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E_1939_Zeitung_Nr.021

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Abb. 2. nur in

Abb. 2. nur in Ausnahmefällen noch einer besonderen Warnung vor gefährlichen Strassenstellen. Nun kann aber gerade denjenigen Punkten, für die der Vorschlag des Städteverbandes gedacht zu sein scheint, wegen des Bestehens eines Strassenbahnverkehrs kaum eine höhere Gefährlichkeit zugeschrieben werden, als wie sie bereits der schienenfreie Fahrverkehr an sich mit sich bringt. Die in einer Strasse verkehrende Strassenbahn vermehrt, wenn sie auch ihrerseits die Pflicht zu vorsichtiger Fahrt erfüllt und ihr Vortrittsrecht nicht unbekümmert um die jeweilige Verkehrslage durchsetzt, diese Risiken kaum erheblich. Kommt nach alledem eine Verwendung des Signals Nr. 3 zur Kennzeichnung von Strassenbahnkreuzungen nicht In Frage, so müssen wir — immer unter der Voraussetzung, dass es beim Andreaskreuz und seinem Vorsignal nicht sein Bewenden haben könne — nach einem anderen Signalbild der Verordnung vom 17. Oktober 1932 suchen. Als ein solches Zeichen fällt nun höchstens noch das allgemeine Vorsichtssignal Nr. 22, das weisse Dreieck auf viereckiger blauer Tafel, in Betracht. Auch hier jedoch wäre eine zusätzliche Beschriftung nötig, wodurch sich das Signalbild unserer Abb. 2 ergäbe. Jedoch auch gegen die Verwendung dieses Verkehrszeichens erheben sich verschiedene Bedenken. Das erste ergibt sich aus der ohnehin recht reichlichen Verwendung des Signals 22 zur Ankündigung aller möglichen besonderen Verhältnisse (Schulhäuser, Spitäler, in einzelnen Städten Fussgängerstreifen und dgl.), die es einer wirklich eindringlichen Wirkung auf die Verkehrsteilnehmer schon längst in erheblichem Umfange beraubt hat. Zwingender dürfte jedoch eine andere Ueberlegung sein. Während nämlich die Gefahrensignale Nr. 1 bis 7 der Signalverordnung (sämtlich als rotumrandetes weisses Dreieck gestaltet) den Verkehrsteilnehmer vor Gefahren warnen, die ihn selber bedrohen, liegt die Grundbedeutung des allgemeinen Vorsichtssignales umgekehrt in der Mahnung an die Fahrzeugführer, ihreseits auf andere Rücksicht zu nehmen und niemand in Gefahr zu bringen. So bezeichnet Strebel in seinem Kommentar zum MFG als solche «gefährliche Stellen», die durch eines der Gefahrensignale gedeckt sein müssen, « Strassenteile, die infolge der Anlage . . . der Strasse eine die gewöhnliche übersteigende Verkehrsgefahr bilden, weil mit der Möglichkeit gerechnet werden muss. dass die Gefährlichkeit der Stelle auch bei Anwendung der im allgemeinen gebotenen Sorgfalt (insbesondere von Ortskundigen) nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wird». Und die uns hier beschäftigenden Punkte gehören nun offensichtlich zu jenen Stellen des Verkehrsraumes, wo die Verkehrsanlage als solche die betreffende Gefahr setzt. Solche wirklich aussergewöhnlich kritische Stellen, sofern sie durch Strassenbahnen oder Industriegeleise geschaffen werden, werden jedoch schon heute durch das Andreaskreuz angekündigt. Dazu tritt, wo nötig, als Vorsignal das einen unbewachten Bahnübergang ankündende Verkehrszeichen Nr. 5 der Verordnung über die Strassen-Signalisation. Für weitere Stellen aber kommt bei billiger Abwägung der Interessen des allgemeinen Strassenverkehrs einerseits und der öffentlichen Verkehrsbetriebe sowie der Besitzer von privaten Anschlussgeleisen anderseits eine Signalisierung der