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E_1939_Zeitung_Nr.006

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geeigneter Lastwagen

geeigneter Lastwagen alle möglichen Vergünstigungen eingeräumt; ferner schafft der Staat selbst Fahrzeuge in grossen Mengen an. So sieht das Budget der Reichsbahn für das laufende Jahr den Ankauf von 8000 Lastwagen vor, wobei bekannt ist, dass diese Fahrzeuge grösstenteils für Armeezwecke verwendet werden sollen. Im Gegensatz zu diesen Verhältnissen bei unserm nördlichen Nachbarn müssen wir bei uns bekanntlich die wenig erfreuliche Feststellung machen, dass der Lastwagenbestand nicht einmal ausreicht, um die Bedürfnisse der Armee zu decken und dass für die Bereitstellung eines ausreichenden Wagenparks für Kriegswirtschaft und Landesversorgung überhaupt noch keinerlei Vorkehrungen getroffen worden sind. Es ist bekannt, dass der Kriegswirtschaft im Notfäll nur wenige hundert alte Lastwagen abgetreten werden können, dazu einige tausend Liefer- und Bestellwagen mit weniger als 1 t Tragkraft. Als unbedingtes Erfordernis der schweizerischen Verkehrspolitik hat der Leitsatz zu gelten: neben der Anpassung des Eisenbahnnetzes an die Anforderungen der Landesverteidigung hat eine Entwicklung der Motorisierung in einem Ausmass einherzugehen, die sowohl den Bedürfnissen des Heeres wie der Kriegswirtschaft Rechnung trägt. Das eine tun, das andere nicht lassen! Unsere Armeebehörden fordern eine grösserer genügende Zahl von militärtauglichen Fahrzeugen. Auf dieses Urteil der Fachleute muss man abstellen und nicht auf die Wünische jener Kreise, die im Automobil nichts anderes als eine unbequeme Konkurrenz zu sehen vermögen und der Auffassung huldigen, der Ausbau der Bahnen könnte im Ernstfalle eine genügende Verkehrsleistung gewährleisten. Strassen und Verkehr Gefahren des Glatteises. c Schon wieder dieses abgedroschene Thema? Jedes Kind weiss doch nachgerade, dass...» '— Gemach, gemach. Wenn schon ein jeder -weiss, welche ganz besondere Bewandtnis es mit dieser Tü. Sei es nun aus finanziellen Gründen oder seiner Liebe für das freie Leben in der offenen Natur, sicher ist, dass der Amerikaner auf seinen Reisen das Hotel immer mehr meidet. So ist ihm heute das «Auto- Camp » zu einer zweiten Heimat geworden. Ein solches Autlerlager bildet einen nach aussen abgeschlossenen Parkplatz, dessen breite Einfahrt oft bunt dekoriert in grossen Lettern den Namen des Camps verkündet, die zuweilen mit parkähnlichen Anlagen und künstlerisch raffiniert ausgedachten Beleuchtungseinrichtungen versehen sind. Niedliche Wohnkolonien aus einräumigen Kabinen mit Feuerstätte, Bettstellen usw. ausgestattet, stehen dem müden Autler für wenige Cents zur Verfügung. Das moderne Auto-Camp besitzt neben Benzintankstationen auch Spezereiläden,Telephonanschluss, Postverbindung und Speiselokale. Touristen, die ihre eigenen Zelte errichten, eigene Kochapparate und Bettstellen mitführen, zahlen dementsprechend weniger Lagermiete. Ist das Lager nicht überfüllt, so kann sich jeder Neuankömmling seinen Biwakplatz selber aussuchen. Auch in hygienischer Hinsicht ist trefflich gesorgt. Fliessendes Trinkwasser, technisch vollendete Toiletteneinrichtungen, Duschen und reizende Badeanlagen wirken oft als Hauptanziehungspunkte des Auto-Camps. Dabei fehlt es ebensowenig an Spiel- und Turnplätzen für Kinder und Erwachsene. Kluge und weitsichtige Besitzer haben sogar eine Lautsprecheranlage installiert, um dem kampierenden Touristen die neuesten Meldungen zu übermitteln oder ihm persönliche Mitteilungen zukommen zu lassen. Eine beträchtliche Anzahl der heutigen Automobilisten Amerikas gehören zu den sogenannten f Auto-Tramps». Sie haben ihren festen Wohnsitz