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E_1939_Zeitung_Nr.018

E_1939_Zeitung_Nr.018

BERN, Freitag, 3. März 1939 2. Salon-Nammer Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang -— No 1% ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. Ausland mit Portozuschlag, wenn .nicht postamtlieh abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallvenich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitcnralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern GescbMsstelle Zürich: LSwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenseblnss 4 Tage TOT Erscheinen der Nummer Die Ansprache von Bundesrat Pilet-Golaz Hochgeehrter Herr Präsident, Hochgeehrte Herren, Sie sollten Grund zur Freude haben, Herr Präsident. Wenn Sie deshab am Schluss Ihrer Rede eine Anspielung auf ein© gewisse Beunruhigung einflochten, so überrascht mich das. Glauben Sie wirklich im Ernst, man könnte irgendwo — ich weiss nicht wo — die Absicht hegen, Genf seinen Salon streitig zu machen ? Und dass ein so kühnes Unterfangen gelingen könnte, gerade wegen seiner Kühnheit ? Nein, als verwegen müsste man es bezeichnen. Und die Verwegenheit findet immer wieder ihr Murten oder ihr Nancy. Der Salon hat seine Wurzeln tief in den Genfer Boden geschlagen. Ihn diesem Boden wieder zu entreissen, dazu bedürfte es einer Bundesrat Pilet-Golaz, der Chef des Post- und Eisenbahndepartements. ungleich stärkeren Bise als jene, die sie eben etwas zum Frösteln gebracht hat. Fassen Sie und erwärmen Sie sich wieder am Erfolg, der Ihnen Jahr für Jahr neu beschieden ist und den Sie bedingungslos verdienen. Seit sieben Jahren führt mich mein Weg zum erstenmal zu Ihnen. Ob wir in weiteren sieben Jahren noch da sein werden. Sie und ich, weiss ich nicht, aber davon bin ich überzeugt, dass der Salon dannzumal noch bestehen wird. Sieben Jahre ! Ich erinnere mich gut. Damals brauchte es den alles überwindenden Optimismus eines Robert Marchand, um die Eröffnung Ihrer grossen Veranstaltung jenem zu übertragen, den man da und dort absichtlich den Chef des Eisenbahndepartements nannte — wiewohl ein Departement dieses Namens gar nicht existiert. Bei den Automobilisten wartete man — das sei zugegeben — mehr neugierig als beunruhigt, welche Figur der Mann der Schiene unter ihnen wohl machen würde. Ohne es zu zeigen, Hessen sie in den Empfang, den Sie mir bereiteten — er war höflich wie immer — ein Quäntchen Ironie mit einfliessen. Die Eisenbahner machten sich schon mehr Sorgen. Sie erwogen die Frage, was wohl ihr « Supporter » in dieser Galerie beginnen würde. Wir lebten damals — 1932 — in der Epoche, da die Bahnen im Automobil ihren Todfeind erblickten, nachdem sie es allzulange für einen nebensächlichen, unbedeutenden Konkurrenten gehalten hatten. Die Zeiten haben sich geändert, glücklicherweise. Säe selbst, Herr Präsident, haben mir eben meinen wirklichen, wenn auch nicht offiziellen Titel eines Transport- und Verkehrsministers gegeben. Darf ich noch weiter gehen und Sie abermals versichern, dass ich in meiner Eigenschaft als Bundesrat, der dem Landeswohl zu dienen hat, den Vorrang meinen Funktionen als Departementschef einräume, dessen Aufgabe es ist, darüber zu wachen, dass die mir übertragenen Sonderinteressen sich dem Allgemeininteresse einordnen? Aus Ihrem Munde habe ich vernommen, dass es mir geglückt sei, die Automobilisten von der Notwendigkeit einer loyalen und von Vertrauen getragenen Zusammenarbeit zu überzeugen. Mit grösster Genugtuung nehme ich Kenntnis von diesem wertvollen Zeugnis und danke Ihnen dafür. Mein Bestreben wird es sein, den Weg, den ich mir vorgezeichnet und von dem man mich bisher nicht abgebracht hat, weiter zu besohreiten: den Weg der Koordination und nicht der Subordination der Verkehrsmittel. Und ich hoffe, dass ich bei dieser schweren Aufgabe immer auf Ihre Unterstützung' werde rechnen dürfen, die mir unentbehrlich