Aufrufe
vor 5 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.003

E_1939_Zeitung_Nr.003

BERN, Dienstag, 10. Januar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 3 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab* A (ohne Versicherung) halbjährlich Ft. 5.—, jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 IQ- Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste* 4 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breit enrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschirtsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTI ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Baum 45 Rp, Grössere Inserate nach SpezialtartI Insoratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nnramer Wo bleibt da die Fairness? Ausgerechnet im Moment, da sich die Vorarbeiten für die Durchführung der vom Parlament genehmigten Autotransportordnung und für die Erreichung des Tariffriedens zwischen Schiene und Strasse in Gang befinden, haben es die SBB für zweckmässig erachtet, die sich anbahnende Beruhigung der Atmosphäre dadurch zu stören, dass sie für Futtergetreide-Transporte ab Basel eine Frachtermässigung von nicht weniger als 30 % proklamierten. Dieses unfaire Vorgehen der Grossen Schanze, das zugestandenermassen nur darauf angelegt ist, der «stets wachsenden Lastwagenkonkurrenz ab Basel entgegenzutreten », hat in den Kreisen der Aspa wie der Via Vita schärfster Zurückweisung gerufen, aus der diese Organisationen auch in der Begründung ihres Standpunktes durch das Mittel der Presse nicht das geringste Hehl machten. Ob solcher öffentlichen Kritik an einem illoyalen Schachzug, der das Verständigungswerk der Verkehrsteilung erschüttert und gefährdet, bevor es überhaupt in Wirkung getreten, hat sich in einem ostschweizerischen Blatt die Feder eines offenbar mit Haut und Haaren den Bahnen verschriebenen Einsenders zu einer « Entgegnung» in Bewegung gesetzt. Seine von Ausfällen gegen das Automobil strotzende Abrechnung eröffnet er mit einem Rüffel an die Adresse der Strassenverkehrsinteressenten, «denen die Massnahmen der SBB genügen, um eine ihrer sattsam bekannten Attacken gegen die angeblich ruinöse Eisenbahntarifpolitik zu reiten ». Niemand anders als das Automobil habe die Bahnen in den Tarifkampf hineingedrängt, womit diese nicht nur ihr Recht wahrgenommen, sondern eine Pflicht erfüllt hätten. Dem Strassenverkehr stehe es deshalb nicht an, sich zum Richter über die Tarifpolitik der Schiene aufzuwerfen wie denn überhaupt die Art und Weise, mit der eine jede Tarifverfügung zum Anlass genommen werde, um gegen die Bahnen Sturm zu laufen, charakteristisch wirke für die Mentalität gewisser Kreise, die für sich jegliche Freiheit in Anspruch nehmen möchten, es aber dem Konkurrenten verwehren, sich für seine Interessen einzusetzen... Kein Eingeweihter wird dieser von Ressentiments geladenen Philippika die Ehre antun, sie ernst zu nehmen, schon deshalb nicht, weil sie gerade den entscheidenden Umstand völlig « übersieht». Zwar bedient sie sich ehrlicherweise hin und wieder der Vergangenheitsform — «es gab Zeiten, da gerade jene Kreise (gemeint sind die Strassenverkehrsinteressenten) in ihren eigenen Methoden wenig wählerisch w a r e n > usw. — trotzdem aber « vergisst» der Verfasser auffälligerweise die Tatsache, dass»die automobilistischen Organisationen im Zustandekommen der Autotransportordnung den Anbruch einer Aera des Tariffriedens erblickten und auch danach handelten. Den Waffenstillstand, zu dem sie aus freien Stücken Hand geboten, um die Vorbereitung der neuen Tarifordnung und der Durchführung aller übrigen mit der ATO zusammenhängenden Massnahmen zu erleichtern, diesen Waffenstillstand haben die SBB bewusst und* mit Vorbedacht gebrochen. Das nämlich und nichts anderes bedeutet die von ihnen ab 1. Dezember eingeräumte Frachtreduktion. In diesem Hausfriedensbruch liegt der Kernpunkt der Sache; er ist es, gegen den sich die Welle der Empörung unter den Strassenverkehrsinteressenten wendet, weil er gegen Treu und Glauben verstösst und sich als eine Fortsetzung der Versuche darstellt, den Lastwagen zu bodigen. Wenn aber der Autor* jener < Erwiderung» dem Strassenfahrzeug vorwirft, es führe auch jetzt noch 'seinen Kampf mit unverminderter Heftigkeit weiter, und wenn er daraus für die Bahnen die Befugnis ableitet, dieser angeblichen Fortdauer der Schleuderkonkurrenz zu begegnen bis die Tarifverhältnisse geordnet seien, dann verdreht er damit die Tatsachen, um sie für seine eigenen Zwecke zurechtzukneten. Wer den