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E_1939_Zeitung_Nr.020

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BERN, Montag, 6. März 1S33 4. Salön-tamer Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 20 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen Zuckelt da im Nebel eines Wintermorgens ein Fuhrwerk gemächlich dahin, hübsch ordentlich auf der rechten Strassenseite. In der Mitte unter dem Gefährt baumelt eine brennende Laterne. Um dieselbe Zeit tastet sich, das kleine Licht eingeschaltet, ein Automobil in gleicher Richtung durch die «Erbsensuppe», hart dem rechten Strassenrande folgend, der dem Fahrer noch die einzige Orientierungsmögltchkeit bietet. Bedächtig kämpft er sich vorwärts — da, ein Ruck, ein kurzes metallisches Geräusch. Die schwere Limousine stoppt fast auf der Stelle, denn sie hat ja nur etwa 15 km «drauf» gehabt, aber das Malheur ist schon passiert: Sie hat das Fuhrwerk von hinten angefahren, keineswegs wuchtig zwar, doch die Karambolage genügt, um am Auto Schaden anzurichten. Wie es gekommen ist ? Auf dem Gefälle, in welchem die Strasse verläuft, vermochte •der Automobilist das Licht unter dem Fuhrwerk nicht zu bemerken, denn dazu bedürfte er der Fähigkeit, im Bogen untendurch zu sehen. Wohl gibt der Ftihri»an.n~-zu,*- »dass seine Lamge für einen direkt." f ini"' V 'd'er Achse seines Gefährts von hinten herannahenden Automobilisten unsichtbar sei. Indessen steht auch der Lenker des Motorfahrzeugs wohl nicht ganz schuldlos da. Fahren im dichten Nebel erfordert selbst, bei massigem Tempo f letzte Vorsicht. Wie/ wenn ihm nun das Missgeschick statt mit dem Pferdefuhrwerk mit einem Fussgänger oder einem Handkar- - ren zugestossen wäre? Diese Kategorie .vorf Strassenbenützern- is£ ja keineswegs ;,ver* pflichtet, sich durch Lichter erkennbar zu ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlas, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Ihsassetiverstcherung) vierteljahrlich Fr. 7.50 $üc die {Revision des JtS.Q. aoezufnecken: Beleuchtung der Fuhrwerke F E U I t. L Von Peter Pee, Also wissen Sie, ich muss immer an Weihnachten denken, wenn ich so'n Automobil-Salon betrete. /Komisch ist doch das, nicht? — Na, ja, an Weihnachten geht's auch so toll zu. — Denken Sie doch richtig mal drüber nach. — Haben Sie's — wie? Noch nicht? — Also, es ist doch im Grunde genommen, wenn ein vernünftiger Mensch ganz logisch und folgerichtig sich die Sache überlegt, ein unglaublicher Unsinn, Automobile in einen Salon zu stellen! Genau wie an Weihnachten! — Da haben Sie recht: So leicht wäre das gar nicht mit dem Klavier. Aber schliesslich, was brauchen wir ein Klavier in der frischen Luft? — wir haben ja jetzt das Radio. — Sache, in den Autos gibt es das gleichfalls, ich weiss, ich weiss! Bin kürzlich mal mit einem Freund gefahren. — Nein, er war rjicht der Besitzer des Autos, sondern ein anderer Freund und der liebt doch Musik so heftig — hab.d ich auch gesagt, es gibt halt doch noch musikalische Leute. Gut, baut er sich ein Radio in den Wogen ein. Und der Freund vom Freund — also dfer Fahrer, mit dem ich — wissen Sie schon —' na/ schön, der stellt den Lautsprecher auf fortissirrro und saust los. Ich sage Ihnen — 'zuerst mit 60—70 km, und dann gab's einen schmalzigen Tango -7- schon rutschte der Zeiger auf 80—90 — und gleich nachher kam, eine ganz rassige Sache,, so im energischen Eiltempo — zugleich kriegt's.; der Kilometerzähler auch