endgültig aufgegeben und nomadisieren mit Kind und Kegel jahraus, jahrein von Camp zu Camp, Leute der oberen Zehntausend ebensogut wie pensionierte Beamte, Handwerker und Arbeiter, die dieses moderne Wanderzigeunerleben mit Behagen geniessen. Arbeiter- und Handwerkerfamilien treffen wir oft wochenlang im gleichen Camp, wo ihre Ernährer dann irgendwo in der Nähe Beschäftigung suchen. Ist wieder etwas Geld beisammen, so bricht man mit dem Wagen auf, neuen Zielen entgegen. Die Tramps haben es wie die Zugvögel: naht der strenge Winter, so ziehen sie in endlosen Kolonnen Florida oder Kalifornien zu. Steigt | umgekehrt die Hitze im Süden zur Unerträglichkeif, so eilen sie dem kühlen Norden und den Bergen zu. Prachtvoll gelegene Auto-Camps im Gebirge oder an den idyllisch gelegenen Küstenstrichen Neuenglands,. Floridas und Kaliforniens, in den Nationalparks und Bundeswaldungen erfreuen sich zum Teil das ganze Jahr einer regen Frequenz. Monatelang oft verweilen hier diese rastlosen Autler. Da rücken sie aus zu grossen Vereinheitlichung der Fremdenverkehrs-Werbung. Schluss von Seite 1. Nach der finanziellen Seite hin soll das Projekt eine Vereinfachung und Abklärung der bisherigen komplizierten Beziehungen bringen. Wegleitend bleibt dabei das Bestreben, die verschiedenen Finanzquellen an AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 20. JANUAR 1939 — N° Aus dem modernen amerikanischen Wanderleben Bergtouren, Jagd- und Forschungsexpeditionen in unwegsame Gebiete werden unternommen, oder man lässt sich vom heiteren Leben in den schönen Strandbädern treiben. Menschen erblicken das Licht der-Welt, müde Pilger sterben im Auto-Camp, andere wieder heiraten dort. Zuweilen schreitet das Verbrechen in die friedlichfrohe Stimmung der Lagerbewohner. Eine Schiesserei, die Endphase einer Verbrecherjagd, ein Liebesdrama schreckt das friedliche Reisevolk auf. Moralisch aber erzieht das Leben im amerikanischen Autler-Camp zur Sauberkeit. Man achtet seinen Nachbarn, seine Mitmenschen, hilft einander und kämpft gemeinsam gegen sittliche Auswüchse im Lagerleben. Und wie mannigfaltig und bunt ist die Gesellschaft zusammengewürfelt, die der Drang nach Freiheit und Naturnähe hier zusammenführt. Da treffen wir Typen aus allen möglichen Stationen des Lebens, aus allen Berufen und Ständen in einem wahren Kunterbunt. So begegnete ich z. B. auf meiner Reise nach Florida in der Nähe der Stadt Macon in einem solchen Auto- Camp einem New Yorker Kaufmann mit seiner vierköpfigen Familie, der einen gleissenden « Lincoln > sein eigen nannte, am verglimmenden Lagerfeuer im Gespräch mit einem ehemaligen Cowboy aus Kalifornien, dessen Transportmittel, ein alter Ford Modell 1919, wie ein Gespenst aus einem früheren Jahrhundert im Bannkreis des Feuerscheines stand. Der Kaufmann befand sich auf einer Ferienreise nach Texas unterwegs, der Cowboy aber gehörte zu den ruhelosen Autobummlern. Momentan, erzählte er, sei sein Reiseziel Florida, wo er bei der kommenden Kartoffelernte wieder ein Stück Geld verdienen könne, um später dem Golf entlang nach Mexiko zu spulen. Natürlich musste auch ich als Schweizer Rede und Antwort stehen, wobei der witzige Cowboy fragte, wie man in der Schweiz die Löcher in den Käse mache? Einen unverhofften Schluss des prächtigen Abends bereiteten uns aber die Frau und die zwei kleinen Töchter des reichen Handelsmannes, als sie uns mit einem schönen Saxophonkonzert aufwarteten. Lange nachdem Frau und Kinder in ihrem Zelte zur Ruhe gegangen waren, sassen wir drei noch in leiser Unterhaltung,' um die verglimmenden Gluten des Feuers. Unsere Wege werden sich wohl nie mehr kreuzen- vorsorglich hat aber jeder die Adresse der andern zwei als Erinnerung notiert. In