Kreuzung des Schienenstranges mit einem anderen Verkehrsweg jedenfalls höchst selten in Frage. Im übrigen aber ist darauf hinzuweisen, dass überhaupt die Anbringung des Signals « unbewachter Bahnübergang» durchaus nicht von der Aufstellung eines Andreaskreuzes abhängig ist. Das rotweisse Dreieck mit dem Bild der Dampflokomotive kann vielmehr auch allein aufgestellt werden. Es scheint daher kaum nötig, unter Zurechtbiegung anderer Signalbeqriffe ein neues Verkehrszeichen zu schaffen, das höchstens die Zahl der bereits in unseren Städten stehenden Siqnale aller Art in unerwünschter Weise vermehren müsste, ohne doch einer wirksamen Gefahrenbekämpfung dienen zu können. Wie vielleicht in einem späteren Zeitpunkt die gegenseitige Gefährdung von Schienenverkehr und übrigem Strassenverkehr weiter vermindert werden könnte, haben wir bereits angedeutet oder durchblicken lassen (Aufhebung des unbedingten Vortrittsrechtes der Strassenbahn einerseits, Ausstattung auch der innerstädtischen Hauptstrassenzüge mit einem allgemeinen Vortrittsrecht anderseits). Zuletzt aber sei — wieder einmal — auf ein Mittel hingewiesen, durch das. die Strassenbahnen ihrerseits sehr viel zur Erhöhung der Verkehrsicherheit beitragen könnten. Es sind die Richtungszeiger am Tram, wie sie im Ausland zahlreiche Betriebe schon längst freiwillig eingeführt haben, wie sie aber beispielsweise die neue deutsche Verordnung über den Bau und Betrieb der Strassenbahnen zwingend vorschreibt. Angesichts dieser Sachlage wäre es kaum verwunderlich, wenn das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement die Anregung des Schweizerischen Städteverbandes nicht weiter verfolgen und auch die um ihre Ansicht befragten kantonalen Behörden allfällige Gegenvorschläge nur unter der Ueberlegung aufstellen würden: wenn überhaupt etwas Neues, dann lieber das Vorsichtszeichen Nr. 22 statt des auf alle Fälle unrichtigen Kreuzungssignals nach dem Vorschlag der genannten Organisation. H. W. Th. Während über Henry Ford als Lehrer und Erzieher einer neuen Ingenieur- und Technikergeneration Aufsätze und Abhandlungen am laufenden Band geschrieben wurden, ist seine Vorliebe für das eigentliche pädagogische Gebiet, die Jugenderziehung, weniger bekannt, eine just im biblischen Alter erblühte, letzte leidenschaftliche Lebensliebe, die den unermüdlichen Greis cwieder jung werden ljess>, wie er begeistert versichert. Im Zusammenhang mit seinem neuen Wirkungskreis ist dieser Vorgang um so beziehungsreicher, als der alte Henry Ford bei einem Ausflug nach der Stätte seiner ersten Schulzeit nicht nur in sentimentalen Erinnerungen schwelgte, sondern auch den Entschluss zu einer ebenso praktischen wie verdienstvollen Tat fasste. Wie Henry Ford Pädagoge wurde, ist ein Ereignis, bei welchem wie so oft im Leben dieses bedeutenden Mannes der Zufall eine ausschlaggebende. Rolle spielte. Ort der Handlung: Ein kleines, verlassenes Landblockhaus bei der Ortschaft Greenfield. Zeit: 1929. Personen: Henry Ford und sein erster Schulkamerad, der bekannte Chemiker Edsel A. Rudmann. Mitwirkende: Ortsdorfkinder von Greenfield, die beim gewohnten Betreten der nur einen einzigen Raum — das ehemalige Schuizimmer — enthaltenden verlassenen Blockhütte zu ihrer grössten Ueberraschung jene beiden Männer vorfanden, gerade damit beschäftigt, ihre Namen in das Holz einzuschnitzen. Ford hatte die Hütte, den einstmaligen Schauplatz seiner ABC-Schützenzeit, worin