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E_1939_Zeitung_Nr.034

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BERN, Dienstag, 25. April 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang rr- No 34 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgab« A (ohne Versieberang) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10«— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Wyunschhmm eines rlutotoucisten - und die Kaum haben die ersten warmen Tage Einzug gehalten, da bemächtigt sich des Autotouristen auch schon jene unbestimmte Sehnsucht nach Weite. Denn nicht wahr, der Autoliebhaber, der Autosportler, sie beide bocken ihre Wagen während den Wintermonaten auf. Zugegeben, das bringt gewisse Unbequemlichkeiten mit sich; man ist ja fast untrennbar mit seinem vierrädrigen Kameraden verbunden. Aber sie beide haben längst den erzieherischen Wert dieses Verzichtes eingesehen und möchten diese Stimulation der Besitzerfreude nicht missen. Tag um Tag wird erwogen, ob das treue Vehikel bereits auf die «eigenen Füsse» zu stellen sei; die Befestigung der neügelösten Nummernschilder wird zum Fest der Vorfreude. Je mehr der Frühling sich bemerkbar macht, desto brennender das Verlangen: Trübe Herbst- und lange Winterabende boten Gelegenheit genug, die herrlichsten Kreuz- und Querfahrten auszuhecken! Mänireut sich auf das Brausen des Fahrwindes," auf „das Summen des Motors und kann es fast nicht mehr erwarten, wieder einmal Herr von 5, 10, 15, 20 oder noch mehr Pferden zu sein. Was verschlägt's, ob man eine prächtige Limousine, ein schnittiges Cabriolet, einen Renner oder eine kleine vierrädrige Schnecke sein eigen nennt! Mit ihnen allen lassen sich ganz individuell unsere Landstrassen, unsere Dörfer und Städtchen erleben, und selbst die Pässe unserer Alpen bleiben keiner Wagenkategorie verschlossen. Es gibt ja so viel nachzuholen vom vergangenen Jahre, es gibt so viel Neues, das unser Interesse beansprucht, und ist es nicht auch ein wenig so. als ob man noch möglichst viel einfangen möchte von dieser schönen, sonnigen Weite — ehe das dräuende Dunkel am Ende doch zur wirklichen Gefahr geworden? Sie malen sie sich so schön, so ungetrübt aus, diese erste Ausfahrt — die Autoliebhaber und Autosportler. Und dann fahren sie eines schönen Morgens los. voll Optimismus und Tatendrang. Doch Traum ist leider nicht Wirklichkeit! Nach knapper Fahrstunde erinnern sonderbare Geräusche den Fahrer unerbittlich an die Tatsache, dass in Stahl und Eisen gebannte Pferde sich noch immer nicht mit der kostenlos und unbeschränkt zur Verfügung stehenden Luft unterhalten lassen. Erscheint laden Dienstag und, Freitag Wöchentliche Beilage „AutvMagazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 Sie verlangen gebieterisch nach Nahrung; es bleibt keine Wahl: Bei der nächsten Tanksäule muss Betriebsstoff gefasst werden. Und dann kommt der erste schockartige Zusammenprall mit der Wirklichkeit — das köstliche Nass ist noch immer mit 42 Rappen pro Liter zu bezahlen. Etwas aus dem Konzept gebracht starrt der. Fahrer die präsentierte Nota an. War es Traum? Er hatte doch geglaubt, dass dank der zündenden Ministerreden, wie sie vornehmlich bei Saloneröffnungen zu hören sind; der Benzinpreisansatz zwar nicht ganz auf dem Ausländeransatz von 30 Rp., aber doch auf dem annehmbaren Niveau von 36 Rp./l gelandet sei. Resigniert zuckt er die Achseln; eine erste Illusion ist dahin (Fig. 1). Weiterfahrend räsoniert er noch ein Weilchen, sagt sich, dass der Staat halt Geld brauche und anscheinend die günstige Gelegenheit. sehr wohl beim Schöpfe zu fassen verstehe. Er denkt dajriiber nach, wie der Buh'a^'eigeritfich 3ies r ausländische Benzi