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E_1939_Zeitung_Nr.022

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AUTOMOBIL-REVUE ,

AUTOMOBIL-REVUE , FREITAG, 10. MÄRZ 1939 —. N° 22 Salon-Nachlese im Bild Einige der eleganten und komfortablen Autobus-Karosserien aus der «Neuen Karosserie Gangloff AG.» in Bern. Die drei Redner, die beim' Eröffnungsbankett das Wort ergriffen, in ungezwungener Unterhaltung. Ein Momentbild von der Eröffnung: Die Gruppe der Offiziellen rückt langsam von Stand zu Stand vor, «eingerahmt» von einem Polizeikordon. Der Stand- von Castrol. rWBiRTBOSCH&A Der Stand der «Automobil-Revue» präsentiert sich dieses Jahr unter dem Motto: «Duroh's Labyrinth der Strassen mit Kallwag-Führern und Karten.» Viel Beachtung findet aueh" fliesmij wieder der Stand der Robert Bosch. Herr Adrien Lachenal, der Präsident des Genfer Staatsrates, bei seiner Ansprache während des Er-:' Öffnungsbankettes. Ein bisschen Millionär...! Oh, ich bin wieder begeistert vom Automobil-Salon! Einfach hingerissenI Was ist doch das für eine reizende, menschenfreundliche Veranstaltung. Habt Dank, Ihr, die Ihr diese Ausstellung jedes Jahr durchführt. Was ich gekauft habe? Gar nichts! Was ich brauche, habe ich bereits. Vier Räder und — Hauptsache I — es fährt. Warum ich dann überhaupt hingehe und mir den Salon ansehe? Ja, das Ist eigentlich direkt eine kleine Geschichte für sich.. Eine ganze Menge schöner Ausreden hatte ich da vorher bereit. Bildung I Technisch auf der Höhe sein. Das Neueste schon gesehen haben. Auf der Strasse mit dem Finger zeigen und sagen können und so beiläufig hinwerfen: Das ist der neue Super-Stormwind 8 mit dem langen Chassis. Vorwählgetriebe, alle Gänge synchronisiert, lautlos schljessende Türen usw. Und dann aus dem Augenwinkel den Eindruck geniessen, den man mit solchen Glossen macht. Ja sogar, sich selber quälen, vor Lust und Schmerz fast vergehen — ein klein wenig Solorisatlismus -r- das waren so einige der 'Gründe, die ich mir zurechtgelegt hatte, für den Fall, dass mich jemand fragen sollte, warum ich eigentlich an den Automobil-Salon gehe, ohne ernsthafte Kaufabsichten. Und nun war,ich also da. Die schönen Begründungen sind zerronnen, wie eitel Sand. Und was ist geblieben? Etwas viel Schöneres. Etwas geradezu Erhebendes I Wie ein kleiner Bub habe ich ganz für mich allein ein Spiel gespielt. Ich habe Millionär gespielt. Und das war so. Ich setzte eine ernsthaft-überlegene Kennermiene auf und schlenderte so lässig wie möglich in die Ausstellung hinein. Erst blieb ich stehen und nahm Witterung. Oh — wissen Sie, wie das ist? Da steht man einen Augenblick ganz still, Von Fridolin. schliesst die Augen und schnuppert. Das riecht so gar nicht nach Oel und Benzin und Garage. Das riecht nach Leder und Lack. Wunderbari Der Duft des eigenen Wagens, als er noch ganz, ganz Jung und neu war, und das mal hundertI Fast ist man geblendet von so viel Pracht' auf einmal. Ein bläulicher Hauch von Zigarettenrauch webt über dem geradezu bestechenden Bild. Ein Genie der Mann, der zuerst den Einfall hatte, Automobile könnten zu einer Ausstellung vereinigt werden. Es ist weniger der wuchtige Eindruck der Macht, welche das Automobil nun. einmal yerkör* pert, als die berauschende Vielheit von soviel Eleganz und Schönheit auf einem relativ so kleinen Fleck zusammengedrängt. Es nimmt einem