später die schottischen Kolonistenkinder Schulstunde hielten, pietätvoll aus dem Staate Michigan in der Nähe seines Wohnsitzes Greenfield transportieren lassen, um hin und wieder eine Pilgerfahrt nach dem von ihm wie ein Heiligtum verehrten Holzhaus zu unternehmen. Bei einem solchen Anlass, eben dem geschilderten, von der eintretenden Schuljugend nicht minder überrascht wie diese von der Anwesenheit der beiden Männer, fasste er, einer plötzlichen Eingebung gehorchend, den Entschluss, nicht nur die verlassene Blockhütte wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung als «Schulhaus> zuzuführen, typ entsprach. So verfügte es beispielsweise über die von M. G. allgemein bevorzugte starre Achse vorn und hinten. Gleichzeitig bewies damit M. G. wieder einmal schlagend vor aller Oeffentlichkeit sein Können als Motorenkonstrukteur, das auch in den normalen Serienausführungen seinen sichtbaren Niederschlag findet. Nicht weniger .denn 107 PS gibt beispielsweise der Motor des am M. G.- Stand ausgestellten 2,64jter Wagens her, dessen saubere Konstruktion der Besucher durch den durchsichtigen hintern Motorhaubendeckel zu bewundern Gelegenheit hat. Auffallend ist die starke Verrippung der beiden Auspuffstutzen sowie die strömungsgünstige Führung der unten anschliessenden Auspuffrohre. Eines der Baumerkmale, die dem Motor zu seiner unglaublich hohen Literleistung von 41,2 PS Hubraum verhelfen, die unseres Wissens von keinem andern handelsüblichen Motor übertroffen wird. ' Die vollständige Typenreihe von M. G. umfasst vier Modelle von 7, 8, 12 und 13 Steuer- PS. Die beiden kleineren sind Vierzylinder- Typen, die anderen solche mit sechs Zylindern. Alle verfügen über den gleichen Hub von 102 mm, jedoch unterschiedliche Zylinderbohrungen. Beim grössten (ausgestellten) Motor wird das Oel nicht allein durch die Wirkung des stark verrippten Carters, sondern zusätzlich noch durch einen ins Kühlsystem eingebauten Oelkühler und -vorwärmer auf der richtigen Betriebstemperatur gehalten. Das Oel wird dadurch innert kürze- AUTOMOBIL-REVUE DIENSTAG, 7. MÄRZ 1939 — N° 2± . Henry Ford als Pädagoge sondern dort auch in persona als Lehrer zu wirken. Wie stets bei Henry Ford, folgte dem Gedanken die Ausführung fast auf dem Fusse. Und das Ergebnis? Dass nun täglich 250 Schulkinder von Dearboon per Omnibus hierher fahren, um nach der spezifisch Henry Fordschen Lehrmethode unterrichtet zu werden. Die Henry Fordsche Lehrmethode? Man darf mit Fug und Recht von einer solchen sprechen. Und sie hat, ohne dass es ihrem Erfinder zum Bewusstsein kam, mit ihrer auf möglichste Berücksichtigung der Schülerindividualität und der daraus bedingten Lernfreiheit in der Grundidee überraschende Aehnlichkeit mit der Montessori-Methode. Auch Ford, der sich seitdem eifrig mit erzieherischen Problemen beschäftigt, geht von dem Grundprinzip aus, dass der Schüler, das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, spielend lernen, und dass man deshalb Unterricht und Vergnügen in wechselseitige Verbindung bringen müsse. Drei bis vier Wochenausflüge in die freie Natur bilden in solchem Sinne einen Hauptbestandteil des Fordschen Schulprogramms. Den Schülern, welche dabei abwechselnd die Rollen der Einladenden und der Gäste übernehmen, steht sogar ein besonderer Raddampfer — die «Sawannee> — zur freien Verfügung. Ueberflüssig, zu sagen, dass die Erziehung zu möglichst früher wirtschaftlicher Selbständigkeit gleichfalls