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E_1938_Zeitung_Nr.102

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Nun aber Schluss mit der

Nun aber Schluss mit der Nebellampen-Rundfrage! Aus der Absicht, schon in der letzten Nummer Schluss der Diskussion um das Therma Nebellampen j,u erklären, ist nichts geworden, ganz einfach deshalb, weil uns inzwischen noch ein Bündel weiterer Meinungsäusserungen zugegangen sind, die wir, zum Teil wenigstens, unsern Lesern weder vorenthalten konnten noch wollten. Womit wir noch zwei andere Einsender auf die « Rednertribüne » treten lassen : Nochmals des Thema « Nebellampen ». Ich hoffe, Sie werden auch eine Stimme berücksichtigen, welche von der bei Ihrer Rundfrage bisher mehrheitlich vertretenen Auffassung abweicht. Um es vorwegzunehmen: Ich bestreite die Wünschbarkeit einer Regelung, welche die Ednechaltun? der Nebellampen auch dann gestattet, wenn kein dichter Nebel herrscht. Kürzlich wurde ich abends bei völlig klarem Wetter und trockener Strasse, auf einer schnurgeraden Strecke, die ich seit Jahren wöchentlich mehrmals befahre, durch eingeschaltete Nebellampen derart geblendet, dass ich vom rechten Straseenrand in eine gleich hoch gelegene gefrorene Wiese abkam und meinen schweren Chrysler zuerst an einem umgelegten und nachher an' einem ßtehenden Kirschbaum demolierte. Mein «Gegner» benützte die Nebellampen als Abblendung. Die geringste Abweichung in der Einstellung, oder wenn der Wagen höher steht als der Entgegenkommende, kann sich verhängnisvoll auswirken. P. B. Vorteile Ja — aber auch Nachteile. Mit der Frage der Anwendbarkeit der Nebellampe haben Sie ein gerade im Winterhalbjahr wieder sehr aktuell werdendes Thema aufgeworfen. Doch glaube ich nicht, dass man sich ohne weiteres für die eine oder andere Anschauung vorurteillos entscheiden kann, da beide Lösungen ihre begründete Berechtigung haben. MFG 13, 3 erlaubt die Anbringung einer Nebellampe, deren Verwendung jedoch durch MFV 39, 3 auf den Gebrauch bei dichtem Nebel beschränkt ist. Dies mag wohl seine Berechtigung haben. Unsere heutigen sog. «Nebellampen» sind aber gar keine Nur-Nebellampen. Die Bezeichnung «Breitetrahler» scheint mir für diese Art Spezialscheinwerfer viel geeigneter, denn damit kommt auch zum Auedruck, dass es sich hier eigentlich um einen Zusatzscheinwerfer handelt und nicht nur um ein reines Nebellicht. Es ist darum unverständlich, weshalb unsere Behörden solche Vorschriften aufstellen, wie sie MFV 39, 3 enthält. Hat nämlich der Automobilist einmal den Wert dieser Beleuchtung eikannt, so wird er die «Nebellampe» als Zusatzscheinwerfer wohl kaum mehr missen wollen. Nicht nur auf kurvenreichen Strassen, sondern auch beim Ausweichen oder Kolonnenfahren kann sie sich sehr vorteilhaft auswirken; einmal lässt eich dadurch die Blendung des Vordermannes fast aus6chliessen (bei Verwendung nur mit dem Standlicht); owedtens kann, -was ebenso wichtig ist, die Eigenblendung durch Rückstrahlung vom vorderen Wagen auf ein Minimum reduziert werden1 ; Diesen unzweifelhaften Vorteilen lassen sich aber ebenso gewichtige Nachteile entgegenstellen. Laut Kreisschreiben vom 9. Dezember 1937 darf diese nicht blenden und muss so geschaltet sein, dass ihre alleinige Verwendung ausgeschlossen ist. Bei nächtlichen Fahrten kann man in dieser Beziehung allerhand erleben: Erstens gehören nicht blendende Nebellampen zu den Ausnahmen; durch die falsche Einstellung aber werden sie fast noch gefährlicher als falsch eingestellte Scheinwerfer in abgeblendeter Stellung, und zwar in ganz besonderem Masse bei Regenwetter. Zweitens trifft man immer wieder «Einäugige», die nur mit der Nebellampe fahren. Diese Fahrer bilden direkt eine Gemeingefahr auf der Strasse. Das Kreisschreiben führt im weiteren sehr vernünftig aus. dass zum Sammeln von Erfahrungen zwei Nebellampen angebracht werden dürfen. Sie sollten aber nicht nur angebracht werden dürfen, sondern müssen. Dadurch würden viele Unsicherbeiteh und oft grosses Unheil vermieden. Um nur einen Fall zu nennen: wie mancher Fahrer fährt korrekt nach Gesetzesvorschrift und ist dennoch eine Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer. Er hat das Nebellicht und die Standlichter brennen. E« kommt nun dabei oft vor, dass das Verhältnis der Lichtstärken der beiden Lichtquellen so ist. dass die Standlichter nicht mehr gesehen werden können (auch bei richtiger Einstellung der Nebellampe). In diesem Falle sind entgegenkommende Fahrzeuge genau so gefährdet wie durch die «Einäugigen». Zwei Nebellampen bieten daher grösste Sicherheit, sowohl für den Fahrer selbst als auch für die Entgegenkommenden. Nach den oben angeführten Erörterungen würde ich somit die allgemeine Einführung von zwei Nebellampen im Interesse der Hebung der Verkehrssicherheit «ehr begrüssen. R. S. AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG. 20. DEZEMBER 1938

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