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E_1938_Zeitung_Nr.097

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BERN, Freitag, 2. Dezember 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 97 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Ausgab« A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich FT. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieb abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Jjtaatide als Aaloienkec: Die Begutachtung von motorischen Störungen beim Motorfahrzeugführer Vorbemerkung der Redaktion: Als Publikation des Gerichtlich-medizinischen Institutes der Universität Zürich ist kürzlich in «Gesundheit und Wohlfahrt» ein Aufsatz über die « Begutachtung von Motilitätsstörungen beim Motorfahrzeugführer» erschienen, als dessen Verfasser der Oberarzt dieses Institutes, P-D. Dr. med. F. Schwarz, zeichnet. Mit freundlicher Erlaubnis des Autors, der schon wiederholt mit wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Fragenkomplex Automobil und Medizin hervorgetreten ist, bringen wir die Abhandlung, •welche den Niederschlag einer zehnjährigen Expertenpraxis enthält, hier auszugsweise zum Abdruck. Ausgehend von der Tatsache, dass nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen das Vorhandensein gewisser körperlicher oder geistiger Mängel einen Ausschliessungsgrund für die Erteilung der Fahrbewilligung bildet, weist Dr. Schwarz auf die Schwierigkeiten hin, welche dem ärztlichen Sachverständigen u. U. aus der ihm dabei zufallenden Aufgabe erwachsen können, die Auswirkungen solcher Defekte und Gebrechen auf die Fahrtüchtigkeit einigermassen zu bewerten. Die Funktionen, welche der Arzt in solchen Fällen zu übernehmen habe, verlangen persönliche Erfahrung und spezielles Einarbeiten in die Materie. Es sei deshalb zu begrüssen, wenn die Ausstellung derartiger Expertisen in vertratiensärztlicher Mission erfolge, denn nur sie biete Gewähr für eine kompetente, gleichmässige und gleichwertige Beurteilung aller Bewerber. Im weiteren streift Dr. Schwarz das Problem der Minimalanforderungen, welche an die Führer der verschiedenen Motorfahrzeugkategorien gestellt werden müssen — und das inzwischen durch die vom Justizund Polizeidepartement in Kraft gesetzten Richtlinien für die ärztliche Prüfung seine Erledigung gefunden hat —, um sodann auf das enger umgrenzte Gebiet der Beurteilung von motorischen Störungen beim Bewerber um die Fahrbewilligung einzutreten. Einleitend wird dabei bemerkt, dass eine persönliche Fahrpraxis des begutachtenden Arztes unerlässlich sei, weil er sehr oft in die Lage komme, technische Aenderungen am Fahrzeug vorzuschlagen oder gemeinsam mit dem technischen Experten zu bewerten. F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwlck. 35. Fortsetzung. Und so kam die Cockles mit uns, und wir fuhren in einen üblen Stadtteil hinaus, wo wir vor einem verfallenen Haus hielten und die Taxe auf uns warten Hessen. Die Strasse war voll von wenig vertrauenerweckenden Müssiggängern, schlampigen Frauen und schmutzigen Kindern: Lumpenproletariat, von dem Tscherikow hoffte, dass es später einmal, wenn der grosse Kladderadatsch kam, mit ihm durch dick und dünn gehen würde. Der Gedanke, dass Hester sich in einer solchen Gegend aufhielt, war mir entsetzlich. Ich eilte in das Haus und hinter der Cockles die ausgetretenen Stufen hinauf. Als wir die dritte Etage erreicht hatten, klopfte sie an eine Tür, und wir traten ein. Wir erblickten ein enges Zimmer, dessen Einrichtung aus einem alten Küchentisch und ein paar alten Stühlen bestand. Alles starrte vor Schmutz; die Luft war dick vom Tabakrauch. Zwei Männer sassen und spielten Domino. * Erscheint jeden Dienst«« und FrHlafl Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin 4 *. Monatlich 1 mal „Gelbe liste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Tetegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LOwenstrasse 51, Telephon 39.743 « Allgemein, fährt die Abhandlung fort, gilt bei der Beurteilung motorischer Störungen, dass eine uneingeschränkte