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E_1939_Zeitung_Nr.014

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BERN, Freitag, 17. Februar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONN EM ENTS-PREISE! A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. Anstand mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 10— Enchetnt jeden Dienst** und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürleht Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtaril Imeratenschlnss i Taoe vor Erseheinen der Nummer Kampf um Benzinersatz Bei der ungeheuren Entwicklung, welche die Motorisierung des Verkehrs zu Land, Wasser und in der Luft genommen, taucht ungewollt die Frage auf: was wird aus unserem Zeitalter des Fortschritts, wenn die Erdölvorkommen einmal erschöpft sein werden? Je höher die Zahl der mit Benzinmotoren betriebenen Verkehrsmittel steigt, desto gebieterischer erhebt sich diese Frage. Nicht untätig sieht der Chemiker und Konstrukteur dem wahrscheinlich noch in weiter Ferne liegenden «toten Punkt» entgegen. Weder Mühe noch Arbeit scheut er, um den « Stein der Weisen > in der Frage des Benzinersatzes zu finden. Nicht zuletzt verdanken wir es der sich überall bemerkbar machenden Bewegung zu nationaler Selbständigkeit, dass den Forschungen und Versuchen in zahlreichen Ländern eine kräftige staatliche Hilfe zuteil wird. Aus der Fülle der Vorschläge für die Schaffung eines «nationalen Treibstoffes» erweisen sich in der Schweiz hur wenige als realisierbar. An der Spitze marschiert dabei die nolzvergasunj*. Nicht weil „sie besonders praktisch wäre, wendet man ihr volle Aufmerksamkeit zu, vielmehr ist es das günstige wirtschaftliche Moment^ .das dieser Art des Benzinersatzes in den Vordergrund treten lässt. Vergleicht man die Kosten für die Betriebsstoffe Benzin und Holz, so stellt sich das Holz beinahe fünfmal billiger. Man rechnet dabei, dass 2 kg Holz einem Liter Benzin entsprechen. In beschränktem Masse hat das Holzgasverfahren nun auch in der Schweiz Fuss gefasst, besitzen wir doch etwa 130 Lastwagen mit sogenannten Holzgasgeneratoren. In diesen zylinderförmigen Behältern wird aus gut getrocknetem Holz, das auf Faustgrösse zerkleinert ist, im langsamen Verbrennungsprozess ein Gas gewonnen, das nach Passieren von Reinigungs- und Kühlanlagen den gewöhnlichen Zündmotor in Gang setzt. Das grosse Gewicht der Anlage und deren erheblich mühsamere Wartung wie beim Benzinbetrieb stehen jedoch einer umfassenden Verbreitung dieser Ersatzlösung hindernd entgegen. In- und ausländische Firmen scheuen keine Kosten, um das System der Holzvergasung zu verbessern und es bestehen Aussichten dafür, dass sich auf fortschreitender Erfahrung die Nachteile auf ein Minimum reduzieren lassen, womit sich wenigstens für F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 15. Fortsetzung. «Ist das der Wagen, den du gemietet hast ? > fragt Muriel sachverständig. « Allerdings ! » Charles nickt nicht ohne Stolz. < Wie gefällt er dir ? » «Ausgezeichnet. Ein fabelhaftes Modell. Offenbar ganz neu. Die Beschläge, das Leder der Sitze — Charles, warum beschwindelst du mich ? > « Wie meinst du das ? » «Einen solchen Wagen kamt man nicht mieten. Ausgeschlossen. Du musst ihn gekauft haben.» < Stimmt. Du hast eine fabelhafte Beobachtungsgabe, Muriel. Ich habe ihn wirklich gekauft.» « Ö ?» Muriel ist ernstlich betroffen, c Was soll das bedeuten, mein Junge ? Es ist doch ausgeschlossen, dass der Chef dir die