eine wesentliche Grundlage des Fordschen Schul- und Lehrprogramms bildet. Darum ist denn auch jeder Zögling einer Fordschule von Anfang an gehalten, «Geld zu verdienen>, sei es durch irgendwelche noch,so unbedeutende Tätigkeit in den Fordwerken, oder ausserhalb derselben in Familien- Verwandten- und Bekanntenkreisen, etwa durch Anbau und Verkauf von Gemüsen, Salat u. a. m. Die Fordschule von Greenfield ist übrigens keinesfalls das einzige pädagogische «Unternehmen» des amerikanischen Automobil-Grossindustriellen, der gleiche Schöpfungen auch in Georgien (E. U.) mit 6 Elementarschulen für Negerkinder, weitere 20 in Brasilien für die Jugend seiner Kautschukplantagenarbeiter, sowie zahlreiche Unterrichtsstätten in Neuengland (Michigan) ins Leben rief. Technischer Film des Genfer Salons Es wandert der Blick von Stand zu Stand M. G. Der 2,6-Liter-^Motor 13/100 PS. (Stand 39) Die Welt hat aufgehorcht, als unlängst die Meldung durch die Presse ging, dass Major Gardner auf seinem 1,1-Liter-M. G.-Wagen Geschwindigkeiten vom mehr als 300 km/St, herausfuhr und damit eine Reihe von Rekor r den zu Fall brachte. Eine ganz phantastische Leistung, und dies um so mehr, wenn ma.n vernimmt, dass das Chassis des Rekordwagens in vielen Teilen dem normlen Serienster Frist auf die normale Temperatur von 70—80 Grad gebracht und dann auch dort gehalten. Kurbel- und Nockenwelle sind sowohl dynamisch wie statisch ausgewuchtet. Das Vierganggetriebe aller Modelle besitzt drei synchronisierte Gangstufen. Die Fussbremsen sind hydraulisch, die Handbremse dagegen besitzt mechanische Betätigung. Als Neuheit wurden die hintern Halbelliptikfedern des 2,6-Litertyps aussen am Chassisrahmen befestigt, um das Heraushängen in Kurven zu verhindern. Es gäbe noch über viele interessante Einzelheiten zu berichten, die von der technischen Reife dieser englischenKlassewagen zeugen, doch mangelt uns hiezu leider der Raum. Willys. (Stand 16) Der neue Willys-Overland hat gegenüber dem Vorjahrsmodell sehr bedeutende Aenderungen erfahren, die ihn zu einem vollkommen neuen Fahrzeug stempeln. Als kleinster Amerikaner von 11/61 PS kommt er mit einem von der Vertretung garantierten Brennstoffverbrauch von nur 10 Liter/100 km aus. Ebenso wird eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/St, garantiert. Als Neuheit verfügt er über hydraulische Vierradbremsen, an Stelle der letztes Jahr verwendeten mechanischen Bremsen. Dank der neuartigen Gummiaufhängung dreht der Motor jetzt auch leer ganz ruhig. Das Fahrgestell besitzt einen kreuzversteiften Rahmen und stützt sich vorn und hinten durch Halbelliptikfedern auf starre Achsen ab. Dämpfung durch hydraulische Teleskop-Stossdämpfer. Ausgestellt werden eine graue Grand-Luxe-Limousine, ein grünes Coupe sowie ein in einem helleren Blauton gehaltener Innenlenker. Neuerdings werden nun auch die Willys-Wagen bei Saurer in Arbon montiert und bringen damit zusätzlichen Verdienst ins Land. Amilcar Compound 1939. (Stand 3) Im Herzen des Hotchkiss-Standes zeigt Amilcar je ein blankes Chassis, eine Cabrio- Limousine sowie einen serienmässigen, vierplätzigen Innenlenker und weist schon dadurch auf die enge k Verbundenheit mit der grossen französischen Qualitätsmarke hin, unter deren Protektorat die neue Amilcar- Konstruktion entwickelt wurde. Damit ist eigentlich schon gesagt, dass es sich bei den neuen Wagen um eine bis ins hinterste Detail ausgefeilte Konstruktion