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E_1939_Zeitung_Nr.032

E_1939_Zeitung_Nr.032

BERN, Dienstag, 18. April 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 32 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE» A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Aussah« B (mit gew. Unfall versieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Teleeramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich! Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS-PREIS: Di* achtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile oder deren Raum 45 Rp. Grossere Inserate nach SpezialtarU Imeratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der Nmnmet Die verkehrspolitischen Begehren des Tessins Am 5. Dezember 1938 überreichte der Staatsrat 8es Kantons Tessin dem schweizerischen Bundesrat eine Denkschrift, enthaltend die «neuen Tessiner Begehren>. Seither dürften die in Frage kommenden BundesnDepartemente und -Abteilungen sich mit den Wünschen unserer Miteidgenossen ennet dem Gptthard bereits eingehend befasst haben. Im Anschluss an deren Prüfung werden die eidgenössischen Behörden dann die Verhandlungen mit der Tessiner Regierung aufnehmen, resp. mit dieser in Meinungsaustausch über die gestellten Begehren treten. Einleitend orientiert der Staatsrat von Republik und Kanton Tessin in dieser Denkschrift den hohen Bundesrat über die beträchtliche Verschlechterung der Finanzlage, wie sie ihr Stand im Verlaufe der letzten 8 Jahre erfahren. (Zunahme des Passivüberschusses von 14 Millionen Fr_ im Jahre 1930 auf 43,5 Millionen Fr. im Jahre 1937.) Hierauf wird das Kapitel der «Bundessubventionen» einer eingehenden Würdigung unterzogen und festgestellt, dass die Grundlagen für die Verteilung dieser Subventionen nicht gerecht sein können, entfalle doch auf die tessinische Bevölkerung, welche 3,9% der schweizerischen Gesamteinwohnerzahl ausmache, nur ein Anteil von 2,1% des ganzen Subventionsbetrages. Recht aufschlussreich ist auch das «Die AJkoholgesetzgebung und ihre Folgen für den Kanton tessin» betitelte Kapitel der Broschüre. Im Anschlüsse _an diese, wehr einführenden Festetellungen kommen hierauf zur detaillierten Behandlung: Verteidigung und Entwicklung der italienischen Kultur im Kanton Tessin,- landwirtschaftliche und energiepolitische Probleme, ferner die dem Kanton infolge der Grenzkontrolle erwachsende ausserordentliche Belastung. Und nun zu den Fragen der Strassenverkehrspolitik! Da fordern die Tessiner in erster Linie die Wiederherstellung und den Ausbau der Alpenübergänge für den ununterbrochenen Verkehr. Dabei wird, sei es nun hinsichtlich Strasse oder Schiene, das Hauptaugenmerk auf den Gotthardübergang gerichtet. Mit Recht wird auf die überragende Bedeutung dieser grossen Nord-Süd-Verbindung für das gesamte tessinische Wirtschaftsleben hingewiesen und festgestellt, es sei dieser zu verdanken, dass die Schweiz von einem Reisenden- und Warenstrom durchflössen werde — oder werden sollte — welcher dank der fortschreitenden Entwicklung des motorisierten Strassenverkehrs in ständigem Anwachsen begriffen sei. Unter Anspielung auf die ausländischen Konkurrenzlinien wird sodann die Forderung nach Korrektion der Gotthardstrasse gestellt, und zwar verlangen die Tessiner die Einsetzung von Mitteln und Verfahren, welche das Aushalten jeder ausländischen Kon- I. kurrenz gewährleisten. Die Erfüllung dieses Begehrens, das wird man ohne weiteres zugestehen müssen, liegt wahrlich nicht nur im Interesse des Kantons Tessin, sondern im ureigensten der Schweiz überhaupt. Auch dass die Tessiner sich nicht mit einem rein strassenbautechnischen Ausbau der Gotthardstrasse begnügen wollen, sondern die