mit der Angst zu tun und eilt auf 100 und — ich habe ihn noch gewarnt — nein, nicht den Zähler, den Freund — da kommt auch schon eine Kurve — eine Kurve, meine Herren, etwas vom Pikantesten, das man sich vorstellen kann, sieht harmlos aus und ist ganz verteufelt raffiniert — und ich werfe einen Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin». Monatlich 1 mal „CMbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414' - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich i Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 machen. Müssten w i r diesen Fall beurteilen,, so würden wir, unter Berücksichtigung aller Umstände, die Schuld ungefähr je zur Hälfte dem Begleiter des Fuhrwerks und dem Automobilisten zumessen. Ja, würden wir... nach dem gesunden Menschenverstand! Der Richter aber ginge in der Würdigung der Verschuldensfrage einen davon völlig abweichenden Weg. Er würde den Automobilisten allein mit einer Strafe bedenken, weil; er müsste, weil er angesichts des Wortlautes der heute geltenden Bestimmungen gär nicht anders könnte. Zwar schreibt die Vollziehungsverordnung zum MFQ in Art. 74, 1, vor, das von den Fahrzeugen mit Tierbespannung zu führende Licht müsse in der Regel links aussen auf der Höhe des Sitzes oder der Ladebrücke so angebracht sein, dass es bei normalen Witterungsverhältnissen für Strassenbenützer, die das Fahrzeug kreuzen oder überholen, auf eine Entfernung, von 30 m gut sichtbar sei. ' .' Also hätte der Fuhrmann im vorliegenden Falle doch gegen dieses Gebot...? Falsch! Er hat .sein Schuldkonto ganz und gar nicht belastet, denn erstens muss sein, Licht ja nur bei normalem Wetter auf 30 m gut erkennbar sein und zweitens auferlegt das Gesetz dieser Gattung von Verkehrsteilnehmern absolut keine Pflicht, ihre Gefährte etwa auch bei Nebel zu beleuchten. Nach Art. 33, 1, MFG haben Fahrzeuge mit Tierbespannung vom Beginn der Dämmerung an — aber auch nur dann — Licht zu führen. Dass sie ein Gleiches auch zu tun hätten,, wenn dichter Nebel den Verkehr erschwert, dafür liefert das Gesetz nirgends auch nur den leisesten Anhaltspunkt. Vielleicht eine versehentliche Auslassung? Ganz im Gegenteil! Und bedürfte es noch eines Beweises dafür, dass nicht etwa ein gesetzestechnischer Schnitzer diese Lücke auf dem Gewissen hat, sondern planmässige Ueberlegüng und bewusste Absicht bei deren Entstehung mitgewirkt, dann erbrächte diesen Beweis allein schon die Gegenüberstellung von Art. 33, 1, mit Art. 19, 1, MFG, der die Grundsätze für die Beleuchtung der Motorfahrzeuge aufstellt. Denn hier sagt der Gesetzgeber ausdrücklich: «Das Motorfahrzeug 1 2. Nationale Schnee-Stern fahrt zum Genfer Salon schliesslich und endlich kaum einmal im Leben dazu, auf einem Lastwagen zu fähren. — Ich weiss zwar ein Beispiel, wo der Gatte einer näheren Freundin meiner Frau — ja, das. muss ich Ihnen erzählen. Der Kerl läuft also auf einer Landstrasse. Mitten im Tag. Die 12-Uhr-Sonne brennt. Durstig, wie er ist — passen Sie auf,- der Verkäufer dort drüben hat Sie so angeschaut. Man muss gut Obacht geben. Ein Blick genügt, und schon hat man sein Automobil in der Tasche. Es gibt raffinierte Verkäufer — nun ja doch, ein Prospektchen kann man schon mitnehmen. Kostet doch nichts, und die Kinderchen freuen sich an den bunten Bildern. Meine Erna meint immer, Aütbprospekte — Ja, iajajaja, mit den neuen Wagen ist's kein Spass. Neue Besen kehren gut, neue Wagen fahren schlecht — hahaha, so sollte