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E_1939_Zeitung_Nr.038

E_1939_Zeitung_Nr.038

Presslufthämmern hinein

Presslufthämmern hinein leitet zu dem Abschnitt des Rundganges hinüber, wo die einzelnen am Bau und Unterhalt der Strassen praktisch oder wissenschaftlich, in amtlicher Eigenschaft oder als Unternehmer tätigen Behörden, Verbände und Gesellschaften der Einzelfirmen Zeugnis für Ihre Arbeit ablegen. Wir beobachten an Bildern oder graphischen Darstellungen der Rauhigkeit, sowie an aufliegender Literatur die nützliche Tätigkeit der Vereinigung schweizerischer Strassenfachmänner (deren Sekretär Dr. Derron diese ganze Schau aufgebaut hat) bei der Vereinheitlichung der schweizerischen Baunormen, den Tätigkeitsbereich des schweizerischen Autostrassenvereins und die Forschungsarbeit zur Abklärung der Strassenbeläge oder der Eigenschaften des Baugrundes und der Baustoffe der Strassen; gegenüber jedoch beanspruchen die Erwerbszweige der Gewinnung und Verarbeitung dieser Materialien unsere Aufmerksamkeit, bis nach verschiedenen andern Einzeldarstellungen, die wir hier nicht alle nennen können, die eigentlichen Interessenverbände ins Blickfeld treten, von denen wir in diesem Blatte nur den Automobil- und den Touring-Club der Schweiz sowie den Verband schweizerischer Motorlastwagenbesitzer « ASPA» anzuführen brauchen. Sie alle erinnern in kurzen Stichworten an ihre selbstgewählte Aufgabe und stellen deren Erfüllung, soweit es möglich ist, anschaulich an einem grossen Strassenmodell dar. Die so wichtigen Probleme der Verkehrserziehung und Unfallbekämpiung sind bedauerlicherweise nur in der bescheidensten Weise mehr angedeutet als irgendwie auf breiterer Grundlage dargestellt, wie auch das interessante Fachgebiet der Verkehrstechnik im engeren Sinne mit seinen Bemühungen um die richtige Ausstattung der Verkehrsbauwerke (Schutzinseln, Platzgestaltung, Signa- Hsierung usw.) leider fast gänzlich unbeachtet geblieben ist. Die schweizerische Postverwaltung stellt in schönen Bildern von Alpenstrassen zur Schau, was sie auf dem Gebiete des Personenverkehrs leistet, und dokumentiert den Umfang dieser ihrer Beförderungsleistungen auf treffliche Weise durch einen Vergleich mit der Entfernung zwischen Erde und Mond; eine Schweizerkarte zeigt eindrücklich, wie sie durch ihre unzähligen Linien das schweizerische Verkehrsnetz durch Anschluss an die Bahnlinien oder durch die Verbindung von solchen verdichtet und dadurch zur Erschliessung so mancher Gegend unentbehrliche Hilfe leistet. Als letzte dieser Reihe privater Organisationen bringen sich Via Vita und Schweizerische Strassenverkehrsllga, die schweizerischen konzessionierten Automobilunternehmungen und die Gesellschaft zum Studium der Motorbrennstoffe berechtigterweise in Erinnerung, und dann betreten wir durch ein Tor, das offenbar nur ein Teil der Besucher als fast naturgrosses Modell eines Strassentunnels durch den Gotthard erkennt, eine gänzlich neue Abteilung der Schau des Strassenverkehrs. Nun sind es das Motorfahrzeug selber und seine vielen Schlüsselindustrien und Nebengewerbe, die unser Interesse fesseln. Sie tun es auf eine vorzügliche Weise, die das Irreale einer in der Form einer Achterbahn verlaufenden normalisierten Bergstrasse mit ihren Wendeplatten mit einem Diorama, das den Blick auf sämtliche Gegenden unseres lieben Schweizerlandes erschliesst, aufs zweckmässigste verbindet mit der «hundertprozentigen» Wirklichkeit all der Spitzenleistungen schweizerischen Motorfahrzeugbaues, der so viel dazu beigetragen hat, den Weltruf der heimisdien Industrie zu begründen. .