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E_1938_Zeitung_Nr.095

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BERN, Freitag, 25. November 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 95 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlao. wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 Die autotouristische Bilanz der Sommersaison 1938 Statistische Erhebungen gewinnen vielfach erst dann ihren vollen Wert, wenn sie es möglich machen, die durch sie erfassten sozialen Erscheinungen nicht nur nach ihrer gegenwärtigen Struktur, sondern auch in ihrem zeitlichen Verlaufe zu beobachten. Dies trifft auch für die von der Eidg. Oberzolldirektion besorgte Zählung der mit Motorfahrzeugen in die Schweiz gelangten Reisegäste zu, die, 1937 eingeführt, im laufenden Jahr nun erstmals den Vergleich zwischen zwei SommersaisoniJ des schweizerischen Fremdenverkehrs ermöglicht. Das Eidg. Statistische Amt, das die von der Oberzolldirektion erhobenen Zahlen weiterverarbeitet, hat soeben die Ergebnisse dieser ersten Gegenüberstellung veröffentlicht, die aber natürlich auch über die Gliederung der von ihr erfassten Besucherscharen in jedem der beiden einzelnen Jahre 1937 und 1938 wertvolle Aufschlüsse liefert. Diese Ausweise umfassen die vier für unsern sommerlichen Fremdenverkehr entscheidenden Monate Juni bis September, in denen sich nach der Zahl der Fahrzeuge und Gäste wie nach der Zahl der Aufenthaltstage rund zwei Drittel des motortouristischen Jahresumsatzes abspielen. Die Hauptangaben über die Zahl der Vehikel und ihrer Insassen enthält die folgende Tabelle. Fahrzeuge und Gäste. Monate Personenautos Autocars Im ganzen 1937 1938 1937 1938 1937 1938 Fahrzeuge Junj 22 265 26.394 1.161 1.266 23.426 27.660 Juli 38.067 43.492 3.286 2.746 41.353 46.238 Aug. 78.482 80.909 3.641 3.416 82.123 84.325 Sept44.916 38.603 1.912 1.423 46.828 40 026 Total 183.730 189.398 10.000 8851 193.730 198.249 Personen Juni 60.333 73.104 27.095 28.343 87.428 101.447 Juli 113210 128.429 75.589 61.216 188.799 189 645 Aug. 241.263 254.297 76.568 76.022 317.831330.319 Sept. 129.644112.011 37.765 28.750167.409 140 761 Total 544.450 567.841 217.017 194.331 761.467 762.172 Halten Wir aus dieser Uebersicht fest, dass, abgesehen von den am Schlüsse zu erwähnenden Motorrädern, im Sommer 1938 rund 200 000 Motorfahrzeuge etwas über 760 000 Personen in die Schweiz gebracht haben, auf einige Hundert gleich viel wie während der Saison 1937. Dabei hat die erhöhte Zahl vnn Autos den Schwund bei den Gesellschaftswagen ziemlich genau ausgeglichen. Mit Bezug auf diesen Rückgang des Autocar-Verkehr stellt der Bericht des Statistischen Amtes fest, dass die deutschen Fahrzeuge daran mit 58, die französischen mit 34 Prozent beteiligt waren. Ausschlaggebend für den Nutzen, den unser Fremdenverkehrsgewerbe und mit ihm die ganze Erscheint Jeden Dienstag und Freilag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gi-fhe Litte" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 28.223 - Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: l.