Bewilligung in der Regel nicht erteilt werden kann, sondern nur eine solche für ein ganz bestimmtes, dem bestehenden Gebrechen angepasstes Fahrzeug." Dem Gesuchsteller ist mit dieser Lösung in den meisten Fällen voll gedient. Die Aenderungen betreffen oft nur Kleinigkeiten des Fusses, Anbringen einer Unterlage zum Abstellen des Absatzes, um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, Vertauschen des Gas-, und Bremspedals auf die linke, des Kupplungspedals auf die rechte Seite, spe* zielle Polsterung usw. Bei Defekten an den obern Extremitäten kommen Aenderungen am Schalthebel, am Griff der Handbremse in Frage, oder es empfiehlt sich die Anschaffung einer bestimmten Automarke mit einer von der üblichen Schaltung abweichenden Konstruktion. Vorsichtig scheint es uns schliesslich, dass sich der motorisch Behinderte unter Umständen mit einem Kleinfahrzeug begnügt, das ja im allgemeinen leicht lenkbar ist und eine kleine Masse mit beschränkter Geschwindigkeit aufweist. Störungen im Bereich der obern Extremitäten. Ist eine Extremität iunktionell noch intakt und zeigt die andere noch Funktionsreste, dann wird die Führung eines Kleinwagens möglich sein. Die intakte Extremität führt das Volant und wird dabei von der gebrechlichen Extremität unterstützt. Letztere bedient gleichzeitig Schaltung und Handbremse, die vielleicht abgeändert werden müssen. Viel ungünstiger liegen die Verhältnisse, wenn eine Extremität fehlt (auch eine Prothese vermag sie beim Fahren niemals zu ersetzen) oder vollständig gelähmt ist. In solchen Fällen bleibt nur das Dreirad mit Hebelsteuerung übrig. Die intakte Extremität führt den Steuerhebel und kann gleichzeitig, ohne ihn loszulassen, wertvolle Nebenfunktionen, wie Schalten, Auskuppeln, Bremsen, übernehmen. Der Lösungsversuch, bei einem Kleinauto das Lenkrad mit der intakten obern Extremität zu bedienen, wobei dann z. B. mit dem Knie geschaltet wird, scheint uns im Interesse der allgemeinen Verkehrssicherheit sehr gewagt. Allerdings sind Fälle bekannt, da Fahrer, welche einen Arm verloren haben, INSERTI ONS-PREIS: Die acht gespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer durch das Wirbelsäulenleiden nicht allzustark in ihrer Funktion mitgenommen sind. Auch bei starken Verkrümmungen der Wirbelsäule wird es stets gelingen, den entsprechenden Kleinwagen zu finden, wobei auf eine besonders gute Rückenpolsterung, eventuell auf eine spezielle Konstruktion des « Herr Liebmann », sagte die Cockles vorstellend. « Was machen Sie hier ? » Und warum bringen Sie diese Bourgeois mit? » fragte Herr Liebmann misstrauisch. « Wen suchen Sie ?» « Tscherikow », sagte die Cockles. Achtundzwanzigstes Kapitel. Der Zweite, der sich « Zerstörer » nannte, sprang auf und fuchtelte mit seiner knochigen Faust drohend vor unsern Gesichtern. « Sie sind Freunde von ihm», brüllte er mit fremdländischem Akzent. «Ich habe ja immer gesagt, dieser Tscherikow, wie er sich nennt, ist ein Bourgeois. » «Aber, wie können Sie das behaupten», sagte Lukas. «Ich behaupte es aber, ich halte nichts von ihm. Und wenn der grosse Tag anbricht, werde ich dafür sorgen, dass er den Mund hält und wenn ich ihn mit meinen eigenen Händen stumm machen müsste.» « Was wissen Sie Nachteiliges über ihn ? » fragte die Cockles. « Genug ! » grollte er misstrauiscli. «Mir ist er sympathisch», sagte die Cockles, während sie weiter in das Zimmer hineinging, sich auf eine Tischecke schwang und ihre zarten Beine in Herrenbeinkleidern Sitzes mit Adaptation der Pedale zu dringen ist. Schluss Seite 2. Hebelänordnung für Handbedienung, eingebaut in einen Fiat 500. a = Kupplung, "b = Vierradbremse, c — Handgas. über Kreuz schlug. « Er besucht mich oft und entwickelt mir seine Pläne über das, was er zu tun gedenkt, wenn er London erobert hat und Diktator sein wird.» Jetzt glaubte ich, der «Zerstörer» würde in Ohnmacht fallen. Er gab gurgelnde, röchelnde Laute von sich, versuchte zu sprechen, war aber vor hochgradiger Aufregung ausserstande dazu. Er riss sich den Hemdkragen auf, als ob er Luft brauchte. Herr