dieser und ähnlicher Weise werden alljährlich Abertausende von Freundschaften im Auto-Camp geschlossen, die hin und wieder in späteren Jahren zu freudigem Wiedersehen führen. Hier im Auto-Camp trifft der kleine Mann auch seinen vom Glück mehr begünstigten Erdenbruder,, hier können sich beide ohne Zurückhaltung gegenseitig ihren Kummer vom Herzen reden. Das Camp ermöglicht es aber auch dem wenig bemittelten Volke bei s^br niedrigem Kostenaufwand seine grosse Heimat zu bewundern und ihre klimatischen Vorzüge zu geniessen und auszukosten. J. F. eine, voll zuständige und verantwortliche Zentralstelle zu leiten. Weil es sich jedoch gezeigt hat, dass die rund 4 Millionen, welche heute von den verschiedenen Instanzen ausgegeben werden, für die Durchführung eines auch nur einigermassen vollständigen Propagandaprogramms nicht ausreichen, wird das Einnahrnenbudget der Zentrale entsprechend deren Finanzbedarf auf 4,4 Millionen jährlich erhöht. Davon entfallen 350.000 Fr. auf die Kosten der Zentralverwaltung. 2.2 Millionen auf jene der Auslandsagenturen und 1,85 Mill. auf die Aufwendung für die Propaganda. An diese 4,4 Millionen leistet der Band einen festen Beitrag von 2,5 Millionen, wozu sich nach Massgabe der Beiträge aller übrigen Mitglieder wie Hotelierverein, private Transportanstalten, ACS, TCS, Luftverkehfusw. noch ein variabler Posten bis zu maximal 500.000 Fr. gesellt. Im einzelnen bietet sich für die Lastenverteilung folgendes Bild : Beitrag der SBB 400.000 Fr. , , PTT 250 000 » > > Hotelerio 250.000 » > » privaten Transportanstalten, Kantone, Gemeinden, Touristikverbände etc. 250.000 » Einnahmen aus kommerzieller Tätigkeit 500.000 » Fester Beitrag des Bundes 2.500000 » Variabler Beitrag des Bundes 250.000 » 4.400.000 Fr. Speist der Bund heute noch die nationale Fremdenverkehrspropaganda mit 800.000 Fr., so erhöht sich die Summe, die er der projektierten Zentrale für Verkehrsförderung zufliessen lassen wird, auf 3 Millionen, worin allerdings auch der Ersatz für jene 1,3 Mill. enthalten ist, welchen der Bund den SBB nach der Abtrennung des Agenturnetzes als bahnfremde Last abnimmti. < Recht bescheiden » im Vergleich zu den Bundessubventionen zugunsten anderer Wirtschaftszweige nennt die Botschaft diese Aufwendungen, gemessen an der Bedeutung des Fremdenverkehrs im Rahmen unserer Volkswirtschaft und im besondern für die Zahlungsbilanz unseres Landes (wozu wir dem Bundesrat nur restlos beipflichten können: 3 Millionen Bundesgelder jährlich für eine Wirtschaftsgruppe, worin Milliarden investiert sind — in der Hotellerie allein Milliarden, das ist auch jetzt noch keineswegs mit der grossen Kelle geschöpft. Red.) Die formelle Basis : eine öffentlich-rechtliche Einrichtung. Um, wie erwähnt, die neue Einheitsorganisation in den Rang einer öffentlich-rechtlichen Institution zu erheben, wird der Weg des Bundesbeschlusses beschritten. Er begnügt sich indessen mit der Regelung der grundsätzlichen Fragen und überlässt die Einzelheiten einem Organisationsstatut, das der Botschaft ebenfalls beigegeben ist und auch das Verhältnis zum Bunde bis ins Detail regelt. Vorgesehen ist die Wahl einer angemessenen Zahl von Bundesvertretern in die Verwaltungsorgane und die Bezeichnung des Obmanns der Geschäftsprüfungsstelle durch den Bund. Als Wahlinstanz des Präsidenten soll der Bundesrat amten: er behält sich auch die Bestätigung bei der Wahl des Direktors vor. Daneben müssen den SBB und der Post- und Telegraphenverwaltung eigene Vertretungen zugestanden werden. Bei der Einhaltung dieser Richtlinien für die Bestellung der Organe darf die Verbindung mit der Bundesverwaltung und die ständige Kontrolle durch das beauftragte Departement als hinlänglich gewahrt