öwentstrasse 51, Telephon 39.743 Volkswirtschaft aus dem Zustrom ausländischer Gäste zieht, ist jedoch nicht So sehr deren Zahl, als vielmehr die Dauer ihres Aufenthaltes. Da ist zunächst einmal festzustellen, dass auch das Total der Aufenthaltstage von 1938 mit rund 1.882.000 praktisch sehr genau mit der entsprechenden Zahl des Vorjahres übereinstimmt. Wie viel Aufenthaltstage Auto und Gesellsehaftswagen an jenes Total beigesteuert haben, zeigt die nachstehende kleine Tabelle, die gleichzeitig über die mittlere Aufenthaltsdauer, die eigentliche Bewertungsgrösse für den Fremdenverkehr, Aufschluss gibt. Gesamtzahl und Mittelwerte der Aufenthaltstage. Total der Mittlere Fahrzeuge Aufenthalts- Aufenthaltstage dauer in Tagen 1937 1938 1937 1938 Personenautos 1.580.294 1.593.123 2,9 2,8 Autocars 310.351 288.798 1,4 1,5 Total 1.890.645 1.881.921 2,5 2,5 Auch in dieser Darstellung kommt der verminderte Beitrag des Gesellschaftswagenverkehrs zur Gesamtfrequenz zum Ausdruck, trotzdem überraschenderweise die : mittlere Aufenthaltsdauer bei den Insassen der Autocars seit dem letzten Jahnr etwas gestiegen ist, während sie gerade bei den Autpreisenden leicht zurückging. ,. Noch ungleich wichtiger als die Zahl der Aufenthaltstage ist jedoch für unsere Verkehrswirtschaft um jene der Uebernachtungen. Denn nur der Reisende, der in einem Hotel oder einer sonstigen Gaststätte oder auch nur in einem privaten Quartier über Nacht bleibt, trägt mit einer gewissen Sicherheit und in einem bestimmten Mindestumfang durch seine Ausgaben zur Verbesserung unserer Aussenhandelsbilanz bei, während der Eintagsbesucher bekanntlich oft genug, sogar seinen Mundvorrat aus dem Ausland in die Schweiz bringt, um ihn hier in seinem Fahrzeug zu verzehren. Es ist daher notwendig, unsere ausländiechen Gäste auch auf das hin etwas näher zu zergliedern. Das Eidgenössische Statistische Amt tut dies in einer umfangreichen Tabelle, die die Gäste nach ihrer Aufenthaltsdauer sehr weit gliedert. Wir fassen die dortigen Zahlen in der nachstehenden Zusammenstellung etwas mehr zusammen. Ausländische Autosäste und Aufenthaltsdauer. Tage Personenautos Autocars Im ganzen 1937 1938 1937 1938 1937 1938 Absolute Zahlen 1 313 085 352.621 170.602 150.255 483.687 502 876 2 95.230 80.699 25.585 23.318120 815 104.017 3—6 85.962 84.221 19.260 18.476 105.222 102 697 7—10 .23.237 23.406 1.324 2.125 24 561 25,531 über 10 26.936 26.894 246 157 27.182 27.051 Total 544.450 567.841 217.017 194.331 761.467 762.172 Davon Übernachter 231.365 215.220 46.415 44.070 277.780 259.296 Prozentverteilung Eintagsgäste/Übernachter Eintagsgäete 57,6 62,1 78,6 77,3 63,5 66,0 Übernachter 42,4 37,9 21,4 22,7 36,5 34,0 Total 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Prozentverteilung der Übernachter nach Aufenthaltsdauer in Tagen 2 41,2 37,5 55,1 52,9 43,5 40,1 3—6 37,1 39,1 41,5 41,8 37,9 39,6 7—10 10,0 10,9 2,9 4,8 8,8 9,9 über 10 11,7 12,5 0,5 0,5 9,8 10,4 Total 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 An Hand der Ausscheidung der beiden Gruppen der Eintagsgäste und der Uebernachter erkennen wir, dass das Auto uns prozentual erheblich mehr «lohnende» Gäste zuführt als der Gesellschaftswagen, wie es auch schon in der verschiedenen mittleren Aufenthaltsdauer zum Ausdruck kam. Von den Autoinsassen bleiben nämlich um die vierzig Prozent mindestens eine Nacht in der Schweiz, während von den Autocar-Reisendjen über drei Viertel das Land schon am selben Tage wieder verlassen. Pie grössere «Sesshaftigkeit > des eigentlichen Autofahrers — wenn wir von einer Sesshaftigkeit hier überhaupt sprechen dürfen, nachdem gerade das Auto die Beweglichkeit des Reisenden so sehr erhöht hat — tritt aber auch dann deutlich in Erscheinung, wenn wir im untersten Teil unserer Tabelle die Uebernachter unter sich nach ihrer Aufenthaltsdauer gliedern. Dann zeigt sich nämlich, dass von den Uebernachtungsgästen, die in