das heissen. So ein Ole achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Hp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nnmmer Links: Der mehrmalige schweizerische Automobilmeister August Scheibler auf Lancia-Aprilia am Samstagmorgen beim Start zur Schnee-Sternfahrt an der Nägeligasse in Bern. — Rechts: Eine Aufnahme vom Start zur Bergprüfungsfahrt in L'Etivaz. In Wenigen Sekunden wird der Berner Gautschi auf Pontiac dem Col des Mosses zu Leibe rücken. (Siehe unsern Bericht auf S. 7/8 dieser Nr.) TON Der Laie im Salon letzten Blick auf die Uhr — auf den Zähler. 120 kann ich noch lesen. Dann drücke ich die Augen zu. Mit 120 Dingerchen in diese'Kurve! Toll, einfach toll! — — Was soll ich sagen. Es passierte gar nichts, nur die Pneus schrien auf, wie wenn ihnen jemand auf den Fuss gestanden wäre. Aber, was red' ich da und Sie hören mir nicht mal zu. — Zugegeben, es sind viele Leute hier im Salon, doch deshalb braucht man nicht den Kopf zu verlieren. — Na, erlauben S^e mall Ob ich was von Autos verstehe? Das fragen Sie einen KennerI Herr, wissen Sie, wer Ihnen gegenübersteht? Haben Sie eine Ahnung? — Haben Sie nicht! Das habe ich mir gleich gedacht. — Für mich als Fachmann gibt es sicherlich nichts Imposanteres als diese gewal- tige Typen-Schau. — Dia,'ein zügiger Ausdruck. I c h habe ihn geprägt :— seither wird er in jeder yeramselter Motor — ach, vördrosselter, meinte Zeitung rumgeschmiert. — Typenschau, wie ich — der kommt mir immer vor Wie ein Hund an gesagt. Da sehen Sie mal dieses Cabriolet an, der Kette. Ein bisschen laufen kann er, aber doch reizend, einfach reizend. Es würde mit seinem nicht so wie er will. Und da fährt man im neuen hellen Verdeck unbedingt zum neuen Hütchen meiner Frau —. übrigens, fällt mir gerade ein, da Rat beim Ausgehen, und rutscht im Schneckentempo Auto herum, ist gediegen, wie am Samstagabend sich meine Frau vor drei, nein vor vier Tagen einen seine Kilometer ab. Mein Schwager beispielsweise, ja, der mit der Glatze und der Brille, neuen Hut gekauft. Sie kommt mit nach Hause, tritt ins Zimmer und. ich, im ersten Schrecken, rufe der lässt immer seinen Aeltesteh den Wagen einfahren — richtig, ein gefährliches Spiel! Jugend — diese Limousine! Haben Sie schon einen solchen Traum auf Gummirädern gesehen? Sie vielleicht? — Ich auf jeden Fall nicht. Limousinen Strolchenfahrt machen; mit Alkohol und Mädels hat keine Tugena — der Junge kann ja ruhig.eine sind überhaupt praktisch und wirken immer vornehm. Ein Vertreter des englischen Königs — — die Kosten sind ja auch beträchtlich, sage und so — kennen wir von früher her, nicht? — einverstanden, Coupe können gleichfalls ihre ich auch immer. Was ein solcher Karren Benzin Zwecke erfüllen. Ich muss zwar dabei immer an frisst im Laufe eines Jahres, geht in keine Tankstelle. Ich habe mir mal den Spass gemacht, aus- Eisenbahncoupe 1 denken — dann riecht's so nach Eisenbahn — wie? — elektrisch — na, verbrannte zurechnen — ja, Oel auch, teils teils — es soll elektrische Drähte riechen doch auch. — Und bekanntlich Marken geben, die überhaupt kein wie! Hahahahaha!. — Nun, ein Sedan? — Ich Oel benötigen. —Spare in der-Zeit, dann hast du verstehe irnrrfer Sedan ! — Haben Sie Sedan gesagt! — Ach so, Sedan! — Mit Sedan weiss ich drüben gesehen .