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E_1939_Zeitung_Nr.039

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BERN, Freitag, 12. Mai 1939 Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 39 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Ausgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5 , jährlich Fr. 10.—. Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallversich.) vierteljährlich Fr. 7.50. Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Das Motorfahrzeug an der Landesausstellung Ausstellungstechnisch dargeboten finden wir diese Fahrzeuge au! der Höhenstrasse, die den eigentlichen Reiz der Halle «Strassenverkehr» ausmacht: einer in interessanter Achterschlaufe mit den Steigungen und Kurvenradien der Bergstrassennormalien der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner angelegten Rampe, die freilich aus gewissermassen reklamepsychologischen Erwägungen insofern von der Wirklichkeit abweicht, als sie, im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Landstrasse, ein Trottoir aufweist und überdies die Fahrzeuge auf diesem erhöhten Trottoir aufgestellt sind, während der Besucher sich auf der tieferiiegenden «Fahrbahn» bewegt. Es ist ausgeschlossen, die ausgestellten Fahrzeuge alle aufzuzählen. Begnügen wir uns mit der Feststellung, dass hier alles zu sehen ist, was die Schweiz an Strassenfahrzeugen hervorbringt, seien es die in vollem Umfange autochthonen Lastwagen, Cars Alpins, Gesellschaftswagen, Spezialfahrzeuge 'aller Art! einschliesslich des Motorrades und Fahrrades, seien es die in unserem Lande bloss montierten und karossierten Personenwagen, sei es endlich der traktorbewegte Schlitten-Schleppzug für den Wintersport verkehr im Gebirge. Ganz nebenbei fällt auf dieser Höhenwanderung unser Blick auch auf die von Künstlerhand an die Wand gemalte Phantasielandschaft, in der sich, von einem Schaupunkte aus zu überblicken, Stadt an Stadt der Heimat aneinanderreiht. Die in ihrer Mannigfaltigkeit reichste Abteilung der Halle betreten wir jedoch erst am Ende der Höhenstrasse. Hier reiht sich, weniger thematisch geordnet denn nach Ausstellerfirmen gegliedert, Stand an Stand das ganze Autogewerbe in seiner Fülle aneinander. Ein Montagewerke zeigt die Zusammenstellung eines ganzen Autos am laufenden Band, vom Aufsetzen des nackten Fahrgestellrahmens bis zum letzten Finish. Wir sehen die «lebensgrossen» Werktstattzeichnungen des Karosserie-Konstrukteurs und daneben Wagenaulbauten mit aufgeschnittenen Türen, Wänden und Polstern. Biegsamkeit und Bruchfestigkeit modernen Sicherheitsglases werden eindrucksvoll demonstriert. Zähler aller Art und Geschwindigkeitsmesser ticken. Das Gerät des Farbspritzwerkes ist zu sehen. Werkstattkrane und Wagenheber neuester Bauart stehen da. Die elektrische Ausrüstung eines Autos wird mit allen Leitungen gezeigt. Akkumulatoren, Kühler in allen Fertigungsstadien, Nebel- und Kurvenlampen, Frostsohutzscheiben und dergleichen Zubehör findet sich in fülliger Menge. Verschiedene auch über die Landesgrenzen hinaus bestbekannte Bremssysteme für Strassenfahrzeuge sind in Schemazeichnungen und mehr oder weniger instruktiven Modellen oder aufgeschnittenen Originalstücken ausgestellt, und der Holzgaswagen steht in der Nähe aufs letzte ausgefeilter Prunkstücke ganzer Motorrad-, Auto- und Traktormotoren. In schönen Bilderreihen wird die Kugellagerfabrikation dargestellt, und nicht weit davon zeigen die grossen Lastwagenfabriken des Landes In Grossphotos ihre Werkstätten und Maschinen. Die früh erworbene Weltgeltung schweizerischer Strassenfahrzeuge demonstriert da etwa das Bild, wie der letzte russische Zar eine Parade schweizerischer * Siehe Nr. 38. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe Liste* 1 REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 . Telegramm-Adresse : Autorevue, Bern Geschäftistelle Zürich :• LSwenstrasse 5t, Tefephon 39.743 «Heeresfahrzeuge» abnimmt, und wie schweizerischer Erfindergeist der ganzen Welt immer wieder Pionierdienste leistet, bringt uns die Aufnahme des ersten Schienenautos in dankbare Erinnerung, das 1908 die Steilrampe von Rorschach nach Heiden erklomm — Jahrzehnte bevor die Bedürfnisse durch das Auto bedrängter Bahnen all den Michelines und sonstigen Leichtfahrzeuge riefen, die heute die Schienennetze vieler Länder beleben. Die Industrien der Benzin- und Oellagerung und -Veredelung und die Pneufabrikation nehmen ebenfalls den ihnen gebührenden Raum in Anspruch. Und von besonders erschöpfender Vollständigkeit ist schliesslich der Schaugang der schweizerischen Fahrradindustrie, die ihre Produktion über die auf der « Höhenstrasse.» aufgestellten Räder hinaus in zahlreichen Rahmen, Wechselgetrieben- und - anderen solchen Einzelheiten vorführt. ' - • • In dunklem Seitehraum zeigt eine modellmäss'ige Strassenanlage in stättlichem Massstabe die Wirkung der Strassenbeleuchtung vom Fahrzeug oder von festen Lampen aus, wobei sich die Vorzüge einer ortsfesten Befeuchtung mit einfarbigen Strahlern «ins richtige Licht setzen». Das schöne Lastwagenfährgestell dagegen, das in einer andern Koje in den verschiedenen Tönen von Leuchtfarben seine einzelnen Bestandteile blossgelegt, bleibt so gut wie unbeachtet, da sich'daran nichts bewegt und nicht der mindeste Versuch gemacht worden ist, dem Publikum den Aufbau eines solchen technischen Werkes durch irgendwelche Erläuterungen näherzubringen. Nicht vergessen sei, dass auch die an den Strassenverkehrspavillon angebaute Feuer- , wehrwache der Ausstellung selber wieder eine Abteilung der letzteren bildet, wo verschiedene der Feuerbekämpfung dienende Motorfahrzeuge unsere Blicke auf sich ziehen und daneben die bloss als Fahrzeuganhänger zu bewegenden Kleinspritzen ihre Zugehörigkeit zur Welt des Motorfahrzeuges eben von ihrem Motorpumpen-Aggregat herleiten. Unsere Ueberschau über das Fach- und Sachgebiet des Strassenverkehrs und insbesondere des Motorfahrzeugs wäre nicht vollständig, wenn wir nicht der hieher gehörigen Dinge gedächten, die gerade der thematische Aufbau der ganzen Landesausstellung anderswohin gestellt hat. Denn dieser thematische Aufbau kann ja -seiner .-Natur, nach immer nur ^äuf, einen Aspekt der Wirklichkeit passen; eine Betrachtung der gleichen Gegenstände unter einem andern Gesichtspunkte aber Auf diese originelle Art empfängt der Verkehrspavillon der Landesausstellung seine Besucher: das wirkliche Kleinsteinpflaeter des Eingangs geht unvermerkt in jenes auf der riesigen Photographie der ^trasse über, welche die Rückwand der Halle bildet und erzeugt damit beim Beschauer die Illueion, er stehe tatsächlich in dieser Landschaft drin. INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer In dieser Nummer s Nach dem Grossen Preis von Tripolis. The International Trophy. Ein zweistufiger Rennwagen- Kompressor. Feuilleton: «Rätsel um Muriel» S.2. Beilage: Der Neuhau der Ford- Vertretung in Bern. reisst sie — so will es scheinen — unbegründeterweise aus dem Gefüge, das der Besucher augenblicklich im Sinne haben mag, weil sich die Linien der Sachzusammenhänge eben vielfältig überschneiden. Schluss auf Seife 2. Erste Fahrten des Zürcher Trolleybus Auf Dienstagnachmittag luden die Städtischen Strassenbahnen Zürich die Presse zu einer -ersten Fahrt mit ihren neuen Oberleitungsomnibussen ein, die in wenigen Wochen den fahrpjanmässigen Dienst auf der bisherigen Autobuslinie «B» zwischen .Bezirksgebäude und Bucheggplatz übernehmen werden. (Die sofortige Betriebsaufnahöie des neuen Verkehrsmittels ist deswegen nicht möglich, weil vorerst bloss zwei Wagen abgeliefert sind und diese während einiger. Zeit noch für die Schulungsfahrten des Personals verwendet werden müssen, für welche, beiläufig gesagt, die Aufsichtsbehörde die seinerzeit bei der Einführung des Winterthurer Trolleybus allgemein als übersetzt' betrachtete Pflichtstundenzahl einsichtigerweise auf vierzig herabgesetzt , hat.) - Wie für jeden, der den Trolleybus vom' Ausland her oder auf Grund von Fahrten mit den bläuen Lausanner Wagen oder den noch jüngeren Vehikeln von Winterthur kannte, nicht anders zu erwarten war, hat auch der blausilberne Benjamin des Zürcher «Strassenbahn>-Parkes bei seinen ersten Benutzern die allerbesten Eindrücke hinterlassen. Die Fahrt in einem solchen vom so schmiegsamen elektrischen Strom angetriebenen und auf Gummireifen fast völlig geräuschlos dahinfahrenden Wagen übertrifft an Annehmlichkeit alles, was Strassenbahn- und Verbrennungskraftwagen zu bieten vermögen, sobald wenigstens einmal der Wagenführer mit dem Anzugsvermögen des Motors und den Verzögerungskräften der Bremsen wirklich vertraut ist und wenigstens im normalen Betrieb vor allem zu brüske Bremsungen vermieden werden. In Gefahrfällen freilich bedeutet die ganz enorme Bremsfähigkeit des Trolleybus einen sehr erwünschten Sicherheitsfaktor; ein solcher Stop, nach vorsichtiger Vorbereitung der Presseleute und sonstigen Insassen mitten in schnellster Fahrt eingeleitet, demonstrierte mit Nachdruck die Möglichkeit, den Trolleybus auf fast unglaublich kurze Entfernung zum Stehen zu bringen. Die bei einem kleinen Imbiss gewechselten Ansprachen zeitigten für die Leute von der Feder manche neue Erkenntnis über die verkehrspolitischen, betriebstechnischen und betriebswirtschaftlichen Gründe, die eine technisch so glänzend ausgebaute und nach Jahren schwerer Krise auch finanziell wieder flotte StrassenbahnUnternehmung, wie diejenige von Zürich, dazu veranlassen können, vom schienengebundenen Verkehr abzugehen und sich dem neuesten Strassenverkehrsmittel zuzuwenden, das die Technik kennt. Gegenüber dem Benzin- oder Dieselfahrzeug bietet der Trolleybus die Vorteile erheblich höherer Platzzahl und geradezu gewaltig gesteigerter Reisegeschwindigkeiten infolge seines, gewaltigen Anzugsvermögens — und nicht zu vergessen: den nationalwirtschaftlichen Vorzug, einheimische Treibkraft zu verwenden —; dem Schienenfahrzeug gegenüber vermag der Oberleitungsomnibus dort durchzudringen, wo eine Strassenbahnverwaltung, vor der Notwendigkeit steht, lange Geleisestrecken vollständig zu erneuern. Aus allen Ansprachen der Behördenvertreter gingen bei der Besichtigung vom Dienstag die oft fast komisch anmutenden begrifflichen Schwierigkeiten hervor, die.der Trolleybus den Verkehrsfachleuten bietet Die «Eisenbahner> strenger Observanz möchten ihne gerne für sich beanspruchen und treten ihn schon ein wenig aus Prestigegründen nicht gern an die Welt des Autos ab, indem sie sich auf seine Gebundenheit an eine Fahrleitung und damit an eine bestimmte Fahrroute berufen; die Verkehrsfachleute vom Auto dagegen machen