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E_1939_Zeitung_Nr.039

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 12. MAI 1939 — ]$0 39 Das Schild Ist montiert, die Handwerker haben ihre Werkzeuge weggetragen, die Pinselstriche der Maler sind getrocknet, Scheuerbesen und Wassereimer sind verstaut. In den Benzintanks liegen 50.000 Liter Brennstoff, die Schalttafeln, Apparate und Maschinen sind kontrolliert, das Personal steht dienstbereit an seinem Posten: Die neue Fordgarage in Bern ist in Vollbetrieb. Mit Recht stellen Sie, Herr Automobilist, an den Garagisten grössere Anforderungen als je zuvor. Sie wollen schneller und zuverlässiger, kurz besser bedient werden, weil auch die Garagetechnik im Laufe der Zeit ständig Fortschritte gemacht hat, die ein immer rationelleres Arbeiten ermöglicht. War es darum etwas anderes als ein Gebot der Klugheit nicht nur unserer stets zahlreicher werdenden Kundschaft, sondern auch uns selbst gegenüber, wenn wir unsern Betrieb derart organisiert und ausgerüstet haben, wie es bei bestem Wissen und Wollen nicht zweckmässiger geschehen könnte? Wir glauben sagen zu dürfen, dass die neue Fordgarage in der Art ihrer Anlage * und der Vollständigkeit ihrer Installationen in unserem Lande gegenwärtig einzigartig sein dürfte. Wenn dabei auch die Genugtuung über das vollendete Werk etwas mitsprechen mag, so sind wir doch überzeugt, Ihnen dafür den Beweis ohne weiteres leisten zu können. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns nächstens durch einen Besuch dazu Gelegenheit geben wollten. Freie Besichtigung: Sonntag, den 14. Mai 1939, von 10-19 Uhr

fljO 39 _ FREITAG, 12. MAI 1939 AUTOMOBIL-REVUE 11 reiches Ersatzteillager, sodann die verschiedenen durchwegs verglasten Büros und last but not least, als besondere Attraktion eine nach modernsten Grundsätzen eingerichtete Wagenwasch- und Schmierstation. Durch ein Tor ungefähr im Zentrum des Gebäudes fahren die zu waschenden Wagen auf eine kleine Drehscheibe, machen darauf rechtsum und gelangen anschliessend auf die Schienen der automatischen Wagenwaschmaschine. Nachdem das Wageninnere gestaubsaugert und ausgebürstet, der Motor mit Druckluft abgeblasen, mit Petrol besprüht, für die Wäsche mit einem wasserundurchlässigen Tuch zugedeckt und sämtliche Türen, Fenster sowie die Motorhaube geschlossen sind, wird das Fahrzeug mittels eines Hakens mit der ständig laufenden Transportkette verbunden. Sie zieht ihn im Schneckentempo von 1 m pro Sekunde durch den zirka 5 m langen Waschtunnel, wo ihn mehrere Dutzend oszillierende Hochdruckwasserstrahle von unten, oben und von beiden Seiten sauber waschen. Die einzelnen Wasserdüsen sind so fein, dass das Waschwasser beim Austritt unter einem Druck von 15—20 at in einen scharfen Strahl feiner Tröpfchen aufgebrochen wird, so dass der ganze Waschtunnel von einem Nebel erfüllt ist. An seinen Enden findet sich ein Abtropfgitter, worauf die Karosserie noch trocken geledert wird. Danach geht's ein paar Schritte weiter zum « Schmierlaboratoriurn »., das mit den raffiniertesten, modernen Apparaten ausgerüstet ist. An Stelle einer Reparaturgrube arbeitet das Bedienungspersonal von einem Untergeschoss aus an den im Parterre stehenden Wagen. Zwei an langen Schwingarmen befestigte Fangschalen nehmen das Oel aus dem Kurbelgehäuse des Motors und anderseits den Gehäusen des Triebwerks auf, um es getrennten Fässern zuzuleiten. Zum Absaugen von Petroldämpfen ist in der Ecke ein grosser Entlüftungsventilator aufgestellt. Bleibt noch der Keller zu besichtigen, der in erster Linie als Kundengarage dient und zirka 40 Wagen Raum bieten dürfte. Das «Verkehrsproblem > ist hier mittels einer grossen Drehscheibe gelost, d'e so" leicht geht, dass wir sie mit einem Fuss in Umlauf setzen können. Sie muss. in der Lage sein, auch Lastwagen aufzunehmen. In einem gesonderten Raum, ganz am hintern Ende, neben der breiten Ein- und Ausfuhrrampe eine Sehenswürdigkeit für Heizungstechniker : -Drei Zentralheizungen, wovon zwei auto-' matisoh mit feinkörnigem Anthrazit beschickt werden. Die dritte verwertet das abfallende Motorenöl als Wärmespender. Sollte je aus irgendwelchen unwahrscheinlichen Ursachen Grundwasser in den Heizkeller gelangen, so wird d'eses von einer selbsttätig einschaltenden Punrne abeesangt. Weiter enthält der Keller eine < Kundenwaschanlage» (was sagen will, dass die Kunden ihre Wagen hier selbst waschen können !), ferner, im Boden eingelassen, zwei 25.000 Liter Benzintanks sowie eine Batterie von Oelreservoiren für die Servicestation. Im Hintergrund der Halle reiht sich Fass an Fass ein Öelvorrat, der für ein ganzes Betriebsjahr ausreicht. Gleich dabei in einem eigenen dunklen und kühlen Kellerraum das Reifenlager, und ebenfalls hier in einer Ecke ein Riese von einem Ventilator, der für die Entlüftung des Kellers sorgt. Auf dem Rückweg ins Erdgeschoss via Treppe haben wir noch Gelegenheit, die hygienischen Einrichtungen, darunter einen grossen Waschraum mit Stahlschränken zu bewundern. Alles tiptop eingerichtet... Der Architekt schildert sein Werk Die «Ford»-Automobilvertretung in Bern bedarf erweiterter, zweckmässiger Räumlichkeiten. Ihre Betriebszweige sind: Reparaturund Revisionswerkstatt, Autowäscherei und Servicestation, Einstellräume, Ausstellungsund Verkaufsräume für Autos, Ersatzteile und Occasionswagen, die notwendigen Betriebsräume und Dienstwohnungen! für Pikettdienst. Im Erdgeschoss befinden sich die Tankwartstelle mit Zapfsäulen für Benzin, Oel und Luft, die Werkstätte für kleinere Reparaturen, die Autowäscherei und Servicestation, die Ausstellungshalle mit Ersatzteillager und an alles überblickender Stelle die Bureaux der Betriebsleitung. Das Untergeschoss bietet nebst Personalräumen, der Heizungsanlage und einer Kundenwäscherei Einstellmöglichkeiten in Einzelboxen und Raum für Hallenparkierung. UNTEGGESCHOSS Das erste Stockwerk enthält die grosse, ununterteilte Reparatur- und Revisionswerkstatt;' hier befinden sich die zahlreichen Maschinen der mechanischen Werkstätte und die Schmiede. (Zwei Kranbahnen ermöglichen den Transport der Bestandteile von den Arbeitsplätzen zur Stätte ihrer maschinellen Bearbeitung.) Im zweiten Stock sind die Autospritzmalerei und die Spenglerei untergebracht, versehen mit zusätzlichem Oberlicht. Der weitaus grösste Teil dieses stützenlosen Stockwerkes jedoch dient zu Lager- und Ausstellungszwecken für Occasionswagen. Im östlichen turmartigen Abschlussgebäude sind in einem dritten, vierten und fünften Stockwerk 3 Dienstwohnungen untergebracht. Mit der Aufzählung der verschiedenen Räume und ihrer Zweckbestimmung ist jedoch nur das Endresultat beschrieben, der Bau als Hülle, nicht aber seine Entwicklung vom Gedanken bis zur festen Form. Das Leben eines baulichen Organismus beginnt erst dort, wo die Auseinandersetzungen zwischen Betriebsorganisation und -erfordernissen, Einzelanforderungen und SpezialWünschen des Bauherrn einerseits und architektonischer Ordnung, Konstruktion, Wirtschaftlichkeit und Formschönheit anderseits stattgefunden und zu einem allseitig annehmbaren Ergebnis geführt wird. Diese Auseinandersetzung, die, für alle Zeiten in Stein gebannt, zum Schweigen gebracht ist, einmal anzudeuten, erachte ich als das Wertvollste und das Besondere eines