betrachtet werden. Dass im übrigen der ausserordentliche Kredit, den der Bundesrat im Landesverteidigungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Förderung des Fremdenverkehrs in Aussicht genommen und den der Nationalrat von 4 auf 6 Millionen erhöht hat, durch den Umbau und die Vereinheitlichung der Werbeorganisation in keiner Weise tangiert wird, versteht sich von selbst. dengeschäft. Die alten Stammgäste beginnen mit dem Seemann zu sympathisieren. Ob man ihm eine Partie Kümmelblättchen vorschlagen kann ? Der alte Hehler, der mit Meunier am Tisch sass, folgt dem Wirt hinaus. « Ich suche den Kapitän eines bestimmten Dampfers, der in einem kleinen, englischen Hafen ankern soll», erklärt er leise, « ioh suche ihn im Auftrag eines Dritten. Der Mann drin sieht so aus. Vielleicht ist er es. Biedre dich mit ihm an. Die Belohnung ist gut» « Ich werd's versuchen », verspricht Meunier. Als er den Whisky serviert, ist er ganz Lächeln. Er weiss einen guten Scherz zu würdigen. Zu diesem Whisky — echtem schottischen — ist der Herr sein Gast. Der Seemann hat nichts dagegen, dass der Wirt ihn traktiert und mit ihm trinkt. Da diese Landratte neugierig scheint, spinnt er ihr sein. Garn vor. Er kennt alle Küsten, alle Häfen und alle Spelunken, er war mit AI Capone auf du und du und er fürchtet den Teufel nicht. Da er laut und. ungeniert spricht, können ihn alle verstehen.- An sich ist nichts Ungewöhnliches an seinen Erzählungen, so etwas erwartet man von einem Manne mit einem Ohrring aufgetischt zu bekommen. Jedoch seine Hörer, Fachleute des Verbrechens und Lasters, erkennen an Kleinigkeiten, dass er nicht nur aufschneidet. Mancher von ihnen weiss Manches, was diese Prahlereien bestätigt. Stillschweigend* verzichtet man auf das Kümmelblättchen. Der Wirt versucht inzwischen alles, den Namen des Mannes und seines Schiffes zu erfahren, aber da beisst er auf Granit, er könnte mit demselben Erfolg eine Auster ausfragen. Und plötzlich geht die Tür auf. Ein Herr tritt ein. Ein richtiger Herr, genau wie die Engländer und Amerikaner, die sich Abend für Abend hier neppen lassen. Er geht auf den Seeman zu, der sich halb erhoben hat, klopft ihm die Schulter, sagt etwas Englisches und schickt dann den Wirt einfach fort. c Mein lieber Monsieur Meunier ». schnarrt er fast pariserisch, < bringen Sie mir eine Flasche Weisswein — nicht gesüsst und nicht geschwefelt! — und dann lassen Sie uns bitte allein ! » Das ist die Tonart, der der Wirt automatisch gehorcht. Mit einem bedauernden Blick auf den Hehler entfernt er sich, Auch der schlurft hinaus. Aber vorher macht er sich am Kleiderständer zu tun. Dort hängt der Hut des fremden Herrn und darin sind Buchstaben : Ch. d'A. Immerhin, denkt der alte Gauner, vielleicht kann man etwas daraus machen. Um die Ecke in einem Zigarrengeschäft ist ein Telefonapparat mit schalldichter Verkleidung. c Sie sind also glücklich vor Anker gegangen ? > fragt Charles d'Andrade in geflüstertem Englisch .seinen Trinkgenossen. < Of course ! » renommiert captain Toby Black, der sich gern den tollen Toby nennen hört. « Ich verstehe doch den Dreh. Sobald ich verstohlen die Ladung eingenommen hatte, ging ich zur Hafenbehörde und Hess meine Papiere tadellos in Ordnung bringen. Dann fuhr ich aus. Ein paar Seemeilen weiter lief ich in — > Unter dem warnenden Blick Charles verstummt captain Black, «in — hm, hm — in einen andern kleinen Hafen wieder ein, indem ioh eine leichte Beschädigung am Schiff vortäuschte. Mit der Ausbesserung sind wir noch beschäftigt. > «Sie können natürlich jederzeit ia See gehen ? *. < Selbstverständlich. Es ist doch nur emej Ausrede. > «Bisher hatten Sie keine Schwierigkeit mit der Hafenpolizei ? » « Ich ? Nein ! » Captain