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E_1938_Zeitung_Nr.098

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BERN, Dienstag, 6. Dezember 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 98 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjahrlich Kr. 5. — , jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruns) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal ..Gelb* Uste** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97. Bern Telephon 28.222 Postcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Gesrhartsstrllr Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU lnseratensehloss 4 Tage vor Ersctielnrn der Nnmmer ei* ehr und Die Schweiz galt von jeher im Verkehr zwischen Nord und Süd, Ost und West als die Drehscheibe Europas. So lange sie diesen Titel verdiente, war es um ihre wirtschaftliche Entwicklung immer gut bestellt. Gewiss war diese den Schwankungen der Weltwirtschaft unterworfen und politische Umwälzungen blieben nicht ohne Einfluss. Aber immer wieder fanden sich Männer, die mit hervorragender Voraussicht den Betrieb der Drehscheibe so zu vervollkommnen verstanden, dass diese vom internationalen Verkehr gerne wieder gesucht und benutzt wurde. Die Geschichte lehrt, dass der geistige und materielle Reichtum der Schweiz nicht nur der Intelligenz ihrer Bewohner, sondern vornehmlich dem internationalen Verkehr zu verdanken ist. Dabei war der Transitverkehr von Gütern zu allen Zeiten das eigentliche Triebwerk für die Entwicklung von Handel und Industrie. Die jüngsten Ereignisse in unsern Nachbarländern sind für unsere Wirtschaft von gewaltiger Bedeutung, und nachdem der erste Rausch politischer Kundgebungen verklungen ist, dürfte es erlaubt und angezeigt sein, sich wieder dem Alltag und den wirtschaftlichen Auswirkungen zuzuwenden. Von massgebender Stelle wurde mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, dass der Verkehr zwischen Nord und Süd, Ost und West in Zukunft über Wien gehen soll. Nach den bisherigen Erfahrungen dürfen wir diesen kategorischen Befehl nicht anzweifeln. Wir dürfen uns aber wehren, wenn unserer alten Drehscheibe Gefahr droht. Die Situation der Schweiz ist heute ähnlich derjenigen, in welcher ein Alfred Escher mit unbeugsamer Energie den Bau der Gotthardbahn durchsetzte. Wenn wir uns vergegenwärtigen, mit welchen Mitteln der Ausbau der neuen Transportwege über Oesterreich vor sich geht, so müssen wir für die zukünftige Wirtschaft der Schweiz Befürchtungen hegen, die auszumalen lieber unterbleiben soll. Tatsächlich geht der Bau der Reichsautobahnen und des oberitalienischen Strassennetzes in einem Tempo vor sich, das eine baldige Verbindung beider Netze über den Brenner voraussehen lässt. Der Ausbau der Binnenschiffahrt hat in Deutschland einen sprunghaften Aufschwung genommen und die Bereitstellung des Rhein-Main-Donau-Großschifffahrtsweges kann unübersehbare Verschiebungen im Transitgüterverkehr nach und von einem Mittelmeerhafen zur Folge haben. Die Schweiz befindet sich daher in einer Lage, die unverzügliches Handeln zum Gebot macht. Wir müssen uns vor allem darüber klar sein, dass Zögern, lange Beratungen und endlose Debatten in Parteien und Kommissionen heute zu keinem erspriesslichen Ziel, sondern höchstwahrscheinlich zum wirtschaftlichen Ruin unseres Landes führen werden. Denn es geht letzten Endes um die Existenz der Schweiz, die nur als wirtschaftlich blühender Staat für Europa von Interesse ist. Zweierlei ist jetzt für die Erhaltung unserer Wirtschaft unerlässlich: 1. der Ausbau einer ganzjährigen Strasse für den Nord-Süd-Verkehr; 2. der Ausbau der Binnenschiffahrt von Basel bis nahe an den Alpenwall. Beide Probleme wurden wiederholt bearbeitet und diskutiert. Wenn sie nicht durchgeführt werden, konnten, so waren irtschaft die Voraussetzungen bisher andere als heute. Es gibt zur Zeit für die Eidgenossenschaft nur zwei wichtigste Aufgaben, gegenüber denen alle andern zurücktreten müssen, diejenige der militärischen und die der wirtschaftlichen Landesverteidigung. Erstere wird einer Lösung zugeführt. Letztere muss und kann im gleichen Tempo mit Hilfe des Privatkapitals in das Programm des Bundes eingeordnet werden, ohne das Gleichgewicht des Haushaltes wesentlich zu stören. Für eine Fernverkehrsstrasse Nord-Süd liegen so viele Projekte vor, dass es nur noch einer endgültigen Entscheidung bedarf. Diese muss allerdings frei von örtlichen Interessen sein und nur vom europäischen Standpunkt aus getroffen werden, wenn sie der Schweiz nützen soll. Die Frage ist übrigens erst kürzlich im Ständerat behandelt worden, so dass die Grundlagen zur