Beweis des guten Willens zur Zusammenarbeit erbracht hat, ist das Automobil; den Bundesbahnen blieb es vorbehalten, diese Geste mit einer neuen Kampfansage zu beantworten. Den entschlossenen Abwehrwillen der Motorfahrzeugbesitzer gegen diese weitere Einengung ihrer Existenzgrundlage als Ausfluss einer < egoistischen Einstellung» abzutun und die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten durch die SBB zu bagatellisieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Dürftigkeit der Argumente, über welche der Einsender verfügt. Dafür aber, dass man für die vom kommerziellen Dienst der Bundesbahnen unumwunden zugegebenen Tendenz der Drosselung, Abschnünmg und letzten Endes der gänzlichen Unterbindung der Strassentransporte selbst bei den Leuten vom Flügelrad nichts übrig hat. dafür können wir mit einem höchst unverdächtigen und unanfechtbaren Zeugen aufwarten. Der « Eisenbahner >, das offizielle Organ des Schweizerischen Eisenbahnerverbandes schrieb nämlich vor einiger Zeit: « Wenn die Autounternehmer glauben, man bezweckte mit der Verkehrsteilung eine Vernichtung von Existenzen, so fühlen wir uns als Eisenbahner zu der Versicherung verpflichtet, dass wir nie daran denken würden, einer Verkehrsteilung zuzustimmen, welche Miteidgenossen um Brot und Mittel brächte.» So weit die Eisenbahnerpresse. Die Verkehrsteilung aber sieht »in praxi so aus, dass die Bahnen, durchaus nicht gesonnen, auch ihrerseits « stillzusitzen » wie die Strassentransportunternehmer, die Zeitsipanne bis zum Torschluss, d. h. bis zur Inkraftsetzung der Tarifordnung, ungehemmt dazu auszunützen, um die Position des Automobils durch ausgesprochenes Frachtdumping zu schwächen und ihm den Boden unter den Füssen zu entziehen. Zu derartigen Mitteln nehmen die selben Bahnen Zuflucht, die nicht laut Wann ist die Voraussetzung der Gewerbsmässigkeit bei Personentransporten erfüllt? Der Kassationshof des Bundesgerichts hat die Nichtigkeitsklage eines Landwirtes gegen ein Urteil der bernischen Gerichte gutgeheissen. Die bernischen Gerichte hatten einen jungen Landwirt aus der Gemeinde S. verurteilt, weil er am 19. April 1938 verschiedene Angehörige einer andern Familie mit seinem Personenauto nach Cossonay gebracht und dafür 30 Fr. angenommen hatte, nachdem er auf vorangegangenes Befragen hin erkärt hatte, dass er selbst nichts verlangen dürfe, dass man ihm aber geben könne, was man wolle. Er anerkannte zudem, dass er schon wiederholt gegen freiwillige Entschädigung Personenbeförderungen ausgeführt habe. Die bernischen Gerichte büssten den Landwirt wegen Zuwiderhandlung gegen Art. 10 des Motorfahrzeuggesetzes mit 15.Fr., da er nicht im Besitze des für die gewerbsmässige Ausführung von Personentransporten nötigen Führerausweises war und auch die hiefür erforderliche besondere Prüfung nicht bestanden habe. Der Kassationshof des Bundesgerichts hat aber eine Nichtigkeitsklage gegen dieses Strafurteil gutgeheissen, die Busse In dieser Nummer: Richtige Handhabung des Winkers. Sportnachrichten aus aller Welt Quer durch Amerika im Bus. Betrachtungen zum Problem der Federung. Bessere Schneeräumung auf den bernischen Strassen. und nicht ausdauernd genug ihr Lamento über die Schleuderkonkurrenz des Motorfahrzeugs anstimmen konnten (der gerade durch, die neue Tarifgestaltung ein Damm errichtet werden soll), sie greifen unbedenklich im selben Moment zu solchen Strangulierungstnethoden, da die militärischen Instanzen aus zwingenden Notwendigkeiten unserer Landesverteidigung heraus nach Wegen suchen, um den Bestand an armeetauglichen Lastwagen zu vermehren. Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts aufgehoben und den Beklagten freigesprochen. Das Gericht ging dabei vor allem davon aus, dass die Zahl der ausgeführten Personentransporte nicht genau feststehe und es daher auch kaum möglich sei, sich darüber auszusprechen, ob es sich um gewerbsmässige Transporte handelte. Denn Gewerbsmässigkeit liegt nicht etwa schon dann vor, wenn für eine, solche Beförderung überhaupt ein Ent~ gelt entgegengenommen wird; es muss vielmehr ein mehr oder weniger regelmässiger Transport stattfinden und die Absicht vorhanden sein, aus dieser Tätigkeit eine sichere, fortgesetzte und dauernde Erwerbsquelle zu machen und Gewinn zu erzielen. Dazu ist aber nötig zu wissen, wieviel bezahlte Fahrten ausgeführt wurden und in welchem Zeitraum dies geschah; denn nur dann kann beurteilt werden, ob solche Transporte nur gelegentlich und ausnahmsweise erfolgten, oder ob sie als organisierter Gewerbebetrieb zu