Vorkehrung von Massnahmen fordern, welche die Verbindung auch während des Winters als fahrbar gewährleisten — wie Julier und.Maloja es heute schon sind — dürfte diesseits des Gotthards Verständnis finden. Als Kenner der jeweils herrschenden Schnee- und Lawinenverhältnisse erklären sie eine Fahrbarmachung durch ständige Sahneeräumung als Ding der Unmöglichkeit und schlagen deshalb zwecks Realisierung der wintersicheren Gestaltung der Gotthardverbindung den Bau eines Tunnels in bestimmter Höhenlage vor. Ein generelles Projekt, das in 4 Varianten den Bau eines Tunnels zur Verbindung der beiden Gotthardrampen vorsieht, versucht die eidgenössischen Behörden mit dem etwas kostspieligen Plane vertraut zu machen. Kurz gesagt, verlangen die Tessiner hinsichtlich Gotthardstrasse: I. Die Bundesbehörden möchten mit Wohlwollen und allem Ernst die Nützlichkeit, nein: Dringlichkeit, eines Strassentunnels durch den Gotthard prüfen, der der Schweiz und dem Tessin den Transitverkehr auf der Strasse aus Mitteleuropa erhält, und der es ermöglichen würde, die Gotthardstrasse das ganze Jahr olfen zu halten. II. Der* Bundesbeitrag für die Korrektion der Gotthardstrasse muss auf 80% der vorgesehenen Kosten erhöht werden, weil diese Strasse eine internationale Verbindung erster Ordnung darstellt, eine der wichtigsten Verbindungen für den schweizerischen Reiseverkehr und für die Landesverteidigung, und endlich, weil unser Kanton gezwungen ist, ein In dieser Nummer s Was die Auto-Union von einer Aenderung der Gr. P.-Formel hält. Welt-Automobilbeständ weiter erhöht. Moderne Tanksäulen. 1. Schweiz. Vielseitigkeitskonkurrenz. grosses Opfer auf sich zu nehmen zur Durchfüh- Mng des Ausbauprogrammes für die Alpenstrassen. Nachdem die eidg. Räte kürzlich mit nicht misszuverstehender Deutlichkeit dem Bau einer Kistenpaßstrasse zustimmten, hat für den Kanton Tessin der Strassenzug über den Lukmanier als zweite Nord-Südverbindung ganz gewaltig an Bedeutung gewonnen. Deshalb sind die Tessiner — trotzdem sich der Kanton Graubünden an der Korrektion der Lukmanierstrasse als desinteressiert erklärt — auch fest entschlossen, das Strassenstück von Biasca bis zur, Bündnergrenze auszubauen. Für die Jahre 1936—1941 sind Bauarbeiten vorgesehen, deren Kosten sich auf etwa 7,5 Millionen Fr. belaufen werden. Gerade in Würdigung der durch die pplitischen Ereignisse des letzten Jahres bedingten strategischen. Neuorientierung an unserer Ostgrenze und vor allem im Hinblick auf den in Aussicht genommenen Bau einer Kistenpaßstrasse wird man die Haltung der Tessiner in dieser Strassenangelegenheit auch in der übrigen Schweiz begreifen und gutheissen und aus eben diesem Grunde ihr Begehren um Aufnähme der Lukmanierstrasse in das Alpenstrassenprogramm und Erhältlichmachung eines Bundesbeitrages von 75 % nur unterstützen können. Aber die Tessiner haben ausser diesen beiden vor allem in militärischer Hinsicht hochbedeutsamen Begehren noch andere Strassenwünsche auf dem Herzen. So heischen sie weiter eine besondere und angemessene Bundeshilfe zum Ausbau der schmalen und kurvenreichen Centovalli-Strasse. Diese zweifellos für den internationales Fremdenverkehr wichtige Verbindung der tessinischen Ferienparadiese Locarno/Lugano mit dem Eschental und der Simplonroute befindet sich ja auch tatsächlich in einem wenig erbaulichen Zustand; ihr auf italienischem Territorium gelegenes Teilstück durchs Val di Vigezzo dagegen darf sich sehr wohl sehen lassen. Ungerechtfertigt wird man daher das tessinische Begehren, die internationale Centova'llistrasse sei ins Alpenstrassen- F E U I L L E T O N Rätsel um Murlei. Roman von Johann Friedrich. 