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E_1938_Zeitung_Nr.095

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Automobil-Revue — N°

Automobil-Revue — N° 95 Handgestrieites Jackenkleid aus «Megfeve»-Wolle, entworfen und ausgeführt von Mme V, Renaud, Handarbeitsgeechäft de la Madeleine, Genf. Handgestricktes Das Handstricken hat sich in den letzten Jahren zu einer grossen und besonderen Liebhaberei der Damen entwickelt. Dies ist weiter auch nicht erstaunlich, denn immer mehr wird Handgestricktes geschätzt und geliebt, um so mehr als stets neue Strickmuster auftauchen, die ebenfalls einen erheblichen Anreiz zum Stricken bilden. Bemerkenswerte Fortschritte wurden auch in der Fabrikation der Wolle erzielt. Die vielen Farben in allen möglichen Varianten, die vom dunkelsten Ton in feine Halbtöne und in ganz helle Farben hinüberwechseln, haben gleichfalls dazu beigetragen, die Freude und den Geschmack an handgestrickten Kleidern zu entwickeln. Mit ein wenig Geschicklichkeit, Unternehmungslust und gutem Geschmack können die reizendsten Kleider, Jaketts, Pullover usw. angefertigt werden. Es ist beinahe überflüssig, das ungemein Praktische des Handgestrickten für den Sport und für das Automobil hervorzuheben, denn durch das angenehme Tragen, die Qualität und die vielseitige Verwendung nimmt es schon lange einen bevorzugten Platz in der Bekleidung ein. Rühmenswert ist vor allem die Eigenschaft, die Körperwärme zu konservieren, und für den Wintersport ist deshalb das Handgestrickte sozusagen unerlässlich, da es, mit imprägnierter Wolle angefertigt, weder den nassen Schnee noch den eisigen Bergwind durchlässt. Man strickt aber auch elegante Kleider für den Tag und freut sich, diese nach eigenem Geschmack und mit viel Phantasie herzustellen. Wir haben das Handarbeitsgeschäft de la Madeleine von Madame Renaud in Genf besucht und fanden bei ihr eine Anzahl handgestrickter Modelle von besonderer Schönheit, die selbst mit der Haute-Couture konkurrieren können. Das Jackenkleid z. B., wie das obige Bild zeigt, ist von einer unbestreitbaren Eleganz. Ohne Zweifel ist es die praktische Bekleidung für das Automobil, da es nicht knittert, sich auch nicht verzieht, so dass man immer gut angezogen ist. Der Rock ist unifarbig, in der neuen Modefarbe «pötrol clairi, währenddem das Jakett durch weinrote Karos belebt wird. Die kleine Echarpe, die den Halsausschnitt schmückt, sowie die Knöpfe, sind im gleichen Farbton gehalten. Zwei grosse Taschen sind eingestrickt. Wirklich ein elegantes Jackenkleid, das jede junge Dame mit Vergnügen tragen würde. Jede Saison bringt ihre modischen Neuheiten. Für diesen Winter wird vorzugsweise dicke Wolle verarbeitet, und grosse Dessins werden bevorzugt. Das Anfertigen von handgestrickten Kleidern bereitet in den Mussestunden viel Vergnügen, und die Freude, ein hübsches, praktisches Kleid zu besitzen, wird für die Mühe des Strickens reichlich belohnen. JB. Von Schlangen, Wanzen und Füchsen Klapperschlangen als Delikatesse Wahrscheinlich die eigenartigste Konservenfabrik der Welt ist die des Mister George K. End in der Nähe von Arcadia (Florida). Herr End hat sich auf eine einzige Spezialität beschränkt; er verkauft ..onservierte Klapperschlangen. Wenn jemand annehmen sollte, dass es für diesen eigenartigen Leckerbissen nur wenige Abnehmer gibt, so irrt er gewaltig: die Fabrik hat vor kurzem ihre lOOOOste Büchse geliefert und kann die eingehenden Aufträge kaum bewältigen. In Chicago hat sich ein grosses Restaurant das Monopol auf diese Spezialität gesichert und kann sich seitdem