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E_1938_Zeitung_Nr.098

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, «. DEZEMBER 1938 — N 98 Die unterzeichneten Importeure und schweizerischen Pneufabriken geben hiermit bekannt, dass sie ab 1. Dezember 1938 die Listenpreise für Automobil- und Lastwagen-Reifen, ebenso die Rabatte für sämtliche Wiederverkäufer, bedeutend reduziert haben. Die Automobil-Reifen werden nunmehr durch die Garagen und Pneumatikhäuser zu Listenpreisen verkauft, Rabatte werden nicht mehr gewährt. Diese Neuregelung wurde getroffen, um den Pneumarkt zu ordnen. Die Importeure: Continental Dunlop Englebert Goodrich Gocd-Year Michelin Royal Die Fabriken In der Schweiz: Firestone Pallas

N° 98 — DIENSTAG, 6. DEZEMBER 1938 AUTOMOBIL-REVUE 5 Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cedly Stdgwick. 36. Fortsetzung. « Wissen Sie, dass sich Ihr Gatte Tscherikow nennt ? » fragte Lukas. < Warum nicht, wenn es ihm Spass macht. Sein Name ist Henri Grimes, was ich mit meinem Trauschein beweisen kann. > « Aber dass er ein Revolutionär ist, dürften Sie wohl wissen ? » < Ich weiss, dass er ein verrücktes Huhn ist. Soweit es mir möglich ist, übe ich meinen Einfluss auf ihn aus und halte ihn zu rechten Dingen an. Ich hatte schon eine Todesangst, als der Wagen hier hielt. ,Das ist die Polizei... Sie holen Henri', sagte ich zu mir.» f Wir möchten ihn sehr gern finden, weil wir glauben, dass meine Tochter bei ihm ist >, sagte ich nach einer kleinen Pause. «Was hat Ihre Tochter mit Henri zu tun?> Diese Frage war wirklich schwer zu beantworten, und als ich zögerte, ergriff Lukus statt meiner das Wort < Wir wünschen, dass er nichts mit ihr zu tun hat; aber sie waren in der letzten Zeit sehr viel beisammen, und jetzt sind sie verschwunden. Bis vor einer halben Stunde haben wir nicht einmal gewusst, dass er verheiratet ist.» « Wenn er auf Abwegen ist. dann verheimlicht er es immer >, sagte Frau Grimes melancholisch. « Dieser Mann kann bezaubernd sein, wenn er will, und die Worte, mit denen er mein Essen lobt, gehen mir direkt zum Herzen. Ja, was wollen Sie also, dass ich tun soll ? Ich nehme an, Ihre Tochter ist alt genug, um auf sich selbst aufzupassen. > «Ihr Gatte hat ganz kuriose Ideen », sagte ich. « Das wollen Sie m i r erzählen ? Hat Ihre Tochter Geld ? Er hat nämlich keins. > « Woher wissen Sie das ? » < Ich kenne ihn. » «Ich gab meiner Tochter heute früh fünf Pfund Sterling.» « Dümmeres hätten Sie unter diesen Umständen kaum tun können!» sagte Frau Grimes überlegen, und Lukas machte ein Gesicht, als ob er ebenso dächte. Ich erklärte, dass ich Hester das Geld nur gab, damit sie Schulden bezahlen könne. Während ich sprach, sah ich, dass Frau Grimes einen Gedanken wälzte. « Ich holte einmal meinen Mann aus einer kleinen Spelunke In Soho heraus », sagte sie dann, « kein Aufenthaltsort für eine Dame, das habe ich ihm auch auf dem Nachhauseweg gesagt; aber man kann sich mit diesem Mann nicht auseinandersetzen, er hört gar nicht zu. > c Wie heisst dieses Lokal ? » fragte ich aufgeregt. < Ich habe keine Ahnung; aber ich könnte es finden.» « Wollen Sie so gut sein, mit uns zu kommen ? » «Wenn ich nicht mitgehe, werden Sie weder