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E_1939_Zeitung_Nr.015

E_1939_Zeitung_Nr.015

BERN, Dienstag, 21. Februar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 15 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GeochirtsUrlle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenschlass 4 Tage vor Erscheinen der Kamme* Berliner Automobilausstellung 1939 Ein Rundgang durch die Stände der deutschen Fabriken Die Berliner Ausstellung hat im letzten Augenblick noch ihre Sensation erhalten: zwar nicht durch die Ausstellungsobjekte selbst, sondern durch die Erklärungen, welche der Generalbevollmächtigte Oberst v. Schell wenige Tage vor der Eröffnung der Schau über die künftigen Wege des deutschen Autobaues abgegeben hat Im wesentlichen wird die neue Typeneinteilung mit Beginn des Jahres 1940 in Wirksamkeit treten. Mit diesem Zeitpunkt fällt auch die Aufnahme der Lieferung des Volkswagens zusammen. Das künftige Programm der einzelnen Fabriken ist in der Hauptsache bereits umrissen, und zwar so, dass eine jede von ihnen bestimmte Stärkeklassen zugewiesen erhielt, wobei man auch Vorsorge dafür traf, dass nur mehr Modelle gebaut werden, die im Rahmen der deutschen Automobilerzeugung Existenzberechtigung besitzen. Qewiss, die Massnahmen greifen tief in die Industrie ein, sie auferlegen ihr Kosten und verlangen ein beträchtliches Mass an Selbstverleugnung, aber die Annahme geht nicht fehl, dass die Fabriken selbst durch die neue Planung, die jedem Aussenseiter das Handwerk legt, gewinnen werden, weil sie auf eine wirkliche Großserienproduktion und einen Massenabsatz jener Typen rechnen kann, die weiterhin gebaut werden. Naturgemäss trägt den Hauptgewinn die grosse Masse des Automobilkäufers davon. Nach Oberst v. Schells Schätzung soll die Konzentration auf die gängigen Modelle eine Leistungssteigerung der Produktion von 70 Prozent bringen. Was unter den heute noch existierenden Typen nicht in das neue Programm hineinpasst und daher 1940 nicht mehr erzeugt wird, das Iässt man jetzt sukzessive auslaufen. Mancher gute Wagen gelangt damit auf den Aussterbeetat, weil er mit dem Volkswagen preislich und konstruktiv nicht konkurrieren kann. Diese kurze Schilderung der sich abzeichnenden Entwicklung — die «Automobil- Revue » bringt sie wiederum als erstes Fachblatt der Schweiz — lassen erkennen, dass man vor einer vollkommenen Umgestaltung der deutschen Automobilproduktion steht. Wurde die Berufung Oberst v. Schells zum Generalbevollmächtigten für den Kraftfahrzeugbau anfänglich nur wenig beachtet, so erweist es sich Je länger desto deutlicher, dasS die Vollmachten, welche er erhielt, nicht nur sehr weit reichen, sondern dass deren Träger auch als hervorragender Fachmann und zielsicherer Wirschaftsorganisator angesprochen werden muss. Auch für den Lastwagen ist die Typenzuteilung in der Hauptsache bereits erfolgt. So baut beispielsweise Mercedes-Benz in Zukunft nur noch Lastwagen zu 1,5, zu 3 und zu 4,5 Tonnen, Ford in Köln nur noch zu 3 Tonnen usw. Für die Interessen des Exportes nimmt man eine längere Uebergangszeit in Aussicht. Natürlich findet die neue Typeneinteilung ihren Niederschlag auch im Bild der Berliner Ausstellung. So sucht man einen Teil der auslaufenden Modelle, wenngleich sie während des Jahres 1939 noch geliefert, ja