+ lieber Mitfahrer! Es gibt so viele Dinge zwischen uns, die ich aber so ungern ausspreche, dass ich den « nicht mehr ungewöhnlichen Weg » über die Zeitung wähle, um mit Dir einmal « zu Boden zu reden-». Eines Tages entdeckte ich am Schaltbrett eines jener niedrigen Sportwägelchen, die mit ihrem Brummfliegenton Rasse markieren und vorwiegend Studenten ergötzen, gerade vor dem Mitfahrersitz ein Messingtäfeichen, auf welchem ein scheussliches Gesicht abgebildet war, mit rollenden Augen und einem riesigen Vorhangschloss durch die Lefzen, dazu die kategorischen Worte: « Mitfährer, hält 's Maul!! •» AUTOMOBIL-REVUE Epistel an den Mitfahrer Aisa uniede 3twt, JCmqqe speechen... Ich muss gestehen, diese erfrischend aufrichtige und unmissverständliche Aufforderung hat auf mich tiefen Eindruck gemacht. Sie sagt eigentlich alles, worauf es zwischen uns beiden ankommt. Es gibt nichts, worüber sich alle Autolenker mehr einig wären, als dass der schwätzende, fragende und maulende Mitfahrer oft lästig, ja gefährlich sein kann. Andererseits sind wir uns auch darüber im klaren, dass der stumme Mitfahrer einen Idealfall darstellt, der nur selten erreicht wird und meist auch"nicht unbedingt nötig ist. Vergessen wir Autolenker vor allem nie, dass er auch nur ein Mensch mit seinen Fehlern ist und dass wir nach einer guten Gepflogenheit uns immer selber zuerst prüfen müssen, ob wir ihm auch die Erreichung des gewünschten Idealzustandes erleichtern. Dazu gehört, dass wir uns einigermassen seiner Geistesverfassung anpassen, indem wir z.B. einem ängstlichen Mitfahrer nicht gerade die Spitzenleistungen unseres Wagens vordemonstrieren oder ihn in den Strassenbiegungen links und rechts an die Wagenwände werfen. Wir werden einem ganz Unerfahrenen sagen, dass er in den Kurven wie ein Radler nach innen lehnen soll, wir werden ihm die richtigen Haltgelegenheiten (statt der Türklinken und Fensterkurbeln) zeigen, bevor wir überhaupt anfahren: Wir werden scharfe Stopps und «Sprungschanzen» in der Strasse vermeiden, damit er keine Beulen als Andenken davonträgt. Wir werden uns ferner auch die andauernden Fluchmonologe abgewöhnen, welche die lieben Mitbenützer der Strasse in uns provozieren, wenn sie Verkehrsregeln verletzen oder uns einfach nur lästig sind. Unser Schimpfen macht nur ängstlich. nötig. Du weisst, ich kann fahren, ich bin ja amtlich geprüft und habe keine Unfälle verschuldet, oder aber meine Lehren daraus gezogen. Du verstehst vielleicht auch schon allerlei vom Fahren, bist gar selber Lenker. Dann um so schlimmer! Gerade darum hast Du die fixe Idee, das Nötige werde nicht getan, weil es nicht Deine Hände und Fasse tun. Gewöhne Dir das ein für allemal ab. Vor allem drück mir nicht mit Deinem ewigen « Mitbremsen » den Fussboden ein. Wenn es nicht anders geht, weil Da es unwillkürlich machst, so schaue einfach konsequent nach links und rechts in der Landschaft umher, die Asphaltaussicht ist Dir ohnehin vom vielen Selberiahren bekannt genug. Du wirst staunen, wie schön alles in der Quer ansieht ist. Oder döse einmal ein bisschen und höre dem Rollen zu. Nach einem Weilchen siehst Du, dass wir soviel weiter gereist sind ohne Dein Dazutun. Jetzt fange mir aber nun nicht, statt der