bahn, da die Transporteure gezwungen sind, auf die Frachtsätze der Eisenbahn auf der Schiene noch die Kosten aufzuschlagen, welche die Bahn selbst für Autotransporte zum und vom Bahnhof berechnet. Einer der entscheidenden Vorteile des Güterkraftverkehrs, die Verbilligung der Beförderung durch direkte Haus-zu-Haus-Lieferungen sind durch die neue, allen Grundsätzen der Logik widersprechende Preisfestsetzung unwirksam gemacht. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Automobils auch für alle Zukunft zu unterbinden, soll diese Uebertarifierung dergestalt verewigt werden, dass die Autounternehmen kommende Erhöhungen der Eisenbahntarife im gleichen Verhältnis mitmachen müssen. Damit haben die Bahnen nunmehr auch freie Hand, diejenigen Tarife wieder heraufzusetzen, die sie früher mit Rücksicht auf den Wettbewerb der Strasse ermässigt hatten, ohne ein erneutes Aufleben dieser Konkurrenz befürchten zu müssen. Durch diese dem gewerblichen Strassentransport aufgezwungene Preispolitik hat die Regierung ihr früher verkündetes Bekenntnis zu dem Grundsatz, dass nur die Qualität des Transports über die Wahl des Beförderungsmittels entscheiden solle, in eindeutigster Weise Lügen gestraft. Man muss sich nur fragen, wozu wohl die Vertreter der Verkehrsmittelbenutzer seinerzeit in die Koordinationsausschüsse aufgenommen worden sind; offenbar zu keinem andern Zweck als eine Entscheidung entgegenzunehmen, die ihren eigenen Interessen in krassester Weise zuwiderläuft. Ta^e (Fortsetzung Seite 2.) Wenn die Resolution dem Bundesrat Einseitigkeit in seiner Stellungnahme zur Schaffung einer Verbindung nach der Südostschweiz vorwirft, dann mögen sich jene, welche diese Entschliessung gefasst, sagen lassen, dass sie gerade damit ihrer eigenen, kaum mehr zu überbietenden Einseitigkeit, ihrem Kantonesentum, das schweizerische Gesinnungs- und Denkungsart so schmerzlich vermissen lässt. ein würdiges Denkmal gesetzt haben. Wahrhaftig ein erhebendes Schauspiel ausgerechnet zu einer Zeit, da sich überall die Opferfreudigkeit für die Stärkung der militärischen Bereitschaft unseres Landes meldet, da aus dem Volke eine Strömung herauswächst, daraus die Behörden die Impulse schöpfen sollen, um ihre Aufgaben im Bereich der Landesverteidigung einer beschleunigten Lösung entgegenzuführen. Dazu gehört jedoch auch die Erstellung In dieser Nummer s Vorfahrregeln. Das Waadtland revidiert seine Autosteuern. Die Lehren der Rennsaison 1938. Der neue Miller-Rennwagen. Beilage: einer Verbindung nach der Südostschweiz ! Hat denn nicht Bundesrat Obrecht in seiner Antwort auf die im Nationälrat gefallenen Anträge mit allem Nachdruck unterstrichen, dass es sich dabei in erster Linie um eine militärische Anlage handle? Und hat man bei den Bündner Demokraten dieses entscheidende Kriterium schon vergessen ? Die Walenseestrasse macht wieder von sich reden. Mit einer Kontroverse, die zwischen den Glarnern und Bündnern über den Bau der Walenseetalstrasse entbrannte, klang am letzten Samstag die ausserordentliche Session des Nationalrates aus. Der Glarner Regierungspräsident Gallati musste sich dabei in einer energischen Verteidigungsrede der Angriffe erwehren, welche gegen seinen Kanton deshalb vorgetragen wurden, weil er, einem Beschluss des Landrates entsprechend, bisher noch keinen Spatenstich an der fertig projektierten und auch finanziell realisierbaren neuen Verbindung getan hat. Kurz hernach, am letzten Montag, flackerte die Diskussion über das nämliche Kapitel auch im st. gallischen Parlament auf. Genauer gesagt : kam der Stein neuerdings ins Rollen. Bei der Behandlung des Berichtes der staatswirtschaftlichen Kommission nämlich verlangte Oberst Huber (Wallenstadt) Auskunft über den derzeitigen Stand der Angelegenheit, die vornehmlich im St. Galler Oberland Beunruhigung hervorgerufen hat insofern, als mit der bevorstehenden Beendigung der drei Teilstücke bereits wieder Arbeiter entlassen werden müssen, weil eine Einigung mit dem Kanton Glarus nicht zu erzielen war. In seiner Antwort umriss Regierungsrat Dr. Kobelt die bisher beim Bundesrat und bei den Glarner Behörden in dieser Sache unternommenen Schritte. Vom eidg. Departe- F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecity Sidgwick. 