Black gibt sich den Anschein, als sei für ihn ein Zusammenstoss mit der Polizei geradezu unmöglich. Charles verschluckt ein Lächeln. Er weiss, welche Mühe es seine vorgesetzte Behörde kostet, den Eifer der örtlichen Ueberwachungsstellen zu dämpfen, die diesen biederen Renommisten hier sehr gern unter die Lupe nehmen würden. < Seien Sie trotzdem vorsichtig, captain >, warnt er eindringlich. «Bleiben Sie auf Ihrem Schiff und lassen Sie die Leute möglichst wenig an Land. Dass es keine Redereien gibt > « Wer unter captain Black fährt, wird sich hüten, zu quatschen.» Der Kapitän spreizt drastisch die rechte Hand, mit der in unsanfte Berührung zu kommen, tatsächlich für niemanden ein Spass sein kann. (Fortsetzung folgt.)

N°6 FREITAG, 20. JANUAR 1939 AUTOMOBIL-PEVUE lim die autamaUCtaucisUscfie Tüe^tmeistecschaft: 18. internationale Monte Carlo-Sternfahrt Im grossen und ganzen günstige Wetterlage. — 97 Konkurrenten in Palermo, Athen, Tallinn, Stavanger, Riga, Umea, Bucarest, John O'Groats und Glasgow gestartet. — Heute früh Start in Amsterdam. Wenn diese Zeilen am Freitagvormittag in Druck gehen, dann ist die alljährlich im Januar wiederkehrende automobiltouristische Weltmeisterschaft seit 72 Stunden in vollem Gange. Von der nördlichen, südlichen und östlichen Peripherie unseres Erdteils sind im Laufe des vergangenen Dienstag gegen hundert Automobilisten mit ihren Begleitern aufgebrochen, um als Teilnehmer an der 18. internationalen Sternfahrt nach Monte Carlo den europäischen Kontinent während 4 Tagen in allen Richtungen zu durchkreuzen und am Freitagmorgen um 734 Uhr gesellten sich zu diesen noch weitere 20 bis 25 Piloten, die in Amsterdam starteten, um am Samstag in der Zeit von 3.47 Uhr früh bis 12.32 Uhr mittags in Lyon zum Gros der Konkurrenten eu stossen. Die überaus schwere und heikle Aufgabe, deren Lösung von den Sternfahrern verlangt wird, ist bekannt. Es gilt, von einem der nachstehend aufgeführten acht Ausgangspunkte — Palermo (4091 km), Tallinn (3792 km), Umea (3632 km), Stavanger (3520 km). Athen (3773 km), Bukarest (3660 km), John O'Groats (3634 km) und Amsterdam (1452 km) — die französische Riviera auf einer genau vorgezeichneten Route anzufahren, wobei die Equipen von Kontrolle zu Kontrolle, unbekümmert um die herrschenden atmosphärischen Verhältnisse, um Schneestürme und Regengüsse, um Nebel und vereiste Straseen und andere Unbilden der Witterung eine durchschnittliche QzsdwxitidlqkeU von. 40 kmlst. innezuhalten haben. Dieses Stundenmittel, in •welches allfällige unfreiwillige Stops zu Reparaturzwe'cken oder durch auftauchende Hindernisse erzwungene Aufenthalte selbstredend einzurechnen sind, erfährt auf den letzten 1000 Kilometern vor dem Ziel, also je nach -dem gewählten Startort ab Brüssel, Ulm oder Pau eine Erhöhung auf 50 Kilometer, was auf offenen Strassen in Anbetracht der Jahreszeit schon .einem recht triskanten Rennen gleichkommt. Um die Härte dieser Anforderungen auch nur einigermassen richtig einschätzen zu können, braucht man sich einzig vorzustellen, was es für die Piloten heisst. während rund 100 Stunden ohne Rast noch Ruh am Steuer auszuharren, immprzu vorwärtszudrängen und dabei ständig darauf zu achten, dass das vorgeschriebene Tempo unter Berücksichtigung aller möglichen Eventualitäten auch ja eingehalten wird. Dass die Mitnahme von Ersatzteilen, von Werkzeugen, von Hilfsmitteln aller Art, wie Schaufeln, Pickeln, Zugwinden, Schneeketten, Emballage-Säcken usw. usw unerlässlich ist, um allen Ueberraschungen gewachsen zu sein, versteht sich am Rande. Trotz der gewaltigen Schwierigkeiten, die sich jedem Automobilisten und ganz besonders den Neulingen unter den Monte Carlo- Fahrern entgegentürmen, übt das Rallye