— nein, dort drüben, links beim in der Not. — Hoi, haben Sie,den blauen dort nicht so richtig Bescheid. Das kommt doch von Lorbeerbäumchen — der Kleinwagen? Wer spricht einem berühmten Schlachtort, nicht? — Lassen wir denn von Autos hier — ich meine doch den sie beiseite, die Lastwagen. Unsereiner kommt blauen Tailleurl Fesch sind die Frauen hier, das INSERTIONS-PREIS: In dieser Nummer s Durch die Stände am Genfer Salon, Am Rande des Salons. Schnee-Sternfahrt ein Schwarztreff er. Bilder: Franz. Wagen in Genf: muss vom Beginn der Dämmerung an und bei dichtem Nebel vorn und hinten mit Lichtern versehen sein, ausser wenn es im Bereich der Strassenbeleuchtung stillsteht.» Der Fuhrmann in unserem Fall hat somit nicht nur keine Gesetzesverletzung begangen, er hat sogar dadurch, dass er an seinem Wagen ein, Licht anbrachte, etwas getan, wozu er durchaus nicht verhalten gewesen wäre. Man braucht also keineswegs mit juristischen Spitzfindigkeiten und Haarspaltereien zu operieren, um zu erkennen, dass das MFG in der Frage der Beleuchtung der Motorfahrzeuge und Fuhrwerke zweierlei Mass anlegen wollte. Spricht dafür schon die ^ — Formulierung der beiden erwähnten Artikel, die keine andere Deutung zuläs'strso'beseitigt der parlamentarische Werdegang- dieser Bestimmungen auch die letzten Zweifel. Genau so, wie man aus referendumspoliti.scben Gründen 'die Radfahrer vom Nummernzwang entband, genau so und aus der gleichen Erwägung heraus war man bestrebt, auch allfällige Oppositionsgelüste der Landwirtschaft durch Gewährung einer Extrawurst, eben des Verzichts auf Beleuchtungspflicht bei dichtem Nebel und bei der Heimkehr vom Feld, zu beschwichtigen. Zwar machten die automobilistischen kann man schon sagen! Möglicherweise ist das der Hauptgrund, dass eine solche Veranstaltung so gut besucht — da, jetzt dreht sie :sich um! Oha, falsche Bilanz! Knif — drehen wir uns gleichfalls. — — Komisch, dieser ovale Rückwärtsspiegel. Ich muss bei Rückwärtsspiegeln immer daran denken, als ich mich mal in einem solchen rasiert hatte. Bei einem Wochenendausflug sahen wir uns gezwungen, im Wagen zu übernachten — nein, es ging Panz gut. Wir waren nur zwei, ich und noch eine erson. Die Sitze vorziehen — ein paar Decken — kurzum, am frühen Morgen sagt — ach, apropos Spiegel, schauen Sie mal her! Von unten bespiegelt. Sieht schon tadellos aus, so ein blank geputztes Auto-Unterzeugs. Der Wagen ist wohl auch nicht auf eigenen Beinen in den Salon gefahren, sondern gefahren worden. — Eigentlich widersinnig: Ein Auto, das Auto fährt! Wos doch noch heute genug gebildete Menschen gibt, die sich kein Auto leisten können! — Wo war ich? Richtig, beim Rückwärtsspiegel. In der Nacht regnete es tüchtig. Das klatschte nur so aufs Verdeck — nein auch, haben Sie das gesehen? — Ein Griff, ein Druck, und schon schliesst sich das Verdeck, ohne dass man sich die Fingernägel abbrechen muss und am Verdeckrahmen beinahe die Arme bricht beim Runterdrücken. Ja, der Herr sieht auch gut aus. — Das ist überhaupt der Trick, haben Sie das schon herausgeschrKiffelt? Je besser, eleganter und filmstarähnlicher der Vertreter; desto grösser der Erfolg. — Eigentlich wollte ich vor einigen Jahren Auto-Vertreter werden — was lachen Sie? Ich hatte das Zeug in mir, ich spürte die erfreulichen Fähigkeiten zu diesem Beruf — na, wie's so geht, das Leben hat mich dann auf einen andern Weg geschoben — Kinder, Kinder, habt Ihr auch so heiss? Wie wär's mit einem Glas Bier? — Schliesslich, Salon bleibt Salon — der läuft uns ja nicht weg. Und gemütlich ist's auf alle Fälle, wo man doch so nett miteinander plaudern kann.