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E_1938_Zeitung_Nr.096

E_1938_Zeitung_Nr.096

BERN, Dienstag, 29. November 1938 Winter-Nummer Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 96 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab» A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erseheint Jeden Dlensta« and Frelta* Wöchentliche B*ilafe „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gflbf liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Drellenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Gesehaftostellr Zfirlehi Lowenstrasse 51. Telephon 39.743 INSERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach SpezialtarH ImeratensthliKe 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmrr Im Schnee durchs Land Schneereifen, Heizscheiben und sorgsam gebahnte Strassen in die Winterkurorte, das kannte man damals noch nicht, als ich vor fünfzehn Jahren mit meinem ersten Wagen fuhr. Trotzdem überliess ich ihn nicht seinem Winterschlaf. Ich war ein grosser Freund des Skisportes (und bin es heute noch), und mir schien es nur natürlich, zu meinem Wochenend- und Ferienfahrten das Auto auch im Winter zu benützen, trotzdem der Wagen ohne Heizung war. Ja ich führte nicht einmal eine Schaufel oder einen Strick mit. Die Ketten waren das einzige Hilfsmittel, und die Ski wurden kurzerhand auf dem Kotflügel befestigt, die Spitzen wie Lanzen nach vorne gerichtet. Meist fand ich die Strassen nicht oder recht ungenügend gepfadet, falls nicht gerade ein Postauto fuhr; und so war es damals das grossere Problem, durch Ebene und Mittelland bis an den Anfang einer Bergpoststrasse zu gelangen, als diese dann selbst zu befahren. Man nahm da immer viel Risiko auf sich und Kollegen fanden sich nur wenige. Ich erinnere mich, dass ich am Vorweihnachtstag etwa auf der Strecke Zürich-Basel kaum ein halbes Dutzend Wagen antraf. Und doch war es herrlich schön, man fühlte sich als Herr der Landstrasse, man tat etwas Aussergewöhnliches, man wurde angestaunt, verlacht oder mit Kopfschütteln betrachtet wie einer, der sein Leben unnütz aufs Spiel setzt. Kurzum, man durfte sich als — wenn auch bescheidener — Pionier fühlen. Aber um so mannigfaltiger gestalteten sich die Erlebnisse : Oft genug erreichten wir unser Ziel nicht, oft genug wurde der Wagen durch ein störrisches Ochsengespann aus einer Verwehung herausgezogen. Viel Mühe kostete es, den erkalteten Motor in Gang zu bringen. Aufregung verursachte der Kampf mit der Windschutzscheibe, die beharrlich anlief oder gar von Eisblumen überstreut wurde. Was hatte man doch für bewährte Hausmittel gegen dieses Uebel: ein Salzsäckchen, eine Apfelscheibe, eine Zigarre, die man auf dem Glas verrieb. Und wie problematisch war schliesslich der Erfolg, etwa gar in der Nacht bei etlichen 10 Grad unter Null! Ich erinnere mich an Fahrten, wo wir tatsächlich nicht mehr wussten, was wir tun sollten, besonders wenn dann noch der tückische Nebel sich einmischte. Wie haben sich die Zeilen seither geändert ! Um wieviel sicherer ist doch das Fahren auf dem Schnee geworden, um wievieles bequemer durch eine Menge wohldurchdachter Erfindungen. Aber auch in der Instandhaltung der Strassen sind bedeutende Fortschritte gemacht worden: Schneepflüge aller Dimensionen bis zum grössten motorisierten Monstrum fegen die Strassen rein. Jeden Winter fast wächst die Zahl der Strassen, welche sich dem Autoverkehr neu erschliessen; beinahe immer wirkte dabei das Postauto als Bahnbrecher. Und dazu gesellte sich die Einsicht der Kurorte, dass das Auto Verdienst bringt. Das moderne Auto hat sich in mancherlei Hinsicht gewandelt. Nicht zuletzt sind es auch die Platz- und Gepäckverhältnisse, denen eine viel grossere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Zweckmässige Skihalter und Raum für Koffer und Rucksäcke sind letzt überall zu finden. Denn was ist unbequemer als das Gepäck, mit dem man sich für den Wintersport beladen muss : die langen Latten, die Stöcke, der Rucksack, der Koffer! Kunstgegerecht werden sie nun in Wagen verstaut, die Heizung verschafft eine angenehme Temperatur, die Schneereifen surren lei*e über das weisse Band, in Reserve Hegen die Ketten im Wagen, die Heizscheibe sorgt für klare Sicht, die Nebellampe hilft mit, den Weg durch den milchigen Brei zu suchen.Wirklich, warum sollten wir den Wagen die kalte Jahreszeit in der Garage verträumen lassen? So behalten wir unsere Freude am Auto, so lässt es sich reisen, auch wenn der Schnee uns immer wieder vor neue Probleme stellt. Das Fahren im trockenen, nassen, flaumigen Schnee will gelernt sein. Schliesslich und endlich heisst es mehr Vorsicht walten lassen als bei schneefreier Strosse, darüber ist sich jeder Einsichtige im klaren. Die alte Faustregel: langsam gefahren, sicher am Ziel, verliert auch hier nichts von ihrer Gültigkeit. Einst bildete das winterliche Fahren die Ausnahme, jetzt ist es zur Regel geworden. Nicht nur bei Sportleuten und bei jenen, die von Berufs wegen fahren — nein, auch beim Vergnügungsreisenden, der aus der Stadt und durch den Nebel zur Sonne will. Es ist ja ganz und gar nicht gesägt, dass man durchaus Skilaufen müsse, um eine Fahrt, dem blauen Himmel unserer Berge entgegen, zu rechtfertigen. Auch der, der.sich nicht dem Sport verschrieben hat, wird sich einen reinen Genuss verschaffen, wenn er dem grauen Schleier entflieht, der ihn fast tagtäglich einhüllt, und mit seinem Auto kurz entschlossen die Nebeldecke durchsticht. Das ist es ja, was ihm in die Hand gegeben ist, wenn er Zeit und Lust hat: die Sonne in seinem Gesicht zu spüren, die gute, starke Wintersonne unserer Höhen. Der Winter ist nicht mehr die Jahreszeit, um hinter dem Ofen zu hocken, er ist nicht mehr ein feuchter und froststarrender Feind, er ist zum treuen Freund geworden. ' Tausend Möglichkeiten der Lebensfreude schenkt er uns, die früher uns einst versagt waren. Das Auto hat tapfer mitgeholfen, diese Wege zu öffnen. Darum wollen wir ihm dankbar sein, und darum wollen wir ihm auch bei unseren winterlichen Fahrten die Treue halten. agra. In dieser Nummer: Drei Tourenvorschläge. Sofortige Startbereitschaft. Frostschutz tut not. Gute Sicht bei jedem Wetter. Wagenheizungssysteme. Wir rüsten zum «weissen Wochenende ». Wie man Skis festmacht. Erfordernisse der Winterschmierung. Von Winterpneus und Ketten.