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E_1939_Zeitung_Nr.019

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BERN, Samstag, 4. März 1939 3. Salon sütr Nummer..20 .„Cts. 35. Jahrgang — No 19 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Ft. 10*— i Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljahrlieh Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION?Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 • Telegramm-Adresse: Äutorevue, Bern Gesptiirtsuelle Zürich: Löwenstresse 51, Telephon*39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach SpezialtarU laieratensehhus i Tage vor Erscheinen der Nummer Rund um die Eröffnung des Genfer Salons Mit der bisherigen Tradition brechend, haben die Veranstalter des Genfer Salons, dieser nationalen Heerschau unseres Automobilwesens, das Programm des ersten Tages insofern umgestaltet, als der offizielle Eröffnungsakt fallen gelassen wurde und als die Offiziellen und Ehrengäste der Schau ihren Besuch vorgängig dem Bankett abstatteten, dessen Rahmen nunmehr das Restaurant des Salons selbst bildete. Was man damit gewonnen hat? Zeit vor allem und eine praktischere, «gäbigere» Einteilung des Programms. Die Aussteller selbst sind, soviel man aus den Gesprächen heraushören konnte, mit dieser Lösung durchaus nicht unzufrieden, denn jetzt wissen sie, dass es nichts anderes gibt, als ihre Vorbereitungen für die Herrichtung der Stände unwiderruflich am Freitag früh abzuschliessen. Worauf sie sich, im Bewusstsein erfüllter Pflicht, getrost hinsetzen "und dje Dinge an aller Seelenruhe an sich herankommen lassen können. Und diese Dinge kommen, wie man es heute erlebte, röcht gemächlich. Offenbar weil sich das Publikum erst daran gewöhnen muss, dass ihm die Ausstellung schon von morgens 10 Uhr an und nicht, wie bisher, erst am Nachmittag zugänglich ist. Sans facon, ohne Fanfarenstösse und grosses Gepränge öffneten sich ihm heuer die Tore, schlicht und einfach. Und ohne Absperrung betraten eine Stunde nach ihm die Spitzen der Behörden und deren Geleite die weite Halle, Bürger unter Bürgern, wie es demokratischem Geist entspricht. Genf hat sich für den Empfang schön gemacht. Die Place Cornavin vor dem Bahnhof prangt — notabene zum erstenmal — im Schmuck der neuen Stadtdekoration. Von hohen Masten fliessen Flaggen in den Schweizer und Genfer Farben und darunter mischen sich die bunten Embleme der Kantone — ein Gesamtbild, das Freudigkeit strahlt und von dem eine starke, dekorative Wirkung ausgeht, besonders wenn sich darüber, wie gerade jetzt, das warme, milde Licht eines Vorfrühlingstags breitet. Aber nicht nur mit Fahnen und Wimpeln bekunden die Genfer ihre freundeidgenössische Gesinnung: In der Bahnhofhalle wie davor haben sie spalierstehenderweise Posten bezogen, um ihren welschen Bundesrat, Herrn Pilet-Qolaz, zu bewillkommnen. Am Perron aber erwarten die Spitzen der Genfer Regierung und des Salonkomitees den hohen Gast aus Bern. Lächelnd entsteigt er kurz nach Kll Uhr dem Zug—Verbeugungen, Hutlüften, Händedrücke; ich stolpere über das Kabel eines Mikrophons und bestaune bass die akrobatischen Kunststücke der ihre Nase von Berufs wegen immer zuvorderst haben müssenden Photographenu Eine lange Kolonne festlich herausgeputzter Wagen, die eben dem bewussten Truckli entstiegen zu sein scheinen, bewegt sich darauf durch die Strassen nach dem Palais des Expositions. Vorher aber „-rollt der Korso noch durch die Via triumphaiis, eine imposante Flaggenparade, welche quer über die Ebene von Plainpalais aufgebaut worden ist. Nein, so ganz ohne was vollzieht sich der Einzug der Gäste in den Salon denn doch nicht. Mag auch das Publikum, wenn auch nur tropfenweise «strömend», schon eine Stunde zuvor vom Ausstellungsgebäude Besitz genommen haben, auch jetzt spannt sich quer über den Mitteleingang wieder ein Band in den Genfer Farben, das Bundesrat Pilet mit symbolischer Geste durchschneidet. Und es ist gut, dass man diese kleine Förmlichkeit, die sich eingelebt, beibehalten hat. Allzu prosaisch lieb ich den Schweizer wiederum,auch nicht. Woran aber lag es, dass das Orchester die Eröffnungshymne erst etwa zehn Minuten später anstimmte, als sich der Trupp der Offiziellen und Gäste schon auf seinem Rundgang durch befand? Mit seiner Visite auf, den Ständen nimmt es übrigens unser Herr Verkehrs- und Transportminister sehr gründlich und genau, er zeigt lebendiges Interesse am modernen Verkehrsmittel der 1 Strasse, dem er in seinen amtlichen