auch hergestellt werden, umsonst. Das Hauptinteresse soll eben jetzt schon auf die künftig verbleibenden Typen hingelenkt werden. Bereits schickt sich die Beschränkung auf wenige Typen an, ihre Früchte zu zeitigen; an Stelle der Schaffung neuer, in der Hauptsache nur dem Konkurrenzkampfe dienenden und damit die Produktion verteuernden Typen ist die Vervollkommnung der bestehen bleibenden Typen getreten. Am deutlichsten offenbart sich dies vielleicht auf dem Stande der Daimler-Benz AG, wo vor allem das Modell 230 als mittlerer Gebrauchswagen mit einer Vervollkommnung aufwartet, die von einer liebevollen Konstruktion und Ueberlegung bis ins letzte Detail zeugt Unter Beibehaltung einer gewissen konservativen. Eleganz wurde die Linie flüssiger gestaltet, das Heck erhielt eine neue Form, das Ersatzrad liegt zusammen mit reichlichem, von aussen zugänglichem Gepäck im Heck, Iässt sich aber auch für grosse Fahrt (auch mit einem zweiten Ersatzrad) aussen mitführen, um noch mehr Gepäckraum zu schaffen. Um die Türfugen verläuft ein Falz, der das lästige Pfeifgeräusch beseitigt. Eine untadelige Lösung hat ausserdem auch die Frage der fast von allen Konstrukteuren vernachlässigten Luft z u - fuhr in das Wageninnere gefunden. Seitliche Schwenkfenster oder das Aussteifen- der Vörderscheibe rufen bei höheren Geschwindigkeiten, besonders auf den Autobahnen, ein mächtig störendes Rauschen hervor, das zu solcher Stärke anschwellen kann, dass eine Unterhaltung im Wageninnern zu einem Ding der Unmöglichkeit wird. Diesem Uebel steuert man jetzt durch den Einbau einer vollkommen geräuschlosen, genau einstellbaren Belüftungsanlage, welche die Luft aus einem schmalen Schlitz hinter der Vorderscheibe eintreten Iässt und somit auch das lästige Beschlagen der Scheibe bei Regen verhindert. Der elektrische Motor für die Scheibenwischer liegt unter der vom Wageninnern aus verriegelbaren Motorhaube; die Wischerarme lassen sich ganz herunterklappen und auch von Hand einzeln betätigen. Dieser Wagen, wie übrigens noch mancher andere, verkörpert nun endlich die Verwirklichung all jener Wünsche, deren Nichterfüllung bei so vielen früheren Fahrzeugen immer wieder einen Stein des Anstosses bildete. « Wenig Neues», mag der oberflächliche Beobachter vielleicht sagen. Der erfahrene Automobilist aber weiss : gerade von der Durchbildung aller Einzelheiten hängt der Gebrauchswert eines Wagens ab. Und gerade aal diesem Gebiet hat die deutsche Automobilindustrie einen weiteren Schritt nach vorne getan. Mit den grossen konstruktiven Neuerungen — Schwingachsen, Einzelradfederung, Leichtwagenbau — ist sie vor fünf Jahren vorangeschritten. Heute jedoch ., .. gilt es, sich wieder den «Kleinigkeiten», zuzuwenden. Das ist geschehen, mit sichtbarem Erfolg. Verkehrsregelung und Parkierungsverhältnisse an der Schweiz. Landesausstellung in Zürich .Wenn bisher verhältnismässig wenig an die Oeffentlichkeit durchsickerte, wie die Lösung des Verkehrs- und Parkproblems an der Landesausstellung erfolgen soll, so wäre es grundfalsch, daraus etwa die Vermutung abzuleiten, die Vorbereitungen dafür hätten sich aus irgendwelchen Gründen verzögert. In Tat und Wahrheit trifft das genaue Gegenteil zu, denn schon seit Monaten liegt das kleine, aus Vertretern der Polizei zusammengesetze Komitee seiner Arbeit