Mitbewegungen, einfach nlü Reden an! Du kannst sicher sein, wenn wir miteinander auf die Strasse starren, so denken wir in 999 von 1000 Fällen punkto Verkehr dasselbe, auch wenn Du es mir nicht ansiehst. Wir beide erblicken gleichzeitig das spielende Kind, die lauernde Katze, den schwankenden Velofahrer, ich wahrscheinlich schon etwas früher. Wenn Du aber diese Details alle immer laut erwähnst, so passiert höchstens etwas ganz Dummes. Es braucht doch eine Weile, bis Du etwas selber wahrgenommen, im Kopf erfasst, in einen Satz formuliert und ausgedrückt hast. Das muss ich erst wieder hören und erfassen. Inzwischen ist das Ding meist überhaupt schon vorbei, ich sehe es nicht mehr und erschrecke darüber. Nach längerem Reden stellt es sich dann regelmässig heraus, dass ich das Ding doch auch schon längst erspäht hatte. Du aber hast mich bloss unsicher gemacht und kannst mir vielleicht sogar einsaggerieren, ich sehe am Ende doch nicht immer alles. Dann hören wir aber wohl besser auf und kehren ein! Du hast also eingesehen, dass Deine Zunge zehnmal zu langsam ist. Jetzt fängst Da an, Dich zu beeilen und brüllst einfach nur noch «He* und «Pass auf». Das nützt nun schon gar nichts. Wenn es wirklich einmal kitzlig war, einen Stopp erforderte, sei es Dir verziehen. Wir betrachten dann den Ruf als Kehlreflex, der sich einfach gleichzeitig mit meinem nützlichen Reflex im Fuss äusserte. Andernfalls mtisste ich so grob wie jenes Schildchen werden! Nun wären wir also so weit, dass Du Zutrauen in meine Fahrweise hast. Vor»iiU. ei« Hut DIENSTAG, 9. MAI 1939 — N« 38 ff«* tettte* Proiess— . Sie r«m | *'"' 6rt# " 1 beisst mir im Auge, und ich kriege selber noch Lust am Rauchen. Dann fahre ich mit dauernd tränendem Auge, wie sicher, kannst Du Dir denken. Auch im Wirtshaus sollst Du Dich mir anpassen und mir nicht ein schäumendes Bier vortrinken, das ich mir versagen will und muss. Dass Du beim Einkehren stets den Beutel ziehst, ist in Ordnung. Das Autofahren kostet Geld, und Du kannst Dich so am besten revanchieren. Es ist für mich leichter, abzulehnen, als Dir von mir aus zu sagen, was es kostet... «Les bons comptes fönt les bons amis.» Auf langen Reisen machen wir die Kostenverteilung vorher ab, auch da mache Du den Anfang mit Reden. Bei Pannen kannst Du Dich nützlich machen mit Beleuchten usw. Häufig werde ich auf Deine Mitarbeit verzichten, denn es braucht nicht mehr schmutzige Hände zu geben als nötig. Die Putzläden kannst Du am Schlosse immerhin suchen, damit ich nicht das Polster und die Griffe verschmieren muss. Das Kofferladen steht Dir sehr gut an, wie auch Trinkgelder verteilen, Rechnungen zahlen etc. Arbeitsteilung versüsst das Reisen wunder-' bar. Gut, dass Du keine Frau bist. Diese haben oft die unglückliche Idee, mit dem Lenker während der Fahrt zärtlich zu werden. Vieh leicht machte er einmal aus Uebermut selber den Anfang. Später werfen sie ihm vor: « Da liebst mich nicht mehr-», wenn er nachher seinem Gewissen gehorcht. Es gäbe noch eine Menge Wünsche, aber es sind dieselben, die sich für einen Hausgast verstehen, z. B. dass man die Behausung nicht mit seinen Schuhen, verschmutzen soll, dass man mir die Mäntel nicht zerknüllt und so weiter. Du machst Dich nicht über meine Wohnung und Möbel lustig, sondern versuchst, zu loben ohne zu lügen. Wenn Du das auch mit meinem Wagen tust, so tut es mir in die Seele hinein wohl, denn auch der beste Wagen