Grimes noch Ihre Tochter erwischen. Er kann einem ein Loch in den Bauch reden. Ich weiss doch am besten Bescheid. Auf diese Weise fängt er sie ein. Aber meine Ansicht ist, ein Mädchen muss selbst wissen, was es zu tun hat. Natürlich, wenn er einem Mädchen sagt, dass er nicht verheiratet ist, kann man keinen Stein auf sie werfen. «Er hält nichts von der Ehe», sagte Lukas. c Ach was ! wirklich ! » rief Frau Grimes aus. Dafür lassen Sie mich sorgen, dass er eine andere Auffassung bekommt — das heisst, wenn wir ihn erwischen.» Neunundzwanzigstes Kapitel. Wir schickten die Taxe fort und warteten einen Augenblick vor dem Wirtshaus; Frau Grimes hielt es für besser, allein vorauszugehen. Nach einer kleinen Aussprache mit der Eigentümerin des Lokals und der Opferung einiger Banknoten — eine Idee von Lukas — kam sie mit einem Gesicht, auf dem der Erfolg geschrieben stand, und geladen mit Energie zu uns zurück. « Sie sind hier», sagte sie, «wenigstens die junge Dame ist hier. Mein Mann ist gerade ausgegangen.» Wir gingen hinein. Eine üppige, aufgetakelte Frau mit gefärbtem Haar und einem aufgedunsenen, verlebten Gesicht nahm uns in Empfang. « Besuche sind hier nicht erlaubt >, sagte sie kreischend. « Mehr werden Sie aus uns nicht herauspressen >, fuhr ihr Frau Grimes sofort in die Parade, « halten Sie, was Sie versprochen haben, oder ich hole die Polizei.» « Dort ist die Treppe >, sagte die Frau, auf einen dunklen, schmutzigen Aufgang zeigend, und damit drehte sie uns den Rücken. Frau Grimes war so verständig gewesen, eine Taschenlampe mitzubringen, so gelangten wir ungefährdet bis zur obersten Treppenstufe. Dann standen wir in einem engen, schmutzigen Korridor, in dem sich einige Türen befanden. Frau Grimes versuchte, eine aufzuklinken, fand sie aber verschlossen. Sie öffnete eine zweite, schloss sie aber wie der Blitz. < Sollten wir nicht lieber anklopfen ?» sagte Lukas leise. Aber Frau Grimes hatte inzwischan schon eine dritte Tür geöffnet, und hier, in einem schäbigen, verwilderten Zimmer, sass Hester. Was in ihr vorging, weiss ich nicht, aber sie musste geweint haben. Sie erhob sich hastig und stand wie angewurzelt da, ihren Augen kaum trauend. Eine Gasflamme brannte im Zimmer. Hesters Köfferchen stand noch unausgepackt. « Das ist Frau Grimes, Hester », sagte ich, weil ich keine rechte Einleitung wusste. « Warum kommt ihr hierher ? » fragte sie. « Wie habt ihr mich gefunden ? > «Ich habe Sie gefunden», sagte Frau Grimes, jetzt in Aktion tretend. < Ich war schon einmal hier. Damals war es eine jungverheiratete Frau. Wollen Sie nicht wissen, wer ich bin ? » «Nein», sagte Hester. «Wozu?> < Wozu ? Eine junge Dame wie sie lässt sich von einem verheirateten Mann in eine solche Spelunke bringen, ja ? Sie sollten sich schämen; das kann ich Ihnen sagen, wenn es sonst keiner tut. Sie sind alt genug, um zu verstehen, was Sie tun. Eine Schande, einer andern Frau den Mann auszuspannen ! > «Ich habe dieses Zimmer gemietet und wäre sehr froh, wenn Sie alle es verlassen würden», sagte Hester, und dabei funkelten ihre Augen wild; ihre Ruhe schien mir unheildrohend. «Ich werde gehen, wenn mein Mann mit mir geht, ganz bestimmt nicht früher», sagte Frau Grimes, und dabei