Verfügung stehen. Es braucht wohl nicht auf die neueste rückläufige Bewegung im Fremdenverkehr hingewiesen zu werden, um die Dringlichkeit der Aufgabe darzutun. Für die Binnenschiffahrt wird schon seit Jahrzehnten gekämpft, wenn auch mehr in anderer Richtung, die für uns erst in zweiter Linie aktuell sein wird. Auch hier müssen wir zuerst dem internationalen Güterverkehr einen Nord- Süd-Weg bereiten, damit er sich wieder einstellt. Unsere bisherigen Verhandlungen und Massnahmen zur Sanierung des Verkehrs sind unvollständig und bedürfen einer Ergänzung. Schluss Seite 2. Wintenthm fühtt den !hotCe#(kis ein Am 23. November hat, wie wir in Nr. 96 berich teten, der erste der vier von der Gemeinde Winterthur bestellten Trolleybusse seinen Einzug in der Eulachstadt gehalten, neugierig bestaunt von jung und alt. Einstweilen steht er allerdings noch im Dienste der «Schulungsfahrten» für die Chauffeure, die nach den neuen Vorschriften des Bundes eine mindestens 80stündige Lehrzeit zu absolvieren haben. Die in ihrer äusseren Form sehr gefällig wirkenden Fahrzeuge sind reines Schweizer Produkt und stellen der Leistungsfähigkeit unserer Industrie ein sprechendes Zeugnis aus. Chassis und Karosserie stammen aus den Saurer-Werken; den elektrischen Teil lieferte die Brown-Boveri AG. in Baden. (Photo Brown-Boveri.) In dieser Nummer: Unsere Rundfrage: Sollen Nebellampen nur bei dichtem Nebel verwendet werden? Autogewerbe und Fabrikgesetz. (Aus dem Bundesgericht.) Sport aus aller Welt. Praktische Fahrwinke. Feuilleton: S. 5. DIE KLEINE REVUE Schweizerische Rundschau Auch^der Tessin will Steuererleichterungen. Im Kanton Tessin hat sich unter Mitwirkung der Qaragisten, den ACS-Sektionen Tessin (Lugano und Locarno) und des TCS eine Kommission gebildet, die bei den Behörden einen Vorstoss in der Richtung auf einen Abbau der Verkehrssteuern zu unternehmen beabsichtigt. Unter dem Vorsitz von Nationalrat Bossi, Präsident der Sektion Tessin des ACS, hielt sie vergangene Woche eine Sitzung ab, in deren Verlauf man sich dahin einigte, dass die Garagisten konkrete Vorschläge für die Art und das Ausmass der Reduktionen ausarbeiten sollen. Dabei dürften sich die Bestrebungen der Motorfahrzeugbesitzer in erster Linie auf eine Herabsetzung der Qrundtaxe konzentrieren, die, ursprünglich auf 200 Fr. stehend, «provisorisch » um 10 % erhöht wurden. Allein, auch hier bestätigte es sich : ce n'est que le provisojre qui dure ! Das Provisorium verwandelte sich in ein Definitivurn. Weshalb denn auch die Aktion der Tessiner vor allem auf die Beseitigung dieses Zuschlages ausgehen dürfte. Im Laufe dieser Woche wird das Komitee eine neue Sitzung abhalten, um seine Begehren an die Adresse der Regierung festzulegen. Warum denn nicht ? In seiner Oktobornummer tat der cSäemann», das Monatsblatt der berniscben Landeskirche, den Automobilisten seine Enttäuschung darüber kund, dass sie für den aus Hunderttausenden von Herzen aufgestiegenen Wunsch nach Wiederholung des «autofreien Sonntags» — wo möglich alle Monate einmal — kein Gehör gehabt hätten. Um aber den Autobesitzern, mit denen man sich in der Tagespresse und in religiösen Blättern gewöhnlieh nur beschäftige, um sich über die Rücksichtslosigkeit einzelner weniger unter ihnen zu beklagen, selten nur um sie zu rühmen, dennoch Gelegenheit zu bieten, sich den Dank ihrer Mitmenschen zu erwerben, schlägt das Blatt ihnen vor, abwechslungsweise den einen oder andern Gebrechlichen, der sonst auf den sonntäglichen Gottesdienst verzichten müsste. ab und zu mit dem Wagen in die Kirche zu bringen und nachher wieder abzuholen. Denn dass das Auto nicht nur eine Gabe sei, sondern dass darin auch eine Aufgabe und Pflicht liege, das hätten viele unter uns schon längst erkannt, nämlich jene, die sich alljährlich mit ihrem Wagen für eine Ausfahrt mit den Insassen von Asylen, Anstalten und Spitälern zur Verfügung stellen. Wer deshalb, so fährt der Artikel fort, mit dem Vorschlag einverstanden sei, der möge sich mit seinem Pfarrer in Verbindung setzen. Im übrigen bedeutet der Verfasser den Automobilisten, gelegentlich doch auch des Pfarrers selbst zu gedenken, wenn ihn ein stundenweiter Gang nach einem entfernten Ort rufe. Zum solothurnischen Vorstoss zugunsten einer eidg. Benzinsteuer. Die Motion Klaus, die kürzlich vom solothurnischen Kantonsrat für erheblich erklärt wurde und auf die Einführung einer eidgenössischen Benzinsteuer an Stelle der kantonalen Verkehrssteuer abzielt, hat folgenden Wortlaut: «Der Kantonsrat, gestützt auf Art. 93 der Bundesverfassung und auf Art. 31, Ziff. 3 -der Staatsverfassung beauftragt den Regierungsrat, den zu-