Baubeschriebes im Zeitpunkt der Einweihung des fertigen Werkes. Das Grundstück mit seiner Frontlänge von 65 m und seiner etwas knappen überbaubaren Tiefe von 10,2 m im Westen und 16,2 m im Osten zwang zu einer Längenentwicklung der Anlage. Die ursprünglich gehegte Absicht, die Grundriss des Untergeschosses. Das Arbeiterproblem ist mit der Verschärfung der Weltwirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit, welche sie in den hochindustriellen Staaten nach sich, zog, .eine Existenzfrage geworden, die noch immer ihrer Lösung harrt. Gegenüber den Kathedererörterungen prominenter Nationalökonomen muss deshalb die Stellungnahme führender Grossindustrieller zu diesem Fragenkomplex besonders interessieren, vorab, wenn es sich um das Urteil eines Mannes vom Format Henry Fords handelt, der in seinen Automobilwerken 122.000 Arbeiter mit einem durchschnittlichen Tagesverdienst von 23—38 Schweizerfranken oder einem Gesamtverdienst von rund 38 Millionen •beschäftigt, darunter 5000 Mann allein zur Reinigung der Fabrikanlagen. Mit der Sauberkeit schätzt Henry Ford, der gegen sich selbst strenge Puritaner, aber auch die Disziplin über alles. Disziplin vorab im Sinne eines guten Arbeitsgeistes. Darin liegt denn auch der Grund, weshalb sich Ford nicht mit der Kontrolle der Einstellräume im Untergeschoss und die grosse Reparaturwerkstatt im ersten Stock durch befahrbare Rampen mit der Strasse zu verbinden, musste im Hinblick auf die geringe Bautiefe und die durch sie bedingte Unmöglichkeit einer Uebereinanderlegung der beiden Rampen und daherigem grossem Raumverlust beschränkt werden auf eine Rampe als Einfahrt ins Untergeschoss. Die Erschliessung des ersten Stockwerkes erheischte die Anlage eines grossen Autoliftes. Ourch ihn wurde der Entschluss wachgerufen, das zweite Stockwerk voll auszubauen und als Ausstellungshalle einzurichten. Aus städtebaulichen Gründen wurde als Abschluss der nordseitigen hohen Laupenstrassenbebauung, die nach Baugesetz der Bauzone II zugeteilt ist, ein turmartiger Abschlussbau erstellt, der in drei weiteren Stockwerken die drei Dienstwohnungen aufnimmt. Die Förderung nach Einzelboxen im Untergeschoss nach Einzelarbeitsplätzen in den Werkstätten im Erdgeschoss und ersten Stock, ferner die aus wirtschaftlichen Gründen notwendige unterirdische Ausnützung des Vorlandes und die Konstruktionsart des östlichen Teiles des Gebäudes führten zur Festlegung einer Pfeileraxendistanz von 3,05. (Schluss Saite 17.) Henry Ford und die Arbeiterfrage Arbeitsleistungen zufrieden gibt, sondern sich mit gleicher Sorge und Fürsorge um Leben und Treiben seiner Arbeiter ausserhalb der Fabrik kümmert, was um so leichter fällt, als diese fast auschliesslich die für sie erbauten Siedlungshäuser der Fordwerke bewohnen. Allein im Staate Michigan zählt man 15 solcher Fordsiedlungen, nach deren Muster gegenwärtig weitere 35 im Bau begriffen sind. i Väterlich um die gesamte Lebenshaltung seiner Arbeiterschaft besorgt, ist Henry Ford als Arbeitgeber unbedingter Anhänger des Achtstundentages, beziehungsweise der Vierzigstundenwoche (5X8). Nach seinem Dafürhalten stellen 8 Stunden tatsächlich die beste, d. h. einzig rationelle Arbeitszeit dar, nicht « weil 8 Stunden genau einen Drittel eines Tages ausmachen, sondern weil diese Zeitspanne als die mittlere rein zufällig auch die besten Arbeitsleistungen ermöglicht ». Schluss Seite, 17. Komplette Anlagen für die Lagerung und die Abgabe von Benzin, Schmierölen etc. Ausarbeitung von Projekten und fachmännische Beratung durch die Carba A.-G., Bern - Zürich - Basel Spezialfirma für komplette und neuzeitliche Garage-Einrichtungen