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E_1938_Zeitung_Nr.101

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Li'i Automobil-Revue —

Li'i Automobil-Revue — N° 101 Beschenkten Freude macht, zu ihm passt, und das im übrigen mit « viel oder wenig Kosten > nichts zu tun hat. Wie wäre es z. B. mit etwas Selbstgefertigtem — bitte, lassen Sie mich aussprechen —, ich meine nämlich weder den 24. Kaffeewärmer für Tante Olga, noch die 40. Sofakissenplatte oder gar die 10. handgearbeitete Schreibmappe für den Herrn. Sei alle wandern ja doch nur in den Schrank zu ihren Leidensgenossen und werden höchstens in einem Jahr herausgeholt, um jemand anderen damit zu « beglücken >! Nein, unter selbstgefertigt verstehen wir all die liebevollen kleinen Dinge, die der zu Beschenkende gerade ganz dringend braucht. Dazu muss man allerdings ein feines Ohr und den Willen € mit Liebe zu schenken » haben. Wie viele kleine Liebhabereien sind beim Weihnachtsfest zu berücksichtigen! Die Blumenfreundin braucht in einer bestimmten Grosse vielleicht einen selbstangestrichenen Blumentopf, andere sind mit Zeichnungen, einem selbstgemachten Bucheinband, einem Album mit eingeklebten Fotos von einer gemeinsamen Reise oder gar einem selbstgezüchteten Kakteen-Ableger zu erfreuen. Der eine wünscht sich längst schon einmal einen Schlips f mit Pünktchen >, und der Traum der lieben Freundin ist das grüne Georgette- Taschentuch. Aber solche Dinge wollen herausgefunden sein, und dazu braucht man bekanntlich Zeit und Ueberlegung. Vielleicht ist es wirklich nicht jedermanns Sache, zu schenken. Trotzdem glaube ich, dass liebevolles Schenken der schönste Beweis eines warmen Herzens ist. Dabei soll man aber nicht vergessen, dass nicht nur entscheidend ist, «was» man schenkt, sondern auch «wie» man schenkt. Also möglichst ohne Kassenzettel. Im übrigen ist Schenken kinderleicht — man braucht ja dazu nur ein wenig Liebe! Die neuen Eroberer der Skihänge Technische Hilfsmittel des Skifahrers. Als sich die Skispuren tausendfach an den Hängen aneinanderreihten und der flaumige Pulverschnee durch die Bretter wie mit einer Dampfwalze geplättet wurde, haben die grossen schweizerischen Winterkurorte Schienenstränge an die Berglehnen gebaut, die all die vielen Tausende von Lattentrabanten mühelos ins unermessliche Schneereich der herrlichen Alpenwelt führten. Aber für den bescheidenen Anfänger, der noch ziemlich unbeholfen seine zwei schmalen Bretter auf dem Uebungshügel zurechtlegte, Schreit- und Fahrversuche oder gar Schwünge unsicher und zaghaft in die hartgetretene Piste zeichnete, blieb der nicht minder mühevolle Aufstieg trotz all den herrlichen Bergbahnen leider nicht erspart. Die Erfahrungen haben gelehrt, dass just in einer Skischule unter der Leitung unserer bewährten Instruktoren, in der eine rationelle Arbeitsweise besonders am Platze wäre, von zwei vollen Stunden für das eigentliche Ueben nur gerade 15 Minuten erübrigt werden können, während der Rest dem Erklimmen der Uebungshügel geopfert werden muss. Findige Männer haben nun den Skilift,, das Raupenauto oder gar einen Fun! an die Hänge gestellt und damit die verlorene Zeit annähernd wieder eingebracht. Alle Neue, sportgerecht geschnittene Keilhose, Modell Canzani, mit festgenähtem Bally-Patentverschluss; » diese technischen Hilfsmittel, das Raupenäuto auf* leicht ansteigenden Strassen, der Bügelskilift und det J seilbahnähnliche Funi, der sich mit seinen eisernen Kufen das Trace im Schnee selbst spurt, sind nicht etwa allein die Beglücker der Aufstiegsscheuen, sondern vor allem die treuen Helfer im schwel* zerischen Skischulbetrieb. Einmal ersparen sie den Verbrauch körperlicher Kräfte der Schüler, so dass jede einzelne Unterrichtsstunde sich doppelt wert-, voll auf das leistungsmässige Können der Schüler, auswirkt. Sie haben darüber hinaus das Verhältnis der Uebungszeit zur Aufstiegszeit gerade auf den Kopf gestellt.. Heute wird 15 Minuten aufge.