handelt, denn Hotchkiss hat noch nie halbe Arbeit geleistet Als umwälzende Neuerung besitzt der neue Amilcar-Compound ein Chassis aus vergütetem Leichtmetall, das zusammen mit der Vorderwand der Karosserie ein einheitliches Ganzes bildet. Sein seitengesteuerter Vierzylindermotor von 1,2 Liter Hubraum leistet bei 4000 U./Min. 33 PS und wiegt mitsamt Schwungrad und Kupplung nur 104 kg. Er arbeitet über ein Vierganggetriebe mit zwei synchronisierten Gängen, das durch einen in raumsparender Anordnung am Instrumentenbrett angebrachten Schalthebel bedient wird, auf die Vorderräder. Die Bremsen werden auf mechanischem Weg betätigt Die Lenkung beruht auf dem Zahnstangenprinzip. Als hochmoderner Wagen verfügt der neue Amilcar an allen Rädern über Einzelfederung, wobei vorn Querfedern, hinten Torsionsstäbe als Federelemente dienen. Zur Dämpfung der Fahrbahnstösse dienen rundum hydraulische Stossdämpfer. Die Serienkarosserien des neuen Amilcar sind von sehr gefälligen Linien, ohne irgendwelche Extravaganzen. Ihre Ausstattung würde auch einem Wagen der grösseren Klasse Ehre machen. Dank der Leiohtmetallkonstruktion beläuft sich ihr Gesamtgewicht nur auf 750 kg, was ihnen ein recht günstiges Leistungsgewicht von nur rund 23 kg/PS sichert Renault. (Stand 4) Die fast erdrückende Fülle von Ausstellungsobjekten am Renault-Stand erlaubt uns leider nicht, sie alle in diesem Rahmen zu besprechen. Beschränken wir uns daher auf eine etwas eingehendere Behandlung des in der Schweiz dies Jahr zum erstenmal gezeigten Modells Juvaquatre, sowie des im Zentrum des Standes präsentierten, blanken Chassis, dessen konstruktive Einzelheiten für die ganze Renault-Typenreihe charakteristisch sind. Mit den Juvaquatre hat Renault einen Vorstoss in die kleinste, vierplätzige Gebrauchswagenklasse gemacht. Im Hinblick auf grösste Betriebswirtschaftlichkeit ist er mit einem Vierzylinder-Motor von nur 1 Liter Hubraum ausgestattet, der, wie bei allen Renault-Modellen, über ein Dreiganggetriebe mit zwei synchronisierten Gängen die Hinterräder antreibt. Abweichend von den übrigen Renault- Konstruktionen besitzt er einzelgefederte Vorderräder. Die Vorderräder des Renault-1-Liter-Wagens besitzen Einzelabfederung vermittels Querfeder und Lenkern, die zugleich die hydraulischen Stossdämpfer bedienen. Am ausgestellten Primaquatre-Chassis fällt besonders die verwindungssteife Ausführung des Rahmens auf, dessen Längsträger als Hohlprofile ausgebildet sind. Eine Besonderheit ist die seit dem Vorjahr bei allen grösseren Wagenmodellen serienmässig eingebaute, mechanische Servoverstärkung der Bremswirkung. Maybach. (Stand 25) Es ist schon Tradition geworden, dass man Maybach am Genfer Salon alljährlich durch einige wahre Prachtsexennplare von Wagen vertreten findet, die den Techniker durch die interessanten Einzelheiten ihrer Chassisund Motoren-Konstruktion, jeden Beschauer aber durch die raffinierte Eleganz von Karosserie und Ausstattung fesseln. Die drei diesmal präsentierten Modelle, ein Innenlenker sowie zwei Spezial-Cabriolets, sind alle vom Typ SW 38, der seit dem Vor- Ansicht des Getriebes am neuen Maybach Zeppelin. Es besitzt 4 Gänge, die ohne zu kuppeln vom Lenkrad aus geschaltet werden.