Liebmann bekam einen feuerroten Kopf und deutete in nicht misszuverstehender Weise auf sich. «Ich bin derjenige, der Diktator sein wird », sagte er, « so viel steht fest. » Der « Zerstörer» trampelte mit beiden Füssert auf den Boden und fegte die Dominosteine mit einer wütenden Geste vom Tisch. « So wird es kommen ! » brüllte er. Dann schrien sie in einer Sprache, die ich nicht verstand, aufeinander ein und bedrohten sich mit den Fäusten. Als aber die Cockles ihre Zigarettendose herumreichte, beruhigten sie sich. « Wir wallen Tscherikow sprechen », sagte die Cockles, als ihre Zigarette Feuer hatte. « Warum nennen Sie ihn Tscherikow ? » fragte der « Zerstörer», der wieder in Aufregung geriet. « Er ist kein Russe. Er heisst Gfimes und wohnt in Fulharh.» Schweizerische Rundschau Den Linksfahrern ins Stammbuch. Wenn, wie es tatsächlich vorgekommen ist, selbst die Polizeibehörden zugestehen, es sei oim die Verkehrsdisziplin der Automobilisten besser bestellt als um jene der übrigen Strassenbenützer, so haben wir deswegen noch bej weitem keinen Grund, uns pharisäerhaft in die Brust zu werfen. Ehrlicherweise müssen wir nämlich bekennen — und finden es an uns selbst wie andern fast täglich bestätigt — dass es auch bei uns noch allerhand kleinere und grösere Schandflecke auszutilgen gibt. Mit der Ritterlichkeit der Strasse, mit der gegenseitigen Rücksicht hapert es nach wie vor. Und zwar mitunter bedenklich. So scheint sich heute die Linksfahrerei bei Leuten, deren Verkehrsgewissen locker sitzt, steigender Gunst zu erfreuen. Ob dabei Nachlässigkeit, Gedankenlosigkeit oder überhebliche Selbstsicherheit die Hand im Spiele haben — Tatsache bleibt, dass dieses unverantwortliche Gebaren wieder stärker einreisst. Würde diese Spezies von Störungen im Bereich des Kopfes und der «Auch-Autorhobilisten», die durch souveräne Wirbelsäule. Missachtung auch der allerelementarsten Ernstliche Schwierigkeiten sind uns bei trotz des Verlustes ihr Fahrzeug weiter führen, ohne zu Unfällen Veranlassung zu geben und sich dabei möglicherweise noch als gesetzlichen Gebote glänzen zu müssen glau- der Begutachtung solcher Fälle nicht begegnet, sofern wenigstens die Extremitäten ben, doch handelt es sich hier um seltene weiss Gott was für Mordskerle fühlen, durch Ausnahmen, die ganz andere Voraussetzungen zeigen, als wenn ein Einarmiger das gene Haut riskieren— die Sache wäre nicht ihr saloppes, «wurschtiges» Tun nur ihre ei- Fahren erst erlernen müsste. Invalide mit halb so schlimm, denn mit ihrer Haut können beidseitigem Arm- und Beinverlust werden sie ja schliesslich anfangen was sie wollen. stets auf die Führung eines Motorfahrzeugs Aber dass sie mit ihrem verwerflichen Be- verzichten müssen. In dieser Nummer: ule neuen Finanzmassnahmen und der Benzinzoll. Wird England Grand-Prix- Rennwagen bauen? Rundfrage: Verwendung von Nebellampen nur bei dichtem Nebel? Arbeitsbeschaffung und Strassenverkehr. Beilage: « Ja, das weiss ich alles », sagte die Cockles, ruhig und mit Sicherheit lügend. An diesem Nachmittag habe ich sie wirklich ehrlich bewundert und hege seither ein Gefühl der Dankbarkeit für sie, denn wir hätten mit diesen beiden Raufbolden ohne sie nichts ausrichten können. « Er hat uns zum Tee eingeladen », fuhr die Cockles fort, während sie ihre Zigarette angelegentlich betrachtete. «Warum sind Sie dann hier?» « Weil er vergass, uns seine Adresse anzugeben; ich wollte mich hier darnach erkundigen. » «Wie können wir wissen, ob Sie die Wahrheit sagen?» fragte Herr Liebmann. « Auf unser ehrliches Gesicht hin », erwiderte die Cockles. « Wir können ja auch im Adressbuch nachsehen », meinte Lukas. « Das ist schon richtig», brummte Liebmann, auf den « Zerstörer » blickend. « Tee f » knurrte der « Zerstörer ». « Er lädt Bourgeois zum Tee ein... er wohnt in der Laburnunstrasse 5 und zahlt Steuern, wenigstens zahlt die ehrsame Bürgerin, die seine Gemahlin ist, Steuern. Ich möchte ihm am liebsten ins Gesicht spucken. Er steht unter dem Pantoffel seiner lieben Frau. Mich hat sie einmal aus ihrer Wohnung hinaus-