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E_1939_Zeitung_Nr.035

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BERN, Freita«, 28. April 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 35 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Aufgab* A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicheruturt vierteljährlich Fr. 7.50 Auf die kleine Anfrage Lachenal, was für eine Stellung der Bundesrat gegenüber der Eingabe einnehme, welche der TGS an das eidg. Finanzdepartement gerichtet und deren Kernpunkt das Gesuch um Gewährung einer Rückvergütung von 12 Rappen pro Liter Benzin zugunsten der die Landesausstellung besuchenden einheimischen Automobilisten bildete, hat der Bundesrat — wie unsere Leser bereits wissen — eine Antwort erteilt, die, man kann die Sache drehen wie man will, auf eine glatte Ablehnung dieses sicher nicht über das Ziel hinausschiessenden und im « Jahr der Schweiz » zweifellos gerechtfertigten Wunsches hinausläuft. Wenn wir unsere Hoffnungen auf ein Entgegenkommen des Bundes auch von allem Anfang an bis nahe an den Nullpunkt herabschraubten und uns deshalb das runde Nein keineswegs überrascht, so vermögen wir immerhin die Versuchung nicht zu unterdrücken, die gouvernementale Motivierung etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Um dabei die Dinge nach der grundsätzlichen Seite hin gleich an ihren richtigen "Platz zu: stellen :. '• von einer Automöbifpoütik, deren tragenden Pfeiler das Axiom bildet, dass Nehmen Seliger sei denn Geben, weicht der Bund auch in diesem besonders gelagerten Fall nicht um Fingersbreite ab. Der Vergleich mit den bahnseitig zugestandenen Sonderermässigungen dürfe nicht gezogen werden, behauptet die bundesrätliche Antwort, denn dabei fallen nicht nur der nationale Charakter der Ausstellung, sondern auch kommerzielle Erwägungen « in Erwartung erheblicher Mehrfrequenzen » ins Gewicht. Als ob eine Vergünstigung auf dem Benzinpreis nicht genau so gut den Zustrom von Automobilisten zu steigern vermöchte! Aber halt, das ist etwas ganz anderes. Keine der Bundeskassen würde von diesem Zustrom indirekt profitieren. Daran jedoch scheint unsern Landesvätern einzig gelegen zu sein. Freilich entgeht es« ihnen, dass ihr so liebevoll umhegter Fiskus dabei trotzdem auf seine Rechnung käme, wenn auch nur mittelbar : durch erhöhte Umsätze im Hotelund Gastgewerbe, in den Garagen", Reparaturwerkstätten, im Benzinhandel und in allen übrigen Wirtschaftszweigen, welche der Autotourismus al^nentieren hilft. Uebrigens : gilt die < Rücksicht auf den nationalen Charakter der Landesausstellung » für den Mann am Volant denn nicht ebensogut wie für jenen, der im Bahncoupe nach Zürich fährt? F E U I L L E T O N Rätsel um Murlel. Roman von Johann Friedrich. Abgewinkt! «Das ist ja nicht möglich!» stöhnt Sir Andrew, der sich in seiner Loge erhoben hat ' und seinen eigenen, oft erprobten Augen nicht traut. € Doch», sagt der Radscha mit aller Vorsicht, um seinen Begleiter nicht zu verletzen, « diese Dame ist Mistress Aguillar.» «Entsetzlich!» Major Laws Stimme klingt ganz und gar verändert. «Das hat sie also mit dem Tierbändiger besprochen, das ist ihr Geschäft mit ihm. Verzeihen Sie, Hoheit, wäre es Ihnen sehr unangenehm, mit mir aus dieser Vorstellung sofort wegzugehen ? > * Der Radscha blickt den Engländer undefinierbar an. «Ich möchte Mistress d'Andrade jetzt nicht im Stich lassen », erwidert er behutsam. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Uste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brcitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III 414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 Nicht weniger eigentümlich mutet im weitem die Aeusserung des Bundesrates an, man befürchte, dass die Landesausstellung, zum Schaden notleidender Fremdenzentreh, eine Abwanderung des Gästestromes auf Zürich #e, und dessen nächste Umgebung " mit sich bringe. Diese «Beunruhigung » würde durch das Zugeständnis einer Benzinve.rbilligung noch erhöht... Etwas deutlicher ausgedrückt also: Zürich soll nicht allzusehr begünstigt werden. Andere Landesgegenden wollen auch gelebt haben. Dass sie aber nicht mit leeren Händen ausgehen, dafür hat niemand anders als der Bund durch seine Bahnen selbst gesorgt: mit der Schaffung des billigen LA-Generalabonnements. Traut man denn im Bundeshaus der werbenden und verkehrsförderaden Wirkung dieser Massnahme so wenig, dass man für den Besuch der übrigen Fremdengebiete Bedenken hegt ? Oder werden sich die Dinge, ungeachtet aller Unkenrufe, nicht vielmehr doch so gestalten, dass einer, der schon die Fahrt an die Limmatufer unternimmt, die Gelegenheit am Schöpfe fasst, um damit noch einen oder mehrere Abstecher zu verbinden? Mit den Taxermässigungen auf den Bah- ( nen soll auch den Minderbemittelten der Besuch der Landesausstellung erleichtert w'erden; für sie komme aber in der Regel die Reise im eigenen Automobil nicht in Betracht, folglich könnten sie auch der Benzinverbilligung nicht teilhaftig werden, führt der Bundesrat als weiteres Argument ins Treffen. Wir verstehen : man hat sich von der reichlich verstaubten und durch die Tatsachen längst über* holten Auffassung, welche das Automobil zu einem < Luxusobjekt » stempelt, noch nicht gelöst. Oder nicht lösen wollen. Die «minderbemittelten Schichten» aber werden dennoch für die Fahrt zur Landesausstellung, mit allem was drum und dran hängt, 40—50 Fr. pro Person anlegen müssen, abgesehen davon, dass man heute unter diesen « Minderbemittelten » eine Menge Leute trifft, die sich um INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtarif Inseratenseblnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer einen Pappenstiel einen Oocasionswagen erstanden haben, einen unentbehrlichen Helfer im Kampf um die Existenz. Sofern nicht alle Anzeichen trügen, soll indessen die Ausstellungskonjunktur im Verkehrswesen unseres Landes den öffentlichen Transportunternehmungen als ausschliessliches Reservat gesichert bleiben. Dafür spricht auch die Absicht der Postverwaltung, die privaten Gesellschaftswagenfirmen für die Ausführung von Fahrten zur LA den schwersten Konzessionsbedingungen mit den höchsten Gebühren zu unterstellen. Wie sich solche Monopolisierungstendenzen mit dem vom Bundesrat noch besonders unterstrichenen « nationalen Charakter > unserer Landesschau zusammenreimen, ist allerdings eine Frage für sich. Landesausstellung und Zur eher-Verkehrspolizei Erste Vorschau. Im Jahre 1910 besass die Schweiz noch nicht ganz 2300 Personenwagen und ungefähr doppelt so viele Motorräder. Noch 1920 war der Autobestand nicht höher gestiegen als auf 8900 Personenwagen, und die Zahl der Motorräder war nunmehr auf 8200 angew'achsen. Heute aber zählen wir in unserem Lande VeckefitspauiCCatt an dec £andesausstet£uttq> Ein Stück schweizerische Landesausstellung kurz TOT der Vollendung: der Verkehrspavillon mit seiner typischen Achterschleife. Er liegt auf dem linken Ufer, unmittelbar beim Eingang Wollishofen. « Im Stich lassen ? ? » « Ich bin durchaus nicht sicher, dass Mistress d'Andrade freiwillig dort unten im Käfig ist. Haben Sie nicht die Ansprache dieses Aguillar gehört ? » « Ein Artistentrick natürlich. Es