doch Jahr um Jahr aufs neue unvermindert seine Anziehungskraft aus, so dass sich auch heuer wieder weit über 100 Piloten zur Teilnahme an dieser Mammutveranstaltung gemeldet und den beschwerlichen Weg unter die Füsse bzw. die Räder genommen haben. Es handelt sich ja .schliesslich bei dieser Konkurrenz um alles andere denn um eine begueme und genussreiche Spazierfahrt und so verdient jede Equipe für die von ihr bewiesene Willens- und Widerstandskraft, die zum Durchhalten an einem so Etrapazenreichen Wettbewerb notwendig sind, unsere uneingeschränkte sportliche Hochachtung. Dies gilt in besonderem Masse den verschiedenen weiblichen Autlerinnen, die um den Damen-Pokal kämpfen und unter denen die Französin Madame Itier auf Hanomag-Diesel die Fahrt in Athen sogar mutterseelenallein angetreten hat. Für die Teilnehmer, die ohne Strafpunkte bis ins Ziel durchgekommen sind (das Punkteguthaben wird pro Minute Verspätung an den. Kontrollstellen um V? Punkt vermindert; wer eine Gesamtverspätung von über 5 Stunden aufweist, scheidet automatisch aus), werden besondere JCCassemeHtspxüjkinQeti organisiert, um eine ex aequo-frele Resultatliste sicherzustellen. Diese Prüfungen fallen jedesmal recht giftig aus. Nummer 1 wurde, wie schon letztes Jahr, sinnig in die Fahrt eingeschaltet: Wenn diese Kontinentreisenden während rund 4 Tagen und 4 Nächten ohne Unterbruch am Volant geseseen sind, dann haben sie das Vergnügen, am Samstagvormittag zwischen 5.54 Uhr und 14.39 Uhr bei Grenoble, in den französischen Alpen, den letzten und zugleich schwierigsten Abschnitt der Veranstaltung in Angriff zu nehmen. Er führt über die bekannte Napoleonstrasse und ist in 5 Sektoren eingeteilt, die mit einer Geschwindigkeit von minimal 50 km/St, und maximal 60 km/St, zu bewältigen sind. Eine Knacknuss par excellence bietet im dritten. 12 Kilometer langen Sektor der Col de Leques mit seinen tückischen, nicht endenwollenden Haarnadelkurven und seinen durchwegs sehr starken Steigungen und dito Gefälle. Hier dürfte sich das Schicksal manches Rallyefahrers entscheiden. Nummer2 ist eine Start- und Beschleunigungsprüfung, die der Konkurrent mit sämtlichen Insassen, allem Gepäck und weitem Utensilien an Bord gleich beim Eintreffen am Ziel auf dem Quai Albert I. zu bestehen hat. Der Start erfolgt stehend und mit laufendem Motor, wobei es zuerst eine 200 Meter lange Strecke schnellstens zurückzulegen und dann mit den Vorderrädern des Wagens einen 12 cm breiten Eisenstab zu überfahren gilt. Hierauf ist der Rückwärtsgang einzuschalten und besagter Stab mit den Vorderrädern wiederum zu überfahren. Schlieeslich heisst es nach erneutem Hineinschmeissen des Vorwärtsganges die verbleibenden 100 Meter «möglichst umgehend» zu erledigen, womit die Prüfung beendigt wäre und der Wagen im geschlossenen Park bis Sonntag zu «garaga«ren» ist. Zu dieser Prüfung bleibt noch nachzutragen, dass jedesmal nach erfolgtem Ueberfahren des Eisenstabes durch die Vorderräder an einem eigens hiefür konstruierten Apparat ein Licht aufleuchtet. Damit wollen die Organisatoren jede Möglichkeit eines unliebsamen Zwischenfalls, wie er letztes Jahr passierte, im vorneherein aus der Welt schaffen. Damals wurde der Franzose Lebegue auf Talbot aus dem ihm sicher winkenden ersten Platz im Geeamtklassement auf den 20. Rang versetzt, weil er bei dieser Klässementsprüfung die aufgemalte Linie nach einem Bericht des kontrollierenden Kommissärs nicht überfahren hatte, während Letiegue das Gegenteil behauptete. — Am Sonntag findet, wie bemerkt, die Prüfung der Wagen auf Herz und Nieren statt, bei welcher Gelegenheit für fehlende Teile, wie Scheinwerfer, Rückspiegel usw. und für nicht mehr funktionierende automatische Anlagen, wie Anlasser, Warnsignal usw., Strafpunkte berechnet werden. Auch Differenzen in der Karosserie mit den im Katalog enthaltenen Angaben werden bestraft, ist es doch Vorschrift, dass die teilnehmenden Wagen. Serien- I massig mindestens in 30 Exemplaren konstruiert ' ORtert Koben sind stanniert Inla derzeit Mnstn Iwhlm rm tihiidlniK der Kelbeiliitllickei. Bolubdt uf eil Holm* reduziert. Wnotlicte Ertibwg der Utasdaur der «eiset «ifnura mUlttt HiiMtUnsii. 