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E_1938_Zeitung_Nr.104

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Pflicht, dem

Pflicht, dem AutomobFlisten, der mehr oder weniger feuchte Silvesterpläne schmiedet, angelegentnächst Fragebogen für die Erstellung des j lich ins Gewissen zu reden. Moralinsaure Ansprachen an unser Volk liegen uns nicht. Was uns jeransporte ausführen, nach Art 30 der ATO Registers aller Unternehmer, welche Autodoch weder hindern kann noch darf, besagtem ausgegeben. Alle bisher von dritter Seite Volk eine alte Binsenwahrheit ins Ohr zu träufeln: herausgegebenen Fragebogen für Konzessionsbewerber sind selbstverständlich un- dass Alkohol — der nach landesüblicher Auffassung zum Silvester gehört — und Autofahren unvereinbare Dinge sind. Oder es wenigstens sein jültig. sollten. Kopf gut schütteln vor Gebrauch, etwas nachdenken und Sie werden als der verantwortungsbewusste Fahrer, der Sie sind, ohne weiteres erkennen, dass Ihnen nur die Wahl zwischen zwei Dingen bleibt: entweder Bacchus zu entsagen oder kein Volant anzurühren. Soviel ist keine Silvesternacht wert, als dass es sich lohnte, das Risiko eines Unglücks in Kauf zu nehmen. Vergessen Sie das nicht und lassen Sie Ihren Wagen lieber mal in der Garage. Die Taxihalter machen 'n der Neuiahrsnacht auch gerne ein Geschäft. Vorsicht! Schüttelnde Kinder! Di© Tagespresse brachte letzter Tage folgende Meldung : « Beim Schütteln ist der noch nicht ganz sechsjährig« Knabe Erwin der Familie Eggenschwiler in Neuhausen t&dlich verunglückt. Er fuhr in schnellem Tempo die ziemlich steile Quellenstrasse hinunter und an der Rosenbergstrasse einem von Schaffhausen kommenden Lastauto gerade zwischen Vorder- und Hinterräder hinein. Durch den wuchtigen Anprall wurde der Knabe augenblicklich getötet t. Nicht nur den Eltern, sondern vor allem den Automobilisten sollte dieser tragische Unglücksfall als erneute Warnung dienen. Im Eifer des winterlichen Vergnügens schwindet im Kinde das Bewusstsem der Gefahren, die ihm überall dort drohen, wo es sich mit seinem Schlitten, den Skiern oder den Schlittschuhen auf abfallenden Seitenstrassen tummelt. Jugend kennt keine Tugend ! Den Automobilisten sei deshalb zu bedenken gegeben, dass gerade jetzt grösste Vorsicht geboten ist, wenn sie sich der Einmündung geneigter Seitenwege nähern. Man weiss in diesen Tagen nie ! Schweizerische Rundschau Wann tritt die neue Auto- Transportordnung in Kraft? Auf keinen Fall am 1. Januar 1939. Die Leitung des «TAG» (Treuhandverband des Autotransportgewerbes) in Bern erlässt folgende Bekanntmachung: In letzter Zeit werden von verschiedenen Seiten über das bevorstehende Inkrafttreten der Autotransportordnung (ATO) alarmierende und falsche Gerüchte verbreitet. Dazu sei vor allem festgestellt, dass die neue Konzessionsordnung am 1. Januar 1939 noch nicht in Kraft treten wird' Die,gesetzlich bestimmten Vollzugsorgane, Behörden und Verbände müssen die kommenden Monate noch zur Bewältigung umfangreicher und gründlicher Vorarbeiten benutzen, da eine überstürzte Inkraftsetzung mehr schaden als nützen würde und somit nicht verantwortet werden könnte. Der von sämtlichen an der Durchführung der ATO interessierten Verbänden und Organisationen neu geschaffene « Treuhandverband des Autotransportgewerbes » (TAG) wahrt die Interessen der Beteiligten und der künftigen Bewilligvmgsinhaber und wird in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden dafür sorgen, dass alle Interessenten frühzeitig davon benachrichtigt werden, wenn Meldungen abgegeben oder Bewilligungsgesuche eingereicht werden müssen. Von amtlicher Seite werden dem- Eröffnung des Winterthurer Trolleybusbetriebes. Die Umstellung vom Tram auf den Troleybusbetrieb, die sich in verschiedenen Städten anzubahnen beginnt oder bereits vollendete Tatsache ist, hat den Bundesrat im vergangenen September veranlasst, gewisse Bedingungen festzusetzen, welche der Tramführer erfüllen muss, um auch auf dem Trolleybus eingesetzt werden zu können. Darunter findet sich auch die — übrigens keineswegs umstrittene — Vorschrift, dass der Bewerber die Prüfung als Lenker schwerer Motorlastwagen für den Gütertransport bestanden und hernach während mindestens 80 Stunden unter Aufsicht einen leeren Trolleybus geführt haben müsse.... das alles, um den Städten die Überführung von Stfassenbahnen in den Trolleybusbetrieb « zu erleichtern >. Nachdem nun diese Voraussetzungen vom Fahrpersonal erfüllt und die Prüfungen überstanden sind, kann die Gemeinde Winterthur auf heute Mittwoch den 28. Dezember ihren Trolleybusverkehr offiziell aufnehmen. Am Dienstag nachmittag wurde die Tramlinie |iach Wülflingen endgültig eingestellt, die Strassenbahnleitung entfernt und die zweite Trolleybusleitung montiert. Um die Vorteile des Trolleybussystems noch besser auszunützen, hat die Direktion der Verkehrsbetriebe an den Fahrzeugen eine Anzahl der rascheren und bequemeren Beförderung dienende Neuerungen angebracht und gleichzeitig «zuhanden» der Passagiere einen Strauss von praktischen Winken für die Benützung der neuen Fahrzeugart publiziert Stvassen AUTOMOBIL-REVUE Wieder ein neues Alpenstrassenprojekt mit Tunnelanlage: Reussfal-Maderanertal-Rheintal. Die « Tunnelitis » grassiert unentwegt weiter: nicht genug an den 15 Projekten für den Bau von Autotunneln _dyjrch unsere^ Alpen hat sich ihnen kürzlich noch ein secff* zehnter hinzugesellt, als dessen Verfasser Ingenieur Hans Studer zeichnet. Um eine ganzjährig fahrbare und strategisch sichere Verbindung zwischen Zentralschweiz und Graubünden zu schaffen, schlägt er den Bau einer Strasse vor, die, von Amsteg ihren Ausgang nehmend, am rechten Uferhang des Maderanertales über Frenschenberg und Hinterbristen bis zum Hotel SAC führen, dort den Kerstelenbach überbrücken und zum Eingang des Brunnitals ansteigend, den Südfuss des Düssistocks in einem 3270 m langen Tunnel auf 1920 bis 1980 m Höhe durchstechen würde. Die südliche Tunnelmündung käme in den obersten Teil des Va Cavrein auf Bündnerseite zu liegen, von wo sich die Strasse gegen das Vorderrheinta senken und bei Compadiais, 5 km unterhalb Disentis, die Bündneroberländer Talroute erreichen würde. Bei einer Gesamtlänge von 35,3 km wäre nach den Studien des Projektverfassers mit einem Kostenaufwand von 25 Millionen zu rechnen. Aber Ingenieur Studer spannt den Rahmen seines Plans noch weiter. Als Ergänzung dazu sieht er die Erstellung einer Verbindung zwischen der Einmündung der Sustenstrasse in Wassen und dem westlichen Ausgangspunkt der Düssistockstrasse bei Amsteg vor, wobei ihn die Absicht leitet, «die einzige sichere, strategische West-Ostverbindung hinter dem Aufmarschraum unserer Armee herzustellen», vorausgesetzt dass es gelänge, die Sustenstrasse auch noch auf ganzjährige Befahrbarkeit auszubauen. «Der Vorschlag einer Strassenverbindung aus der Zentralischweiz nach dem Bündner Oberland » — so schliesst Ing. Studer seine Bemerkungen — « verleiht auch dem Projekt iner Imksufrigen Vierwaldstätterseestrasse rhöhte Bedeutung, da sich damit eine weitere Wünsehbarkeit, ja Notwendigkeit einer Entlastung der Axenstrasse ergäbe. » Kaum war das neue Projekt ins Rampenlicht der Oeffentlichkeit getreten, umwehte es auch schon der Wind der Opposition. Nicht ganz zufällig erhob er sich im Kanton Schwyz, wo man den Plan als Konkurrenz zur Prageistrasse 'empfindet, dazu angetan, den Bau der linksufrigen Vierwäldstätterseestrasse oder des Titiisdurchstichs sicherzustellen. Was bereits eine Polemik entfacht hat, denn auf der Gegenseite beeilt man sich, diese Auslegung als unstichhaltig hinzustellen und mit Nachdruck darauf zu verweisen, dass sich der Projektverfasser ausschliesslich von gesamtschweizerischen Interessen habe leiten Jassen. Aber auch wenn man an dieser Grundeinstellung nicht herumdeuteln wollte, lässt sich die Frage nicht ganz unterdrücken, ob es im gegenwärtigen Moment, Wenn sich aber der Bundesrat vernehmen lässt, die militärischen Instanzen hätten je und je für eine Verjüngung und normale Entwicklung des Lastwagenparks befürwortet — wie konnte es dann geschehen, dass hohe,, sachlich hervorragend: qualifizierte Offiziere, welche sich für die Erreichung gerade ,4i.e5e.s. ?J Ziels, d. h. für, eine von .dem Bremsklotz « Rücksicht auf die Bahnen» befreite Entwicklung des motorischen Strassenverkehrs in aller Oeffentlichkeit einsetzten, zum Schweigen gebracht und. obendrein noch von einem gewissen, hundertprozentig, bahnfreundlichen Ständerat in einer Art und Weise apostrophiert werden durften, die jedem parlamentarischen Ton Hohn sprach? Wo blieb da die schützende Hand der militärischen Stellen, die doch alles Interesse daran haben mussten, dass die Erkenntnis der Gefahren, welche unserer Landesverteidigung ans der Drosselung des Strassenverkehrs zugunsten der Schiene drohten, ins Volk hinausgetragen würde? Was der bundesrätliche Bericht zum Thema Heeresmotorisierung sonst noch zutage fördert, entpuppt sich in der Hauptsache als MITTWOCH, 28. DEZEMBER 1938 — N° 104t ERSCHEINT WIEDER WIE ÜBLICH AM KOM- MENDEN DIENSTAG (3. JANUAR 1939). da die Prageistrasse als Zufahrt zu der Verbindung Glarus-Graubünden erhöhte Bedeutung erlangt, opportun war, mit dem neuen Projekt herauszurücken. Aus cBen l^anlonen Um die Zürcher Verkehrsgesetzinitiative. Vor bald anderthalb Monaten wurde Ton massgebender behördlicher Seite an einer stark besuchten Automobilistenversammlung in Zürich erklärt, die Prüfung und abschliessende Behandlung der von der kantonalen Strassenverkehrsliga eingereichten Verkehrsgesetz-Initiative sei soweit gediehen, dass die Verbände in ca. 14 Tagen über die Stellungnahme der zuständigen Behörden orientiert werden können. Nach Adam Riese hätte diese Aufklärung um den 25. November herum erfolgen müssen und sind schon wieder mehr als Tier Wochen verflossen und noch immer hüllt sich das Kaspar-Fsoher-tHaus in Schweigen. Zusicherungen sind dazu da, um eingehalten zu werden. Es war« daher an der Zeit, dass die kantonale Polizeidirektion Jen Verkehrsinteressenten darüber Aufschluss gibt, was man zu tun gedenkt. Will man das Volksbegehren schlankweg ablehnen, steht eine akzeptable Gegenvorlage des Regierungsrates in Aussicht oder soll die Angelegenheit auf die lange Bank geschoben werden? Ueberall in der ganzen Schweiz gewähren die Kantone den Motorfahrzeugbesitzern finanzielle Erleichterungen, nur in Zürich ist es noch nicht soweit, weil sich gie Motorfahrzeugbesitzer vor wenigen Jahren erlaubt haben (!), das völlig untaugliche kantonale Verkehrsgesetz zu verwerten. Die S7.000 Zürcher Stimmberechtigten, welche die Initiative unterzeichneten, haben 3aa Recht, zu verlangen, dass ihr Begehren endlich mit dem nötigen Schneid behandelt wird. Wenn man nicht verhandeln will, so sorge man wenigstens dafür, dass die Volksabstimmung 60 rasch als möglich stattfinden kann. V Was wird für die Heeresmotorisierung getan ? Schluss von Seite 1. 3)ie nächste Thimmet dex A.BÜL eine Wiederholung bereits bekannter Thesen und Versprechungen. Die Vorlage für die Gewährung von Erleichterungen für armeetaugliche Lastwagen, deren Grundgefüge, nach dem vagen Wortlaut zu schliessen, offenbar noch nicht einmal klar umrissen ist, stand schon seit einiger Zeit in Aussicht. Urh ein entscheidendes Stück scheint sie allerdings inzwischen nicht vorangekommen zu sein, denn die Ankündigung, sie werde «demnächst» vorgelegt, klingt bemerkenswert unbestimmt und unverbindlich. Soll damit etwa jenen, die aus banger Sorge um die Kriegstüchtigkeit unserer Armee heraus den Ruf nach Taten, nach ganzen Lösungen erhoben, abermals eine Beruhigungspille verabreicht werden, auf dass man weiter «prüfen» und «erwägen> könne? Stark nach Erdauerungstendenzen riecht übrigens auch der Satz, der Bundesrat werde über die Beschaffung von Lastwagen für Gepäckstransporte und von andern Spezialwagen Vorschläge unterbreiten. So bleibt als einziger greifbarer Effekt eigentlich nur die Zusage der Umorganisation des Wagenpersonals im Mobilisationsfalle, die — und dabei möchten wir die Behörden behaften — auf nächstes Frühjahr durchgeführt sein wird. F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 1. Fortsetzung. Don Aguillar knallt mit der Peitsche und Romeo trottet gehorsam auf seinen vorbestimmten Platz. Der Dompteur verneigt sich. Diesmal ist der Applaus nicht so stark wie vorher. Die Vorstellung ist zu Ende und schliesslich — es ist nichts passiert. Für manche ist das wohl eine Enttäuschung. « Na ja », denkt der Radschä verständnisvoll und merkt gleichzeitig erstaunt, dass Law neben ihm ein Stöhnen unterdrückt. Was hat der Mann nur ? Durch seinen Verkehr mit Engländern ist der Inder genügend geschult, um gerade jetzt nicht aufzusehen. Aber auch ein Blick in die Manege belehrt ihn genügend. Don Aguillar verneigt sich noch immer. Dabei hält er mit einem Auge die Tiger im Schach — das andere Auge aber ruht auf Muriel d'Andrade. Und sie lächelt zurück. Deutlich und unverkennbar lächelt sie diesem Tierbändiger in seiner bunten Livree freundlich und einverständlich ziu. « Armer Sir Andrew », denkt der Radscha, « an diese Landsmännin Ist deine Fürsorge verschwendet. Ich glaube nicht, dass sie deines Schutzes in diesem leichtfertigen Babel bedürftig ist. » Major Läw hat sich mit grosser Energie von dem unangenehmen Anblick losgerissen und schaut mit höchstem Interesse in sein Programm. « Wenn es Hoheit recht ist >, murmelt er, « könnten wir hinausgehen und uns etwas bewegen. Es ist die grosse Pause.» « Sehr gern», erwidert der Fürst sofort und erhebt sich bereitwillig. In den Couloirs staut sich das Publikum. Viele Kleinbürger aus den Vorstädten, Vater, Mutter und die landesüblichen zwei Kinder drängen sich zum Büffet und zu den Ställen. Bei aller Hast bleiben sie höflich und zuvorkommend, Bürger einer Weltstadt von ältester Kultur. Die Fremden, die auch ziemlich zahlreich anwesend sind, beneiden sie im stillen um das graziöse, pariserische Französisch, das ihnen das Geschick in die Wiege gelegt hat. Der Radscha und Sir Law lassen sich scheinbar absichtslos im Strome treiben. Dabei warten beide gespannt darauf, ob nicht vielleicht eine schöne Britin mit rotblondem Haar in ihrer Nähe auftauchen wird. Doch sie blicken vergebens nach ihr aus. Sobald der letzte Tiger den Laufgang betreten hat, ist Muriel d'Andrade aus ihrer Loge verschwunden. Im Gang erwartet sie ein etwas verwachsener, stiernackiger Mensch in der Zirkusuniform, der sie ohne viel zu fragen durch eine Tür mit der Aufschrift « On ne passe pas » auf kürzestem Wege zu den Garderoben der Artisten führt. Unterwegs nimmt Madame d'Andrade verstohlen ihr parfümiertes Seidentuch an die Nase. Von ihrem Führer geht ein merkwürdig scharfer, durchdringender Geruch aus. « Er riecht nach Tiger», denkt Muriel und trifft damit durchaus das Richtige. Mit höflichem Grinsen