kann gar nichts anderes sein.» « Und warum erscheint Mister d'Andrade nicht, um seine Gattin zu befreien ? Zirkuskunststücke pflegen zu klappen. » «Aber man kann doch eine Frau nicht wider ihren Willen in eine öffentliche Ma* nege tragen ! Es ist ja Polizei anwesend. Und was sollte denn der Zweck sein ? » « Vielleicht eine Erpressung. Es geschehen merkwürdige Dinge.» Die Augen des Inders schliessen sich zu einem kleinen Spalt. « Jedenfalls ist dies die interessanteste Vorstellung, die ich je sah. » « Sie wird noch interessanter werden ! » Sir Andrews Rechte tastet nach der Jacketttasche. « Wenn Sie recht haben — und ich beginne das zu glauben —, dann werde ich diesen Schuft von einem Tierbändiger hier auf dem Platze abschiessen wie einen Hasen. Sie können sich darauf verlassen.» Der Radscha hält die Hand des Majors fest. « Lassen Sie das, Sir Andrew !» verlangt er gebieterisch. « Wollen Sie, dass Mistress d'Andrade schutzlos von den Tigern zerrissen wird ? » « Ja, um Himmels willen, was sollen wir denn tun ? » « Abwarten ! » murmelt der Fürst beruhigend. Doch ist er auch aufgestanden und lehnt über der Logenbrüstung. Inzwischen hat der anfangs völlig verblüffte Inspizient der Vorstellung sich wieder zurechtgefunden und nach dem Direktor geschickt, da er nicht weiss, wie er sich verhalten soll. Artus Farroll, der gerade im Begriff ist, die Abrechnung des Kassierers entgegenzunehmen, lässt alles stehn und liegen und stürzt, so schnell er kann, zur Manege. Unter den angeblichen Stallmeistern am Eingang befinden sich ein paar gegenwärtig beschäftigungslose Artisten, die intelligent genug sind, die Ansprache Aguillars richtig wiederzugeben. Farroll in seiner doppelten Eigenschaft als Zirkusdirektor und Geheimagent Schluss auf Seite 2. weit über 70 000 Personenautos und um 27 000 Motorräder, von der in der gleichen Zeitspanne 1910/1938 zu verzeichnenden gewaltigen Zunahme der Motorlastwagen und Autobusse (von zusammen 300 auf 21000!) ganz zu schweigen. In diesen paar Zeilen ist die ungeheure Bedeutungszunahme des motorisierten Strassenverkehrs seit der Zeit vor dem Kriege beschlossen. Bei der LandesaussteÜung von 1914 in Bern waren die für 1910 genannten Zahlen von Motorfahrzeugen wohl etwas überschritten; dennoch warf der Autoverkehr der Besucher noch keine verkehrstechnischen Probleme auf, die nicht mit verhältnismässig einfachen Mitteln hätten gelöst werden können. Zürich dagegen steht nun auf die bald ihre Tore öffnende neue Landesausstellung hin vor geradezu gewaltigen Aufgaben auf dem Gebiete des Strassenverkehrs, wie sie in der Schweiz überhaupt noch nie aufgetreten sind. Die Stadt allein besitzt heute um 13000 Motorfahrzeuge; dazu kommen die auswärtigen Besucher aus dem Inland, und über sie hinaus hofft das ganze Land auf einen erheblichen Zustrom fremder Ausstellungsbesucher. Seit Monaten ist die Zürcher Verkehrspolizei am Werke, einen bis zur letzten Kleinigkeit ausgefeilten Apparat zur Bewältigung auch des grössten Verkehrsandranges aufzustellen, und die Methoden und technischen Einrichtungen, die sie dabei einsetzt, sind zum grossen Teil für unser Land ganz neu. Schon deswegen interessieren diese Massnahmen auch die Leser der «Automobil- Revue»; aber auch die Zürcher Behörden begreift blitzschnell, was hier zu tun ist. Wenn sich kein Gatte meldet, wird er selbst als sein Vertreter einen beliebigen Brief 32. Fortsetzung. In dieser Nummer s Der neue amerikan. Schongang. Deutschland und das rumänische Oel. Der Novix-Oelring. 1. Schweiz. Vielseitigkeitsprüfung. Bilder: Rundgang durch die * Nova-Werke S. 16. Beilage: