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E_1938_Zeitung_Nr.104

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BERN, Mittwoch, 28. Dezember 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No 104 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREIS Ei Anifab* A (ohne Versicherang) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallverslch.) Vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenvenicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dlemtaa und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern Gescliiftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Kp. Grössere Inserate nach Spezialtarü Inseratensthluss 4 Tage vor Erscheinen der Nnmmi-r Was wird zur Förderung der Heeresmotorisierung getan ? „Vorlage Ober Erleichterung der Anschaffung inländischer Lastwagen erscheint demnächst", verkündet der Bundesrat in seinem Bericht. Die Sorge um die Wehrbereitschaft unseres Landes veranlasste in der verflossenen Novembersession der eidgenössischen Kammern Nationalrat Vallotton zur Einreichung einer Motion, worin er den Bundesrat einlud, bei Anlass der Dezembertagung diejenigen Angaben zu unterbreiten, welche für die Verbesserung und Verstärkung der Landesverteidigung notwendig seien. Zugleich verlangte er wenn möglich auch bestimmte Angaben über die dadurch verursachten Kosten und deren finanzielle Deckung. Aehnlich formulierte, parallel damit, Herr Schöpfer im Ständerat seine Motion. Dazu gesellte sich, herausgewachsen aus der Beunruhigung über das schleppende Tempo der Massnahmen zur Hebung unserer Wehrkraft ein ganzes Schock von Postulaten und Interpellationen. Was die Motorisierung der Armee anbetraf, worüber die zuständigen Behörden bei der Pressekonferenz vom 28. Oktober auffälligerweise nicht ein Wort hatten verlauten lassen, so stellte Herr Vallotton in seiner Motion eine Reihe präzis gefasster Fragen, die wir hier nochmals wiederholen möchten, um ihnen die bundesrätliche Antwort gegenüberstellen zu können. Ueber folgende speziellen Punkte forderte der jetzige Nationalratspräsident genauere Auskunft: 1. Haben die motorisierten Einheiten bald Ihr rollendes Material ? 2. Wird man endlich die Eigenart des Armeewagens den Kriegszwecken anpassen ? 3. Wird man den Ankauf solcher Wagen fördern ? 4. Welche Beschlüsse hat man bezüglich dem « Kübel- und Raupenwagen > sowie andern Spezialtypen gefasst ? 5. Wird das eidg. Militärdepartement endlich eine Lösung hinsichtlich des Problems des Mitilärwagens finden, das Gegenstand so zahlreicher Berichte bildete ? 6. Will der Bundesrat auf seiner Politik bezüglich des teuren Benzins beharren, obwohl diese den wesentlichen Hemmschuh für die Entwicklung des Motorlastwagens darstellt ? Mit seinem Bericht hat sich der Bundesrat nicht allzusehr beeilt, denn anstatt, wie in den Motionen verlangt, auf die Dezembersession hin, ist er eben erst dieser Tage fertiggestellt worden, ein 25 Druckseiten füllendes Dokument, das die Probleme, welche durch die Aktionen im Parlament aufgeworfen worden sind, in drei Kapitel gegliedert einer Beleuchtung unterzieht. Einleitend wird darin der programmatische Aufbau des Berichtes erläutert. Der Orientierung über das, was auf dem Gebiet der Landesverteidigung im Lauf der letzten Jahre geschaffen worden ist, folgt das Programm für den weiteren Ausbau und daran schliefst sich eine Betrachtung über die Finanzierungsmöglichkeiten, allerdings ohne dass sich die Gedankengänge darüber zu konkreten Vorschlägen verdichteten. Was in der uns besonders naheliegenden und interessierenden Domäne der Heeresmotorisierung geplant oder bereits an die Hand genommen worden ist, darüber äussert sich der Bundesrat im ersten, der Schilderung des gegenwärtigen Standes unserer Landesverteidigung gewidmeten Abschnitt wie folgt: Das Problem der Motorisierung