recht ordentlich den Atem, und man weiss vorerst gar nicht wieso? Erst nach und nach kommt es einem — fast ein wenig prosaisch — zum Bewusstsein. Man erschauert innerlich vor dem Wert, den diese Versammlung von Ausstellungsstücken, im wahrsten Sinn des Wortes, darstellt. Lange vermag ich aber diesen huschenden Gedanken nicht nachzuhängen. Gebieterisch verlangen meine Augen von mir, ich solle mich in Bewegung setzen. und all das Gleissen und Glitzern, all'das Blenden und Blitzen aus der Nähe anschauen. Ohne Ueberlegung, ziel- und wahllos lasse ich mich treiben, wie ein Verhungernder vor dem Prachtsbüfett eines Diplomatenballes. Hier lockt eine besonders schöne Farbe, dort eine elegante Form. Da Wieder ein raffiniert verstecktes Cabriolet-Dach und gegenüber eine bestechende Polsterung. Und nun zieht mich ein raffiniert ausgestelltes Chassis zu sich hin. Solche Motoren kommen im Leben gar nicht vor. Die waren noch nie heiss und sind noch nie gelaufen. Was gegossen ist, leuchtet in zarten Elfenbeintönen oder funkelt in vornehmsten Schwarz. Alles aber, was an diesem Motor gezogen oder geschmiedet ist, gleisst im bläulichen Strahlenglanz vollendetster Verchromung. Geschminkt, frisiert und zurechtgemacht, wie eine Revueschönheit auf der Bühne. Sieht aus, wie im Märchen — aber bitte nicht berühren I Hei, und dort! Die Prinzessin mit dem gläsernen Pantoffel. Schier glaubt man, Röntgenaugen bekommen zu haben. Ich sehe durch alles hindurch. Plötzlich erkennt man das ewige Mysterium in den Türen: Wie die Scheibe auf- und abgewunden wird, wie sich die Türe eigentlich öffnet und schliesst. Die Haube ist durchsichtig und mein Auge schwelgt in den Geheimnissen des Motors, der da vor mir liegt, teilweise aufgeschnitten, wie ein ganzer Emmentaler. Löcher und geheimnisvolle Gänge und Kanäle kommen und gehen, kreuzen sich und verschwinden. Ich staune und geniessei Und jetzt wieder bin ich • gefesselt von einer Karosserie. Welche Linien! Das strömt und fMesst vom Bug zum Heck: Ein Schiff könnte erröten. Wenn man sich solchen Wagen auf der Landstrasse vorstellt! Das muss ja so leicht und zart durch den Räum sausen, aas gleitet, und das haucht wie der letzte Seufzer einer Jungfrau! Und da beginne ich zu vergleichen und abzuwägen. Wo das Auge haftet: Alles oval, schnittig und abgerundet. Von einer ergreifenden, Behutsamkeit in der Behandk/ng Ihrer Majestät des Fahrtwindes I Keine Ecken, keine Kanten. Nirgends darf sich die Luft weh tun und verfangen. Türfallen verkriechen sich in die Seitenwände und springen erst heraus zum Gebrauch, wenn man mit dem Zauberstab das richtige Knöpfchen- betupft. Unerhört, was da an Eindrücken auf mich einstürmt von allen Seiten. Aber wenn es nur dabei bliebe! Da sind nämlich auch noch" Menschen. Nicht nur daTliebe Publikum, wobei bemerkt sei, dass es recht langweilig-wärer, wenn man nur Kaufinteressenten hereinliesse. Erst das geniessende Pyblikum, welches ähnliche Dinge treibt, wie ich, macht, den ganzen Salon zu der buhten, lebendigen Sache, die er ist. Nein; da sind auch die hocnwohllöblichen Herren Verkäufer. Und Wie die Menschheit selber, sind sie verschieden untereinander. ' Schon zerrt mich einer zu einer Maschine hin, wie sie eigentlich höchstens der Herrgott selber am Sonntag gemacht haben kann. Junge, Junge — wem da nicht sämtliche Gaspedal-Zehen jucken und -zucken! 