n jn ein , «reines Schweizer Produkt'»; umwandle; indem er den zu'"ÜT-^ legenden Zoll höher ansetze, als sich* tdi Fig. 1. Eis. 2. , . Gestehungskosten dieses sonderbaren Stoffes franko Grenze beziffern. Doch mählich gewinnt die Freude an der Fahrt am schönen Tag neuerdings die Oberhand. Vielleicht summt er sogar ein Lied vor sich hin. Und dann plötzlich traut er seinen Augen kaum. Erneut geraten Erwartungen und Wirklichkeit in Konflikt. In seinem Wunschtraum von der ersten Ausfahrt gab es doch keine Velofahrer, die gleich einer Ziehharmonika die ganze Strassenbreite für sich beanspruchten. Dort fuhren sie doch hübsch ausgerichtet einer hinter dem andern, hart am-'Strassenrande. Und nun dies Bild! Gleich -vier, nebeneinander, drei Viertel der Fahrbahn einnehmend. Vielleicht — so denkt der Fahrer in seinem Optimismus — ist dies Verhalten auf Konto Vergesslichkeit zu buchen., Also frischfröhlich ein kurzes Signal gegeben, dann wird bestimmt eine «prompte Auffahrt in Linie» stattfinden. Aber weit gefehlt! Was da heranbraust, sind nicht fröhliche Zurufe voll Kameradschaftlichkeit — ach nein. Das sind Schimpfworte, die kein Duden enthält, die kaum in einem Idiotikon zu finden sein dürften. Von Zurseite-Schwenken nicht die Rede. Mit Mühe keilt der Automobilist sein Vehikel vorbei, sein Stimmungsbarometer fällt wiederum um mindestens einen Grad (Fig. 2). Nach einem Weilchen aber gibt sich unser Mann einen Ruck: Unter keinen Umständen sich die Laune verderben, die Fahrt vergällen lassen, lautet seine neue Parole. Unentwegt singt der Motor sein Lied. Als freue auch er sich des Frühlings, so klettert die Tourenzahl gemächlich in die Höhe. Nichts hemmt den Schwung gut gefahrener Kurven, geniesserisch steuert der Fahrer dahin. Da taucht in Strassenmitte ein langsam dahinratternder Last wägen in seinem Blickfeld auf. Unser Automobilist avisiert. Der Mann auf dem Lastwagen scheint nichts gehört zu haben. Nun wird die ganze Skala der Hupentöne versucht — hell und dunkel, kurz und lang. Ohne Erfolg! Nachdenklich verlangsamt unser Fahrer sein Tempo. Wie war das gleich? Er hatte doch zu wissen geglaubt, INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach SpezialtarM lnseratenseblnss 4 Tage vor Erseheinen der Nummer In dieser Nummer s Radfahrer und Automobil. Mille Miglia wieder in Sicht. Lob des Autowanderns. Entrussen und Einschieben der Ventile. Erdölforschungen in der Schweiz. dass die Lastwagenführer ohne Ausnahme ihre schweren Vehikel möglichst weit rechts dahinsteuern. War auch hier der Wunsch Vater des Gedankens gewesen? (Fig. 3) Aber es gab doch Firmen, z. B. eine Winterthurer Brauerei, eine Basler Möbelfabrik, Schokolade-Unternehmungen, die ihren Chauffeuren kameradschaftliches Verhalten auf der Strasse zur Pflicht gemacht hatten. Oh — unser Automobilist erinnert sich ganz gut an die Täfelchen und Aufschriften, die auf der Rückseite solcher Wagen zu finden sind. Wehmütig gedenkt er jenes Chauffeurs einer Liestaler Baufirma, der es sich zur Gewohnheit gemacht, die Lenker vorfahrender Personenwagen durch Stellen des Richtungszeigers auf Hindernisse in der Fahrbahn auf- F E U I L L E T O N Rätsel um Muriel. Roman von Johann Friedrich. 