des Zustroms der Gäste kaum erwehren. Eine Speisewagengesellschaft serviert ihren Passagieren Schlangen-Ragout und erklärt, die Nachfrage danach sei ungeheuer. George K. End hatte keineswegs ursprünglich die Absicht gehabt, sich auf diese ausgefallene Fabrikation zu verlegen. Er entschloss sich dazu erst, nachdem der gesamte Viehbestand seiner Farm durch Giftschlangen vernichtet worden war. Neben seinen Konserven verkauft er auch Schlangengift an chemische Laboratorien, Häute an Lederfabriken, sowie Schmuckstücke, die aus dem Rückgrat der Reptilien hergestellt werden und als glückbringend gelten. Er selbst glaubt daran; denn, so sagt er, warum sollte gerade das Rückgrat der Schlange kein Glück bringen, nachdem die Schlangen sozusagen von Kopf bis Fuss sich für ihn als so glückbringend erwiesen haben? cpr. Er dressierte sie auf Bettwanzen In der Pariser Strafanstalt Sante hat der Sträfling Pierre Locuty ein einzigartiges Dressurkunststück zustandegebracht. Man wusste schon von anderen Sträflingen, dass in den Gefängniszellen Mäuse, Spinnen und sogar Fliegen mit viel Geduld ausgezeichnet dressiert werden können. Aber Locuty hatte aus der Dressur seine Lehren gezogen. Sein Bett war stark mit Wanzen durchsetzt. Nun brachte Locuty einer schönen dicken Spinne den Geschmack für Wanzen bei. Nachdem die Spinne erst einmal den Geschmack bekommen hatte, ging sie auf die Jagd und fing solange Wanzen, bis Pierre Locuty seine Nächte friedlich verbringen konnte. Pierre Locuty scheint ein etwas merkwürdiger Herr zu sein. Er hat in seiner Zelle mit drei Haaren von seinem Kopf und einer alten Stahlfeder ein Barometer konstruiert, das mit einer ungeheuren Genauigkeit arbeitet. Ein Fuchs für den eleganten Herrm Im «Archiv für Hygiene und Bakteriologie» plädiert Professor Kisshalt für eine Neuerung der Herrenmode, gegen die die Pelzhändler wahrscheinlich nichts einzuwenden hätten. Der Professor führt aus, dass die Volkskrankheit Rheumatismus ihren besten Angriffspunkt an den Schultern hat, die nicht nur besonders dem Regen und der Zugluft ausgesetzt sind, sondern auch eine Stelle erhöhter Wärmeabgabe sind. Im Interesse der Volksgesundheit wäre zu fordern, erklärte der Professor, dass die Schultergegend stärker geschützt wird. Die eleganten Frauen haben ihren Fuchs, in früheren Jahrhunderten gab es so etwas auch für den Mann. Warum nicht auch heute? Professor Kisshalt ist der Ansicht, dass sich auch die Herrenmode einmal nach den Interessen der Volksgesundheit richten könnte. Neben diesem äusseren Schulterschutz, welcher sowohl die Abgabe von Wärme als auch eine Durchnässung zu verhindern hätte, wäre auch eine Reform der Unterkleidung am Platze. Da schulterschützende Unterjakken zu warm sein dürften, wird die Einführung besonderer, unter dem Hemd zu tragender Schulterkragen gefordert. Kommende Ereignisse I (Aendferungen vorbehalten.) Basel: 26. Nov.: Symphonie-Konzert der Allgemeinen Musik" gesellschaft. Leitung H. Münch. Solisten: Walter Gieseking, Klavier, Willem de Boer, Viola d'amore. 29. Nov.: Gala Karsenty: «Le valet maStre», von L. Marchand und P. Armont (Stadttheater). Bern: 26. Nov.: Kasino: Konzert d. Bemer Liederkranz, Männerchor Konkordia und Stadtmusik Bern. 26. Nov.: Stadttheater: Franz. Gastspiel der Galas Karsenty. 27. Nov.: I. Sonntags-SJrikura. dar Sldschule Barn, unter Leitung von A. Glatthard. 29. Nov. und 2. Dez.: Kursaal: Aufführung des Bemer- Keimatschutztheaters: « Der Kumandant», von H. R. Balmer. 