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E_1939_Zeitung_Nr.031

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BERN, Freitag, 14. April 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang -r- No 31 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE! Au»f»bt A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jihrllch Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlleh abonniert . Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgab« C (mit Insassenversicherung) viertelilhrlieh Fr. 7.50 Erscheint Jeden Dienst»« und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlieh l mal „Selbe litte** REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenratnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414;- Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle ZOrlchi Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS. PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezlaltarlt Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen 4er Kammer Die Sicherheitslinie Von Dr. L. Derron, Küsnacht/Zürich. Eine erste Lösung sieht vor, die eigentlichen Sicherheitsünien durch u n unterbrochene (durchgehende) Farbstreifen, die übrigen Markierungslinien unterbrochen zu kennzeichnen. Diese Lösung ist leider nicht ohne Nachteile. Aus Abh. 1 -geht hervor, dass beispielsweise die im Zuge der anzulegenden Sicherheitslinien liegenden Strecken A—B und C—D nicht ununterbrochen Abb. }^~Weiss6""¥eeirrStre'nriungslihien in 'eirier Strasseneinmündung. ununterbrochene (durchgehende) Liniert >*= Sicherheitslinien it" Sinne von Art. 45, Abs, % V0 z. MFG. Unterbrochene Linien (Farhstreifeii. von 1 m Länge in'Zwischenräumen von 1—2 m oder Nagel (Platten aus Metall oder Gummi, 'Pflastersteine) in Reihen mit Abständen von Im)— Trennungslinien, die überfahren werden dürfen. ausgeführt werden können, da sie von einem von rechts, bzw. linke kommenden Fahrzeuge überfahren werden müssen. Je nach dem Winkel, in dem die einmündenden Strassen zueinander stehen, und je nach dem Radius der Ausrurjdungsbögen ergeben sich Fälle, in welchen die Strecken, die überfahren werden dürften, so unzweckmässig liegen, (Schluss von Nr. 30.) aber von denjenigen Fahrern, denen die Linie die rote Hälfte zukehrt. Dieser Grundsatz mag durch Abb. 3 erläutert werden. Die Strecke A—B darf nur von den von vorn kommenden Fahrern überfahren werden, dagegen nicht von den von rechts oder links kommenden. Aehnlich liegen die Verhältnisse für die Strecke A—E. Die Strecke G—D darf nur von Fahrern, die von links kommen, überfahren werden, jedoch nicht von denjenigen, die von vorn kommen; Das gleiche gilt für die Strecke F—G; denn beide Male hat nur der von links kommende Fahrer die weisse Hälfte der Linie auf seiner Seite. Im Falle der einfachen Kurve (Abb. 4) hat diese Lösung den Vorteil, dass das Fahrzeug Y dem Fahrzeug X vom Punkt A an, unter Benützung der linken Fahrbahnhälfte, vorfahren kann, da von diesem Punkt' an die Sicherheitsliniö von. ihm. jedoch nicht vorveinem ihm entgeswnkommen:- den Fahrzeug überfahren werden darf, weil die weisse Hälfte der Sicherheitslinie auf seiner Seite Hegt. ... Mit dieser zweiten Lösung kann in den mannigfachsten und verwickeltsten Fällen, also auch auf städtischen Plätzen, wo eine ganze Menge von Strassen mit Verkehr in beiden oder nur in einer Richtung einmünden, eine eindeutige Regelung des Verkehrs erreicht werden. Dadurch, dass diese Lösung für Sicherheitslinien die rote Farbe vorschreibt, bleibt sie auch im Rahmen einer konsequenten und richtigen Verwendung der Signalfarben, da rot allgemein die Verbotsfarbe bedeutet. Die Lösung leidet aber an dem Mangel, alteu theoretisch zu sein, abgesehen davon, dass auch die technische Ausführung nicht leicht fällt. ; Abb. 5. Rote Sicherheitslinie, in Verbindung mit weissen oder schwarzen Trennungslinien (Trennungslinien können in diesem Falle auch in