ist. Jedoch — Sie scheinen zu befürchten, die Eisenbahner teilen die Bereitwilligkeit der Strassentransportunternehmer, der «routiers», zur Zusammenarbeit nicht. Sie glauben ein Anzeichen dafür in einer unlängst von den Bahnen getroffenen tarifarisohen Massnahme wahrzunehmen, die sie höflicherweise als inopportun bezeichnet haben. Es liegt mir fern, Ihnen heute, da ich als Ihr Gast hier bin, zu widersprechen. Gestatten Sie mir aber, für mildernde Umstände zu plädieren. Sie selbst haben in Ihrer Rede eine scharfe Anspielung auf die Gepflogenheiten eingewoben, welche ein nahezu hundertjähriges Monopol bei den Bahnen habe entstehen lassen. Genau so wenig wie Sie bin ich für den allmächtig sich gebenden Beamtengeist und die bürokratische Deformation eingenommen: ich verbringe einen Teil meiner Zeit damit, diese Erscheinungen in den beiden grossen Regiebetrieben zu bekämpfen, die mir unterstehen. Nötigenfalls zögere ich nicht einen Moment, energisch zu intervenieren. Und Sie werden Cpenfiei 9 Salon FREITAG, DEN 3. MÄRZ: 10.30 Uhr: Am Genfer Hauptbahnhof: Offizieller Empfang von Herrn" Bundesrat Pilet-Golaz, der eidgenössischen und kantonalen Behörden, sowie der Gäste, durch die Genfer Behörden und das Organisationskomitee des Salons. Abfahrt der offiziellen Wagenkolonne vom Bahnhof nach dem Ausstellungsgebäude. 11.00 Uhr: Im Ausstellungsgebäude: Eröffnungs- Zeremonie und Offizieller Rundgang zur Besichtigung des Salons. 13.00 Uhr: Eröffnungs-Bankett im Restaurant des Salons. 19 Uhr; Schliessung der Ausstellung. Konzert von 15.30—18 Uhr. SAMSTAG, DEN 4. MÄRZ : 9 Uhr: Oeffnung (Eintritt Fr. 1.50). Sjtzung des Direktionskomitees des A.C.S. Sitzung des «Bureau Permanent international des Constructeürs d'Automobiles». 10 Uhr: Sitzung des Bureaus des Verwaltungsrates des T.C.S. 14 Uhr: Sitzung des Verwalfungsrates des T.C.S. 15 Uhr: Zusammenkunft des westschweizerischen Allgemeines Programm Die Defizite — werden Sie erwidern — dauern aber weiter. Jawohl, doch immerhin um rund die Hälfte reduziert! Die Ursachen liegen nicht in einem defizitären Betrieb — er wirft im Gegenteil alljährlich einen Ueberschuss von 100 Millionen ab —, sondern darin, dass die SBB weder über ein Stammkapital noch über Reserven verfügen: ihr ganzes Kapital stammt aus Anleihen. Und auf diesem Kapital richten sie schlecht und recht noch ihre 2H % Zinsen aus. Hätte ich nur die Gewisshett, dass mir die mageren Titel meines mageren Portefeuilles immer soviel einbringen! Nein, die SBB kranken nicht 'an einer schlechten Betriebsführung. Und. würde mich die Angelegenheit nicht indirekt mitberühren,' dann dürfte ich die Behauptung wagen* sie sei der Mehrheit der übrigen- Bahnen überlegen. Die SBB bilden das Opfer der allgemeinen Entwicklung. Zu allererst: ein Opfer des wirtschaftlichen Nationalismus. Der internationale Warenaustausch erfolgt nur noch tropfenweise, durch das Clearing. Vergangenes Jahr, beispielsweise, verminderten sich, die Einnahmen der SBB um mehr, als 15 Millionen. Weshalb? Beinahe ausschliesslich wegen der Schrumpfung des Transitverkehrs, jenes Verkehrs, der keine Automobilkonkurrenz kennt und dessen Tarife auf das niedrigste Niveau gesenkt worden sind. Wohl verstanden,, die Anpassung wäre möglich, ohne in alte Fehler zu verfallen; doch diese Fehler sind nun einmal begangen worden und liegt nicht in unserer Macht, sie ungeschehen zu machen: Anhäufung der von allem Anfang an chronischen Defizite; in die Hunderte von Millionen gehende Kriegslasten, die nie zurückbezahlt worden sind; Unzulänglichkeit der Schuldentilgungen, die den wirklichen Stand der Dinge verschleierte. Damit berühren wir, meine Herren, eine der grössten Gefahren der staatlichen Tätigkeit: den unpersönlichen, wenn nicht anonymen Staat, der — trotz aller gegenteiligen Redensarten — um die Gegenwart mehr besorgt ist als um die Zukunft und seine Schulden sozusagen überhaupt