180? Gut und gern. Es wird mir einen Moment fast schwarz vor den Augen,, wenn ich an meine 115 bergab denke. Er hat's schon gemerkt: Ja, das ist absolut der Wagen für Sie. Schon sitze ich drin. Innerlich Kind an Weihnachten. Aeusserlich Generaldirekfor vor einer höchst faulen Proposition. Es tut mir gar nicht leid, dass in diesem Augenblick jene hübsche und interessante Dame mit Schleier und Blaufuchs ihre Leica auf mich richtet, zielt und abdrückt. Ich bin sowieso erschossen — allerdings von diesem wundersamen Herrgott-Special-8-Zylinder. Probefahrt? Was heisst hier nein? «Wenn Sie durchaus drauf bestehen. Zehn Minuten. Meine Zeit ist kostbar.. .> (Ob er's glaubt?) Und schon sind wir draussen und jagen davon, wie das Böse. Die Ecken und Kurven wissen nicht wohin sie flüchten sollen, die Steigungen retten sich entsetzt bergab, wenn wir sie anspringen und mit dem jubelnden Jauchzen der Reifen jagen, wir reissend von Spirale zu Spiraleund schon wieder geradeaus —-140 — 150.-— Hüiii! Die Bremsen drücken mir rasch den Wagen gegen die Zähne und im nächsten Augenblick plumpst selber wieder wie ein Stein an seinen gewohnten Platz zurück: Er hat Gas zugegeben. Aeusserlich' ruhig («ganz nett, so weiti») und innerlich leicht zerzaust, wie damals in der ersten Tanzstunde, als man endlich einmal mit «IHR» getanzt hatte-, wankt man wieder zurück und verabschiedet sich von diesem jungen Caratsch. Blut habe ich nun geleckt, und ich treibe das Spiel weiter. Jetzt habe ich Mut und trete auf, als hätte ich die Absicht, doch zum allerwenigsten jeweilen gleich die Limousine und das Cabriolet zu «nehmen» — schon des Wetters wegen und für die Stadt und so. 28000? Nein, das ist gar nicht übertrieben! {Bin ich das? Wie ich schon daherrede!) Die Verkäufer reiben sich die Hände usw. Ein gemeiner Mensch bin ich doch. Aber ich habe die Leutschen ja nicht geheissen. Habe ich je Ja gesagt? Ich nicht. Nur gefragtl Jetzt noch die Nase in den Camping-Anhänger hineingesteckt. Wie lang sind die Betten? Na, das könnte reichen. Preis? Hml Appetitlich ist das. Man stellt sich das so vor — reizend müsste es sein.. Ein sonniger Morgen. Vogelgezwitscher und ein murmelndes Bächlein. Wer denkt- da an den Bammert, die Ameisen und Wespen? Und jetzt zur Bar. Eine Stärkung habe ich verdient. Die Maske fällt. Ich habe genug gespielt. Millionär gespielt! Aber schön war's. Herrlich. Zwei Stunden lang habe ich mir vorgegaukelt, ich könnte ja ohne weiteres, wenn ich wollte. Alles war so leicht erreichbar. Ich war ja so steinreich und von oben herab. Das reine Stahlbad moralischer Aufwertung. Der Salon stärkt das Selbstgefühl. Zur Nachahmung empfohlen. JUoqcamm des Saiotts FREITAG. DEN 10. MÄRZ: 9 Uhr: Oeffnung (Eintritt Fr. 1.50). 11 Uhr: Sitzung des Organisationskomitees des XVI. Automobil-Salons (Konferenzsaal des Salons). 19 Uhr: Schliessung der Ausstellung. Konzert von 11.30 bis 12.30 Uhr und von 16.00 bis 18.30 Uhr. SAMSTAG. DEN 11. MÄRZ: < 9 Uhr: Oeffnung (Eintritt Fr. 1.50). 23 Uhr: Schliessung der Ausstellung ( Konzert von 11.30 bis 12 30. 16.00 bis 18.30 und von 20.00 bis 23.00 Uhr. SONNTAG. DEN 12. MÄRZ: 9 Uhr: Oeffnung (Eintritt Fr. 1.50). 15 Uhr: Sitzung des Direktionskomitees des Auto- Camping-Clubs der Schweiz (Konferenzsaal des Salons). 22 Uhr: Schliessung der Ausstellung. .,- Konzert von 11.30, 16.00 bis 18.30 und von 20.00 bis 22.00 Uhr.