unserer Armee, mit dem sich insbesondere die Herren Ständerat Schöpfer und Nationalrat Vallotton auseinandergesetzt haben, erfordert nach wie vor unsere besondere Aufmerksamkeit. Wir sollten vom Standpunkt der Armee aus nicht nur über einen qualitativ guten, sondern auch über einen genügend grossen Automobilpark verfügen können. Unsere militärischen Instanzen haben denn auch je und je darauf gedrungen, es sollte nicht nur eine qualitative Verbesserung des Automobilparkes begünstigt, sondern auch seine Verjüngung und normale Entwicklung nicht beeinträchtigt werden. Es wird sich insbesondere darum handeln, die Anschaffung inländischer Lastwagen auf irgendwelchem Wege zu fördern. Wie das geschehen kann, ob durch Steuererleichterungen oder durch andere Massnahmen, darüber werden wir demnächst in einer besonderen Vorlage entsprechende Anträge stellen. Vorgesehen ist ausserdem die Schaffung von Erleichterungen bei der Anschaffung von Motorrädern durch Angehörige der leichten Truppen. Was die Frage der Stellung und Verwendung des Motorwagenpersonals bei einer Mobilmachung anbetrifft, ist zurzeit eine Umorganisation im Gange, die bis kommendes Frühjahr durchgeführt sein wird. Wieder halten wir beim Ausklingen des alten Jahres Rückschau auf das, was es uns in verkehrswirtschaftlicher Beziehung gebracht oder vorenthalten hat. Gibt die Bilanz schon keinen Anlass zu besonderer Zufriedenheit, so lässt sie noch weniger Raum für eine zuversichtliche Beurteilung der Zukunft. Wohl dürfen wir Automobilisten auf einzelne Teilerfolge zurückblicken — wir erinnern in diesem Zusammenhang lediglich an den endgültigen Verzicht der Behörden auf die Einführung der Benzinzonen, an den Dornröschenschlaf, den die Spritbeimischung angetreten hat, an die Inangriffnahme des Alpenstrassenausbaus und an die Steuererleichterungen in einzelnen Kantonen — an der Einstellung des Bundes zu den Grundproblemen jedoch, welche über das Wohl und Wehe unseres Motorfährzeugwesens entscheiden, hat sich nichts geändert. Keinen Fuss breit ist er in der Frage der fiskalischen Belastung zurückgewichen, und wenn auch der Benzinpreis Ueber die Beschaffung von Motorlastwagen für Gepäcktransporte sowie gewissen Spezialwagen werden wir Ihnen im neuen Programm Vorschläge unterbreiten. Auch ohne einen besonders kritischen Maßstab an die Ausführungen des Bundesrates anzulegen, wird man nicht behaupten können, sie heben viel Neues ans Licht. Auf die oben zitierten Einzelfragen, welche Nätionalrat Vallotton in die Begründung seiner Motion einwob, erteilt der Bericht, wenn er es überhaupt tut, nur sehr summarische Antwort. Ueber den Zeitpunkt, da die motorisierten Einheiten in den Besitz ihres Rollmaterials gelangen werden, erfahren wir nichts; die Frage nach den Vorkehrungen für die Anpassung der Eigenart des Armeewagens an die Kriegszwecke wird mit keiner Silbe berührt und vergeblich fahndet man auch nur nach einem Wort über das weittragende Problem, wie die Handhabung der Bedürfnisklausel in der neuen Autotransport-Ordnung gestaltet werden soll, um die wehrpolitisch unerlässliche und vom bundesrätlichen Bericht selbst postulierte Schaffung eines genügend grossen Automobilparks zu sichern. Wer darüber Bescheid weiss, wie lähmend sich gerade die Ungewissheit nach dieser Richtung hin auf die Anschaffung neuer Lastwagen durch private Unternehmer auswirkt, der wird uns nicht der Spitzfindigkeit zeihen können, dass wir das völlige Fehlen jeglicher Aufklärung über diese Seite der Angelegenheit als Mängel empfinden. Schluss Seite 2. Att dei Schwede des neuen Jxävies schrittweise um drei Rappen gesenkt wurde, so verdanken wir diese Erleichterung nicht etwa der Opferwilligkeit des Fiskus oder dem Anbruch eines Gesinnungswechsels in den Amtsstuben am Aarestrand. Nach wie vor beharrt man dort auf seiner