nie abträgt. Wenigstens tilgt er diese Schulden nicht auf übliche, langsame, stetige und methodische Art und Weise. Er tilgt sie mit einem Schlag, wenn sich ihm das Bedrüfnis hiezu gebieterisch aufdrängt, dann nämlich, wenn die Substanz der ursprünglichen Kapitalien aufgezehrt ist. Dann kommt es — je nachdem — zur ermir wohl soviel Gerechtigkeit widerfahren lassen, um zuzugeben, dass in dieser Hinsicht grosse Fortschritte erzielt worden sind. Aber gerade deshalb fühle ich mich, sagen wir, stärker entwaffnet, im Angesicht von Schritten, die sich vom Geist der Konkurrenz inspirieren, selbst wenn sie psychologisch nicht immer als gesohickt angesprochen werden können. Vergessen wir vor allem nicht, dass der Bundesbeschluss über die Strassentransporte noch nicht in Kraft getreten ist. Die Tarifvorschriften, an die sich das Autotransportgewerbe zu halten hat, sind ebensowenig erlassen, weil deren Aufstellung, worin übrigens eine der Hauptaufgaben der durch das neue Statut geschaffenen Kommission liegt, eine delikate Angelegenheit bedeutet. Bis zum Zeitpunkt, da sie ihr Regime antreten, wird es nicht- möglich sein, eine Verbindung zwischen dln Bahn- und den Strassentransport-Tarifen herzustellen, ganz einfach, weil die letzteren noch fehlen. Daher rührt'die Unstimmigkeit, auf welche Sie, aufmerksam gemacht haben, doch darf ihr immerhin lediglich vorübergehenden Charakter zukommen. Mein Optimismus für die Zukunft bleibt darum unerschütterlich und intakt: die Zusammenarbeit ist notwendig, sie wird Tatsache werden. Um sie zu erleichtern, wäre es vielleicht wünschenswert, dass .gewisse Leute — es handelt sich dabei nur um wenige, aber ihre Stimmen fallen ins Gewicht — den Bahnen gegenüber eine gerechtere Haltung einnehmen. Gerne erheben sie ihr Anklagen, die Bahnen werden schlecht geleitet, sie seien zu teuer, der Betrieb sei ebenso schwerfällig wie defizitär. Ich versichere Sie — und Sie wissen es ja selbst —, dass die Mehrzahl dieser Kritiken der Berechtigung entbehrt. Seit langem haben die Bahnen auf Bauausgaben verzichtet, die ihnen früher so dick angekreidet wurden. Zwei Zahlen mögen es illustrieren: bewegten sie sich 1920 um die 100 Millionen herum, so erreichten sie 1938 keine 25 Millionen mehr. Der Betrieb? Er kostet heute, trotz der Abwertung des Frankens, 60 Millionen weniger als vor zehn Jahren. Sechzig Millionen — immerhin ein Betrag. Und die Betriebsleistungen haben an Qualität nichts eingebüsst: die Züge verkeh- 1939 Verbandes des Motorfahrer-Offiziere (Konferenzsaal des Salons). Ab 15 Uhr: Ankunft der Teilnehmer an der 2. Schneesternfahrt (Grand-Quai). Eintreffen der Teilnehmer an der «touristischen Zusammenkunft» anlässlich des Genfer Automobil-Salons (Plaine de Plainpalais). Ab 20 Uhr: Diner und Ball unter dem Patronat der Sektion Genf des A.C.S. (Hotel des Bergues). 23 Uhr: Schliessung der Ausstellung. Konzert von 11.30 bis 12.30, 16.00 bis 18.30 und von 20.00 bis 23.00 Uhr. SONNTAG, DEN 5. MÄRZ : 9 Uhr: Oeffnung (Eintritt Fr. 1.50). 12 Uhr: Mittagessen der Teilnehmer an der Schneesternfahrt und Preisverteilung. (Restaurant des Salons). 19 Uhr: Nachtessen der Teilnehmer an der «touristischen Zusammenkunft» und Preisverteilung (Restaurant des Salons). 23 Uhr: Schliessung der Ausstellung. Konzert von 11.30 bis 12.30. 16.00 bis 18.30 und von 20.00 bis 23.00 Uhr. ren zahlreicher, sie haben an Komfort und vor allem an Schnelligkeit gewonnen. Darum auch durfte ich bestätigen, dass die Reorganisation der SBB — oder, wenn Sie wollen: die Rationalisierung — im Gang ist, dass sie zum grossen Teil unabhängig vom Gesetz bereits erfolgt sei. In dieser Nummer s Ansprache von Hrn. Adrien Lachenal bei der Eröffnung des Genfer Salons. Samstag Start zur Schnee- Sternfahrt. Moderne Karosserien. Erster Blick auf die Stände am Genfer Salon. Feuilleton: «Rätsel um Muriel» S. 5. Bilder: Amerika und die Schweiz am Genfer Salon S. 8.