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E_1939_Zeitung_Nr.026

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BERN, Freitag, 24. März 1939 Nummer 20 Cts. 35, Jahrgang — No 26 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISES Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Ft. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruna) vierteljährlich Fr. 7.50 10.— Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Maaazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u, ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwerotrasse 51. Telephon 39.743 INSERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarU Inseratenschlnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer Der parlamentarische Kampf um die Kistenstrasse Die verfuhrwerkte Situation - Der Bundespräsident verficht die eidgenössischen, resp. die militärischen Gesichtspunkte - Ständerät Lardelli fordert die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen des Kantons Graubünden - Tessiner und Glarner unterstützen den Vorschlag des Bundesrates Das Kistenpass-Projekt mit 29:7 Stimmen angenommen. Im Rahmen der Debatte über die Arbeitsbeschaffungs- und Landesverteidigungsvorlage stand in der gestrigen Sitzung des Ständerates die hochaktuelle Frage der Erstellung einer rückwärtigen Verbindung zur. Verteidigung des Bündnerlandes zur Diskussion. Wie bekannt sein dürfte, hat sich der Kanton Graubünden auf die Erstellung einer Bahnverbindung Rueras - Göschenen, event. auf den Bau einer Segnesstrasse in unverständlicher — ja man darf wohl sagen: in unverantwortlicher — Art und Weise versteift. Der Glarner Landrat dagegen befürwortet das Projekt einer Panixerstrasse, stimmt aber nichtsdestoweniger der Erstellung- einer Kistenstrasse ausdrücklich zti,'sofern eine solche den eidgenossischen Interessen eher entspreche. Als dritter, an einer neuen Mordsüdverbindung direkt interessierter Stand votiert der Kanton Tessin für die Kisten-Lukmanierroute. Der Bundesrat seinerseits hält an seinem Vorschlage, d. h. am Kistenpassprojekt, einmütig fest. Wie verfuhrwerkt die Situation, erhellt am besten die Tatsache, dass der ständerätliche Kommissionspräsident die Teilnehmer an der Luganeser Sitzung von ihrem Abstimmungsvotum entbunden hat. Aus diesem Wust divergierender Interessengruppierungen galt es in der gestrigen Sitzung nun die eidgenössischen, d. h. die militärischen Belange herauszuschälen. Mit Würde und grossem Geschick begründete der Chef des Departementes des Innern die einstimmige Stellungnahme des Bundesrates in dieser Strassenfrage. Hinter jedem seiner Sätze stand ernst und drohend die Not unserer Zeit, und Bundespräsident Etter liess nichts ungesagt« was dazu beitragen konnte, dem Rate über die Dringlichkeit der Erstellung einer Kistenstrasse reinen Wein einzuschenken. Wir freuen uns, feststellen zu dürfen, dass sich die Argumentationen des Bundespräsidenten dabei im grossen und ganzen mit den in unserem Blatte seit jeher vertretenen Auffassungen deckten; wir befinden uns also trotz den freigebigen Randbemerkungen aus alt fry Rhätien, die uns diese Stellungnahme schon eingetragen, auf dem richtigen Weg und in bester Gesellschaft. Was in unsern Spalten immer wieder betont, immer wieder gefordert wurde, kam auch in der gestrigen Vormittagssitzung des Ständerates klipp und klar zum Ausdruck: Bei der Erstellung einer Strassenverbindung mit dem Kanton Glarus können einzig und allein militärische Gesichtspunkte, unter gar keinen Umständen aber kantonale, regionale, lokale oder sogar politische Wünsche ausschlaggebend