-- fahren und 1% Stunden geübt! So kommt es heute nicht von ungefähr, dass Funis und Skilifts gleich dutzendweise an den Hängen unserer so unendlich reich gestalteten Alpenwelt hinaufklettern im Dienste des schweizerischen Skischulbetriebes! - : , • Skischuhe von„ heute Unermüdlich wird an der Durchbildung von Skischuhen weitergearbeitet. Von ihrer Tüchtigkeit hängt ja der ganze Sportbetrieb ab. So begegnen wir einigen Neuerungen, sowohl am ernsthaften wie am etwas leichteren, schon dazu ins Modische spielenden Modell. Bei den Typen, die auch von Professionals getragen werden und die unsere schöpferische Schuhindustrie in Zusammenarbeit mit Grossen des Skisports entstehen lässt, bemerken wir diese Saison einige recht bedeutsame Neuerungen. Heute müssen wir eine grosse Druckempfindlichkeit der Füsse feststellen, weil diese durch das Tragen von leichtem Schuhwerk sehr verwöhnt sind. Aus diesem Grunde sieht die Industrie darauf, möglichst wenig Nähte anzubringen. Auch soll durch die Schnürung keine Schürfung entstehen, weshalb der Schaft viel niedriger geworden ist. Zugleich wird auf fachgemässe Schaftstellung, den verschiedenen Bewegungen entsprechend, gehalten'; der Pneurand vermeidet jedes Einschneiden. Doch noch weitere Verbesserungen sind zu beobachten. Der Olympic 1938 bringt, ausser der weit nach vorn reichenden Schnürung am Schuh und dem doppelt gekerbten Birger-Ruud-Absatz, vor allem eine plastische Sohle, einen Fersenkeil für richtige Knievorlage und eine federnde Stahlgelenkstütze, womit die gefürchteten Schädigungen der Muskeln wie Ueberspannungen und Zerrungen vermieden werden. Für das Oberleder wird nach Juchtenart gegerbtes Waterproof herangezogen, an andern Typen kommt hin und wieder naturbraunes Kalbsleder zur Anwendung. Doch ist dies weniger widerstandsfähig als das bewährte Waterproof. Immerhin soll hier betont werden, dass es einen absolut wasserdichten Schuh nicht gibt. Die Sohle und Oberleder zusammenhaltenden Verbindungsstiche verursachen kleine Löcher, die sich durch die dem Schuh zugemuteten Strapazen etwas ausdehnen. Doch bewirkt auch die wasserabstossende Wolle der Skisocken mitunter das Feuchtigkeitsgefühl, weil sie den Der zweifarbige Skischuh aus Boz- oder Elkleder. Schweiss nicht aufsaugt. Ferner gelangt vielfach Nässe von oben her in den Schuh, da alle bisherigen Verbindungen von Stiefel und Beinkleid nicht hermetisch schlössen, sondern Stückwerk gewesen sind. Nun aber soll es anders kommen, dank der Erfindung eines Zürcher Sportsmanns. Schon mehrere Winter trägt er sie und ist sehr befriedigt davon. Er hat einen Patentvers c h I u s s aus Leder ausgedacht, der direkt an das Skibeinkleid angenäht wird und sicher dem Stiefel aufsitzt, dass keinerlei Nässe mehr eindringen kann. Nun ist das Tragen unimprägnierter Skisocken und Strümpfe möglich, womit das erwähnte Nässegefühl vermieden wird. Zugleich mit dieser neuen Skigamasche und in Zusammenarbeit mit deren Erfinder bringt ein anderer Zürcher eine Keilhose heraus, die mit all den Mängeln der bisher in Gebrauch gebrachten bricht und genügend Weite aufweist, um auch von den weniger Schlanken getragen zu werden. Da diese neue Gamasche aus farbigen, sehr geschmeidigen Ledern hergestellt wird, so greifen gerade die Fabrikanten