111? / sein müssen. — Schliesslich steigt am Montag "eine Bergprüfungsfahrt, deren Start und Ziel bis kurz vor Üpm Start gebeiinirehälten werden. Die WeU&daqe ist im allgemeinen recht günstig. Zwar werden sowohl aus dem Norden, als auch aus dem Südosten Schneefälle und Vereisungen gemeldet, die indessen den Konkurrenten kaum besondere Hindernisse in den Weg stellen dürften. — Von Palermo sind am Dienstagmittag 8 Teilnehmer gestartet, "unter ihnen auch der Schweizer Felix Delmarco aus Y v e r - d o n auf Lancia 1352 ccm, dem wir eine zwischenfallose Fahrt und vor allem viel Glück wünschen. Die Kontrollen von Messina, Reggio und Neapel sind ausnahmslos in der vorgeschriebenen Zeit passiert worden. — 35 Konkurrenten verliessen am Dienstagabend Athen. Die von früher her bekannten Schwierigkeiten auf dieser Strecke sind durch Schneeräumungsarbeiten in Jugoslawien und Rumänien weitgehend behoben worden. Quinlin/Horvilleur auf .Matford sind in Saloniki mit 42 Minuten Verspätung eingetroffen, und der Deutsche Wesseley auf Steyr, sowie die französische Besatzung Vial/ Alladio auf Matford haben an der gleichen Kontrolle aus noch unbekannten Gründen aufgegeben. •— Ein Ausfall wird auch von der Stavanger-Route gemeldet, auf der die 300 Kilometer lange Strecke zwischen dem Startort und Kristiansand total vereist und der Tronassin-Pass sogar unpassierbar war, so dass eine andere Route eingeschlagen werden musste. Von den 8 gestarteten Sternfahrern traf Collins, England, auf Railton mit 11 Minuten Verspätung in Kristiansand ein, wo der Holländer Polak auf Ford wegen eines ihm zugestossenen geringfügigen Unfalles ausschied. — Die 17 Konkurrenten, die Tallinn in Estland zum Ausgangspunkt gewählt hatten, sind alle vorschriftsgemäss in Riga vorübergekommen; Mrs. Lace auf Talbot- Darracq trat die Fahrt erst in Riga an. — Sans histoire rollen auch die 2 in Umea losgerollten Piloten dem Süden entgegen, indem sie in Sundvall, Gasle und Stockholm auf Grund ihres Fahrplanes ordnungsgemäss kontrolliert wurden. — Der einzige in Bukarest gestartete Konkurrent hat Cluj passiert. — Auf ihrer ersten Kontrollstrecke, zwischen John O'Groats und Aberdeen haben die 23 in Schottland auf die «Reise» gesandten Automobilisten vereiste Strassen vorgefunden, was u. a. bei Miss Amy Johnson, der ehedem bekannten Fliegerin, die einen grossen Ford steuert, und bei Mackenzie (Morris) verschiedentlich ein Abgleiten und Rutschen mit sich brachte, das jedoch für beide glimpflich ablief. In den Midlands stiessen die Konkurrenten allenthalben auf ziemlich dichten Nebel, doch werden keine Verspätungen gemeldet. Nachzutragen wäre der von Glasgow erfolgte Start von Miller auf Lagonda: Weitere Nachrichten über den Verlauf des Rallye sind bei Redaktionsschluss nicht erhältlich. Es ergibt sich aus obigem Resume, dass von Palermo, Athen, Tallinn, Riga, Stavanger, Umea, Bukarest, John O'Groats und Glasgow insgesamt 97 Teilnehmer gestartet sind, von denen 3 gleich zu Beginn auf der Strecke blieben. Man darf gespannt sein, wieviel .