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E_1938_Zeitung_Nr.099

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BERN, Freitag, 9. Dezember 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 99 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen AB ONNEMENTS-PREISE: Auigab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit PortozuschlaR, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgab* B (mit gew. Uniallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab* C (mit Insassenversieherun«) Tierteljährllch Fr. 7.50 10.— Erscheint jeden Dlenstm und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe List«" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 • Postcheek III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GesfhfrtssteUr Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ER TIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach SpezialtarU lnseratensehlnss 4 Taoe vor Ersehetnrn der Nnmmer Der neuen Regelung im Strassen-Gütertransport entgegen Am 30. September haben die eidgenössischen Räte mit der Genehmigung der neuen Autotransport-Ordnung zwar den Schlusspunkt unter die parlamentarische Behandlung dieses bedeutsamen Ausschnittes aus unserer Verkehrspolitik gesetzt, doch bleibt dessen ungeachtet die Frage nach deren Inkraftsetzung des dringlichen Bundesbeschlusses noch offen. Von welchem Zeitpunkt an er das Regime übernimmt, bestimmt nämlich der Bundesrat. Indessen wird es noch gute Weile haben, denn die Vorbereitungen, die eine Unmenge von Arbeit erheischen, stecken zur Zeit noch in den Anfangsgründen. Bis sie einmal soweit gediehen sind, dass der ganze Apparat in Gang gebracht werden kann, mag ein halbes Jahr, möglicherweise auch noch mehr, verstreichen. Vor Mitte 1939 ist auf keinen Fall damit zu rechnen. wohl aber mit der Eventualität, dass der neue Erlass sogar erst später, in der zweiten Jahreshälfte, in Wirksamkeit tritt. Warum nur dieses bedächtige Tempo, zumal der Bundesbeschluss den Stempel der Dringlichkeit auf der Stirn trägt? Bei der Natur der Probleme, um welche es hier geht und deren Lösung einen tiefen Eingriff in die bisherige Struktur unserer Verkehrswirtschaft darstellt, wäre überstürztes Handeln ebenso unverantwortlich wie gefährlich. Zuviel steht auf dem Spiel, als dass man es riskieren dürfte, die Angelegenheit übers Knie zu brechen. Die neue, auf fünf Jahre befristete Autotransportordnung will und soll ja nichts anderes als die Erfahrungsgrundlagen für eine spätere, endgültige Regelung liefern. Der aber wäre ein schlechter Baumeister, der in solchen Fällen nicht schon dem Fundament ein Höchstmass an Umsicht und Sorgfalt angedeihen Hesse. Gründlich prüfen, vorausschauend überdenken, besser zweimal als nur einmal, und dann erst Hand anlegen zur Errichtung des Grundmauerwerkes, diese Methode verbürgt auch hier allein den Enderfolg. Erst wägen, dann wagen! Primäre Vorbedingung für die Durchführung der neuen Ordnung ist zur Stunde die Bereitstellung der nötigen Werkzeuge: die Ernennung der Expertenkommission und die Errichtung der Treuhandorganisation, welche an die Stelle des ursprünglich geplanten Zwangsverbandes der Konzessionäre tritt. F E U I L L E T O N Töchter, ein halbes Dutzend. Von Cecily Sidgwlck. 37. Fortsetzung. Die Tür wurde aufgerissen und Tscherikow erschien auf dem Plan. Einen Augenblick stand er entgeistert auf der Schwelle, ohne den Mund aufzutun. « Ja, ich bin es; hm, das glaube ich, dass du dich wunderst! » unterbrach seine Frau die Stille. < Was hast du zu deiner Rechtfertigung zu sagen ? Ich arbeite mir die Finger wund, und kaum bin ich auf Arbeit, fängst du solche Spielereien an. Geschieht mir recht, weil ich einen Gentleman heiraten musste, wo ich doch einen Fischhändler hätte haben können. Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, wüsste ich, was ich täte, und du könntest deine Tage im Arbeitshaus verbringen. Wenn sich nicht eine andere ebenso weichherzige Seele findet wie ich. was ich sogar glaube; aber was wir an dir haben, verstehe ich wirklich nicht.» Befindet sich die Expertenkommission im Stadium der Bildung, so hat die Treuhandvereinigung, wie in Nummer 76 berichtet, am 25. November das Licht der Welt bereits erblickt, doch knüpft die ATO an die Statuten noch den Genehmigungsvorbehalt des Bundesrates. Was weiter geschehen soll und wird? Die ATO selbst weist die Richtung dafür, wenn sie als ersten Schritt auf dem Wege der Einführung die Aufnahme eines Verzeichnisses Jener Unternehmungen anordnet, welche Autotransporte gewerbsmässig oder im gemischten Verkehr ausführen. . «Ein grosser Opferwille geht durch die Bevölkerung zur Verteidigung des heimatlichen Bodens mit Gut und Blut. Insbesondere ist der Bündner zur Wahrung und Erhaltung seiner Heimatscholle bereit... Jeder einzelne tnuss sich bewusst werden, dass es ohne Gefahr, nicht mehr abgeht.» Zu diesen Worten, gesprochen vom Präsidenten des bündnerischen Grossen Rates bei der Eröffnung der Session am.21. November, steht die Haltung, welche der nämliche Grosse Rat zur Frage einer Strassenverbindung Glarus-Graubünden während der zweiten Tagungswoche einnahm, in schroffem, peinlichem Gegensatz. Was nämlich die Debatte zutage förderte, welche sich an die Beantwortung der Segnes-Motionen durch die Regierung knüpfte, das war _ von einzelnen, löblichen Ausnahmen abgesehen — eine glatte Absage an die Opferbereitschaft, war ein bemühendes Schauspiel in ernster Zeit. Mit einer Intransigenz sondergleichen versteifte sich das Parlament Alt Fry Rätiens « Oh, seien Sie still! > schrie Hester. «Ihr Mundwerk allein genügt, um einen Mann zum Wahnsinn zu treiben.» «Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie sich in Ihren Aussprüchen massigen würden, wenn Sie zu mir sprechen », sagte Frau Grimes beleidigt. « Ich habe nichts getan, weswegen ich mich zu schämen brauche, was man nicht von jedem in diesem Zimmer Anwesenden behaupten kann. Überhaupt ist das gar kein Ziimmer, das ist ein muffiges Loch. » « Ich wünschte, dass ihr es alle verlassen würdet», sagte Hester, blickte aber nicht uns, sondern nur Frau Grimes an. «Ich möchte mit Ihrem Gatten sprechen.» < Ausgeschlossen !» sagte Frau Grimes. t Ein Skandal, dass ein verheirateter Mann eine junge Dame in ^eine solche Spelunke bringt. Ich schäme m'ich für ihn; jawohl! » «Wir werden ihnen nie unsere Auffassung bedreiflich machen können», sagte Hester zu Tscherikow, der entgegen seiner sonstigen barschen Art jetzt etwas ausgesprochen Unterwürfiges an sich hatte. «Immer das alte Lied vom Heiraten. Sie Natürlich müssen dafür Unterlagen her und der Augenblick liegt wohl kaum mehr in weiter Ferne, da sich die zuständigen Instanzen anschicken werden, sich durch Versendung eines Fragebogens an die Transportunternehdie nötigen Angaben zu beschaffen. Wie man hört, soll im Eisenbahndepartement zwar eine gewisse Neigung dafür bestehen, das Fragenschema vor der Verteilung noch der Expertenkommission zu unterbreiten. Wir gestehen, dass es uns nicht ganz leicht fällt, einzusehen, weshalb in dieser Angelegenheit, die doch rein administrativen Charakter an sich trägt, die Expertenkommission konsultiert werden soll, deren Zusammensetzung noch immer auf sich warten lässt, weil sie — wir verraten damit kein Geheirnnis — gewissen Schwierigkeiten begegnet. Unter diesen Umständen aber müsste die Inangriffnahme der Vorarbeiten für die Verwirklichung der ATO Gefahr laufen, eine unliebsame Verzögerung zu erleiden. Aus diesen Erwägungen heraus halten wir es weder für wünschenswert noch für opportun, mit der Verschickung des Fragebogens zuzuwarten bis die Expertenkommission sich damit beschäftigt hat. Der Inhalt des Fragebogens, das ergibt sich aus seiner Natur, verkörpert das Rückgrat des vorgesehenen Registers. Aengstlichen Genütern sei darum kund und zu wissen getan, dass sie einstweilen keine Gefahr laufen, etwas zu verpassen und weiter nichts vorzukehren haben, als getrost abzuwarten, bis ihnen dieses Formular — wahrscheinlich noch im Laufe des Dezembers — auf den Tisch flattert .und die öffentliche Blüten des Eigennutzes Eine Kundgebung des bündnerischen Parlaments für eine Segnes-Strasse. m dieser Angelegenheit, die eine Beurteilung nur unter gesamtschweizerischem Gesichtswinkel verträgt, auf lokal- und regionalpolitische Interessen und als nach vierstündiger Redeschlacht die beiden Motionen, die sich für den Bau einer Segnesstrasse einsezten, mit 72 gegen 9 Stimmen erheblich erklärt wurden, da verkündeten gewisse Bündner Zeitungen diesen Akt einer heute mehr denn je befremdenden Gesinnung triumphierend in dicken Schlagzeilen, als ob nun das Vaterland gerettet wäre. Zwängerei und eine