öffnet ihr der Mann die schmale Tür einer winzigen Garderobe und macht sich davon. Er wartet nicht einmal das Trinkgeld ab, das Muriel ihm geben will. Der Raum, den Don Juan Aguillar innehat, ist keine Stargarderobe, vielmehr ist er es doch, nur sieht er nicht so aus. Ein halbblinder Spiegel mit dem Schminktisch davor, ein klägliches Sofa, ein wackliger Stuhl und ein paar Haken mit Kleidungsstücken an der Wand, das ist alles. Muriel d'Andrade sieht sich ohne Befangenheit, rasch und gründlich in dem Zimmerchen um, dessen Herr noch nicht da ist. Es fällt ihr auf, dass Don Aguillar nichts getan hat, um den Raum wohnlicher zu gestalten, kein Bild ist zu sehen, nicht einmal das übliche Damenphoto auf dem Schminktisch. Nach dem ersten Ueberblick überlegt Muriel gerade, was sie nun weiter tun soll, als sich die Tür geräuschlos öffnet und Don Aguillar erscheint. Im Rahmen der kleinen Tür wirkt er noch grösser und prächtiger als in der Manege, obwohl ihm in der Nähe die Anstrengung der vollbrachten Arbeit anzumerken ist. Einen Augenblick lang sehen sie sich gespannt in die Augen, der Mann mit dem geraden, kühnen Blick des gebornen Abenteurers, die Frau mit dem erfolgsicheren Lächeln der gefeierten Schönheit. Doch das währt nur einen Moment. Dann lassen sie die Masken fallen. Aguillar fährt sich mit der Hand über die Stirn, als wollte er die Anstrengung dort fortwischen, Muriels Lächeln wird menschlich und teilnehmend. «Ich komme Ihnen gewiss ungelegen», bemerkt sie entschuldigend in ihrer Muttersprache. «Keineswegs, Madame », erwidert Don Aguillar sofort in einem freilich nicht ganz einwandfreien Englisch, «durchaus nicht. Ich war im Gegenteil bei Beginn der Vorstellung in Sorge, Sie würden etwa gar nicht kommen.» «Ich bedaure ungemein, den Anfang Ihres Dressuraktes versäumt zu haben » sagt Muriel höflich, « er ist so wundervoll und interessant, aber —» < O, nicht bitte ! > Don Aguillar fegt mit einer Handbewegung seine Tiger und Madame d'Andrades Komplimente beiseite. « Es ist wirklich nicht Artisteneitelkeit. Es steht mehr auf dem Spiel. _ Haben Sie die Papiere mitgebracht?» « Leider noch nicht, Don Agufllar, ich — mein Mann — > « Wie ? ! » Plötzlich hat der Mann sein Dompteurgesicht. Seine Stimme wird nicht laut, aber sie klingt so drohend, dass Muriel zurückweicht. « Wie ? ! Sie haben die Kanossemente nicht bei sich ? » « Don Aguillar 1 » sagt Muriel mahnend. Die hypnotischen Augen des Raubtierbändigers sind ihr nicht angenehm, aber sie gestattet sich keine Schwäche. «Don Aguillar, ich hoffe, Sie werden nicht vergessen, dass Sie mit einer Dame sprechen ! » (Fortsetzung folgt.)

N° 104 — nrrrrwooH, Ä DEZEMBER ISS* AUTOMOBIL-REVUE S Zum schweizerischen Sportkalender 1939 (Veröffentlicht In Nr. 102 vom 20. Dezember.) Sieht man von den drei internationalen Veranstaltungen — der Sternfahrt nach Montreux für Autocars, dem Grossen Preis der Schweiz in Bern und dem Grossen Landesausstellungspreis in Zürich — ab, so figurieren auf dem schweizerischen Termin für 1939 neun Wettbewerbe, denen rein nationaler Charakter zukommt. Man darf also mit Genugtuung .feststellen, dass unser einheimischer Automobilsport in quantitativer Hinsicht wieder im Aufschwung begriffen ist tind die Fahrer werden sich demnach nächstes Jahr nicht über eine ungenügende Zahl von nationalen Sportanlässen zu beklagen haben. Die « sieben mageren Jahre >, in denen die nationale Sportkommission alle Mühe hatte, einen befriedigenden Kalender zusammenzustellen, dürften somit der Vergangenheit angehören. Von den neun nationalen Veranstaltungen zählen acht für die Schweizermeisterschaft 1939. Die Auswahl wurde sehr reichhaltig getroffen : das « Menü > weist 4 Bergrennen, 3 