Mittel dazu bewilligt. » «Ich habe ihn aus eigenen Mitteln erstanden >, erklärt Charles obenhin, als wäre nichts weiter dabei. grosse Lastwagen der Weg zu einem Benziaersatz öffnen würde, Alkohol könnte als weiterer heimischer Brennstoff für Motoren genannt werden. Ausgangspro^dukte für dessen Erzeugung bilden die Sulfitablauge der Zellulosefabriken, Zuckermelasse und Obstspiritus. Im Vordergrund des Interesses steht aber heute das H o 1 z v e r - zuckerungsverfahren zu'r Gewinnung von Alkohol zu Treibstoffzwecken. Nach der Erfindung von Scholler erfährt das zerkleinerte Holz in Hitze und unter Druck eine Behandlung mit verdünnten Säuren, wobei die anstehende Zuckerlösung mit einem Gehalt von 4% stetsfort abgezogen wird. Durch Vergärung des gewonnenen Zuckers gelingt es, aus 100 kg Hoktrockensubstanz 33 bis 35 Liter Alkohol zu erzeugen. Der bei dein Verfahren entstehende Rückstand, das sogenannte Lignin, besitzt einen hohen Heizwert und kann, in Briketts gepresst, in Holzgalgeneratoren Verwehdung finden; auch Baustoffe und Isolierplatten stellt man daraus her. Grundsätzlich hindert nichts bei entsprechender Abänderung des Motors allein mit Alkohol zu fahren, doch müsste dieser auf mindestens 99,8 Grad konzentriert sein, was heute ebenfalls keine technischen Schwierigkeiten mehr bereitet. In der Schweiz besteht allerdings, zurzeit wenigstens, noch keine Anlage, um die Entwässeyrung im grossen durchzuführen. Die ausländischen Anlagen jedoch erweitern sich ständig und ihre Bedeutung wächst zusehends. Fast überall beschränkt man sich darauf, dem Benzin Alkohol beizumischen. Angesichts der Tatsache jedoch, dass der Gestehungspreis für Motorenalkohol heute noch zirka 2 Fr. pro Liter beträgt, scheidet dieser Ersatzstoff, so lange aus der Konkurrenz aus, als es nicht gelingt, die Herstellungskosten auf einen Bruchteil des heutigen Preises zu reduzieren. Das Eingangsportal des Genfer Salons, wit es sich dieses Jahr den Besuchern zur Nachtzeit präsentieren- wird. Muriel zieht ihre Hand von der Motorhaube zurück, als hätte sie glühendes Eisen angefasst. « Charles! » flüstert sie leise aber eindringlich, Charles tu mir den Gefallen und mach dieses Geschäft sofort rückgängig, irgend ein Grund wird sich schon finden. Schulden sind immer scheusslich, aber für einen von uns, das weisst du doch, sind sie der sichere Anfang von einem schnellen und schlimmen Ende. » «Du wirst von dem Kauf Meldung machen ? » Charles Stimme klingt kühl und inquisitorisch. «Ich müsste wahrscheinlich. Aber ich werde einfach nicht dulden, dass du du; in diesem blanklackierten Ding deinen eigenen Leichenwagen anschaffst. Wie beide fahren jetzt sofort zur Fabrikniederlage und geben dieses Millionärsauto höflich dankend zurück. » « Du weisst nicht, mit wem du sprichst», sagt Charles und bleibt sichtlich ganz unbeeindruckt « Das weisst du Ja auch nicht >, Muriels Stimme klingt etwas tiefer als gewöhnlich. Etwas wie Resignation ist ihr beigemischt. « Du glaubst doch jedenfalls mit Charles d'Andrade zu sprechen?» Schluss auf Seite 2. « Ich habe einige Veranlassung für diese Annahme. > «Aber du irrst dich. Seit heute Nacht bin ich Charles Lord Roehampton. Mein Onkel Cecil ist um 1.15 a.m. gestorben.» c Mein herzliches Beileid, Charles ! » Muriels gesellschaftliche Gewöhnung ist so gross, dass ihr die Kondolation ganz natürlich über die Lippen kommt, obwohl sie genau weiss, dass dieser Tod für Charles nur Glück bedeutet, da er mit dem verschrobenen