Form von unterbrochenen Farbstreifen-, Nägel- oder Pflastersteinreihen ausgeführt werden). Zu prüfen wäre endlich noch eine dritte Lösung, wonach Sicherheitslinien rot ausgeführt werden müssten, Trennungslinien dagegen weiss oder schwarz, durchgehend oder unterbrochen (vergl- Abb. 5). Diese Lösung hat die gleichen Nachteile KurrenanFäna Abb. 4. Längsgeteilte, rotwei-sse Sicherheitslinien in einer Kurve. dieser Nummer: Autotransporte durch den Gotthard während der Ostern. Paris—Nizza-Fahrt Turbie-Bergrennen. Aus der Geschichte des Zweitakters. Feuilleton: S. 2. Beilage: lieh grundsätzlich darin bestehen' müssen« Art. 45 Abs. 2 MFV in dem Sinne zu revidier ren, dass man zwischen eigentlichen Sicherheitsünien, die nicht überfahren werden dürfen und nur' dort anzubringen sind, wo wegen Unübersichtlichkeit der Strecke (verdeckte Kurven, Terrainwellen, Niveauübergänge usw.) nicht ohne Gefahr von den bestehenden yerlcehrsr regeln* insbesondere derjenigen des .Atti:.26 MFG abgewichen werden darf und wo eine besondere Anweisung zur Bestärkung dieser Regeln wünschenswert „ist, und sogenannten. Trennungsllnien . unterscheidet, d. h. Linien ohne weitere rechtliche Bedeutung, die unter Beobachtung, der allgemeinen Verkehrsregeln überfahren' werden dürfen und die einzig as sogenannte Fahrhilfen zu dienen haben. Qleichzeitig wird man entweder in der Verordnung: selbst oder in einer Ergänzung zur Sigrialordnung bestimmen müssen, wie die eine und die andere Art dieser Linien beschaffen sein soll. . tturrtnanfsno .mm. sin r Autaiutd und die Strecken, die ununterbrochen (durchgehend) ausgeführt werden könnten, so kurz werden, dass man sich fragen muss, ob der Zweck, dem die Sicheraedtslinie dienen eoll, überhaupt noch erreicht wird. Auch im Falle einer einfachen Kurve hat die ununterbrochene Sicherheitslinie, wie aus Abb. 2 hervorgeht, gewisse Nachteile, denn der Wagen, der beim Punkt A angelangt ist, kann — vorausgesetzt, dass die Strasse nicht mehr als dreispurig ist — vom nachfolgenden Fahrzeug nicht überholt werden, obwohl die Sicht auf die vor dem Punkt B liegende Strecke frei ist Würde man aber vom Punkt A aus die Sicherheitslinie unterbrochen ausführen, so, würde sie ihren Zweck für ein in Abb. 2. Weisse oder rote der Richtung von B nach A fahrendes Fahrzeug Sicherheitslinie in Kur- ven. verlieren. Diese Umstände hauptsächlich führten zu einer zweiten Lösung. Danach müssten Sicherheitslinien entweder in der Längsrichtung rot^weiss geteilt oder ganz rot ausgeführt werden. Dabei dürften vollständig rot. ausgeführte Linien in keiner Richtung überfahren •werden, rot-weiss geteilte Linien dagegen könnten von den Fahrzeugen überfahren werden, die sich auf derjenigen Fahrbahnhälfte befinden, welcher die weisse Hälfte der Linie zugekehrt ist, nicht AM). 3. Längsgeteilte, rdt-weisse Sicherheitslinien in einer Strasseneinmündung. Der Aütomobilclub der Schweiz empfiehlt in einer Eingabe an das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement die erstgenannte Lösung. Nicht leicht verständlich ist dabei allerdings, wieso er Metallplatten- oder Nagelreihen den durchgehenden Färbstreifen gleichstellt, obwohl nicht nur Metallplätten- oder Nagelreihen, sondern auch farbige Gummiplatten zum Zwecke der Fahrbahnteilung nie zusammenhängend, sondern stets in einem gewissen Abstand voneinander verwendet werden. Es scheint daher folgerichtig, solche Reinen nicht den durchgehenden, sondern den unterbrochenen Farbstreifen gleichzustellen: Im übrigen ist - den grundsätzlichen Ausführungen der A.G.S. durchaus beizupflichteil, insbesondere auch der Forderung, dass für die Abgrenzung der Fussgängerstreifen ausschlie'sslich die gelbe Farbe zu verwenden sei. wie Lösung 1, jedoch die Vorteile, das« rote Streifen auf Betonsträssen wahrscheinlich besser sichtbar sind als weisse und die weissen durchgehenden Färbstreiien weiterhin als Parkplätzbegrenzung