Zuverlässigkeitsfahrten und 1 Rund- Streckenrennen auf. Da muss ja selbst dem aktivsten und verwöhntesten Autosportler das Herz im Leibe lachen. Der Reigen der Wettbewerbe wird am 4. März mit der Schnee-Sternfahrt zum Genfer Salon eröffnet. Das letztjährige Reglement dürfte sich ziemlich bewährt haben, hingegen sollte verlangt werden, dass vor dem Start und nach Beendigung der Fahrt ein genauer Befund des Wagenzustandes aufgenommen wird. Für beschädigte Fahrzeuge sind unbedingt Strafpunkte in Anrechnung zu bringen. Besonderes Gewicht wäre auch auf die Freilegung der Bergstrassen zu legen, damit sich die Konkurrenten nicht gegenseitig behindern. Ein unbeschriebenes Blatt ist der Neuling unter den Bergrennen, die Bergprüfungsfa'hrt Valangin-Vue-des-Alpes vom 11. Juni. Valangin ist 654 m hoch gelegen — der Passtibergang der Vue-des-Alpes 1288 m, so dass also der Höhenunterschied bei einer Durchschnittssteigung von ca. 6,3 % 634 m beträgt. Was die Kehren anbetrifft, so Stellt die 10 km lange Strecke keine allzu grossen Anforderungen. Die Kurven sind eher rar und das erreichbare Stundenmittel dürfte recht hoch ausfallen. Man kann diesem Rennen auch einen guten Publikumserfolg voraussagen, sind doch die Ueberblickmöglichkeiten ausgezeichnet. Die Schweizerische Gelände- und Orientierungsfahrt, die letztes Jahr über die Neuenburger Jurasträsschen führte, soll nun mit dem Auto-Ski-Meeting von Gletsch verbunden werden. Ob diese Neuerung als glücklich bezeichnet werden kann ? Zweck und Reiz einer Geländefahrt liegen in der Führung der Prüfungsstrecke über wirklich giftige, schwer- zu befahrende Nebensträsschen, die aber im Alpengebiet zum grössten Teil fehlen, so dass der Wettbewerb eher in eine Alpenstrassenfahrt en miniature ausarten dürfte. Da die organisierende AGS-Sektion noch nicht feststeht, ist es auch noch unbestimmt, ob die Anfahrt nach Gletsch von Altdorf oder von Meiringen her erfolgt. Wir hoffen sehr, dass für die Geländefahrt ein geeignetes Terrain gefunden wird; Entlebuch und Emmental wären z. B. für eine wirklich schwierige Gelände- und Orientierungsfahrt ein geradezu prädestinierter Tummelplatz. Die Bergrennen Develier-Les Rangiers und Rheineck-Walzenhausen-Lachen waren stets Kommende Ereignisse | Internationaler Sportkalender 1939. (R-IF «= Rennen nach der int. Grand-Prix-Fonnel; R = Rennwagen; S = Sportwagen; T =• Tourenwagen; GRANDE EPREUVE.) Januar. 2. Südafrika: V. Grosser Preis von Südafrika In East London (R). 14. Südafrika: III. Grosvenor-Grand-Prix In Kapstadt (R). 17.—25. Monaco: XVIII. Internationale Sternfahrt nach Monte Carlo (T). 27.-29. Frankreich: Wintersternfahrt nach Lyon(S). beste Marke und werden ohne Zweifel auch 1939 eine ihren Vorgängerinnen würdige Wiederholung erfahren, ebenso wie das nationale Rundrennen um den Preis vom Bremgarten, das für die angehenden schweizerischen Rundstreckenfahrer eine willkommene « banc d'essai» bildet. Wenn es möglich sein sollte, die drei Fahrzeugkategorien — Touren-, Sport- und Rennwagen — in getrennten Läufen starten zu lassen, so dürfte der Erfolg noch eklatanter ausfallen, selbst wenn für die ersten beiden Kategorien die Distanz etwas verkürzt werden müsste. — Das «Bernina-Ersatz »-Bergrennen am Maloja dürfte an Anziehungskraft noch gewinnen, Aviatische Chronik 1938 An der Jahreswende wollen wir auch heuer wieder einen chronologischen Rückblick auf die wichtigsten epochemachenden fliegerischen Ereignisse in den vergangenen 12 Monaten werfen. 20. Januar: 127 Mann in 18 « Consolidated >- Bombenflugzeugen überqueren den Pazifik von Kalifornien nach H a w a i (4100 km in 20:22). 24.—25. Januar. B. Mussolini, Biseo und Moscatelll (I) travereieren in Savoia-Marchetti-Flugzeugen den Südatlantik von Rom nach Rio de Janeiro mit Zwischenlandung in Dakar in 39:17. 