N° 21 •-> DIENSTAG, 7. MÄRZ 1939 AUTOMOBIL-REVUE Jahr keine wesentlichen Aenderungen erfuhr. Er besitzt nach wie vor das am Stand auch als Demonstrationsmodell gezeigte halbautomatische Fünfganggetriebe, den unerhört leistungsfähigen 3,8-Liter-Motor von 140 PS, der als einzige Marke der Welt über Blattventilfedern verfügt, sowie die Einzelabfederung aller Räder durch eine Kombination von •Schrauben- und Blattfedern, die jedoch neuerdings zwecks Verringerung des Wartungsbedürfnisses in Gummi aufgehängt sind. Als Neuheit notieren wir weiter die Abänderung des Oelkühlers, der jetzt mit der Wasserkühlung kombiniert wurde. Der Maybach SW 38 erlaubt mühelos Fahrtempi von 150 bis 160 km/St, und seine ausgezeichneten Fahreigenschaften erlauben, diese Geschwindigkeiten wirklich auszufahren. Wenn sich auch nicht jeder Besucher des Salons gerade einen Maybach kaufen kann — gesehen haben muss man ihn. Jawa. (Stand 40) Diese tschechische Herstellerin von Kleinwagen hat ausschliesslich ihr fortschrittliches Modell Minor in mehrfacher Ausführung zur Schau gebracht. Das ausgestellte blanke Chassis überzeugt durch seine einfache und zweckmässige Konstruktion. Als typischer Vertreter des tschechischen Autobaues verfügt es über ein verwindungssteifes Zentralrahmenchassis, dessen sämtliche Räder durch je eine Querfeder einzeln abgefedert sind. Zur Radführung besitzen die angetriebenen Vorderräder neben der Querfeder über darunter liegende Dreieckslenker, die Hinterachse aber reduziert sich hier auf zwei in Wagenmitte angelenkte rohrförmige Pendelarme, an deren Enden die Räder gelagert sind. In der vorderen Gabelung des Rahmens sitzt der wassergekühlte 616-ccm-2-Zylinder- Zweitaktmotor, der bei einer Drehzahl von 3500 U./Min. 19,5 PS leistet. Er bildet mit dem Dreiganggetriebe und Differentialgehäuse zusammen einen kompakten Antriebsblock. Ansicht des 4plätzigen Jawa-Mlnor-Innenlenkers. Seine Bauimerkmale sind: Flachkolben, Aluminramzylinderkopf mit halbkugeligen polierten Verbrennungsräumen, patentierte Umkehrspülung, sehr wirksame Schalldämpfanlagen. Das Zahnstangenlenksystem ergibt sine für Fahrbahnstösse unabhängige Lenkung von einwandfreier Lenkgeometrie. Die Bremsen werden durch Vermittlung von Stahlkabeln betätigt. Abgesehen vom beschriebenen Fahrgestell, dem unser erstes Interesse galt, finden wir am Jawa-Stand weitere zwei schnittige Sport- Roadster sowie einen 4plätzigen Innenlenker. Tatra. (Stand 36) Tatra konzentriert jetzt seine ganzen Kräfte auf den Bau seines im Vorjahr erstmals präsentierten Modells 87, einen Stromlinienwagen von bisher im Gebrauchswagenbau unerreichter Windschnittigkeit. Nur so ist es verständlich, dass der luftgekühlte Achtzylinder-Heckmotor von 15/75 PS dem Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 160 km/ St. zu verleihen vermag, die angesichts der fabelhaften Strassenlage dieser Wagen auch unbedenklich ausgefahren werden darf. Eine Fahrt in diesen langgestreckten Zukunftsfahrzeugen lässt sich vielleicht am besten mit dem Gefühl vergleichen, das man bei einer Motorbootfahrt über die glatte oder leicht gekräuselte Fläche eines Sees empfindet Genau dieselben weichen Bewegungen. ^Nachstehend kurz die wichtigsten BaujWierkmale des Modells 87, das als Limousine '»fflt und ohne Sonnendach am Tatra-Stand vertreten ist: Die Karosserien sind von selbsttragender Bauart. Ihr Antriebsaggregat ist im Heck in Gummi gelagert und arbeitet über ein Vierganggetriebe mit zwei synchronisierten Gängen auf die Hinterräder. Weitere Einzelheiten sind: hydraulische Fussbremse, mechanische Handbremse, Wendekreis-Radius 6,25 m, Gewicht 1370 kg, Einzelabfederung aller Räder. In ähnlicher