31. Fortsetzung. Er beeilt sich daher nach Möglichkeit und eifert auch die Stallmeister, die mehr des Eindrucks halber mit Stangen am Laufgang aufgestellt sind, nach Kräften an. Das trägt ihm einige, des Publikums wegen geflüsterte, aber trotzdem überaus saftige Zurufe ein. Endlich sind die Tiger im grossen Käfig. Der Wärter atmet im stillen *"auf und wirft kühne Blicke unter die Leute, die ihn bewundernd anstarren und zum Teil für den Dompteur selbst halten. Die Tiger betragen sich genau wie immer. Sollte das Mittel des Dr. Martinez zwar für Haushunde, aber nicht für Grosskatzen ausreichen ? Don Aguillard ist inzwischen durch die leeren Käfige in den Raum verschwunden, in dem Muriel notgedrungen auf ihn wartet. Er hat grosse Furcht, sie in hysterischem Zustand anzutreffen, doch darin irrt er sich vollkommen. Sie begrüsst ihn ganz ruhig mit einem Blick auf das Leuchtzifferblatt ihrer Armbanduhr. « Wenigstens sind Sie pünktlich ! » lobt sie ihn sehr laut, um sich bei dem anhaltenden Lärm der Motoren nebenan verständlich zu machen. « Das ist ja nicht gerade eine sehr grosse Tugend, aber es ist besser als keine. » «Ich habe Ihnen etwas Cognak mitgebracht, Madame! » antwortet Aguillar hastig. « Stärken Sie sich ! » Muriel weist die angebotene Flasche zurück. « Vielen Dank ! » sagte sie, von der Tonstärke abgesehen ganz gesellschaftlich. «Ich trinke niemals aus der Flasche und schon gar nicht aus einer fremden.» « Machen Sie eine Ausnahme ! » fordert der Dompteur fast drohend. « Sie werden Ihre Nerven noch brauchen. > «Das lassen Sie meine Sache sein. Was haben Sie überhaupt mit mir vor ? » «Ich will Sie Ihrem Mann zurückgeben, aber —» « Was ist da für ein aber ? » «Der Weg, den Sie gehen sollen, — Sie dürfen völlig überzeugt sein, dass er ganz ungefährlich ist, auch wenn er nicht so aussieht. Sie müssen nur Mut zeigen. Deswegen rate ich Ihnen, doch noch einen Schluck Cognak zu nehmen. > « Lassen Sie mich damit in Ruhe! » Plötzlich steht Muriel dicht vor dem Dompteur, sie ist nicht viel kleiner als er. «Sie halten sich selbst doch für mutig; nicht wahr, Don Aguillar ? Ja ? Glauben Sie mir, ich bin nicht weniger tapfer als Sie !» «Das ist ausgezeichnet»", murmelt der Tierbändiger sichtlich erleichtert und geht vor Muriel, jedoch mit halbzurückgewandtem Kopf, zur Tür hinaus Sie folgt ihm nicht ohne Vorsicht, da sie ja die Gewissheit hat, dass irgend eine Gefahr lauert. Obwohl sie nur einmal im Halbdunkel in diesen Räumen gewesen ist, merkt sie doch, dass sie auf einem neuen Weg hinausgeführt wird. Während der Motorenlärm hinter ihr leiser wird, schwillt vor ihr ein Summen lauter und lauter an. Muriel begreift, dass-das die Stimmen einer grossen Menge Menschen sind, die sich in der Nähe versammelt haben. Also führt Don Aguillar sie zur Manege und das ist auf alle Fälle beruhigend. « Achtung ! » flüstert der Dompteur plötzlich. Er sagt es auf englisch und ganz in dem kollegialen Tonfall, in dem Artisten sich untereinander vor einer neuen Piece anfeuern Muriel strafft wortlos ihren Körper, wer ihr in diesem Augenblick ins Gesicht sähe, würde bemerken, dass sie nicht nur eine schöne, sondern auch, eine ungewöhnliche Frau ist. Da stösst der Dompteur eine schmale Tür auf. Ganz plötzlich, im stärksten Gegensatz zu dem bisherigen Halbdunkel, ergiesst sich eine Flut von Licht in'Muriels Augen und blendet sie trotz aller Energie fast völlig. Die Beleuchter haben auf das Erscheinen Don Aguillars gewartet und sofort bei seinem Auftauchen ihre Scheinwerfer auf ihn, als den Helden der kommenden Darbietung gerichtet. Muriel bemerkt trotzdem mit schmerzhaft zwinkernden Augen, dass sie sich im Haupteingang zwischen zwei Reihen Parade stehender Stallmeister befindet, und dass der Dompteur sich tief vor dem Publikum verbeugt. In der Nähe hört sie zwei gallonierte Zirkusangestellte tuscheln. « Wo der Aguillar nur herkommt ? » fragt der eine von ihnen. « Warum kommt er nicht direkt aus dem Stall, wie sonst ? » « Und ein Mädchen bringt er sich auch bis hierher mit! » «Vielleicht soll sie die Tigerbraut abgeben », hohnlacht der erste. Tigerbraut! Eine Ahnung durchfährt Mu- .riel wie ein Blitz. Jetzt ist der-letzte Moment ! Sie muss —