30. Januar: Eine Air-France-Maschine fliegt den London-Pari«-Kurs in 56 Minuten = 350 km/St. 10. Februar. Die Strecke Edingburgh- griffig wem man sich in Anbetracht der kurzen Strecke (5,2 km) zu einem Doppelstart entschliessen könnte, wobei für die Klassierung die bessere Zeit gültig wäre. « Der Himmel hängt voller Geigen » werden sich die schweizerischen Fahrer für die 1939er nationalen Wettbewerbe sagen dürfen. Hält noch das Meisterschaftsregilement Hi elastischer Weise das Interesse wach, so wird man der Entwicklung des schweizerischen Automobilsportes im kommenden Jahr ein günstiges Omen stellen dürfen. V Automobilrennen in Abessinien. In Asmara wurde am Weihnachtstage das erste erithräische Rundrennen für Sportwagen mit und ohne Kompressor ausgetragen, an dem einige bekannte italienische Piloten teilnahmen. Resultate: Wagen mit Kompressor: 1. Romano (Alfa Romeo 2800) 1:06:07,8 = 98,723 km/St; 2. D'Agata (Alfa Romeo 2600) 1:13:26,2; 3. Evangelista (Alfa Romeo 1750). Wagen ohne Kompressor: 1. Gaj (Maserati 1100) 51:26,2 = 84,891 km/St.; 2. Bigi (Fiat Balilla) 53:22,4 = 81,546 km/St. London wird von einem Hawker-« Hurricane »- Kampfflugzeug in 48 Minuten = 658 km/St, durchrast. 44.000 Kilometer in 11 Tagen. 15.—26. März: Clouston und Ricketts (OB) erledigen die 44,000 km lange Distanz England- Neuseeland-England auf einem De Haviland-COMET» in 10 Tagen 21 Std. 22 Min. 22. März: Die Strecke B a thn Bst-Bahia wird von Tonini und Klinger (I) auf einem Wasserflugzeug in 12:42 bewältigt 27.-29. März: Das Dornier-Flugboot DO-18 legt nach einem südöstlich von Plymouth erfolgten Katapultstart den 8392 km langen Parcours nach Caravellas (Brasilien) nonstop in 43:05 zurück und stellt einen neuen Distanzrekord für Wasserflugzeuge auf. .31. März: Stoppanl (I) erreicht im Luftraum von Neapel auf einem Wasserflugzeug CANT-Z 509 und zuverlässig! mit 2000, 1000, 500 kg tmd ohne Nutzlast über 1000 Kilometer 403,424 km/St, und über 2000 km 399,694 km/St Sportflugzeugrekord Australien-England. 17. — 22. Aipril: Der Langstreckenepezialist Broadbent (GB) drückt den Australien-England-Rekord im Sportflugzeug von 5 Tagen 18 St. 15 Min. auf 5 Tg. 5 St. 22 Min. 13.—14. Mai: Mlle. Elisabeth Lyon (F) verbessert durch einen Raid von Istr«s nach A b a - d a n (Arabien) den Distanzrekord für Frauen auf 4150 km. 15.—16. Mai: Mme. Dupeyron (F) fliegt von 0 r a n nach Tel el Aham am Persischen Golf und schraubt den vorerwähnten Rekord auf 4360 km. 18. Mai: Ein Tatra-T 101-Flugzeug der 4-Liter- Kategorie mit Major Ambruz (CS) an Bord schafft die 4340 km lange Distanz Prag-Khartum in 26K Std. — Neue Rekordzeit. 4. Iuni: Ein Junkers-Aeroplan, Typ « Grosser Dessauer », steigt mit 5000 kg Nutzlast auf 9312 m. 634 km/St, im Aeroplan ! 6. Juni: Ein Heinkel-Jagdeinsitzer mit Udet (D) verbessert zwischen Rostock und Warnemünde den Sehnel1igkeitsrekord für Aeroplane über die 100-km-Strecke auf 634.370 km/St 8. Juni: Rossi und Vigroux (F) fliegen in Istres auf einem Amiot-370-Flugzeug über 5000 km mit 400,810 km/St, neue Bestzeiten mit 1000, 500 kg und ohne Nutzlast heraus. 21. Juni: Die Strecke Bremen-Berlin (230 km) wird von Dipl.-Ing. Bode im Hubschrauber ohne Zwischenlandung zurückgelegt und der Rekord dadurch um 212 km verbessert. 7—8. Juli: Ein Vickers-Wellesley-Kampfflugzeug- Viererverband verbindet G r a n w e 11 mit I s m a i 1 a am Suezkanal auf Umwegen über 6920 km in 31:55. Weltrundflue in 91 Stunden. 11.—14. Juli: Howard Hughes (USA) auf Lockheed-14 unternimmt ab New York einen Weltrundflug mit Zwischenlandungen in Paris (das er in 16:35 erreicht), Moskau, Omsk, Jakutsk, Fairbanks und Minneapolis. Die 23 000 km betragende Distanz wird in 3 Tg. 19 Std. 16 Min., wovon 72 Effektivflugstunden, gemeistert. 