qualifizieren sind. Festgestellt ist nun eigentlich nur die einzige Fahrt mit der Familie nach Cossonay, wozu dann noch die eigene Aussage des Landwirts kommt, dass er hin und wieder solche Fahrten ausführe, die mit dem Futter- Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 4. Fortsetzung. «Das tue ich auch. Natürlich.» Charles strahlt Zustimmung. «Aber du brauchst nicht zu befürchten, dass du mich einmal an der Tür einer deiner Freundinnen treffen könntest mit einem Kasten voll Garn, Nadeln und Schuhbändern.» «Ich würde dich immer lieben ! » versichert Peggy. Sie stellt sich ihren Verlobten selbst mit einem Bauchladen ungewöhnlich anziehend vor. « Liebe und Geschäft muss man trennen !» bemerkt Lady Constanza, die diesen Satz irgendwo gelesen und behalten hat. « Du hast mir noch immer nicht gesagt, Charles, was du gerade jetzt so dringend auf dem Kontinent zu tun hast. Vielleicht könntest, du wenigstens abwarten, bis ich dich unseren Verwandten vorgestellt habe.» « Sie werden es mit Recht erwarten können, mich kennen zu lernen », scherzt Charles. « Sag das nicht », mahnt Lady Constanza, die wie die meisten Frauen in Familienangelegenheiten keinen Spass versteht. « Ueberleg dir selbst ! Du kommst vor vier Wochen in London an, machst Peggys Bekanntschaft auf dem Sportplatz, ihr liebt euch, verlobt euch — ich freue mich sehr darüber, gewiss. Aber du hast so gar keine Verbindungen hier und was sollen die Leute sagen, wenn du jetzt gleich wieder verschwindest. Wie der fliegende Holländer, ohne auch nur einem deiner neuen Verwandten die Hand gedrückt zu haben. » Lady Constanza hat selbst das Gefühl, etwas weit gegangen zu sein. Peggy sieht sie voll Vorwurf an und legt ihre Hand zärtlich auf die ihres Verlobten. Aber Charles nimmt die Vorhaltungen nicht übel. « Du hast vollkommen recht, kleine Mammy », gibt er offen zu, « Ihr seid mir so nett und vertrauensvoll entgegengekommen, dass ich euch gar nicht dankbar genug dafür sein kann. Aber was hilft's ? Ist es nicht besser, ich mache noch ein gutes, grosses Geschäft auf dem Kontinent, als dass ich' womöglich Verluste habe und später der armen Peggy Einschränkungen zumuten muss ? » Dagegen gibt's nun auch wieder keine Einwendung. Lady Constanza beschliesst, sich dieses Argument zu merken, falls wirklich irgendwer peinliche Fragen stellen sollte. Trotzdem gibt sie ihre Sache noch nicht auf. «Hängt wirklich soviel an diesem einen Geschäft, Charles? » fragt sie schon viel milder als vorher. « Allerdings », entgegnet er diesmal ohne Scherz, «ich kann einen grossen Posten Ware gerade jetzt gut verkaufen. Mehrere Reflektanten warten darauf. Ihr wisst ja, der Markt wechselt. Schon morgen kann die Chance vorbei sein und der sichere Gewinn sich in Verlust und Schaden verwandeln. Ein Kaufmann muss den richtigen Moment nutzen.» « Dann will ich dich nicht hindern, zu fahren », erklärt Lady Constanza. Sie ist jetzt völlig überzeugt und vergisst ganz, dass sie vom Wesen der Ware noch genau so wenig weiss wie vor ihrer Attacke. « Ich hoffe, du wirst sehr viel zu tun haben in Paris », sagt jetzt Peggy und man merkt, dass es ihr von Herzen kommt. «Warum denn? » fragt Charles etwas erstaunt. « Damit ich recht viel verdiene? Ist das kleine Mädchen habsüchtig? » « Habsüchtig nicht, aber eifersüchtig •», bekennt Peggy. «Die Pariser Frauen sollen den Männern so gefährlich sein. » «Mir nicht!» versichert er lachend. «Ich liebe doch nur dich allein, Peggy. Das weisst du. Soll ich es dir noch einmal sagen? Oder glaubst du mir nicht? » «Nicht glauben?» Lady Constanza ist etwas befremdet, sie weiss selbst nicht warum. « Ja, sag es mir noch einmal! » flüstert Peggy. « Es ist zwar ein Unsinn, aber...» « Wenn es dich dooh tröstet, sweetheart >, Charles schliesst seine Braut fest in die Arme, «ich liebe dich, ich liebe dich und nur dich! » Lady Constanza verlässt leise und diskret auf 3 Minuten das Zimmer. Merkwürdigerweise fühlt sie sich durch Charles' Benehmen eher irgendwie beunruhigt. Eine ganze Weile später, als ihr künftiger Schwiegersohn bereits im Flugzeug dem Festland zusteuert, überrascht sie ihre Tochter durch eine Frage, die in ihrem Munde merkwürdig und fast ungehörig klingt. «Meinst du eigentlich, Peggy», sagt sie ganz unvermittelt, dass ein Gentleman mit gutem Gewissen für die künftigen Gefühle seines Herzens einstehen kann? » Peggy sieht ihre Mutter gross und erstaunt an. « Selbstverständlich, Manwny», erwidert sie betroffen, « das tun doch alle Männer, die heiraten. Nicht wahr?» « Hin », macht Ladv Constanza. Und dan*>