Mentalität, die nicht über die Grenzpfähle des eigenen Kantons hinaussehen kann oder will, haben einen Sieg gefeiert. Aber die Frage muss offen bleiben, ob das Land der 150 Täler dieser parlamentarischen Demonstration froh werden wird, womit man « in Bern» seinen Kopf durchsetzen und zeigen wollte, dass man auch noch etwas mitzureden habe. Schluss Seite 2. können aber gar nichts tun; ich bin grossjährig », wandte sich Hester an ihn. Ich glaube, wenn Tscherikow sie in diesem Augenblick bei der Hand genommen hätte, wäre sie ihm in die Verdammnis gefolgt; sie blickte ihn an, und ihr Blick war Verheissung. Er zögerte. «Entschuldigen Sie », sagte Frau Grimes entschlossen, «Grimes kommt jetzt zum Abendbrot mit nach Hause, und was ich ihm zu sagen habe, wird sich bei uns unter vier Augen abspielen. Wenn Sie glauben, dass ich mir meinen Mann vor der Nase wegfischen lasse, kennen Sie mich schlecht. » « Wie kamen sie hierher ? » fragte Tscherikow, der zum erstenmal den Mund aufmachte. «Wer hat ihnen diese Adresse gegeben ? » < Du hast mir nie gesagt, dass du verheiratet bist», sagte Hester. « Sie waren in deinem Club, und dort hat man ihnen die Adresse gegeben. > « Verräter ! » zischte Tscherikow. «Komm, Hester», sagte Lukas mit aller Entschiedenheit und ergriff ihr Köfferchen. «Wir wollen Herrn Grimes seiner Frau überlassen. > In dieser Nummer: wird das Benzin teurer? Eyston baut einen neuen Superrennwagen. Zürich und sein Motorfahrzeugverkehr. Benzinzollreduktion — Vervierfachung der Benzineinfuhr. 177 PS pro Liter Hubraum. Beilage: Aufforderung zu dessen Ausfüllung ergeht. Ein ähnliches Verfahren beabsichtigt man später zu praktizieren, wenn es sich für die Geschäftsinhaber darum handelt, die Konzessionsgesuche einzureichen, wobei, ebenso wie schon vorher bei der Rundfrage, auf deren Ergebnisse sich das erwähnte Verzeichnis gründet, allerhand Zeit verstreichen wird. Nicht dass man es sich gestatten könnte, die Hände derweilen in den Schoss zu legen. Ein ganzes Schock von Aufgaben will inzwischen angepackt sein. Da gilt es, die Richtlinien für die Konzessionserteilung zu fixieren, die Konzessionsbedingungen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Landesverteidigung zu formulieren, die Gebühren zu ordnen, ganz abgesehen von dem gewattigen Pensum der Sichtung und Prüfung der Konzessionsgesuche. Nicht genug damit harrt als weitere Frage, die im Rahmen der vorbereitenden Massnahmen besondere Wichtigkeit für sich beansprucht, das Kapitel « Tarife» der Erledigung. Als organisatorische Zusammenfassung der Fachverbände unterbreitet die Treuhandvereinigung die Tarife dem Bundesrat, der sie nach Begutachtung durch die Expertenkommission als allgemeinverbindlich erklärt. Dem Aufbau und Ausbau der Tarifkontrolle bleibt die nächste Etappe gewidmet, wobei die Funktionen der Ueberwachung und Ausführung in den Händen der Treuhandstelle liegen. Und schliesslich überwindet die Aütotransportordnung den kompetenten Stellen die Pflicht, den Vorschriften über die Bildung und Verwendung des Entschädigungsfonds Form und Gestalt zu verleihen, zumal der Gesetzgeber dem Bundesbeschluss selbst lediglich die Grundzüge eingefügt hat, sich jedoch nicht in Einzelheiten hinsichtlich der Ausrichtung der Entschädigung an jene Be- « So ist es richtig», erwiderte Frau Grimes und machte die Tür für uns weit auf. Ich sah, dass Hester, bevor sie einen Schritt tat, auf Tscherikow blickte, aber er wich ihren Augen aus. Als sie begriff, dass er nicht auf ihrer Seite stand, ging sie hocherhobenen Hauptes, ohne ihn auch nur eines Wortes zu würdigen, mit uns. Aber sie sprach auch nicht zu uns. Ich glaube, dass der Aufenthalt in dieser Spelunke und Frau Grimes' offene Sprache sie zur Vernunft gebracht hatten. Und dann hatte sich ihr Held keinesfalls wie ein Held oder ein Umstürzler benommen. Sanft wie ein Lamm kehrte er in sein nettes Heim zurück, Hess sich von seiner Frau die Leviten lesen und ein gutes Abendessen servieren. Bestimmt sah ihn Hester bereits mit unseren Augen. Tags darauf kehrten wir nach Porthlew zurück. Ich berichtete nur Nioholas, sonst niemandem, was sich in London ereignet hatte. Dreissigstes Kapitel. Ein Teil des Winters verging, ohne dass sich etwas besonderes ereignete; nach Weihnachten aber erreichte uns eine Grippewelle, und obgleich wir weniger Schnee hatten als