17. Juli: Der Russe Kartachew segelt von Moskau nach Uschnia; der neue Segelflug-Distanzrekord kommt auf 640 km zu stehen. < Aus Versehen » über den Ozean. 17.—18. Juli: Corrigane (USA) gondelt mit seiner 9 Jahre alten «Gurtiss>-Robin-Kiste «aus reinem Versehen» statt von New Y o r k nach Kalifornien in 28:13 über den Nordatlantik nach Dublin. 10.—14. August: Der Focke-Wulf-«Condor» mit Pilot Henke (D) benötigt für die Nonstopflüge B e r - lin-New York 24:36 und New York-Berlin 19:55. 20. August: Hughes (USA) saust in 10:34 = 388 km/St über die 4100 km lange Strecke G1 e n - d a 1 e (Kai) -New York, und zwar in 9000 m Höhe. Russischer Langstreckenrekord für Frauen. 24. August: Der Distanzrekord für Frauen im Landflugzeug muss neuerdings weichen, indem die Russinnen Ossipenke und Raskowa ab Moskau 5947 km durchmessen und in Kamtschatka niedergehen. 3.—t. September: In Basel werden die Schweiz. Kunstflug me isterschaften ausgetragen. Siegerin bei den Sportfliegern ist Frau Hutton, Zürich, und Erster bei den Militär- und Berufspiloten Oblt. Fischer, Zürich. 5. September: Das im Rahmen der Nationalen Luftrennen in Cleveland (USA) stattfindende Thompson-Trophy-Race über 482 km 700 wird von Roscoe Turner mit 462,188 km/St, gewonnen. 11. September: Das in Lüttich gestartete Gordon-Bennet-Wettfliegen für Ballone wird zu einer Beute Polens, dessen Piloten Janusz und Janisz auf «Loop» 1650 km hinter sich bringen und in Trojan (Bulgarien) niedergehen. Jungfernfahrt des neuen Zeppelin. 14. September: Von Friedrichshafen aus unternimmt das neue, 245 m lange und mit 4 Daimler- Benz-Motoren zu 800 PS ausgerüstete Luftschiff LZ 130 «Graf Zeppelin» seine Jungfernfahrt. 6.—8. Oktober: Der Rekord des Do-18 wird vom englischen Flugzeug «Mercury» überboten, das auf der Höhe von D u n d e e seine Muttermaschino «Maya» verlässt und zwischenlandungslos bis zur Orange-Mündung in Südafrika durchhält. 9700 km in 42:06. 17 km hoch im Landflugzeug. 22. Oktober: Oberstlt. Pezzi (I) steigt in einem Caproni-Doppeldecker auf 17 083 m und beglückt somit die Welt mit einem neuen Flugzeughöhenrekord. 27. Oktober: Ein amerikanischer Jagdeinsitzer mit Lt. Kelsey flitzt von Dayton nach Buffalo mit einer Geschwindigkeit von 569,508 km/St. 30. Oktober: Der erste transkontinentale Nonstopflug eines 4-motorigen, 24 t schweren, mit einziehbaren Schwimmern ausgerüsteten Flugboot- Bombers von San Diego nach Washington wird mit 13:55 homologiert. Absoluter Distanzrekord : 11.526 km. 5.—7. November: Ein Vickers-Wellesley-Bomber mit den Piloten Kellet, Gethina und Gaine (GB) erreicht ab I s m a i 1 a am Suezkanal ohne Zwischenlandung Port Darwin in Australien und stellt einen neuen absoluten Weltdistanzrekord auf die Beine: 11526 km in 48:05. 21. November: Ziller (D) besichtigt sich die Welt im Segelflugzeug aus 8600 m Höhe. (Startüberhöhung 7000 m.) 28.—30. November: Der Focke-Wulf-«Condor» verbindet Berlin mit Tokio in 46:37 und bucht gleichzeitig einen neuen Berlin-Hanoi-Rekord mit 34:13. 30. November bis 1. Dezember: Erstmals wird der nordamerikanische Kontinent im Sportflugzeug überquert, und zwar von Jonny Jones in einem Aeronca-Continental 50 PS in 30:49. Benzinverbrauch: 530 Liter auf 4100 km. 4. Dezember: Oberst Tondi (I) auf einem S-79- Bomber kommt im Räume Montecelio-Neapel mit 2000, 1000, 500 kg und ohne Nutzlast über 2000 km auf 468,811 km/St, und über 1000 km mit 2000 ig auf 472,825 km/St. 9.—11 Dezember: Boedeeker und Zander (D) bleiben 50 H Stunden in der Luft und überbieten damit auch den Dauerrekord für Einsitzer-Segelflugzeuge.