sein! Zum Vorschlage einer Bahnverbindung Rueras-Göschenen betonte Bundespräsident Etter, die Erstellung einer solchen Anlage würde nicht mehr und nicht weniger als das Todesurteil der Teilstrecke Disentis-Andermatt der bestehenden Furka-Oberalp-Bahn darstellen. Der Bundesrat lehne den Bau dieser Schmalspurbahn sowohl unter dem Gesichtspunkte der Bau- als der Betriebskosten ab und gebe überdies zu bedenken, dass das angestrebte Resultat auch durch den wintersicheren Ausbau von Oberalpbahn und -strasse inklusive Erweiterungen auf dem Bahnhof Göschenen erreicht werden könne. Für den wintersicheren Ausbau der Schöllenen- und Oberalpbahh aber sei ein Betrag von 6 Millionen Franken vorgesehen, wozu dann noch 1,5 Millionen Franken für den wintersicheren Ausbau der Oberalpstrasse kämen. Dieser relativ ^geringe Kostenaufwand ergebe sich aus dem günstigen Umstand, dass die für die Bahn notwendigen Schutzanlagen gleichzeitig auch der Strasse dienen könnten. Grosse Wichtigkeit komme sodann der Tatsache zu, dass zur Durchführung dieser Bauarbeiten 1 Jahr genügen dürfte, während der vom Kanton Graubünden vorgeschlagene Tunnelbau im Minimum .'3-5-4 Jahre erfordern würde, ja — ein Eisenbahnfachmann wolle- sogar -fliehl einmal die ^Garantie für eine Baudauer vor)- 5 Jahren übernehmen! Anstatt 33 ^Millionen Franken^ plus Betriebsdefizit aufzuwenden, könnten'also mit 7,5 Millionen Franken gleichwertige Resultate erzielt werden. Der Generalstab habe sich mit der vom Bundesrate vorgeschlagenen Lösung einverstanden erklärt, resp. dieser zugestimmt. Zugegebenermassen sei der erste Anstoss zu dem vom Kanton Graubünden heute verlangten Tunnelbau aus Kreisen des Generalstabes erfolgt; das berechtige jedoch den Bündner Grossen Rat durchaus nicht dazu, heute nun die Generalstäbtsabteilüng deswegen gegen den Bundesrat auszuspielen. Auf das Projekt Studer (Maderanertal-Rusein mjt Untertunnelung des Düssistockes) zu sprechen kommend, betonte der Vorsteher des Departementes des Innern, es handle sich bei diesem Projekt im Grunde genommen um nichts- anderes als um den Vorschlag der Erstellung einer Parallelstrasse zur bestehenden über den Oberalppass. Eine Düssistockstrasse würde, so gab er zu bedenken, überdies das obere Reuss- und das Urserental abschneiden. Ausserdem erscheinen die auf 24 Millionen Franken veranschlagten Baukosten dieser Verbindung zuverlässigen Fachleuten als zu niedrig bemessen. Der grösste Nachteil dieses Projektes aber sei im Umstände zu suchen, dass ähnlich wie die Oberalpstrasse auch - eine Düssistockstrasse am Verkehrsstrang des Gotthardes hinge, welcher sowohl als Strasse wie auch als Bahn mit Rücksicht auf die zahlreichen Kunstbauten sehr empfindlich sei. Das Anhängen einer neuen Verbindung mit dem Kanton Graubünden an die Gotthardstrasse könne daher gar nicht in Frage kommen. Notwendig und dringlich sei die.. Erstellung einer Strasse, welche unabhängig von Gotthardbahn und -strasse und vom Talkessel von Sargans sei. Hinsichtlich der Wahl des Trasses der neuen Strassenverbindung erklärte Bundespräsident Etter, alle Organe der Bundesverwaltung hätten diese Frage auf das sorgfältigste geprüft Auf die Stellungnahme der iljjftntone m dieser Sache anspielend, bemerkte der y "Sprecher, jeder Kanton befürworte eine eigene Lösung. Das sei'eine Tatsache, welche in der heutigen Zeit und bei der herrschenden Weltlage durchaus nicht erheiternd, sondern sehr bemühend wirke. Dabei gelte es ganz einfach diejenige Strassenverbindung zu erstellen, welche unter dem Gesichtspunkt eidgenössischer Belange einzig verantwortet werden