Vollendung wie der mechanische Teil sowie die äussere Erscheinung der Wagen präsentiert sich auch Ihre Innenausstattung, die selbst höchste Ansprüche zu befriedigen vermag. Schnitt durch den Tatra-Stromlinienwagen, Mod. 87, mit luftgekühltem Achtzylinder-Heckmotor. Austin. (Stand 44) In fast allen Autos produzierenden Ländern werden oder wurden die wirtschaftlichen Wagen dieser wohl grössten englischen Automobilfabrik infolge ihrer zuverlässigen und unverwüstlichen" Konstruktion in Lizenz gebaut, so in Frankreich durch Rosengart, in Deutschland ehemals durch Dixi sowie BMW und in USA von Bantam. Sogar in Japan Auch beim neuen Austin Twelve ist in der Mitte der Rücklehne der hinteren Sitzbank eine klappbare Armlehne eingelassen. (The AutocarO fabriziert eine Firma nach Austin-Lizenzen. Dies nur als Beweis für die Anerkennung, die die Austin-Konstruktion in internationalen Fachkreisen geniesst Als Sensation zeigt nun Austin (Generalvertreter neuerdings die Firma Emil Frey, Zürich) in Genf erstmals ein nigelnagelneues Kleinwagenmodell mit moderner Karosserie, das die bisherigen Modelle «seven» und rfrig seven» ersetzt. Es verfügt über einen robusten 900 ccm (5 Steuer-PS) 4-Zylinder-Motor, der bei 4400 U./Min. auf die beachtliche Leistung von 27 PS (rund 30 PS/Liter Hubraum) kommt, was ihm in Verbindung mit dem niedrigen Gewicht (735 kg) eine bemerkenswerte Leistungsfähigkeit sichert. Sein Vierganggetriebe verfügt — abermals eine Sensation — über nicht weniger denn drei synchronisierte Gänge, was das bei Kleinwagen naturgemäss etwas häufigere Schalten stark erleichtert Das Chassis besitzt die bekannte Austin-Federung mit starren Achsen vorn und hinten. Die Ganzstahlkarosserie ist rundum mit Sicherheitsglas ausgestattet. Der Wagen wird serienmässig als 2- oder 4-plätziger offener Tourenwagen sowie als 2- oder 4-türige Limousine mit und ohne Schiebedach geliefert. Am Stand figurieren zwei Limousinen ohne Schiebedach, ein offener, vierplätziger Sportwagen sowie ein Siebenplätzer auf Chassis Typ «18», der sich besonders als Taxi hervorragend eignet. Tempo. (Stand 103) Die Haltung eines Lieferungswagens ist heute für viele Firmen aus Konkurrenzgründen zwingendes Gebot. Um die Anschaffungsund Betriebsspesen auf ein Minimum zu beschränken, entschliessen sich heute immer Firmen zur Verwendung von dreirädri- Aarau • Ardon • Basel • Bern • Bümpliz • Chaux-de-Fonds Chur • Cossonay • Freiburg • Frauenfeld • Grenchen Genf • Lausanne • Locarno • Luzern • Montreux Neuenburg • Pruntrut • St-Gallen • Schaffhausen Sierre • Vevey • Yverdon • Winterthur • Zürich gen Fahrzeugen, die dank ihrem geringen Gewicht mit einem Motor von sehr kleinem Hubraum auskommen. Die Firma Tempo- Werk zeigt als prominenter Hersteller dieser Art von betriebswirtschaftlichen Nutzfahrzeugen an ihrem Stand je einen Dreiradwagen mit Ladebrücke, einen solchen mit Kombinationsaufbau und einen dritten mit Kastenaufbau. Alle drei Aufbauten können auf zwei verschiedenen Fahrgestellen von 400 oder 600 ccm Hubraum (Nutzlast 500 bzw. 880 kg) geliefert werden. Der Motor ist in beiden Fällen ein wassergekühlter Zweizylinder,, der über rm Oelbad laufende Ketten das Vorderrad antreibt Neben diesen Dreiradmodellen baut Tempo weiter einen Vierrad-Lastwagen E 600 von 850 kg Tragkraft, der ebenfalls mit dem 600-com-Zweizylindermotor ausgestattet ist.. Er verfügt über ein Zentralrohr-Chassis mit Einzelfederung sämtlicher Räder durch