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E_1939_Zeitung_Nr.010

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BERN, Freitag, 3. Februar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 10 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PREISEi A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgab« B (mit gew. Untallversich.) Viertel jähr lieh Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag W&ehenUiche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uete** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Portcheck III 414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: LAwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU tnseratenseblnss 4 Tane vor Erscheinen der Nummer Das Sorgenkind unserer Armee! Anlässlich der Behandlung des bundesrätlichen Berichts über den Stand und die Verstärkung der Landesverteidigung im Ständerat erklärte Kommissionsreferent Altwegg, es habe die Kommission mit grosser Befriedigung von diesem Bericht des Bundesrates Kenntnis genommen. Trotzdem sehe er sich Jedoch veranlasst, zu einer Frage besonders Stellung zu nehmen — nämlich zum Problem der Motorisierung. Hinsichtlich dieses für unsere gesamte Verkehrspolitik und nicht nur für unsere Landesverteidigung äusserst bedeutsamen Fragenkomplexes, welcher gleichzeitig auch Lastwagenindustrie und Motorfahrzeughalter in weitgehendem Masse tangiert, führte Ständerat Altwegg wörtlich folgendes aus : «Nachdem das Transportproblem: Schiene-Strasse, durch den dringlichen Bundesdesbeschluss der Räte vom letzten Herbst einer Lösung entgegengeht, scheint auch der Weg für die Förderung der Armeemotorisierung gefunden zu sein. Bevor aber auf Jenem Weg eine definitive Regelung platzgreifen kann, ist eine Ueberbrükkungslösung nach Ansicht des Bundesrates notwendig und eigentlich schon für diese Januarsession in Aussicht gestellt worden. Darnach wäre der Bundesrat bereit, den Käufern von militärtauglichen neuen Lastwagen die kantonale Steuer zurückzuvergüten und für besondere Wagentypen noch Extraprämien zu bezahlen. Dasselbe sollte der Fall sein für Lastwagen mit Holzgasantrieb. Nachdem die Vorlage heute nicht vorliegt, ist dringend zu hoffen, dass dieses Sorgenkind unserer Armee endlich die unbedingt notwendige Beachtung finde. Es sind daran ebertso sehr unsere Lastwagenindustrie und deren Nebenindustrien interessiert. Aehnliches ist zu sagen zur Frage der Förderung der militärtauglichen Motorvelos und deren Industrien.* Auf diese ernste Mahnung antwortete der Vorsteher des Eidg. Militärdepartementes: « Was die Frage der Motorisierung unserer Armee anbetrifft, Förderung des Ankaufs inländischer Lastwagen, so müssen die Dinge jeweils im Verein mit dem Eisenbahndepartement geprüft werden. Die Sache ist dort anhängig; wir hoffen, dass es möglich sein sollte, die Vorlage in der Märzsession zu behandeln.» Diese in jeder Hinsicht bedauerliche, den Bedürfnissen der Armee zuwiderlaufende weitere Verschleppung einer auch nur provisorischen Lösung der Motorisierungsfrage erscheint im heutigen Zeitpunkt geradezu unverständlich. Haben nicht der Bundesrat selbst und vor allem der Chef, des Eidg. Militärdepartements, resp. die Generalstabsabteilung, immer und immer wieder die baldige Lösung der die Durchführung der neuen Truppenordnung gewährleistenden Motorisierungsprobleme in Aussicht gestellt — ja mehr noch, haben sie nicht zu wiederholten Malen das endliche Durchschlagen des gordischen Knotens gefordert ? Heute aber liegt, oder besser gesagt : ruht die Vorlage in einer der mächtigen Schubladen des