«Ueberlebende» morgen Samstagnachmittag in Monte Carlo eintreffen werden. Sp»«»v4 in J« Seh Nationale Gelände-und Orientierungsfahrt vom 1./2. Juli 1939. Start in Luzern. — Ziel in Gletsch. Die diesjährige nationale Gelände- und, Orientierungsfahrt, welche im schweizerischen Automobilkalender unterm 1./2. Juli als Veranstaltung um die Schweizer Meisterschaft 1939 ausgeschrieben wurde und in Verbindung mit dem Auto-Ski-Meeting von Qletsch zum Austrag kommt, wird nun endgültig von der Sektion Luzern des ACS organisiert. Einzelheiten der von den Konkurrenten bis zum Ziel in Gletsch zu lösenden Aufgaben werden ihnen am Start in Luzern in einem Gouvert überreicht, während das Sonderreglement mit den allgemeinen Bestimmungen noch Ende dieses Monats erscheinen dürfte. EBuntf« Chronik Vertauschte Rollen. Automobilist verzeigt die Polizei. Folgendes hat sich in New York begeben: Ein Autofahrer, der sich als Vertreter eines Auto-Clubs unterwegs befand, verlangte die Bestrafung eines Polizisten, weil der ihn in einer kleinen Stadt aufgehalten hatte. Bei den Angehörigen des amerikanischen Polizeikorps hat sich nämlich die «Sitte» eingebürgert, die Billets für ihre Wohltäligkeitsfeste dadurch an den Mahn' zu bringen, dass sie den Autofahrern solche zum Kauf anbieten. Ohne Anhalten der Wagen lässt sich dieses Geschäft nicht zur Blüte entwickeln. Und selbstverständlich stoppt ein jeder, wenn ein «Cop» in der Mitte der Strasse mit erhobener Hand auf ihn zutritt. Aber ebenso selbstverständlich macht der Automobilist dann ein verdutztes Gesicht, sobald er merkt, dass ihm der Vertreter des Gesetzes nur eine Eintrittskarte zu 1 einem Polizeiball andrehen will. Ein New Yorker Automobil-Club setzte es sich nun in den Kopf, einfür allemal feststellen zu lassen, ob Polizisten tatsächlich berechtigt seien, zu solchem Zweck die Leute am Volant zum Halten zu bringen. Und siehe — es fand sich irgendwo ein Paragraph, der e3 für jedermann als unzulässig erklärt, auf einer Strasse ein privates Fahrzeug anzuhalten, um dessen Lenker um die Erlaubnis zum Mitfahren zu bitten oder um ihm irgend etwas zu verkaufen. Tatsächlich hat die New Yorker Polizei im Hinblick gerade auf diese Bestimmung während des letzten Jahres zahllose Strafbefehle ausgestellt, allerdings nur um den «Autoschnorrern» ihr Handwerk mit mehr oder weniger Erfolg zu vergällen. Die Strafe lautet bei der erstmaligen Verurteilung auf 10 Dollar, bei Wiederholung auf 10—25 Dollar oder 2 bis 15 Tage Gefängnis, bei weiterer Rückfälligkeit innerhalb eines Jahres auf 100 Dollar oder 6 Monate Gefängnis. Ob aber aus dieser Bestimmung auch den, mit' Ballkarten hausierenden Polizisten ein Strick gedreht werden kann, "darüber geht das Verfahren einstweilen noch weiter, nicht ohne dass der Präsident des klagenden Automobil-Clubs darauf hingewiesen hätte, dass in dem Vorgehen der Polizisten eine «indirekte Einschüchterung» zu erblicken sei. Offenbar hätten Autofahrer die Karten nur gekauft, weil sie sonst irgend eine Vergeltung von Seiten der Polizisten befürchteten. Veranstaltungen. •und Kongress und Rallye des Internat. Bundes der Camping-Clubs 1939 in Zürich. Anlässlich der schweizerischen Landesausstellung führt der Camping-Club der Schweiz in nächster Nähe von Zürich den Kongress und das Rallye des internationalen Bundes der Camping-Clubs durch, zwei Veranstaltungen, denen in allen Ländern — Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Belgien, Italien, Holland und sogar Aegypten und U.S.A. schon heute grösstes Interesse entgegengebracht wird. Die Organisatoren sind mit den massgebenden Instanzen der Landesausstellung in Verbindung getreten, bei denen sie wohlwollendes Verständnis vorgefunden haben. Um den fremden Gästen Gelegenheit zu geben, im Verlaufe von 2 Wochen die vielen Schönheiten unseres Landes kennen zu lernen, ist die Organisation zahlreicher Ausflüge geplant — Reisen zu ermässigten Preisen im Autocar, per Bahn und Flugzeug. ,