Gesellschaftswagen in die Schweiz kommen, mehr als die Hälfte bloss zwei Tage bei uns bleiben, also nur ein einziges mal übernachten, während die Autofahrer im engeren Sinne wesentlich länger bei uns ausharren, bleiben doch von ihnen ungefähr gleich viele wedrei bis sechs Tage bei uns, wie nur zwei. Betradhten wir von den zwei Prozentverteilungen die beiden letzten Kolonnen, so machen wir die interessante Beobachtung, dass sich unsere Besucher im Jahre 1938 nach der Aufenthaltsdauer stärker differenzierten als 1937; der Anteil der Eintagsgäste am Total unserer Besucher ist nämlich von 63.5 auf 66.0 Prozent gestiegen, jener der Uebernachter also entsprechend von 36,5 auf 34,0 Prozent zurückgegangen; dafür aber blieben die Uebernachter im grossen Durchschnitt heuer länger bei uns als vor einem Jahre, was sich darin äussert, dass die bloss «Zweitägigem von 43.5 auf 40,1 Prozent zurückgingen und dafür die Anteile aller Gruppen längerer Aufenthaltsdauer zugenommen haben. Als eigentliche Feriengäste betrachtet das Eidgenössische Statistische Amt die Reisenden mit einer Aufenthaltsdauer von mindestens acht Tagen. Diese machten 1937 wie 1938 sechs Prozent aller Gäste überhaupt aus; nehmen wir im Sinne der Einteilung unserer Tabelle auch die «Siebentägigen» noch hinzu, so kommen wir auf einen Anteil von 6,8 bzw 6,9 Prozent für die Besucher, die eine ganze Woche oder mehr im Lande blieben. Die Gesamtzahl der Logiernächte selber nun gibt endlich unsere letzte kleine Tabelle wieder. Absolute Zahl Prozentver- Fahrzeuge der Logier- teilung der nachte Logiernächte 1937 1938 1937 1938 Personenautos 1.035.844 1.025.282 91,7 91,6 Autocars 93.334 94.467 8,3 8,5 Total 1.129.178 1.119.749 100,0 100,0 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 4S Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratcnschluss 4 Tane vor Erscheinen der Nummer Schluss Seite 2. In dieser Nummer: Wieder einmal der Autotunnel unter dem Col Ferret. Für eine ganziährioce Nord-Süd - Strassenverbindung. Renn-Unfälle. Das «Kraftwerk» unter der Haube. Reorganisation des tschechoslowakischen Straßenverkehrs. Beilage: Der Kampf um die ostschweizerische Alpenstrasse Letzten Montag fand zwischen dem Eidg. Departement des Innern und Vertretern der Generalstabsabteilung einerseits, einer Dreierdelegation des Kleinen Ratejs des Kantons Graubünden unter Beizug von öberstdivisionär Lardelli anderseits, eine Konferenz über das ostschweizerische Alpenstrassenproblem statt. Als Novum im Kampf um den Ausbau unseres Alpenstrassennetzes ist wohl die Tatsache zu registrieren, dass eine kantonale Abordnung einen Oberstdivisionär mitbringt, um dem Eidg. Militärdepartement und der Generalstabsabteilung plausibel zu machen, dass in militärischer Hinsicht eine näher an der Grenze gelegene Atpenstrasse vorteilhafter wäre, als eine beträchtlich weiter davon zu erstellende Querverbindung. Die Bündner wurden ersucht, ihre Anliegen in einer Eingabe an den Bundesrat niederzulegen. Dieser werde so rasch als möglich entscheiden, wenn immer bereits auf die Dezembersession hin, da die Angelegenheit keinen weitem Aufschub ertrage. Gewiss darf der Bau einer strategischen Verbindung durch das bündnerisch-glarnerische Grenzgebiet nach dem Tessin keinen weitern Aufschub erleiden, und doch ist das Vorgehen der Bundner nichts anderes als Kampf um Zeitgewinn. Die Ansicht der Glarner dürfte wohl von den meisten geteilt werden, wonach im Bundeshaus vieles geprüft werde, doch könnten wir vor lauter Prüfungen eines Tages zu spät kommen und dann wäre die grosse Prüfung zu bestehen. In dieser Frage gebe es weder einen Linthaler, Sernftaler noch Churer Standpunkt, sondern nur einen allgemeinen, einen eidgenössischen. Das Resultat dieser Konferenz liegt also darin, dass die Darlegungen von Oberstdivi- F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwick. . 