29. Fortsetzung. Peggy ist im Augenblick nicht zu logischen Ueberlegungen geneigt, sonst würde sie bemerken, dass dieser Cocktail, den sie selbst nicht beordert hat, doch offenbar von jemand anderem verlangt worden sein muss, der auf ihn warten und ihn auch bezahlen dürfte. Doch sie hat im Augenblick nur Mitleid mit dem kläglichen Aufwärter und aüsserdem den Wunsch, möglichst bald wieder allein zu sein. Dieses Jammerbild eines Mannes wirkt auf ihre eigene Haltung nicht gerade ermutigend und sie hat ein banges Vorgefühl, dass sie ihre Nerven noch brauchen wird. « Sie können den Cocktail meinetwegen hierlassen! » bestimmt sie grossmütig. « Was kostet er denn ? » Eine neue Verlegenheit. Don Paulos Einkünfte gestatten ihm nicht, in den Hotels der grossen Welt öfters Bargetränke zu konsumieren. Er hat keine Ahnung, was solch eine Mixtur kosten mag. « Es wird sich ja bezahlen lassen », tröstet ihn Peggy, die seine Verlegenheit falsch deutet. «Billig wird, immer eher bezahlt als teuer», überlegt sich inzwischen Don Paulo und stottert einen viel zu niedrigen Preis hervor. « Wenn Sie sich nur nioht irren ! » sagt Peggy besorgt und schiebt ihm vorsichtshalber die dreifache Summe hin. Dieser garcon ist für ein Hotel, wie das Carlton, wirklich noch reichlich ungeschickt. Don Paulo drückt sich mit verlegenen Verbeugungen und Dankesworten hinaus. « Aber trinken Sie den Cocktail bald, Madame ! » rät er noch. * Er schmeckt nur, wenn er frisch und kalt ist.» «Merci, garcon», lächelt Peggy im Bewusstsein, dass sie solchen Getränken gegenüber sachverständiger ist, als dieser tapsige Aushilfskellner. Sobald er hinaus ist, versucht sie einen kleinen Schluck. Es gibt Lagen, in denen man Alkohol brauchen kann. Uebrigens ist der Martini ausgezeichnet, auf solche Dinge verstehen sich die Franzosen. Peggy merkt, dass ihre Kehle ausgetrocknet ist und trinkt das Glas rasch zur Hälfte aus. Don Paulo, der nach fünf Minuten den Kopf zur Tür hineinsteckt sieht sie völlig betäubt auf ihrem Stuhl sitzen. Er findet sie ganz reizend und ungemein sympathisch und muss sich selbst ernstlich ermahnen, um den Rest seines Planes auch wirklich auszuführen. Nur der Gedanke an Macht und Stellung, die er nach Sabanillos Sieg in seiner Heimat zu bekommen hofft, macht ihn fähig, noch weiter so rasch und rücksichtslos zu handeln, wie es zum Gelingen seiner Vorhabens unbedingt notwendig ist. Nicht ohne erhebliche Gewissensbedenken geht er schnell wieder in sein Zimmer hinüber, um das Krankenhaus anzuläuten, bei dem er sich im Namen des Dr. Martinez schon am frühen Morgen ein Krankenauto hat reservieren lassen. « Es ist jetzt höchste Zeit», sagt er dem Pförtner, der sich meldet, < schicken Sie bitte schnellstens den Krankenwagen mit zwei Trägern und Bahre zum Carlton Hotel. Ich erwarte ihn am Hinteraufgang, wie das immer gehandhabt wird, damit sich die andern Gäste nicht gestört fühlen. Sie verstehen mich ? Ja ? Also dann, bitte, beeilen Sie sich.» Nach weiteren fünf Minuten wird das Auto am verabredeten Ort von Don Paulo in Empfang genommen. Er zeigt einen korrekten Schein vor und dirigiert die Träger mit der Bahre über den Hinteraufgang in den ersten Stock. Einige Bediente, die dem kleinen Zuge begegnen, sehen diskret weg, indem sie ihre kleinbürgerliche Neugier heldenhaft überwinden. Die Hotelerziehung hat sie gelehrt, Krankheit und Leiden der Gäste als eine Rücksichtslosigkeit der Direktion und den Mitmenschen gegenüber milde aber entschieden zu übersehen. Im Salon angelangt, bemerkt Don Paulo, dass er ein Versehen begangen hat. «Warum sitzt denn die Dame so komisch auf dem Stuhl ? » erkundigt sich der eine Träger erstaunt. «Sie wollte — nämlich sie wäre lieber mit einem gewöhnlichen Droschkenauto —» Don Paulo stottert schon wieder.