verwendet werden können. Wahrscheinlich wäre auch die Anpassung des gegenwärtigen Zustandes an die Lösung 3 leichter als die Umstellung auf die Lösung 1, da die bestehenden Verkehrstrennungslinien in irgendwelcher Form (ausgenommen u. U. durchgehende rote Pflastersteinreihen) belassen werden könnten bzw. dort, wo sie die Eigenschaft von Sicberheitslinien haben sollen, rot überstrichen werden müssten. Ausserdem würde die Lösung 3, wie die Lösung 2, die Signalfarben ihrer grundsätzlichen Bedeutung entsprechend verwenden; sie setet aber voraus, dass eine haltbare zinnoberröte Farbe gefunden wird, die auch bei Nacht und Regen gut sichtbar bleibt. Zusammenfassend muss wiederholt werden, dass — wie auch im Kreisschreiben des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements vom 28. März 1939 betreffend Lokalverkehr und Sicherheitslinien festgestellt wird — der gegenwärtige Zustand unzukömmlich ist. Das Departement hat daher den Kantonen und Gemeinden nahegelegt, ihren Polizeiorganen folgende Weisung zu erteilen: «Da wo eine Linie überfahren wird, die nach den gegebenen Strassenverhältnisseh nicht als Sicherheiislinie im Sinne von Art. 45, Abs. 2 M.F.G. gedacht ist, also nicht den Zweck verfolgt, das Ueberfahren allgemein zu verbieten, sondern nur zur Orientierung des Führers dient, soll wegen Ueberfahren derselben allein keine Strafanzeige eingereicht werden. Wo dagegen das Fahren über eine solche Linie hinaus die Verletzung irgend einer Verkehrsregel bedeutet, muss natürlich nach wie vor gegen den fehlbaren Führer vorgegangen werden.» Die endgültige Regelung wird voraussicht- Der Autofahrer ist gewiss bereit, vor Fussgängerstreifen die Geschwindigkeit zu ermässigen und nötigenfalls anzuhalten, um den sich schon darauf befindenden Fussgängern die ungehinderte Üeberquerung der Fahrbahn zu ermöglichen. Und sollte er dazu nicht aus eigener Einsicht und Höflichkeit bereit sein, so muss er es dennoch tun; denn die gesetzlichen Vorschriften verpflichten ihn dazu,.und zwar genau mit den obigen Worten. Sie sind zu lesen im Artikel 45 der Vollziehungsverordnung. Und es ist gut so. Automobilisten und sonstige Fahrzeuglenker auf der einen, die Fussgänger auf der anderen Seite wissen, woran sie sind. Und wenn jeder sich bemüht, nach seinen Pflichten zu handeln, so spielt sich der Verkehr an einem Fussgängerstreifen in aller Minne ab. Aber es ist langweilig und übrigens unrecht, und es kann manchmal dem Autofahrer jenes Verlangsamen seiner Fahrt und sein Anhalten verleiden, wenn vor seinem Wagen durch nicht nur die «sich schon auf dem Fussgängerstreifen befindenden Personen» ihren Weg fortsetzen, sondern immer neue versuchen, durchzuschlüpfen. Dann bleibt an stark begangenen Stellen dem gutmütigen Automobilisten oft beinahe minutenlang keine Möglichkeit zur Weiterfahrt, bis er sich entschliesst, sich langsam und vorsichtig zwischen die Passanten zu schieben und sich auf diese Weise Bahn zu brechen.: Und das tut er auch wieder nicht gerne. Am hübschesten aber sind die kleinen Szenen, wo sich beide Parteien an Höflichkeit gegenseifig zu überbieten trachten. Da kann man dann auch nicht mehr viel dagegen einwenden, wenn sich eins regelrechte Verkehrsstockung ergibt, weil Autofahrer und Passant sich mit freundlichen, kleinen Verbeugungen und Handbewegungen gegenseitig den Vortritt bieten. Und das ..erlebt man tatsächlich doch schon ziemlich häufig. " ,,.•;. An polizeilich betreuten Kreuzungen kommt der Fussgänger häufig nicht nur iusserlich, sondern auch innerlich ins Gedränge. Er will die SträsM überschreiten und sieht sich nach den herannahenden Fahrzeugen um. Diese aber folgen hier nicht dem eigenen Trieb, sondern den Winken des Polizisten und erhalten deshalb vielleicht den Fahrbefehl gerade in dem Augenblick, da der Fussgänger damit rechnet, das Fahrzeug werde anhalten, um ihn vorüberzulassen. Daraus entstehen Miss-