modischer Skianzüge danach. Und so kommt sie zu den zweifarbigen Skischuhen ebenfalls in Gebrauch. Diese Modelle bestehen aus schwarzem Box- oder Elkleder und werden mit Bally Olympic 1938. Rot, mit Weiss, mit Braun kombiniert, .zudem sind manche Stiefel blau oder braun und ziehen dekorativen Nutzen von Weiss, das auch als Gamasche und als Riemen am Schuh auftritt. Weisse und farbige Nestel gehören allgemein zum modernen Skischuh. Farbige Ränder von Zwischensohlen, - farbige Passepoils beleben einzelne Modelle. Die Mode begnügt sich jedoch nicht mit den fahrtüchtigen Skistiefeln. Sie denkt mit Phantasie an die Stunden nach dem Sport und hat für diese Zeit Modelle aus Chamois mit Boxcalf bereitgestellt, die an heiteren Einfällen reich sind. Dieses «Apres le Ski»-Schuhwerk aus verschiedenfarbigem Box und Chamois kombiniert mit einer dicken, farbigen Korksohle im Liftyschnitt versehen, strahlt in Weiss, in Blau, in Rot, leistet sich Garnituren mit Kantonswappen und trägt zur Abwechslung gekreuzte Bänder, mit eingestickten Namen bekannter Sportplätze. Damit bringt die Schweizer Sportschuhmode ein ganz frisches Element in die sportliche Geselligkeit hinein. ss. 15 Millionen Schosshunde < Wie aus einer vor kurzem veröffentlichten amerikanischen Statistik hervorgeht, hat die Zahl der Schosshunde in den Vereinigten Staaten sich in den letzten Jahren in unglaublichem Masse vermehrt. Im Jahre 1929 zählte man noch 5 Millionen Schosshunde, 1935 waren es schon 15 Millionen, und in der Zwischenzeit ist ihre Anzahl noch beträchtlich gestiegen. Als besonders merkwürdig kann die Tatsache bezeichnet werden, dass unverhältnismässig viele Einwanderer — die doch zumeist nicht allzureich mit irdischen Gütern gesegnet sind und der Zukunft mit einiger Sorge entgegenzublicken pflegen — sich von ihren Hunden nicht haben trennen können und sie mit in die neue Heimat bringen. Zürich Empfehlenswerte Unterhaltungs- und Gaststätten Stadttheater Abends 8 Uhr, Sonntag nachmittag! 3 Uhr. Fr abend 16 Dez. Gräfin Mariza, Operette von E. Kaiman (A-Ab.). Sa. nachm. 17. Dez. Dornröschen, Weihnachtsmärchen für Kinder. Sa abend 17. Dez. Premiere: Mlgnon, Oper von A. Thomas. So nachm. 18 Bez. Gasparone, Operette von Carl Millöcker. So. abend 18 Dez Aida> Oper von G - Verdi ® a " dames: Szemere, Amonasro: Rothmüller). MO. abend 19. Dez. Volksvorstellung. Di. abend 20. Dez. Schülervorstellung. Mi. nachm. 21. Dez. Dornröschen. Mi. abend 21. Dez. Gräfin Mariza. Do. abend 22. Dez. Schülervorstellung. Fr. abend 23. Dez. Ab. B: Mlgnon. Sa. nachm. 24. Dez. Dornröschen. Sa. abend 24. Dez. Geschlossen. Schauspielhaus Abenda * y * **»*, tat nachm. 3J» Abendkasse ab 18 Uhr (2 11 11) Fr. abend 16. Dez. Jedermann 1938. Uhr. Sa. abend 17. Dez. Hanneles Himmelfahrt. So vorm 18 Dez 10 45 ühr: - Matinee: Alte Weihnacht. So. nachm. 18. Dez. 15 Uhr: Götz von Berlichingen. So. abend 18. Dez. Sechste Etage. Auto Gefahr für ulenz als Gegengavidif ffeftansetzenden 0. Zucker meiden tiemes&as die neuen Kristall-Saccharin- Tabletten, süssen durchaus rein und setzen kein Fett an. Garantiert unschädlich. Erhältl. in Apoth. und Drog. zu Fr. 1.25 per Dose mit 500 Tabl. A.-6. «Hermes», Zürich 2 SCHWEIZERFABRIKAT Bei Wahl Ihrer Ihrer Aufnahmen Sie sich an SHÄVEMASTER, der vollkommene amerikanische Trockenrasierer, hält, was er •erspricht: rasches, sauberes, angenehmes Rasieren vom. ersten Tag an, ohne Vorbereitungen, Kniffe, Training. 