Schraubenfedern. Der auf die Vorderräder wirkende Antriebsblock ist so auf das Haupttragrohr des Wagens aufgezogen, dass er mit dem eigentlichen Fahrgestell nicht fest verbunden ist, um dieses von Verwindungsbeansprucbungen zu entlasten. Grosses Interesse erweckt der vierrädrige Tempo-Geländewagen für militärische Zwecke, der als Zugstück das Zentrum des Tempostandes einnimmt Er besitzt zwei Antriebsaggregate, eines an Jedem Wägenende, die pendelnd auf dem Zentralrohrrahmen sitzen; Jedes treibt die nächstliegenden beiden Räder an. Karosserie Langenthai. (Stand 84) Das bedeutende Langenthaler Unternehmen präsentiert dies Jahr erneut eine reiche Auswahl seiner bekannt vorzüglichen Cabriolets auf europäischen und amerikanischen Fahrgestellen. Da die Firma eine Art Spezialität aus der Karossierung amerikanischer Wagen gemacht hat denen unter Wahrung ihrer Marken-Eigenart durch Tieferlegung der Motorhaube und andere Massnahmen ein mehr europäisches Gesicht verleihen wird, figurieren unter den ausgestellten Langenthaler Karosserien auch diesmal mehrheitlich amerikanische Wagen. Am eigenen Stand des Langenthäler Werkes finden wir als Prachtsexemplar schweizerischer Qualitätsarbeit ein graues Buick-Cabriolet mit ebensolcher Lederpolsterung sowie ein solches auf Ford- De-Luxe-Fahrgestell in elfenbein und dunkelgrauer Lackierung. Seine Lederpolsterung ist beigefarbig. Als Beispiele europäischer Wagen zeigt Langenthai ein rassiges vierplätziges Alfa-Romeo-Sportcabriolet in dunkelroter Lackierung mit beigefarbener Lederpolsterunz, sowie weiter ein Lancia-Cabriolet An anderen Ständen sind weiter noch folgende von Langenthai karossierte Wagen zu sehen: Bei Oldsmobile ein zweitüriges Cabriolet, bei Lincoln zwei richtiggehende feudale Staats-Limousinen, woran neben der vornehm zurückhaltenden Linie auch die besonders grossen Fenster auffallen, und endlich bei Hansa ein schönes Sport-Cabriolet Neue Carrosserie Gangloff A.G., Bern. (Stand 86) Zwei imposante 30-Plätzer-Cars-Alpins mit Dachverglasung und elektrischem Rollverdeck ziehen die. Blicke auf sich, der eine mit Vorbau und vorgeschobenem Führersitz. Beides kombinierbare Aufbauten. Die Linienführung ist formvollendet, vornehm die Farbenzusammenstellung. Eine nähere Besichtigung der Wagen, speziell der eleganten Innenausstattung, bestätigt den guten Geschmack, den man an dieser Firma gewöhnt ist. Ueberall ist auf Komfort und Zweckmässigkeit Bedacht genommen. Statt Frostschutzscheiben schützen besondere unsiohbare Wärmestrahler die Stirnglacen gegen Frostgefahr. Sämtliche Sitze sind durch Kippvorrichtung nach der Mitte verstellbar. Neu ist die Kippbarkeit der Sitze nach vorn, wodurch rascheste Reinigung des Fussbodens ermöglicht wird. Gediegene Chromstäbe ersetzen die bisher üblichen, seitlichen Gepäcknetze, und an der Rückseite, der Sitzlehnen sind zweckmässige Klappnetze eigenen Modells und Huthaken angebracht. Eine bemerkenswerte Neuerung sind die in der Höhe beliebig einstellbaren Kopfrollen, die den Fahrgästen gestatten, den Kopf während der Fahrt so bequem wie in einem Klubsessel anzulehnen. Zweckmässig ist ferner die schön eingebaute Radio- und Lautsprecheranlage mit ihrer 5 m langen Antenne über der linken Dachrundung. Auf dem Berna-Stand ist ein dritter 30- Plätzer-Gesellschaftswagen der Firma Gangloff ausgestellt, leicht kenntlich an seinen schwarz-weissen Freiburger Farben. (Fortsetzung der Standbesprechungen S. 8.)