ob und es zeugt nur von der enormen Schwierigkeit der Aufgabe, die es zu bewältigen galt, wie von der Gründlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Umsicht, womit man ans Werk ging, dass die Informationen gerade über dieses wichtige Gebiet bislang etwas spärlich flössen. Schon in normalen Zeiten ist es um die Verkehrsund Parkierungsverhältnisse in der Limmatstadt nicht gerade rosig bestellt — davon wissen Polizei wie Automobilisten allerhand zu erzählen — die Landesausstellung aber, während deren Dauer ein gewaltiges Ansteigen des Verkehrsstroms zu erwarten steht, schafft eine Situation, bei der mit ganz andern Massstäben gerechnet und mit neuen Mitteln operiert werden muss. Und nach all dem, was am vergangenen Donnerstag die Vorträge erkennen Hessen, welche die Herren Polizeiinspektor Dr. Wiesendanger und Polizeikommissär Baumgartner im Schosse der Sektion Zürich des ACS hielten, haben die mit dieser dornenvollen Aufgabe 'betrauten Instanzen das Menschenmögliche getan, um die Sicherheit und Flüssigkeit des Strassenverkehrs während der Landesschau zu gewährleisten. Tragendes Prinzip der Regelung des Strassenverkehrs ist dessen Teilung in den eigentlichen Ausstellungsverkehr einerseits und den Transitverkehr anderseits. 'Monatelange Studien haben dazu geführt, dass die Ausstellungsbesucher, die sich auf elf Hauptrouten der Stadt nähern, um den (Standbesprechungen siehe Seite 2 und Seite 4.) Stadtkern herum zum Ausstellungsgelände dirigiert werden. Dazu dient nicht nur eine spezielle Signalisation, sondern auch die Postierung eines starken Kontingents von Verkehrspolizisten auf den wichtigen Einfahrtsstellen, von denen aus die Fahrzeuge rechtzeitig getrennt und längs der Peripherie nach dem linken und dem rechten Seeufer geleitet werden. Quer über die Strasse gespannte Banderolen, Schilder mit Richtungspfeilen und mit Angaben über die Besetzung der Parkplätze helfen dem auswärtigen Fahrer, sich zurechtzufinden, ganz abgesehen davon, dass jeder von ihnen beim Betreten des städtischen Bodens einen Plan ausgehändigt erhält, der ihn genau darüber orientiert, wo und unter welchen Umständen parkiert werden kann. Angesichts der schon bei normalem Verkehr herrschenden Knappheit an Parkplätzen musste die Kommission ihr besonderes Augenmerk auf die Schaffung zusätzlicher Parkgelegenheiten richten. Dabei gelangte sie zu folgender Lösung: In unmittelbarer Nähe der Ausstellung erstehen drei Parkplätze: Tiefenbrunnen am rechten Ufer, Tonhalleplatz zwischen den beiden Ausstellungshälften und Escherwiese hinter dem neuen Kongressgebäude. Hinzu gesellen sich Parkierungsmöglichkeiten auf gewissen, ebenfalls in der Nähe der Ausstellung, gelegenen Strassen, deren Bezeichnung bereits erfolgt ist. In ihrer Gesamtheit besitzen die drei erwähnten Parkflächen und die Parkierungsstrassen ein Fassungsvermögen von 4000—4500 Wagen. Für Grossbesuchstage, an denen mit rund 10,000 Fahrzeugen gerechnet werden muss, genügt das indessen nicht. Um für diesen Massenandrang gerüstet zu sein, blieb nichts anderes übrig, als an die Peripherie hinauszugehen und sich dort nach weiteren Abstellmöglichkeiten umzusehen. So kann denn der Automobilist an solchen Tagen seinen Wagen In dieser Nummer s Geschwindigkeitsmesserkontrolle des A.C.S. Rundgang durch die Personenwagenstände in Berlin. Neue amerikanische Autoerfindungen. Die Sternfahrten zum Genfer Salon. Feuilleton: S. 2. noch auf dem Bucheggplatz, dem Hardauplatz, der Wiedikoner Alknend, beim Bahnhof Wiedikon und im Kasernenhof abstellen. Eine weitere Entlastung gewähren eine Anzahl privater Parkplätze. Bei Ausschöpfung all dieser Möglichkeiten glaubt man, auch den Parkbedürfnissen eines Stossverkehrs, wie ihn die Grossbesuchertage mit sich bringen, gerecht werden zu können. • Um die ganze Organisation des Verkehrsund Parkdienstes in einer Hand zu konzentrieren, wird sie von der Hauptwache aus dirigiert. Zur Erleichterung ihrer Aufgabe macht sich die Polizei auch technische Hilfsmittel nutzbar. Von den einzelnen Parkplätzen aus erfolgen die Meldungen über deren Besetzung telephonisch nach der Zentrale. Sie ihrerseits orientiert sämtliche Polizeistationen drahtlos durch Verwendung eines Kurz* wellensenders, so dass sowohl die Posten an den Einfahrtsstellen als auch die Polizeipatrouillen auf schnellstem Weg informiert und dirigiert werden können. Selbstverständlich erfasst die Verkehrsregelung auch die Radfahrer und die Fussgänger, ganz abgesehen davon, dass in deren Rahmen eine ganze Reihe neuer technischer Einrichtungen wie die Anbringung von schwellengesteuerten Signalanlagen und von Fussgängerabsehrankungen vorgesehen sind. Daneben kommt man auch um gewisse örtliche und zeitliche Verkehrseinschränkungen nicht herum. Soweit es an der Polizei liegt, hat sie — diesen Eindruck nahm man von den Ausführungen der beiden Referenten mit — getan, was in ihrer Macht lag. Der Apparat für die Bewältigung und Führung des Verkehrs an der Landesausstellung wird aber nur dann zufriedenstellend funktionieren, wenn auch der letzte Strassenbenützer Disziplin wahrt. Zürcher Strassenverkehrti'tifälle im Jahre 1938. (Mitgeteilt vom Statistischen Amt.) Trotz den lebhaften Bemühungen der Stafltpolizei zur Hebung der Verkehrsdisziplin sind die TJnfallzahlen wieder starlc angestiegen und haben im letzten Jahre mit 4600 Unfällen eine neue Rekordhöhe erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Vermehrung um rund 400 Unfälle oder um fast 10 Prozent. Am schlimmsten stand bisher das Jahr 1934 da mit 4400 Unfällen. Seit 1926, dem ersten Jahr unserer Verkehrsunfallstatistik, hat sich die Zahl der Unfälle genau verdoppelt. Damals wurden auf dem alten Stadtgebiet erst 2000 Unfälle gezählt; mit Einschluss der Vororte waren es- schätzungsweise 2300. In der gleichen Zeit hat sich allerdings auch der Fahrzeugverkehr in Zürich mächtig entwickelt. Die Zahl der Fahrräder ist zwischen 1926 und 1937 auf das Donpelte und die der Automobile sogar von etwa 4000 auf über 10.000 angestiegen. Von 1937 auf 1938 haben die Velos weiterhin um 11 Prozent zugenommen, die Zahl der 1938 im Betrieb stehenden Autos ist noch nicht bekannt. In der folgenden Tabelle ist die Entwicklung der Unfälle derjenigen des Verkehrs gegenübergestellt Strassenverkehrsunfälle Zahl der Fahrzeug« nur mit mit Pereonenlihr* Sich- nrlatzunftn Total Auto Fahrrldtr*) schaden 1926 1 ) 1236 729 1965 3 633 35200 1934 2982 1453 4435 10 747 47 000 1935 2879 1301 4180 10357 52 200 1936 2743 1451 4194 10037 61600 1937 2780 1447 4227 10 404 69 100 1938 2993 1625 4618 * 76 800 Altes Stadtgebiet; *) Bezirk Zürich, auch 1926.