könne, d. h. es komme nur der Bau der Kistenstrasse in Betracht: Wolle man auf rein wirtschaftliche Ueberlegungen abstellen, dann könne man auf den Bau einer Strasse überhaupt verzichten. Den Überlegungen hinsichtlich Trassewahl müss- Solobe Pflotsch ist uns jetzt, dank dem höchst unzeitgetnäs- "sen Rückfall des Wetters in den Winter, wieder ausgiebig beschieden. Bereitet schon das Fahren in dieser glitschigen Sauce durchaus keinen ungetrübten Genuss, so wird die Sache noch ungemütlicher, wenn mit dem Einnachten die «Marmelade» "zu gefrieren beginnt. Aeusserstp Vorsicht, massiges Tempo, weich fahren und sacht© Iremsen,, muss dann die Devise- sein- Das Fahrverbot St. Niklaus- Zermatt. Ein neuer 1,5-Liter-Rennwagen. Der Geschwindigkeitsmesser. Hydr. Strömungskupplungen. Feuilleton «Rätsel um Muriel»: S. 6. Beilage: ten rücksichtslos militärische Belange zugrunde gelegt werden. Es sei richtig, der Bundesrat setze sich einstimmig für die Kistenpaßstrasse ein; für ihn gebe es nämlich nur eine militärische Instanz, an die er sich zu halten habe und das seien die Organe des Eids. Militärdepartementes. Die Stellungnahme des Generalstabes in dieser Strassenfrage aber sei klar und unzweideutig. Von der Erstellung einer Segnes- oder Panixerstrasse könne gar nicht die Rede sein, denn im Kriege entscheide letzten« Ende's der militärische Erfolg — einen solchen aber garantiere nur der feisten. de* In dieser Nummer s Schluss auf Seite 2. Tlaüonatcat stimmt opposilioHsfos V&uHehcung, dec anmeetauqlichen Matotlastuxaaen zu. In der gestrigen Donnerstag-Sitzung des Nationalrates referierten Feldmann (Bern) und Kuntschen (Wallis) über die bundesrät- Hche Vorlage betr. die Vermehrung der armeetauglichen Motorlastwagen. Bekanntlich werden den Haltern von Motorlastwagen schweizerischer Fabrikation unter gewissen Bedingungen die an die Kantone zu bezahlenden Pauschalsteuern zurückvergütet, und zwar während einer Dauer von 5 Jahren. Die Kommission Hat die Vorlage einstimmig zur Genehmigung empfohlen. Der Rat tritt denn auch ohne Benützung der Eintretensfrage sofort auf die Einzelberatung ein. Nach Art. 2 kann der Bundesrat die vorgesehenen Rückerstattungsbeträge für die Haltung von gewissen, von ihm zu bestimmenden Arten von Mötorlastwagen, deren Vermehrung für die Armee besonders wichtig ist, erhöhen. Zu diesem Artikel stellte Roulet (Waadt) den Antrag, als Ergänzung nachfolgenden Absatz beizufügen: «Der Bundesrat kann ferner unter gewissen noch, näher, festzulegenden Bedingungen einen besondern Beitrag für im Gebrauch stehende Motorlastwagen bewilligen, die durch Holz oder dessen Derivate betrieben werden. > Der Antrag wird von Quartenoud (Freiburg) und Vonmoos (Graubünden) unterstützt. Diese landwirtschaftlich orientierten Nationalräte erhoffen von der Vermehrung der Holzgaswagen eine tatkräftige Hilfe für den einheimischen Waldbesitz. Die Referenten dagegen warnten mit vollem Rechte vor Überschätzung des Holzgasgenerators als stimulierendem Faktor des Holzabsatzes. Denn würden beispielsweise sämtliche in der Schweiz vorhandenen Motorlastwagen mit Holzgas betrieben, so käme dies einer Beanspruchung des gesamten Brennholzbedarfes von nur 6% gleich! Ausserdem konzentrieren sich die Interessen der Armee vor altem auf die Vermehrung des Bestandes an neuen Wagen, und es wurde der Antrag Roulet seitens der Kommission aas diesem Grunde abgelehnt. Der Vorsteher des Eidg. Militärdepartementes unterstreicht in seinen Ausführungen die Bedeutung des Holzgasantriebes für Armeezwecke und gibt Auskunft hinsichtlich der Massnabmen zur Sicherstellung der