2. Dez.: Autotechn. Kurse des T. C. S., Sektion Bern. Biel: 2. Dez.: Konzert Pierre Jacot/Suzanne Stroun. Genf: 29. Nov.: Klavierkonzert Walter Gieseking (Salle de la . Keformation). IiUzern: 1. Dez.: Populäres Symphoniekonzert (Stadttheater). Romanshorn: 27. Nov.: Konzert des Thurg. Kammerorchesters mit Adrian Aeschbacher, Klavier (Neuer Saal). Zürich: 26. Nov.: Zürcher Presseball. 28. Nov.: Konservatorium: Violinabend Müstein. 29. Nov.: Limmathaus: Volkskonzert. Solistin: Maria Stader (Koloratursopran). 1. Dez.: Konservatorium: Klavierabend Fr. Jos. Hirt: 3. Beethoven-Abend. Zum vierzigsten Todestag C. F. Meyers am 28. November: AUGUSTIN THIERRY ;: Das führende Spezialgeschäft • j! für den HERRN jj || ÜL %uti~J(aäe>c jj i| Bahnaolstrasse 84 ZÜRICH Bahnhofstrasse 84 \\ Könige und Königinnen der Merowinger In der Übertragung von CONRAD FERDINAND MEYER •*»

N» 95 Antomohfl-Rern« Blinder Eifer schadet nur Warum sind Kinder am Montag müde? Eine an 266 englischen Schulen angestellte Untersuchung beschäftigte sich mit der Frage, aus welchen Gründen Kinder am Montag besonders müde zu sein pflegen. Die Untersuchung erstreckte sich auf 2590 ganz junge, 3219 reifere und 2877 ältere Schüler beiderlei Geschlechts. Ueberelnstimmend wurde festgestellt, dass der Hauptgrund der montäglichen Müdigkeit in dem gewohnheitsmässigeren späteren Zubettgehen der Kinder am Sonntagabend zurückzuführen ist. Gerade diese Gewohnheit ist es, die besonders heftig® Ermüdungserscheinungen hervorruft; gelegentliches längeres Aufbleiben an Werktagen pflegt eigenartigerweise an den meisten Kindern ziemlich spurlos vorüberzugehen. Blinder Eifer Die Sanitätsstelle der Ateliers von Denham bekam dieser Tage unerwartet viel Arbeit. Man drehte die englische Version des französischen Films «Prisons sans barreaux>, In dem eine Raufszene zwischen den weiblichen Gefangenen vorkommt. Für diese Szene waren einige junge Debütantinnen engagiert worden, die so eifrig bei der Sache waren — oder aber ihre Sache so gut machen wollten —, dass die Prügelei zu einer höchst Ein Bergbuch Lorenz Saladin. «Ein lieben für die Berge.» Von Annemarie Clark-Schwarzenbach; Geleitwort von Sven Hedin, Reich illustriert, gebunden. Fr. 7.80. Verlag Hallwag Bern. Eine der glanzvollsten und bemerkenswertesten Besteigungen im asiatischen Hochgebirge der letzten Jahre war die im Herbst 1936 durchgeführte Erstbesteigung des 7200 Meter hohen Khan Tengri. Die Gruppe, der diese Tour gelang, stand unter der Führung des Schweizers Saladin. Im Abstieg geriet die Partie in einen langen, furchtbaren Schneesturm. Es war für alle ein Ringen um Leben und Tod. Lorenz Saladin ging wohl als Sieger aus dem Kampf mit den Naturgewalten hervor. Seine Erfrierungen führten aber schliesslich zu einer Blutvergiftung und bald darauf zum Ende. Die hervorra" gende alpine Leistung wurde überall, vor allem in England und Amerika, gebührend gewürdigt. Der Forscher Sven Hedin war einer der ersten, der seine hohe Achtung vor dieser Tat aussprach. Er hat es sich deshalb auch nicht nehmen lassen, dem soeben erschienenen Buch ein flottes Vorwort zu widmen, in welchem es u. a. heisst: «Lorenz Saladin war ein Held, seine Tat ist des Gedächtnisses wert.» Das von Annemarie Clark-Schwarzenbach verfasste Buch schildert in packender Weise den Lebensweg des aussergewöhnlichen Bergsteigers. Man erfährt, dass Saladin schon früh zu den Bergen hingezogen worden ist; denn es machte ihm nichts aus, als Bub von seiner Solothurner Heimat tageund nächtelang einem Gipfel zuzuwandern. Aufenthalte in Uebersee machen ihn später mit den Gebirgen Nord- und Südamerikas bekannt. In die Schweiz zurückgekehrt, bietet sich ihm