Eidg. Post- und .Eisenbahndepartements, in deren Tiefen noch ander© « dringliche » Probleme seit Jahren versorgt werden. Man wartet demnach auf den Entscheid einer eidgenössischen Stelle, die bis heute nicht einmal ihre eigenen, nicht minder brennenden Angelegenheiten zu ordnen vermochte ! Uebrigens — so viel dürfte schon jetzt feststehen : Die Drahtzieher hinter der Litra werden dafür sorgen, dass eine den militärischen Belangen entsprechende Klärung der. Mptorisjerung;sf ragen so .weitgehend als irgend möglich eisenbähnpolitischen Gesichtspunkten' untergeordnet wird. Man darf sich auf die Behinderung der geforderten Vermehrung des armeetauglichen Lastwagenbestandes mit allen Mitteln gefasst machen, denn bereits sind erneute Bestrebungen zur Einschränkung des durch die Transportordnung freigelassenen Werkverkehrs festzustellen. Alles in allem'. er scheint noch nicht zu Ende, dieser Leidensweg einer die militärischen Erfordernisse berücksichtigenden Motorisierungsvorlage ! Rekapitulieren wir deshalb rasch noch einmal die markantesten Entwicklungsphasen : 1. Botschaft betreffend Verstärkung der Landesverteidigung vom 17. April 1936 : «Die Entwicklung der Technik hat in erster Linie die Motorisierung gebracht, die eine viel beweglichere Kampfführung erlaubt. Dadurch soll der Stellungskrieg, der vor 20 Jahren so lange nutzlos die Entscheidung hinausschob, vermieden werden. Dem Verteidiger, den ein starkes Gelände und automatische Waffen wirksam unterstützen können, soll gar nicht Zeit gelassen werden, festen Fuss zu fassen. Auf der Erde und aus der Luft wird er stets wieder angepackt und desorganisiert.» 2. Botschaft zur Einführung einer neuen Truppenordnung vom 17. Juni 1936: «Leider müssen wir im Augenblick auf die an sich dringend notwendige Motorisierung der Haubitz-Batterien verzichten. Der Bedarf an Motorfahrzeugen, insbesondere auch für die neu aufzustellenden Fliegerabwehrbatterien, ist derart gross, dass die im Lande vorhandenen armeetauglichen schweren Motorfahrzeuge für die durchgehende Motorisierung der Korps- und Armeeartillerie einschliesslich der zur Sicherstellung der Bestände bei der Mobilmachung unerlässlichen Reserven nicht ausreichen. Wir werden aber die Motorisierung beantragen, sobald die für die Vermehrung der Motorfahrzeuge Im Lande zu treffenden Massnahmen sich genügend ausgewirkt haben.» Oder: «Von den im Lande vorhandenen Motorlastwagen wird der allergrösste Teil beansprucht, und doch können nicht alle Armeebedürfnisse befriedigt werden. Man wird sich entweder zur Erleichterung der Haltung von Motorfahrzeugen durch Private oder zur Anschaffung von solchen als Korpsmaterial in grossem umfange entschliessen müssen. » Bei der wachsenden Aufmerksamkeit, welche Polizei und Gerichte den Verkehrsunfällen zuwenden, deren Ursache übennässiger Alkoholgenuss bildet, kann es kaum verwundern, dass man überall nach Mitteln fahndet, denen die Eigenschaft innewohnt, leichtere oder noch eher stärkere Grade des Angeheitertseins zu überdecken und die Alkoholisierung aufzuheben. Nach schweizerischem Recht genügt es ja für den Lenker eines Motorfahrzeuges, in angetrunkenem Zustand gefahren zu sein, um sich Gefängnis bis tu zwanzig Tagen oder eine Busse bis 10 000 Franken «zuzuziehen«, selbst wenn dabei nicht das mindeste passierte. Die in solchem Tun liegende Gefährdung reicht vollkommen aus, um den Gesetzesapparat in Gang zu bringen. Für den Automobilisten mag es nun nicht ohne Interesse sein, zu vernehmen, dass die Frage der «Antirauschmittel» bereits auch ihre wissenschaftliche Durchleuchtung erfahren