Verwandten nie gut gestanden hat. « Danke, Muriel >, auch Charles findet die Beileidsbezeugung in Ordnung. «Der alte Herr ist übrigens zehn Tage vor seinem 90. Geburtstage gestorben. In diesem Alter hat man nicht mehr viel vom Leben. — Aber du wirst mir doch hoffentlich jetzt gestatten, dieses Auto zu behalten.» « Du wirst es dir wohl nun leisten können. Dein Onkel hat dir eine Menge hinterlassen, nicht ? » « Noch, mehr, Kleines. Du wirst noch bedauern, dass du nicht meine richtige Frau bist > < Du bist zu bescheiden, Charles! > Muriels Lippen verziehen sich etwas mokant. « Wenn ich bedauern sollte, irgend jemandes Frau nicht zu sein, so hätte das mit Autos, In dieser Nummer s Geht's vorwärts mit der Gambarognostrasse? Neue Rekorde auf der Dessauer Rennstrecke. Der Motor streikt. Kampf um den PrageL Beilage: «AmoMäufec» Der Mensch sei ein vernunftbegabtes Wesen, wird uns auf der Schulbank eingetrichtert. Gläubig nimmt man's hin, jedoch nur, um früher oder später, wenn man wächst an Weisheit und Verstand, zur Feststellung zu gelangen, dass dieser Glaube mitunter erheblich ins Wanken gerät. Oder sollten Ihnen, genährt durch die Beobachtungen des Alltags, wirklich noch nie mehr oder weniger gelinde Zweifel an der Fähigkeit des homo sapiens zu vernunftgemässem Handeln aufgestiegen sein ? Uns ist es erst kürzlich wieder so ergangen, nämlich angesichts einer Episode, als deren Akteure zwei Automobilisten wirkten. Das kam so: die Berner Kornhausbrücke hinab, deren Fahrbahn zwar reichlich schmal, dafür aber auf jeder Seite noch mit einem Tramgeleise versehen ist, rollt ein Wagen in grundanständigem Tempo, ordentlich rechts haltend, kurz und schlicht: in durchaus korrekter Fahrt. Ganz allein ist er auf weiter Flur. Das heisst vorläufig noch. Denn wie er ungefähr die Mitte der Brücke erreicht hat, gewahrt der Lenker, dass sich ihm von hinten ein anderer naht, der anscheinend mächtig pressiert ist und zusehends stärker auf die Tube tritt. Im Nu ist der Abstand zwischen den beiden auf ein paar Meter zusammengeschmolzen. Aber nun tritt das Sinnlose ein : anstatt den hitzigen Burschen gewähren zu lassen und ihm sein lächerliches Triümphchen zu gönnen, legt sich jetzt auch jener, dem die Ueberholung « droht», in die Riemen. Und weil es keiner von beiden über sich bringt, nachzugeben, weil jener das Vorhandensein des andern als eine Provokation empfindet, entwickelt sich vor den Augen Scheckbüchern und dergleichen bestimmt nichts zu tun.» Einen Augenblick sieht es aus, als wollte sie noch etwas hinzufügen, doch dann verschluckt sie den Nachsatz. «Verzeih mir, Muriel», lächelt Charles, « ich wollte dich nicht beleidigen. Für mich hat das viele Geld noch den Reiz der Neuheit Das wirst du verstehen. Und ich bin sicher, auch Peggy wird für Komfort zu haben sein. > « Sehr wahrscheinlich. Welches junge Mädchen wäre das nicht? Und jetzt fahr los, mein Lieber! » « Ohne dich ? » « Du würdest doch nur an Peggy denken, und das mit Recht. Ich werde inzwischen ein paar Besorgungen machen.» « Wie du willst. Und sei nicht sparsam. Fühl dich bitte heute in diesem Punkte als meine richtige, angetraute Ehefrau.» « Vielen Dank, Charles ! » Muriel blickt dem Cadillac nach, der blitzschnell und geräuschlos anfährt Im gleichen Augenblick bemerkt sie, dass ein Sportzweisitzer, der bisher leer an der Ecke stand, gleichfalls abschwirrt Der Herr, der darin sitzt, hat bisher in ihrer nächsten Nähe gestanden. «(Hailoh! i denkt MurieL Rasch zieht sie