lehnt« sie sich in ihrer ganzen Breite an die Wand. «Vielleicht verstehst du nicht», sagte Lukas. « Tscherikow ist ein angenommener Name. Er und diese Dame heissen Herr und Frau Grimes.» «, Wirklich ? » entgegnete Hester. « Und was weiter ?» «Nun, das ist nicht schlecht! » schrie Frau Grimes und blickte uns trotz ihrer Wut mit einem humoristischen Aufleuchten in ihren Augen an. « Jetzt ist es mir nur allzu klar, dass Sie überhaupt nicht wissen, was .Sie .reden. Wenn Sie glauben, dass ich mich von -meinem Manne scheiden lasse, dann ir- ! ren Sie sich. Einem so unreifen Ding wie Sie würde ich ihn gar nicht anvertrauen ; und wir stellen Sie sich denn die Sache eigentlich vor ? Wovon wollen Sie leben ? Haben Sie Geld?» « Nein », sagte Lukas, als Hester nicht antwortete. « Fräulein Brooke besitzt nichts.» « Und Grimes hat ebenfalls nichts », sagte seine Frau. «Er hat nur das, was ich. ihm gebe. So sieht es aus, meine liebe Dame. > « Er unterhandelt im Aueenblickk mit der Organisation», sagte Hester. « Wenn der Beschluss gefasst wird, ihm • ein Gehalt. •.» «Die denken nicht daram», sagte Frau Grimes mit fester Stimme. «Und ich kenne sie, und sie kennen Grimes. Die Organisation ! Was, glauben Sie, organisieren die schon ? Nicht einmal einen Gesellschaftsausflug können die organisieren !» «Das verstehen Sie ja nicht», sagte Hester in müdem, ungeduldigen Tone. « Sie organisieren eine Revolution. > «Sollen Sie, meinetwegen», sagte Frau Grimes, «ich möchte nur nicht, dass mein Mann ins Zuchthaus kommt; das Essen würde ihm dort nicht schmecken.» < Wir verschwenden unnütz Zeit», sagte Hester. « Es tut mir leid um Ihretwegen; aber er gehört mir. > «Da sind Sie entschieden im Irrtum.» « Wir werden arbeiten, um unsern Lebensunterhalt zu verdienen» sagte Hester. «Grimes bestimmt nicht. Er hat nocii nie gearbeitet und wird nie arbeiten.» « Das Wort Ehe hat für uns keine Bedeutung; wir anerkennen es nicht.» « Schämen Sie sich nicht, vor Ihrer Mutter so etwas zu sagen ? Was werdeq Sie tun, wenn Herr Grimes Sie in ein oder zwei Wochen satt hat und de- und wehmütig zu mir zurückkehrt ? Wie wird Ihnen zumut sein, wenn Sie dann noch ein Kind von ihm bekommen ? Entschuldigen Sie, dass ich so rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist; aber mit einem Mädchen, das so verrückt ist wie Sie, kann man kein Federlesens machen. » Hester war kreidebleich geworden. Sie hatte bisher in einer solchen Wolke von Phrasen und tollen Prophezeiungen gelebt, dass die plötzliche Mahnung an die Wirklichkeit sie schmerzlich aus allen Himmeln riss. Es war ein grosser Unterschied, die stolze Weggenossin des « Roten Diktators» zu sein, oder von irgend einem Manne weggeworfen zu werden und ins Elternhaus zurückkehren zu müssen. (Fortsetzung folgt.) Rayon-Vert reter t Aarwangen: Otto Althaus, Garage Bern : P. Lindt, Murtenstr. 17 Lyss : Fischer & Willimann,, Garage . Romanshorn: Hans Müller, Garage z. Schmiedstub» St. Gallen: Heusser * Lutz, Huhbergäärafce " Die Orlglnalzeugnlsso können bei uns eingesehen werden. BA Tel. 248 60 ^^" ^H* ^ ^ ^^w —^^~ ,^^ •• v • ••" • ^VH^V —^^^ ^^B ^^B ^^^h ^^^m ^^^ ^^^ AIITfl M n R 11 F A RV F..k.n. A r. 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