N«22 II. Blatt BERN, 10. März 1939 Automobil-Revue II. Blatt BERN,10.MärzlÖ39 Die Leistungen moderner Motoren Etwas von der Autobahnfestigkeit Der Charakter jedes Wagens hängt in hohem Masse vom Motor ab, den er sein eigen nennt. Rasse, Steigvermögen, Höchstgeschwindigkeit, Geräuschlosigkeit und noch eine Reihe anderer spezifischer Merkmale sijtld eng mit den Eigenschaften des Antriebsaggregats verknüpft. Auch die Betriebskosten d$s Wagens können durch den Motor sehr stark im einen oder andern Sinn beeinflusst Werden, nehmen doch die Ausgaben für den Brennstoff einen ganz wesentlichen Teil des Betriebsbudgets in Anspruch. So ist es wohl begreiflich, wenn von den Wagenkonstrukr teuren gerade diesem letzten Punkt ein ganz besonders liebevolles Augenmerk gewidmet Wird. Da man jedoch gleichzeitig fortwäh- Yig. 1. D«mit der Motor nicht abstellen kann, baut Packard eine automatische Vakuum-Regulierung ein, •welche die Drosselklappe Öffnet, sobald die Motordrehzahl unter einen bestimmten Wert abfällt. rend nach einer Erhöhungder Motor- 1 eis t ü n g trachtet, die naturgemäss von einer gewissen Zunähme des Brennstoffkonsums begleitet \si. — 6 Rosse fressen meist fflbhr Hafer als deren 5 —, so sind diesen Mittel zur Leistungssteigerung - Wie man die Geräusche dämpft Bemühungen gewisse Grenzen gesetzt. Glücklicherweise stehen sich die beiden Forderungen nicht so diametral gegenüber, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, wirkt sich doch beispielsweise die Erhöhung des Kompressionsverhältnisses oder die Verbesserung der Gemischverteilung gleicherweise in einer Steh gerung von Leistung und Wirtschaftlichkeit aus. Verdichtungsverhältnisse zwischen 6 und 6,5 (bei Gebrauch von Superbrennstoffen bis 7,5) sind jetzt die Regel. Die Leistungen belaufen sich bei gewöhnlichen Personetiwägenmotoren bestenfalls auf 30^-35 PS pro Liter ihres Hubraums und bei besonders hochgezüchteten Typen mit sportlicher Note auf 35 bis 40 PS pro Liter Hubraum ( Doch, sehen wir zu, wie man es anstellt, um einem Motor derartige Leistungen zu entlocken. « Steigerung von mittlerem Arbeitsdruck und Drehzahl » heisst das Rezept. Das erste erhält man durch eine Erhöhung des Verdichtungsverhältnisses sowie die Verbesserung der Zylinderfüllung, was einer strömungsgünstigeren Gestaltung der Gäswege am Motor ruft. Qrössere VentilöffnmiKsquerschnitte, längere Qeffnungszeiten, bessere Formgebung von Ansaugstutzen und Aus