Aufrufe
vor 7 Monaten

E_1939_Zeitung_Nr.016

E_1939_Zeitung_Nr.016

BERN, Freitag, 24. Februar 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 16 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS. PREISE: AMCU» A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jihrlleh Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamt lieb abonniert Ausgab« B (mit gew. Unialiversich.) rierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit [n«asscnver»icherune) Tierteliihrlich Fr. 7.50 Über die Bedeutung des Gelblichtes bei Verkehrssignalanlagen Rätsel um Murlel. Roman von Jobann Friedrich. 17. Fortsetzung. 10,- Erscheint jeden Dienstap and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Ge«et)iftg«teüv Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Die Verkehrsregelung durch Lichtsignalanlagen kannte iri ihren Anfängen nur die zwei Signalbegriffe « Fahrt» und « Halt > und kam daher auch mit den entsprechenden zwei Lichtfarben Grün und Rot aus. Es zeigte sich jedoch, dass der plötzliche Ueber- 'gang von der einen auf die andere Farbe die Verkehrsteilnehmer zu sehr überrascht, so dass sie unter Umständen nicht schnell genug auf das Ihnen gegebene Zeichen reagieren können. Besonders der Wechsel von Grün auf Rot bringt solche Nachteile mit sich; die unmittelbar vor der Kreuzung befindlichen Fahrzeuge vermögen beim Aufleuchten des Rotlichtes nicht mehr vor der HalteDnie bzw. dem dort befindlichen Schutzweg anzuhalten, sondern kommen, wenn der Führer nicht noch die Ueberfahrt über die Kreuzung erzwingt, erst auf dem Schutzweg selber zum Stehen, wo sie den Verkehr der die Fahrbahn überschreitenden Fussgänger verhindern. Aber auch der unmittelbare Wechsel von Grün auf Rot hat seine Nachteile. Die vor dem, Signal s warf enden Fahrzeuge vermögen sfch beim Aufleuchten des Grün nicht sofort in Fahrt zii setzen, da die Vorgänge des Kuppeins und Schaltens schon an sich Zeit beanspruchen. Nicht selten aber steht infolge der überstürzten Anfahrt der Motor still. Der ausschlaggebende Zeitverlust rührt aber davon her, dass die Fahrzeugführer, durch die übrigen Verkehrsvorgängo abgelenkt, ohnehin nicht unverwandt auf das Signal blicken und daher dessen Uebergang auf Fahrtstellung gelegentlich erst mit einiger Verspätung gewahr werden. Diese Feststellungen haben schon seit längerer Zeit zur Verwendung der gelben Farbe als Zwischenlicht zwischen Grün und Rot geführt, wobei heute noch recht verschiedene Kombinationen Verwendung finden. So •wird an einzelnen Signalanlagen das Gelb nur als Uebergangslicht zwischen Grün und Rot gebraucht, um den im Fluss befindlichen Verkehr auf das bevorstehende Erscheinen des Haltebefehls vorzubereiten, während der umgekehrte Wechsel vom Halt auf die Fahrerlaubnis unmittelbar erfolgt. Anderswo, so bei den nach modernsten Grundsätzen erstellten zwei Lichtsignalanlagen der Stadt Bern, wird auch dieser Uebergang durch das gelbe Zwischenlicht angekündigt, und zwar hier in der Weise, dass das Gelb neben dem vorläufig noch weiterbrennenden Rot erscheint und dann mit diesem zugleich erlischt, um dem Grün Platz zu machen. (Diese vom umgekehrten Uebergang abweichende Verwendung des Gelblichtes ist notwendig, damit Verkehrsteilnehmer, die aus irgend einem Grunde erst kurz vor dem Wechsel auf das Signal aufmerksam werden oder es überhaupt erst in diesem Augenblick zu sehen vermögen, erkennen können, welcher der beiden Wechsel unmittelbar bevorsteht.) Nun besteht jedoch über die rechtliche Bedeutung des gelben Zwischenlichts in der Schweiz noch eine ausgesprochene Unsicherheit Art. 18 der Verordnung über die Strassensignalisation vom 17. Oktober 1932 spricht zur Hauptsache nur von der Bedeutung des roten Lichtes als des Fahrverbotes und des grünen als des Zeichens für freie Fahrt. Ueber das Gelb heisst es nur kurz: < Als allfälliges Zwischensignal ist gelbes Licht zu verwenden >, ohne dass die rechtliche Bedeutung dieser Signalfarbe genau umschrie- Die Fortsetzung der von der Eidg. Ofoerzolldirektion im Jahre 1937 durchgeführten Zählung der mit Privatautos und privaten Autocars in die. Schweiz eingereisten ausländischen Autogäste erlaubt erstmals einen zeitlichen Vergleich der Ergebnisse. Vor der Besprechung der Resultate sei nochmals daran erinnert, dass die Zählung bei der Ausreise erfolgt und sich auf alle Inhaber von Triptyks, provisorischen