hat. Um deren Ergebnis vorwegzunehmen, wenigstens soweit es sich aus den Untersuchungen des Berliners Dr. Gutschmidt herausdestillieren lässt: es ist nichts damit, ein zuverlässig und prompt wirkendes «Gegengift» existiert nicht. So lautet das Fazit der Gutschmidt'schen Forschungen und der dabei gemachten Beobachtungen, zu deren Sprachrohr sich die • Schweiz. Apothekerzeitung» macht und der wir im nachstehenden folgen: In dieser Nummer: Natfonalrätliche Militärdebatte. Um die Steuererleichterungen im Kanton Bern. Neues von der Weissensteinstrasse. Heisse Stellen im Verbrennungsraum. Beilage: 3. Votum von Bundesrat Minger im Nationalrat vom 16. Juni 1937 : «Hinsichtlich der Motorlastwagen ist es vom Standpunkt der Landesverteidigung aus ausserordentlich erwünscht, dass unsere eigene Motorwagenindustrie leistungsfähig sei und gefördert werde, damit wir im Falle eines Krieges die Möglichkeit haben, die Ersatzbestandteile im eigenen Lande zu beziehen.» Schluss Seite 2. Nüchternheit lässt sich nicht vortäuschen Neue Erkenntnisse zum Thema „Alkoholunfälle«. higkeit, den Alkoholrausch zu unterbrechen, besser gesagt, ihn abzukürzen. Jedoch: man hatte zu früh gefrohlockt. Eine Nachprüfung nämlich forderte die Erkenntnis zutage, dass das Insulin, dieser ernüchternden Eigenschaft durchaus entbehrt. Trat auch, wie die Feststellungen im Staatskrankenhaus der Berliner Polizei lehrten, bei einzelnen Versuchspersonen gewisse Zeit nach der Insulinabgabe ein scheinbares Abklingen der Alkoholwirkung ein, so war die geistige Reaktionsbereitschaft doch nach wie vor, je nach der zugeführten Alkoholmenge, herabgemindert und der Blutalkoholwert kaum fühlbar zurückgegangen. Insulin vermag somit die Methode der Ermittlung des Blutalkoholgehaltes nicht zu beeinflussen. Essig ist es auch mit dem Glauben, man brauche sich bloss Essig einzuverleiben, um unverzüglich nüchtern zu werden. Die Wissenschaft straft diese Meinung gründlich Lügen. (Genau das Gegenteil ist — wie wir einer andern Information entnehmen — der Fall, und zwar aus folgendem Grund: Der Körper verbrennt den ihm zugeführten Alkohol zu Kohlensäure, wobei sich als Zwischenprodukt Essigsäure bildet Durch das Essigtrinken wird nun der Eesigsäuregehalt des Körpers erhöht; infolgedessen verlangsamt sich die Verbrennung des Alkohols. Redaktion.) Auch das Vertrauen in den Kaffee als Ernüchterungsarznei gerät erheblich ins Wanken. Gewiss, auf den nüchternen Menschen, der sich nach Verrichtung seines Tagewerkes müde und abgespannt fühlt, übt er eine anregende Wirkung aus, hervorgerufen F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 11. Fortsetzung. «Sie ist hübsch!» konstatiert Mr. Saxtorph energisch. «Das ist es ja eben, warum ich dich nicht verstehe, Constanza.» «Wie meinst du das, Lewis?» «Wenn Peggy einen fehler hätte», fährt Mr. Saxtorph unbeirrt fort, «wenn irgend etwas bei ihr nicht stimmte, dann könnte ich allenfalls begreifen, dass du sie mit dem Erstbesten verheiraten willst. Aber so, wie sie ist, hübsch, stramm, ein netter Kerl — möchtest du mir nicht erklären, Constanza, warum du sie diesem — hm — diesem Mr. Lohengrin so mir nichts, dir nichts an den Hals geworfen hast?» «Er heisst Charles d'Andrade.» L»dy Troy spricht den Namen aus, als sagte sie Bourbon oder Orleans. «Verzeihung!» Mr. Saxtorph macht ein ironisches Gesicht. «Ich vergass. Den Namen hat er dir ja allerdings genannt. Aber findest du nicht, dass das etwas wenig ist? Hast du dich mindestens nach ihm erkundigt?» «Ich wüsste gar nicht, wie ich das machen sollte!» lehnt Lady Constanza mit Stolz ab.