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N° 101 — Automobil-Revue Otto Zinniker. Der neue Tag Eine sternklare Septemberfrühe dämmerte ins Hüttenfenster. Uli Glanzmann erwachte aus zerquältem Schlaf, und rasch erinnerte er sich des Ungeheuerlichen, das sich vor einigen Stunden ereignet hatte. Oder fieberte er? Und war das Grauenhafte nur Hirngespinst gewesen? Widerwillig räkelte er sich auf und schaute verschüchtert um sich. Wie er den umgeworfenen Tisch und die zerstreuten Scherben erblickte, stieg namenloser Ekel in ihm hoch: Ekel an sich, Ekel an Walter Imbach, Ekel an allem. Das also war das Wiedersehen, die Freundschaft, der er geopfert hatte? Eine merkwürdige Freundschaft, — sie soll leben! Aber wo steckte Imbach? Pickel und Rucksack standen nicht mehr an ihrem Ort. Hatte er sich unhörbar fortgemacht? Oder lauerte er irgendwo auf einen neuen Ueberfall? War es nicht genug an der bisherigen Verwüstung? Uli ging vor die Hütte und um diese herum. Er spähte den Weg hinab, den Weg hinauf: Imbach war und blieb verschwunden. Hatte er sich ein Leid zugefügt? Hatte er den Todessprung über die nahe Fluh getan? Aber was brauchte er Pickel und Rucksack dazu? Nein, keine Sorge, so unüberlegt schied ein Walter Imbach nicht aus der Welt. Aber was ging dort drüben vor? Glanzmanns Blicke hefteten sich an die Nordwand der Bösen Zähne. Dort donnerte eine Ladung gewaltiger Felsbrocken herab und sprang mit Riesensätzen auf den Fluhgletscher hinaus. Eine Staubwolke bezeichnete ihren Weg, «Aha, da sind wir dir ja schon auf der Spur!» entfuhr es Uli. «Dachte ich's doch, du könntest eine bessere Arena gesucht haben, um deine überschüssigen Kräfte auszutoben. Gratuliere!» Mit zwei Sprüngen holte er den Zeiss, den treuen Begleiter auf allen Touren, und richtete ihn auf den grimmig zerzackten Verbindungskamm der Bösen Zähne, Er sperberte und drehte — umsonst. Nichts zeigte sich im Glas als toter Fels und schwarzes, aperes Eis. Erst beim dritten oder vierten Anlegen schob sich eine winzige Mücke ins Blickfeld, die sich in halber Höhe eines Gratturms deutlich aufwärts bewegte. «Wie ein Fliegendreck klebt er dort oben. Verdammt verwegen, wie er über den Zacken turnt! Genau so frech wie früher. Nichts hat er seit unsern gemeinsamen Fahrten verlernt», stellte Uli mit aufrichtiger Bewunderung fest, «Verflucht, jetzt rennt er die Diamantzinke an! Den schwierigsten, verrücktesten, unmöglichsten aller Berge im Revier der Alpen I Das ist ja Selbstmord, denn von jener Spitze kommt einer allein nicht lebend herunter! Ob er es weiss, der Wahnsinnige?» Es gab kein langes Zaudern. Dem Waghals musste nachgestiegen und heruntergeholfen werden, und zwar sofort, ohne Verzug. Denn der überhelle Föhntag drohte mit Wetterumschlag. Vom bröckelnden Kamm der Randmoräne hielt er direkt auf die Bösen Zähne zu. Heiss brannte die Sonne, aber er achtete es nicht. Mit dem Spürsinn des Bergsteigers suchte und fand er den kürzesten Weg durch ein Labyrinth trügerisch verschneiter Spalten. Bald betrat er die Zunge der untersten Firnhänge, und über diese stieg er rasch an den Fuss der Felsbastion, die durch ein verzwicktes Gewirr von Rippen und Rinnen zur Grathöhe durchklettert werden musste. Vor dem Einstieg gurtete er die Steigeisen an, denn im Umsehen begann ein schwieriges Stück Arbeit. Gleich der erste Plattenschuss wies starke Vereisung auf. Das Gestein war brüchig, kein Griff blieb fest, und unter jedem Fusstritt spritzte Geschiebe weg. Ein Wunder nur, wie Imbach im Morgengrauen diese Flanke bewältigt hatte. Ein steiler Felsabbruch folgte, den Glanzmann in der Seite umging. Die Schneerunse weiter oben, die ihm den Weiterweg erleichtert hätte, zeigte die Bahn fallender Steine. Eben polterte es über seinem Kopf im Geklüfte, und in der nächsten