verhängnisvollen, durch ihre Erfolge längst ad absurdum geführten Politik der Zollschraube ohne Ende, die sich wirtschaftlich als ruinös und in ihren finanziellen Auswirkungen als Fehlspekulation erwiesen hat. Die Früchte dieser Drosselungsmethode sind denn auch nicht ausgeblieben. Nicht nur, dass damit das Autogewerbe der Verelendung preisgegeben wurde, dass das Gespenst der Arbeitslosigkeit in die Garagen und Reparaturwerkstätten Einzug hielt, man versündigte seh mit dieser Darniederhaltung des motorischen Strassenverkehrs, die unverhülltem fiskalischem Egoismus entsprang, auch gegen ein anderes vitales Interesse des ganzen Landes: gegen die Bedürfnisse der Landesverteidi- Ueberraxcmingen dieser Sorte können jetzt des «Inhabern Ton Laterntnsarasen* blühen. In dieser Nummer s Wann tritt die neue Auto- Transportordnung in Kraft? Wieder ein neues Alpsnstrassenprojekt mit Tunnelanlage. Zum Schweiz. Sportkalender 1939. Feuilleton S. 2. Beilage: gung. Allerdings bedurfte es erst der stets sich verschärfenden Spannung der weltpolitischen Lage, bis man zuständigenorts jenen warnenden Stimmen Gehör schenkte, die sich schon lange zuvor gegen diese den Erfordernisse unserer Wehrbereitschaft schnurstracks zuwiderlaufende Behandlung des Motorfahrzeugs erhoben hatten. Doch auch dieser Entschluss, das zur Motorisierung der Armee Unerlässliche vorzukehren, wollte und will gründlich erdauert werden. Heute noch warten wir auf die Tat, die im Zugeständnis gewisser Vergünstigungen an die diensttauglichen Lastwagen bestehen soll. Dass die Verwirklichung automobilistischer Postulate nur recht langsam vom Fleck kam, liegt nicht'nur im Beharrungsvermögen der Behörden begründet, vielmehr zählen wir auch in unsern eigenen Reihen da und dort noch einzelne Laue und Abseitsstehende. Was aber not tut, wenn wir unser Lebensrecht wirksam verteidigen wollen, das ist Selbstbesinnung und Sammlung der Kräfte, Dieser Aufgabe haben wir während des vergangenen Jahres unsere ganze Kraft gewidmet im Bewusstsein, dass es gilt, die Automobilisten bei der Stange zu halten, wenn sie mit ihren berechtigten Forderungen durchdringen wollen. Unsere Mission als automobilistisches Fachorgan, das nun seinen 35. Jahrgang antritt, und das dem schweizerischen Motorfahr zeu^.- wesen fast von der Picke auf gedient hat, diese Mission verpflichtet. Klar und unverrückbar steht unser Ziel fest, dem motorischen Strassenv erkehr zu jenem Platz an der Sonne zu verhelfen, auf den er Anspruch erheben darf und muss. Darüber hinaus jedoch richten wir unser Augenmerk unablässig auch auf den inneren Ausbau unseres Hauses. Mit seinem umfassenden und prompten Informationsdienst über alle Geschehnisse auf wirtschaftlichem, verkehrspolitischem, sportlichem und touristischem Gebiet, mit seinem sorgfältig geführten, zuverlässigen technischen Teil und den immer lehrreichen Sprechsälen, mit der neu geschaffenen «Kleinen Revue», last but not least aber auch mit dem munteren, wechselvoll gestalteten Auto-Magazin soll unser Blatt der stets willkommene und unentbehrliche Chronist in der Familie unserer Freunde und Anhänger sein und bleiben: Getragen von ihrem Vertrauen, werden wir im ehrlichen Bemühen, ihm diese Stellung zu erhalten und sie zu festigen, auch während des kommenden Jahres nicht erlahmen, sondern unentwegt weiter danach streben, die Reihen zu schliessen. Eine QewisseHsßtaqe: Ivestev Redaktion und Verlag. naiit Lassen Sie Ihren Wagen nicht besser in der Garage, wenn Sie auswärts feiern? Damit wir uns gleich richtig verstehen: wir sind keine Abstinenz-Apostel, und weil uns nichts Menschliches fremd ist, missgönnen, wir's- niemandem, dass er den Jahreswechsel nach seiner Fasson feiert. Seh' ein jeder, wie er's treibe, seh' ein jeder, wo er bleibe. Trotzdem: diese Nichteinmischung vermag vns nicht zu entbinden von der