Eintrittskarten und Grenzpassierscheinheften erstreckt; vom Freipassverkehr werden nur die Autocars erfassL Ueber 300.000 ausländische Automobile brachten im vergangenen Jahr 1.064.000 Personen in die Schweiz, die sich während 2.780.000 Tagen in unserem Lande aufhielten. Diese Hauptfrequenzzahlen weichen nur -wenig von den letztjährigen ab. Es reisten etwas mehr Fahrzeuge und etwas weniger Personen ein, und auch die Zahl der Aufenthaltstage war nicht ganz so gross wie 1937. Die Gliederung der Frequenzzahlen nach Fahrzeugen zeigt, dass der Rückgang der eingereisten Personen und der Aufenthaltstage einzig auf eine Abnahme der Autocars zurückzuführen ist. Im Jahre 1938 kamen 1615 oder 13 % weniger Gesellschaftswagen in die Schweiz. Ebenso stark sank die Zahl der mit Autocars reisenden Gäste, und ihre Aufenthaltstage gingen um 40.000 oder 10 % auf 340.000 zurück. An diesem Ausfall sind, wie in unserem Bericht über den ausländischen Autotourismus im Sommer 1936 bereits Art der Fahrzeuge Fahrzeuge Personen Aufenthaltstatje 1937 1938 1937 1938 1937 1938 Personenwagen 282.193 291.*02 810 064 831.592 2.421656 2.439.092 Autocars 12.14« 10.531 266.127 243.202 38Ö.345 340.497 Zusammen 294.339 301.933 1.0761.191 1.063.794 2.802.001 2.779.589 Der lächelt nur etwas geringschätzig. « Gern oder ungern », erwidert er achselzuckend, « wir sind schliesslich nicht zu unserm Vergnügen hier. Denk dir lieber einen Plan aus, wie man die Sache am besten durchführen könnte.» c Das ist weiter nicht schwer. Du musst zusehen, dass du den Etagenkellner im Carlton für einen halben Tag vertreten kannst. Das wird sich machen lassen.» « Bestimmt.» , «Dann servierst du Mistress d'Andrade ein Schlafmittel, das ich dir geben werde, und lässt sie von einem Krankenauto an der Hintertreppe des Hotels abholen, wie das im Falle einer ernsthaften Erkrankung im Carlton üblich ist Alles ganz '"unauffällig» « Aber Mister d'Andrade' selbst ? > «Mit dem werde ich ein Reridez-vous in der Stadt verabreden, damit er aus dem Wege ist» « Ausgezeichnet 1 > Don Paulo nickt befriedigt «Don Aguillar soll kein Vergnügen von dem Kaufvertrag haben, falls er ihn jetzt selbst abgeschlossen haben sollte. » « Aber eine Rückversicherung könnte nicht schaden », meint Dr. Martinez nachdenklich. « Dieser Aguillar ist mir in der Seele zuwider. Nicht nur als Parteigänger, sondern auch als Mensch. Sein ganzer Typ ist mir verhass.t» «Leider ist es nicht ratsam, ein persönliches Rencontre mit ihm herbeizuführen >, bedauert Don Paulo. « Man muss seine eigenen Kräfte nicht überschätzen. Wenn es dem Burschen passt, macht er Gulasch aus uns beiden.» « Man braucht sich nicht selbst mit ihm einzulassen», überlegt Martinez. « Du wirst kaum jemanden finden, der für Geld mit Aguillar anbindet», zweifelt Don Paulo. « Ausserdem dürfen wir nicht riskieren, dass etwas derartiges herauskommt Es würde unserer Sache furchtbar schaden, wenn bekannt würde, dass wir unsere Gegner hier durch gedungene Mordet' erledigen lassen.» « Die, an die fch denke, erzählen nichts», behauptet Dr. Martinez und sieht den Genossen bedeutsam an. Aber der versteht nicht Und der Arzt lässt [ ben wäre. Diese Lücke entspricht dem damaligen Stande der Verkehrssignalisierung in der Schweiz, die sich vor nunmehr bald zehn Jahren erst in ihren bescheidensten Anfängen befand. Leider wagen auch die kantonalen und kommunalen Strassenverkehrsbehörden angesichts dieser Unsicherheit über den rechtlichen Charakter des Gelblichtes nicht, die Durchsetzung der einzig richtigen Auffassung über diesen Charakter bei den Verkehrsteilnehmern zu versuchen, der Auffassung nämlich, dass das gelbe Licht einen bedingten Haltebeiehl bedeutet und als solcher zu befolgen ist, soweit sich dies als möglich erweist. So hat sich nun in weiten Verkehrskreisen gerade umgekehrt der Missbrauch eingenistet, das Erscheinen des Gelb nach Grün, in welcher Reihenfolge es ja den bevorstehenden Wechsel auf Rot ankündet, als Aufforderung anzusehen, wenn irgend möglich noch über die Kreuzung hinwegzupresehen, um dem in wenigen Sekunden fälligen « Halt» zu entwischen, und so erlebt man in den letzten Augenblicken vor dem auftauchenden Haltebefehl statt des bereits eintretenden Auslaufens des Verkehrsstromes eine wilde Jagd, die durchaus nicht den Absichten einer zweckmässigen Regelung des Strassenverkehrs entspricht Schluss Seite 2. Die ausländischen Autogäste in der Schweiz im Jahre 1938 (Vom Eidg. Statistischen Amt.) sich zu einer weiteren Erklärung auch nicht bewegen. In geistiger Hinsich* will er der Führende bleiben und dazu ist nichts förderlicher als ein kleines, gut behütetes Geheimnis. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 KP. Grftssere Inserate nach Spezialtarii Inseratensrhluss 4 Tane »or Erseheinen der Nummer In dieser Nummer s Der Schaffung einer Tonristenkarte entgegen. Die ersten Meldungen für die Schnee-Sternfahrt Luftkühlung contra Wasserkühlung. Berliner Automobil-Ausstellung im Bild. Beilage: ausgeführt wurde, vor allem die deutschen und französischen Autocars beteiligt. Dagegen hat der Personenautoverkehr sowohl hinsichtlich der Fahrzeuge als auch der eingereisten Personen und deren Aufenthaltstage, wenn auch nur schwach, zugenommen. Als Folge dieser Entwicklung machen die mit Gesellschaftswagen eingereisten Personen nur noch 22 % aller ausländischen Autogäste aus, gegenüber 25 % im Vorjahr. Die mittlere Wagenbesetzung hat sich mit 22 Personen für die Autocars und drei Persöffen für die Personenwagen nicht verändert. Auch die Aufenthaltsdauer ist gleich geblieben, indem sich der mit dem Personenauto reisende Gast mit drei Tagen durchschnittlich wieder doppelt so lang in der Schweiz aufhielt als der Autocartourist, der unser Land schon nach anderthalb Tagen wieder verliess (siehe umstehende Tabelle). Die Hochsaison des Autotourismus, der stark von Jahreszeit und, Witterung beeinflusst wird, fällt naturgemäss auf den Sommer. Zwei Drittel der ausländischen Antogäste besuchten die Schweiz in der Zelt vom 1. Juni bis 30. September und nur 16 % der Autogäste bereisten unser Land im Winterhalbjahr (1. Oktober bis 31. März). Diese jahreszeitlichen Frequenzquoten gelten sowohl für 1937 als auch für 1938. Die Verteilung der ausländischen Autogäste nach Monaten zeigt aber nicht nur die jahreszeitlichen Schwankungen zwischen einem Maximum im August und einem Minimum im Dezember, sondern sie vermittelt auch die Erklärung für den leichten Rückgang der Autogäste im Jahre 1938. Bis zum September verzeichnen alle Monate einen stärkeren Besuch an ausländischen Autogästen als letztes Jahr — eine Ausnahme VI. Die stummen Mörder. Charles d'Andrade sucht im Zirkus Farroll vergebens nach Don Aguillar. Der Dompteur ist nicht im Haus. Da an diesem Nachmittag keine Vorstellung stattfindet, liegen Gänge und Zuschauerraum verödet, in der Manege probt eine ehrgeizige Akrobatentruppe in zerlumpten Trainingstrikots phantastisch schwierige Uebungen. Ein grauhaariger Stallmeister mit einer Säufernase und ein melancholischer Clown sehen skeptisch und gelangweilt zu. Charles gesellt sich zu ihnen und murmelt etwas davon, dass er mit Don Aguillar verabredet sei. Die beiden hören interesselos zu, Charles merkt, dass er es gar nicht nötig hat, seine Anwesenheit hier überhaupt zu begründen, kein Mensch,verlangt offenbar eine Legitimation von ihm. Eine Weile machen ihm die akrobatischen Anstrengungen Spass, dann flaut sein Interesse ab. Wozu wartet er eigentlich? Die Tatsache seines Besuches allem wird genügen, den Dompteur wieder eine Weile hinzuhalten. Einer neuerlichen, peinlichen Auseinandersetzung kann man beruhigt und ohne Pflichtverletzung aus dem Wege gehen. Charles schreibt ein paar Worte auf eine Visitenkarte und bittet den Stallmeister, sie abzugeben. Da er diese Bitte mit einem inhaltsreichen ^Händedruck begleitet ist er ziemlich siche'r, dass sein Auftrag ausgeführt werden wird. Jedenfalls betont der Mann seine absolute Zuverlässigkeit. Leicht gähnend, die Hände in den Taschen des weiten Ulsters, schlendert Charles zum Ausgang. Am schlecht beleuchteten Portal streift er einen eiligen, kleinen Herrn, der sich seinerseits höflich entschuldigt, ohne von Charles mehr als ein Knurren zur Antwort zu bekommen. Draussen wartet, von Nichtstuern und Gassenkindern bestaunt, der riesige Cadillac, der Charles viel weniger Spass macht, seit er, wenn, auch wegen gedrosselten Motors, im "Rennen mit einem kleinen Ford versagt hat Der eilige, kleine Herr hat Charles einen überaus unfreundlichen Blick nachgesandt Jetzt tastet er sich in die Manege,. wo er, im Gegensatz zu Charles, sofort von dem lungernden Clown in schroffem Ton nach dem Grunde seiner Anwesenheit gefragt