34. Fortsetzung. Hester kam mir nicht freundlich entgegen. Um es ganz deutlich zu sagen und eine Lieblingswendung Melindas zu gebrauchen : die kleine Ziege schmollte mit mir. Ich setzte mich neben sie und fragte sie, warum sie nicht tanze. «Ich habe keine Lust >, sagte sie. « Kann Herr Tscherikow tanzen ? » «Ich zweifle nicht daran; aber er tanzt nicht. Wie könnte er! Ein Mann von seiner Bedeutung...» « Was hat er für eine Position ? > « Eines Tages wirst du es erfahren.» « Hester, ist es richtig, dass du von der Weekes fortziehst ? > « Wer hat dir das gesagt ? > « Sie hat es der Cockles ganz leise erzählt, aber ich konnte es hören. •> Hester starrte bedrückt auf die Tanzenden, dann auf Tscherikow und gab mir wortlos zu verstehen, dass ich sie allein lassen solle. Aber ich blieb sitzen. « Wohin ziehst du ? » « Sobald ich es wissen werde, sende ich dir meine neue Adresse. > «Ich möchte, dass du gleich in unser Hote! mitkommst und dann nach Porthlew zurückfährst. Willst du das tun ? » < Lieber nehme ich einen GasscMauch in den Mund. > Ich lachte, und das schien sie zu ärgern. «Ich bin in solcher Stimmung >, sagte Hester wild. « Da gibt es nichts zu lachen. Ich kann nicht nach Hause reisen. Meine Arbeit und meine Interessen liegen hier. > In diesem Augenblick kam Tscherikow auf uns zu, sprach zu Hester und betrachtete mich als Luft. « Ich habe genug von diesem Vergnügen », sagte er. , «Ich ebenfalls», entgegnete Hester und erhob sich. Ich tat dasselbe. « Ich muss dich morgen nachmittag sehen », sagte ich. «Wo bist du zu erreichen ? » « Ich werde dich verständigen », antwortete sie ausweichend und entfernte sich an Tscherikows Seite. Siebenundzwanzigstes Kapitel. Ich fühlte mich sehr beunruhigt und wandte mich noch einmal an die Weekes; aber sie erwiderte nur, dass sie nicht Hesters Vertraute sei. «Sie muss doch eine Adresse hinterlassen, wenn Briefe für sie eintreffen », bohrte ich. « Man macht sich weiter keine Gedanken um Briefe, wenn man seine Schiffe hinter sich verbrennt», sagte die Weekes. « Will Hester das tun ? » « Bedeutet es denn für ein Mädchen wie Hester etwas anderes als mit allem Schluss machen? Tatsächlich war sie nie eine der unseren. Bourgeois bleibt immer Bourgeois. Ich glaube es wenigstens; sie aber hat keine Ahnung, was es heisst, seine Schiffe hinter sich zu verbrennen; man kann nicht mehr zurück. Was wird sie machen, wenn Tscherikow sie sitzen lässt ? Ich habe ihr heute früh gesagt, dass ihre Familie sie verstossen und sie dann im Rinnstein liegen wird. Sie meinte nur : mit dem, was werden könne, beschäftige sie sich nicht, und wenn ein Mensch die grösste Chance seines Lebens versäume, käme sie nie mehr wieder.» « Sie meinte Tscherikow ? » « Ja. » « Sie wollen miteinander auf und davon gehen ? » « Das können sie nicht, weil sie kein Geld haben. Sie werden so lange miteinander herumziehen, bis sie sich zerzanken, und was wird schliesslich aus Hester ? Tscherikow heiratet die Jeweilige nie. Er missbilligt die Ehe; sie läuft seinen Idealen zuwider und versklavt das Weib, sagt er. » « Die Jeweilige ? » «Nun ja, die, die bei Tscherikow gerade