Funktionen immer Loyalität und Verständnis., entgegengebracht hat; lange verweilt er hier, eingehend lässt er sich dort erklären, er schenkt auch',den Ständen auf der Galerie seine urlgeteilte Aufmerksamkeit. Mehr als VA Stunden, verwendet er für die Besichtigung, was bei der früheren, zwangsläufig etwas zur Eile drängenden -Programmgestaltung ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre: '" i '* 4 * s< ;-j"-'- Als die Synthese des schweizerischen Automobilwesens hat man den Genfer Salon zu Recht bezeichnet. Und dass sich an dieser Stätte wirklich alles trifft, was zu den Leuten vom Bau gehört, das offenbarte sich dem Chronisten auch diesmal wieder mit sozusagen handgreiflicher Eindringlichkeit: bekannte Gesichter aus allen Himmelsstrichen des Landes auf Schritt und Tritt, Begrüssungen am laufenden Band — eine Generalmobilisation alles dessen, was irgendwie mit dem Automobil zu tun hat. Man fühlt sich heimisch in dieser Atmosphäre, in diesem aütomobilistischen Völkerbund, der uns die Bedeutung der Schweiz als Absatzgebiet fast aller motorfahrzeugbauenden Nationen zum Bewusstsein bringt. Wir durften uns ordentlich was darauf zugute halten, derart umworben zu werden, bliebe nicht als bitterer Nachgeschmack die Erkenntnis zurück, dass diese friedliche Durchdringung um ein gut Stück weiter gediehen sein könnte, würde sie nicht durch den Fiskalhunger von Bund und Kantonen gehemmt. Um so mehr Anerkennung verdient der durch nichts klein zukriegende Mut und Unternehmungsgeist der Veranstalter des Salons, die über alle Schwierigkeiten hinweg ihr Werk vollbracht haben. Möge es ihre Tatkraft mit jenem Erfolg lohnen, auf den sie Anspruch erheben dürfen. Eine Generalansicht des Salons 1939. Bundesrat -Pilet-Golaz auf seinem Rundgang durch die Stände. Rede von Herrn Dechevrehs Präsident des Organisationskomitees des Salons Herr Bundesrat, Meine Herren, Im Namen des Ständigen Komitees und des Organisationskomitees des Salons, sowie seiner Aussteller, habe ich das Vergnügen, einen besonders herzlichen Willkommensgruss Herrn Bundesrat Pilet-Golaz zu entbieten, der zum zweitenmal uns die grosse Ehre gibt, unsere Eröffnungszeremonie zu präsidieren. Ich bin glücklich, hier ebenfalls begrüssen zu können: Die Herren Delegierten der Bundesversammlung, der Heeres- und der Gerichtsbehörden; : Die Herren Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes, des Konsularkorps, der Regierung Genfs utid weiterer Kantone der Schweiz, der Stadt Genf und anderer Schweizer Städte, der ftanzös. Behörden der 'Nachbargebiete, der eidgenöss. und kantonalen Verwaltungen; Die Herren Präsidenten und Delegierten der Handelskammern, der Schweizer Mustermesse von Basel, des Comptoir Suisse von Lausanne, unserer grossen Clubs und Vereinigungen für das Automobil, den Sport und den Tourismus, der Organisationen, die das Protektorat über unsere Ausstellung übernommen haben, des Radio und der schweizerischen und ausländischen Presse, und Sie alle, meine Herren, die uns durch Ihre heutige Gegenwart den Beweis des Interesses geben, das Sie Genf, seinem Salon und der Entwicklung der Strassenverkehrswirtschaft entgegenbringen. Endlich fällt mir die angenehme Aufgabe zu, fünf meiner Kollegen und den Generalsekretär des «Bureau Permanent International des Constructeurs d'Automobiles» herzlich zu begrüssen. Ich spreche Ihnen meinen aufrichtigen Dank dafür aus, dass sie von Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und den Niederlanden hergekommen sind, um uns einen neuen Beweis freundschaftlichen Vertrauens zu erbringen. Ihre Gegenwart hier in Genf zeugt von den engen Banden, welche die «Chambre Syndicale Suisse» mit den ähnlichen, im «Bureau Permanent' International de Constructeurs d'Automobiles» zusammengeschlossenen ähnlichen ausländischen Gruppen verbindet. Sie bestätigt im übrigen, dass der Internationale Automobilsalon in Genf alle seine Grade als grosse Welt-Veranstaltung des Automobils erreicht hat. Herr Bundesrat! Wir haben die grosse Freude gehabt, Sie im Jahre 1932 die Eröffnung des X. Genfer Salons vornehmen zu sehen; diese Freude, wir fühlen sie heute doppelt, weil Sie zum zweitenmal die Freundlichkeit hatten, die Vertretung unserer hohen Bundesbehörden bei der Eröffnwigszeremonie des XVI. Internatio- Bn dieser Nummer s Kistenstrasse. 14 Equipen kämpf en im Schnee- Ballve um den Dr. Mende- Pokal. Wo stehen wir Im Chassisbau? Bund «rang durch die Stände am Genfer Salon. Bilder: Deutsche Wagen in Genf Beilage: S. 8.