Gelegenheit, seriösen Angelegenheit wurde. Als die Szene zweimal den Kaukasus zu besuchen. Seine alpinistische Laufbahn findet alsdann im Pamir und vor fertig gedreht war, mussten mehrere von den Komparsinnen gründlich verarztet werden; ausser allem am Khan Tengri ihren Höhepunkt. diversen Beulen und blauen Flecken hatten sie heftig blutende Schrammen und Kratzwunden davon- Buch ist für jeden Freund der Berge ausserordent- Das prächtige, mit vielen Bildern ausgestattete getragen. Der Regisseur legte als Pflaster ein lich lesenswert und gerade jetzt willkommen, da Extrahonorar auf, das alle Schmerzen vergessen unsere einheimische alpine Literatur in den letzten liess. Jahren eher spärlich beschickt war. Gertrud Bürgi: Freundinnen «Herrlich ist es hier. Dieser Rasen, die paar Buchen darauf und dort der Teich mit den Schwänen. Diesen Ausflugspunkt muss man sich merken.» «Ja. Und dann also kam Ferdinand. Er kann sich sehen lassen. Gut gewachsen.» «Du hast immer wieder Glück.» «Ich habe auch viel gelitten. Der Fall Armin war schwerwiegend.» «Und doch hast du dich rasch erholt.» «Ich trug noch lange Spuren...» «Immerhin: Du hast etwas erlebt, während ich —» «Das wohl, ja, ich möchte dies alles nicht missen.» «Das glaub' ich gerne.» «Paul Valery.» «0, ich liebe seine Gedichte. Wie kommst du auf ihn?» «Meine Cousine hat ihn mir vorgestellt. Das heisst, o, es war eine Menge Menschen dabei...» «Längst habe ich gewünscht, ihn kennenzulernen.» «Ein hervorragender Mann. Was schreibt er denn eigentlich sonst noch, ausser den Gedichten? — «Romane.» «Etwas in mir sträubt sich dagegen, Romane zu lesen. Ich erlebe sie lieber, ich finde das richtiger. Und dann war auch Lucien da.» 29.50 «Der Blonde?» «Natürlich. Ganz interessant, wenn nicht gerade Vollmond ist. Dann ist er sentimental.» «Das wäre etwas für mich.» «Ich brauche ihn selbst.» «Sei nicht egoistisch. Du hast andere.» «Ich bin sehr aktiv. Hat ein Mann ewig Zeit? — Nein, also teilt man sich ein.» «Zu mir kommt nie etwas, oder dann ist es gleich wieder im Entgleiten. Weisst du, Alfred? —» «Lass die alten Geschichten, sie schmerzen.» «Aussprechen tut auch einmal gut.» «Ich bin dagegen.» «Wenigstens, wenn es einen andern betrifft ...» «Aber Marie ... Wie kannst du nur? — Wo ich dir so viel Vertrauen entgegenbringe.» «Was nützt mir Vertrauen? — Paul Valery sagt in einem seiner Gedichte —» «O lass das. Paul Val6ry: der Mann im Mond. Aber eben: Vielleicht der Richtige für dich ...» «Ja, ich habe Pech. Schade, denn ich hätte ihn über alles geliebt. Ueber mich selbst hinaus.» «Es wäre zu viel gewesen, Marie. Viel zu viel. Das erträgt kein Mensch. Und nun war es ein Nichts ...» «Man muss auch damit fertig werden können.» «Auch damit, ja. Nur, dass das Herz vielleicht eines Tages bricht.» — «Dann lebt man eben ohne Herz weiter.» «Das Herz ist alles auf der Welt...» Marie steht von der Bank auf, setzt den Hut auf die dunklen Locken und schaut, der Freundin den Rücken zugekehrt, mit nassem Blick in den stillen Abend hinaus. «Du willst aufbrechen? —» «Es ist Zeit.» «Und ich habe dir noch so wenig von mir erzählt...» Ehrliche Leute. «Amalie, wie können Sie es wagen, meinem Mann schöne Augen zu machen?!» «Aber, gnädige Frau, Sie irren sich, das habe ich wirklich nicht getan. Ich bin ein anständiges Mädchen!» «Ich habe es aier selbst gesehen!» «Hm, ja — wenn ich es nun wirklich getan habe, dann nur deshalb, weil der gnädige Herr versprochen hat, mich zu heiraten, wenn er Witwer geworden ist!» (Humorist.) Mollige LAMA- und KAMELHAAR- MÄNTEL DAMEN- UND HERRENBEKLEIDUNG ZÜRICH