32. Fortsetzung. < Städte werden in Flammen stehen», sagte er und trank den Rest seines Glases schwer bedrückt aus. Lukas machte dem Kellner ein Zeichen, das Glas wieder zu füllen. Mir schien es nicht richtig, denn der Champagner machte Herrn Tscherikow statt heiterer immer düsterer, und als Lukas ihn fragte, auf welche Weise er die Massen auf seine Seite zu bekommen hoffe, war es mir, als ob wir bei der Selbstentzündung eines internationalen Brandherdes zugegen seien. Er schien die Massen sogar mehr als uns zu hassen und warf mit wüsten Beschimpfungen um sich. Er sagte, sie bestünden aus Parasiten, Tölpeln, Sklavennaturen und Weichlingen, und er würde, ohne mit der Wimper zu zucken, Männer, Weiber, Kinder bis zum letzten niedermähen. Rücksichten auf Geschlecht oder Jugend könne er nicht nehmen. Bei Kindern bestehe freilich noch die Möglichkeit, sie zu klassenbewusstem Denken zu erziehen. Letzten Endes hörte ich nur heraus, dass es einer Proletarierin, wie Melinda, wenn der grosse Tag kam, nicht besser ergehen würde als einer Blutsaugerin, wie ich es bin. Nachdem er sich ausgetobt hatte, zündete er sich eine Zigarre an und schwieg gänzlich; aber er glotzte Martha an und nahm überhaupt keine Notiz von Hester. Genau so benahm er sich im Theater, mit der einzigen Ausnahme, dass er in den Zwischenakten zu Martha sprach und sie anblickte, als ob er sie mit nach Hause nehmen wollte. Nach der Theatervorstellung trennten wir uns. Lukas setzte Hester in einen Wagen, der sie nach Chelsea bringen sollte, und ich hörte, wie sie Tscherikow einlud, mitzufahren, aber er lehnte kurz ab und entfernte sich. Sein Mantel hatte wieder den genialen Faltenwurf, den zerbeulten Hut hatte er tief in die Stirn gepresst. Ich war sehr um Hester bekümmert und wünschte, ich hätte mit ihr nach Chelsea fahren können. Ich hoffte, dass die Weekes meine Stelle vertreten würde. Ich fragte Lukas, was er für einen Eindruck von diesem Menschen habe, und er meinte, dass er sich nicht darüber klar sei, ob er ein Irrsinniger oder ein aufgeblasener Schwätzer oder gar beides sei. Er war der Ansicht, dass wir morgen ins Atelier der Cockles gehen müssten, weil wir möglicherweise eine Bundesgenossin an ihr finden könnten. Sie dürfte mehr über den « Roten Hering» wissen als wir und uns sagen, ob er verheiratet oder ledig ist, und ob eine Aussicht bestand, Hester von ihm loszueisen. « Bald werden wohl überhaupt keine Ehen mehr geschlossen werden», sagte Martha. « Tscherikow wenigstens meinte es und behauptete mir gegenüber, zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit werde die freie Liebe regieren. » « Viel scheint er von Geschichte nicht zu wissen », sagte Lukas. < Wir müssen sehen, Hester aus seinen Klauen zu befreien >, sagte ich, und einzig und allein von diesem Gedanken erfüllt, begab ich mich zu Bett. Am nächsten Morgen klingelte ich meine liebe Hester an und erkundigte mich, ob sie mich zum Lunch wieder treffen könnte. Ihre Stimme klang gedrückt; sie sagte, dass sie nicht viel geschlafen hätte und ihr Tag sehr besetzt sei: vormittags arbeite sie mit dem Meister und nachmittags Hesse sie sich Dauerwellen machen. Aber sie wolle gern mit mir zum Lunch beisammensein, und es wäre ihr sehr lieb, wenn ich ihr etwas Geld geben könnte, weil sie sehr knapp wäre. Das also war der erste Erfolg unserer Zusammenkunft mit Tscherikow. Er hatte ein Auge auf Martha geworfen, das passte Hester nicht, und nun Hess sie sich Dauerwellen machen. « Ich werde heute abend mein neues Kleid anziehen », sagte sie, als wir uns trafen. « Die Weekes denkt, es wird ihm nicht recht sein; aber ich bin davon so überzeugt. Ich glaube, die Männer sind alle gleich, sogar die bedeutendsten haben ihre Achillesferse.» «Hester, ist Herr Tscherikow verheira-