Sekunde hagelten faustgrosse Brocken über ihn hinweg. Er lauschte nach oben, — es war wieder still geworden, nichts regte sich. Dann lief er auf gut Glück und ohne Stufen zu hacken dem jenseitigen Ufer der Steinschlagrinne zu. Obwohl ihm das Herz bis zum Halse klopfte, schaffte er sich an der neuen Rippe mit pausenlosen Klimmzügen empor. Tiefes Schweigen in der Runde. Nur ein Schmelzwasserbächlein kluckerte friedsam irgendwo in der Nähe. Und wieder trank Glanzmanns Auge von der Schönheit der Berge; es schweifte von Spitze zu* Spitze, von.Dom zu Dom, vom Matterhorn zu den Bündner Alpen und in den Norden hinaus bis dorthin, wo aus violettem Dunststrich die längliche Klippe des Jura ragte. Beinahe hätte er gejauchzt. Doch das Wild, dem er auf den Fersen war, musste in lautloser Stille erjagt werden. Durch die Gipfelscharte und über ein letztes Gratstück gewann Glanzmann drei Uhr nachmittags die Diamantzinke. Er hatte die Besteigung, für die bei normalen Verhältnissen zwölf Stunden gerechnet wurden, bei starker Vereisung und nach fünf Jahren Tropenaufenthalt nahezu in der halben Zeit hinter sich gebracht. Den breitkrempigen Lehrerfilzhut in die gerunzelte Stirn geschoben, sass Walter Imbach im Schatten des Gipfelblockes. Das Geräusch der sich nähernden Klimmbewegungen schreckte ihn aus abgründigem Sinnen. Br schnellte auf und stutzte. Besuch? Verdammt! Der Empfang auf der hohen Zinne Hess, wie zu erwarten war, an Freundlichkeit durchaus zu wünschen übrig. «Du wagst es, mir nachzuschleichen?» drohte Imbach. «Ich rate dir, den Platz sofort zu räumen. Unsere Wege sind getrennt.» Damit wandte er sich voller Verachtung zur Seite. «Keine übertriebene Hast, mein Lieber •», entgegnete Glanzmann. «Vorerst reden wir jetzt miteinander. Hier weichst du mir nicht aus.» «Sieh dich vor!» «Nimm Vernunft an, Walter Imbach! Denk an frühere Zeiten, an Längengrund, an Hochrain, an Niederwald, an Jakob Gnehm, an alles Gute und Gerade in unserem Leben!» «Aus und vorbei!» «Hör mich trotzdem an!» bat Glanzmann. «Selbstverständlich hast du das Recht, deinem Freund zu sagen, dass eine Gemeinschaft nicht mehr möglich ist. Doch habe ich genau so das Recht, von dir die Begründung für dein ruppiges Verhalten zu fordern.» Imbach schoss einen grimmig - erstaunten Blick unter der Hutkrempe hervor: *Die Begründung, du scheinheiliger Heiland?» zischte er. «Ja, diese zu allererst.» «Ich denke, die findest du bei dir selber.» «Nicht das mindeste finde ich bei mir, das dir Anlass gäbe, mich wie ein Mistvieh zu behandeln», stellte Glanzmann fest. Sie standen dicht voreinander, es ging scharf auf scharf. «Dann beantworte wenigstens die Frage: Hast du Doras Tod verschuldet oder nicht?» «Dass du mir mit dieser Ungeheuerlichkeit kommst! Aber es ist gut, dass wir endlich an diesem Punkte sind!» «Fasse dich kurz: Ja oder nein?» «Wenn einer schuldig ist, dass bist du es. Du mit deiner Unentschiedenheit, mit deinem Hinhalten, mit deinem Flirt und Leichtsinn. Du...» «Ja oder nein?» «Es ist doch alles ganz klar», antwortet Glanzmann merkwürdig gelassen, «Hätte Dora gewusst, woran sie mit dir war, sie wäre nie mit- mir in die Berge gezogen. Mit deinem Zögern hast du sie mir selber in die Arme gespielt. Zwar meine Arme blieben verschlossen, denn ich hatte bei dir mein Wort als Freund verpfändet. Sorge dafür, dass ich es nicht bereuen muss!» Aber Imbach hat wie ein Ringzieher eingehakt und lässt so leicht nicht locker. «Heraus mit der Sprache!» verlangte er. Was war zwischen euch in jener letzten Nacht? Bevor ich ausreichende Auskunft gebe, gehe ich hier nicht weg. Und ohne mich kommst du wahrscheinlich auch nicht hinunter. Richte dich einl» «Was höre ich! So ist das gemeint? Als ob mir sehr viel daran gelegen wäre, ohne dich zurückzufinden!» spottet Glanzmann. «Aber du erkundigst dich im Ernst nach unserer letzten Nacht in der Abschwunghütte? Pfui, Walter Imbach! Mit deinem Verdacht schändest du nicht bloss das Andenken Doras, du schlägst damit auch unsere Freundschaft in Stücke. Wenn es zu deiner Beruhigung dienen sollte, dann" magst du immerhin vernehmen, dass auch jene letzte Nacht in Ehren überstanden wurde. Und nun handle nach freiem Ermessen, wie es die Laune dir eingibt. Ob ich mein Leben weitertrage oder nicht, daran ist mir augenblicklich recht wenig gelegen.» Statt neuerdings in Wut auszubrechen, horcht Imbach gespannt, was noch folgen werde. Doch da der andere schweigt, ^schlägt er beschämt die Augen nieder. Langsam dämmert es in ihm; ,Bei Gott, so redet kein Ungetreuer', sagt er sich. ,In Sorge um mein bisschen Leben ist er mir auf die Diamantzinke nachgeklettert, trotzdem er wissen musste, dass er selbst verloren ist, wenn ich den Streit zur Spitze treibe. Das ist die Tat eines Freundes.' Endlich schaut er aus dem Schweigen auf und Glanzmann ins Gesicht: «Offenheit gegen Offenheit: ich bin in der falschen Richtung gegangen. Der Verdacht hat mich vom geraden Denken weggeführt. Der bohrende Schmerz um die Tote frass sich immer tiefer in mich hinein. Jetzt sehe ich auf einmal alles in anderem Licht. Dora möge mir verzeihen. Und dich bitte ich ebenfalls darum. Aber dazu ist es nun wohl zu spät.» «Siehst du ganz deutlich und genau?» «Du sagst es.» «Dann ist es gut, Strich darunter. Denk an den Abstieg. — Es ist höchste Zeit!» «Auf keinen Fall, bevor ich ausgesprochen habe. Ich stände heute anders da, wenn ich deine Darstellung des Unglücks beantwortet hätte. Denn ich war nicht stark genug, das Schwere stumm in mir zu verwinden. Hätten wir uns brieflich auseinandergesetzt, nie wäre das Hässliche über mich Meister geworden. Nie habe ich bei klaren Sinnen an eine Verfehlung gedacht; aber in den Nächten, in den langen, schlaflosen Nächten, — immer war es wieder da und verfolgte mich. Und gestern kam ich in die Hütte herauf, um mit dir abzurechnen. Jawohl, so ist das. Jetzt ist es an dir, zu handeln.» «Wie in aller Welt konntest du übrigens wissen, dass ich am Abschwung zu finden war?» «Höchst einfach, ich habe meinen Vater ausgeforscht. Und wenn es dich schon in die Berge zog, dann sicherlich zur Abschwunghütte.» «Den vom Tod Verschonten lockt es immer wieder an die Stätte des Unglücks, wie den Verbrecher zum Mordplatz», nickt Uli nachdenklich. «Her mit dem Seil, jetzt bin ich bereit!» sagt Imbach. (Diese Szene — die Abrechnung der Freunde und ihr Wiederfinden — stammt aus dem auf Seite VII besprochenen Roman von Otto Zinniker, •Der neue Tag> [Verlag Francke, Bern]. Abdruck mit Erlaubnis des Verfassers.) Ein Druck... eine neue Spitze Einmal gefüllt, reicht« für Monate! Elegant — Zuverlässig Erhältlich in allen Preislagen Ton einfacher bis zur Luxusausführang, auch mit passender Füllfeder. — Achten Sie jedoch anf die eingravierte Marke EVERSHARP - UDCINU.U Kommoden Louis XIV Louis XV Louis XVI Bequeme, fuss gerechte Sk!' U. SCtlÜttSChüh - StlSf Cl vrofkSt) in grösster Auswahl Fachmännische Bedienung durch orthopädisch geschultes Personal Den Sl Ihrem 3K1SIOCK ol i für Damen ab Fr. 15'i für Kinder Nr. 30/35 • ab Fr. för Herren Nr. 40/46 ab Fr. komplett ab Fr. 16.80 geben Sie Gelegenheit, das ausgedehnte und rassige Skigelände des STOOSGEBIETES abzuschwingen. 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