hat Stunden, wo er seinen Besitzer ärgert. Zeige mir nicht die noch bessern, neuern und schönern Wagen auf der Strasse, sondern hilf mir, die andern belächeln, auf dass mir besser gefalle, was ich schon besitze. Speziell wenn Du meine Angebetete bist, lieber Mitfahrer, so blättere nicht nur dann im Kalender nach, wenn ein « bäumiger » Wagen mit einem jungen Fant vorfahrt, sondern auch dann, wenn mich einer mit unfairem Fahren besonders geärgert hat. Den vorgehabten groben Briet schreibt man ja doch nie, es hat keine weitern Folgen, beruhigt mich aber, wenn ich höhnen kann: «Natürlich, wieder ein...-» (Es ist völlig wurst, was er dann ist.) Nachdem wir schon an aufbauender Mitarbeit sind: wenn Du tüchtig im Kartenlesen bist, kannst Du mir herrlich helfen, Sl*a»s«»n Verschiebung des Datums für den Kongress der « Route Blanche >. Der ursprünglich für die Tage vom 20. und 21. Mai und später für den 10.. und 11. Juni in Dljon vorgesehene Kongress der «Route Blanche» ist aus technischen Gründen noch etwas weiter hinausgeschoben worden, nämlich auf den 24. und 25. Juni. Diese Verlegung erfolgte nicht zuletzt mit Rücksicht auf die zu erwartende starke Genfer Delegation, die, aus*er den Vertretern der touristischen Clubs, auch solche der dortigen Behörden, de» Verkehrsvereins, der dem Komitee von Dijon angescblossercn Gruppe für den Anschlus« Genfs an die Route Paris-Mont Blanc. sowie weitere Verkehrinteressenten umfassen wird. Im Hinblick auf gewisse innerfranzösiscW Widerstände gegen die Strassenvertrindung Pa ris - Chamonix via Genf misst man schweizerischerseits d«m Umstand Bedeutung bei, das« der gegenwärtige französische Minister für öffentliche Arbeiten, de Monzie. zugesagt hat, selbst den Vorsitz des Kongresses zu übernehmen, b. Du siehst, ich gehe gern mit den guten Vorsätzen voran und glaube, sie im grossen ganzen für meine Person zu verwirklichen. Wir fahren nun in einem Tempo und Stil, die uns beide nicht nervöser machen als Zuckungen und Dreinreden hast Du Dir abgewöhnt. Du kennst die Gegend und es wird Dir langweilig. Es ist heiss, und wir werden etwas müde. Da habe ich nichts dagegen, wenn Du mir gute Witze erzählst, bei denen man nicht denken muss Aber mit Politik bleibe mir vom Leibe. Ob wir ins gleiche oder entgegengesetzte Hörn stossen, wir regen uns auf und vergessen die Strasse. Verschone mich z. B. auch mit Deinem komplizierten Prozess, wo ich 70 Zeugen im Kopf behalten sollte. Frage mich bitte auch nicht über alte Dinge aus, wo ich herumstudieren muss. Unterhaltung ja, Ablenkung nein, das ist der Grundsatz. Die Verantwortung für die Konversation hast Du, denn Du allein hast den ganzen Kopf zur Verfügung. Wenn Du « chemische» Anregung brauchst, so schöpfe sie nicht aus Nikotin. Du versudelst den Wagen mit Asche; bei aller Achtsamkeit zerstäubt sie der Wind. Der Rauch indem Du mir wichtige Strassengabelangen vorausmeldest. Du kannst Kleingeld für allerlei Käufe aus dem Wagenfenster (Benzin, Zeitungen etc.) zusammenkramen. Ja, sogar füttern kannst Du mich und damit Mahlzeiten verschieben helfen oder sonstwie an der Ausbesserung von Fahrplanfehlern mitwirken. Mit einem Wort, es ist doch nicht so schlimm wie eingangs gesagt, es gibt nicht nur Verbote, sondern auch Gebote, und wenn Du alles brav befolgst, so kann ich Dir für wunderschöne Fahrten bürgen. Mit herzlichen Grüssen. Dein E.P.

N° 38t — DIENSTAG, 9. MAI 1Ö39 AUTOMOBIL-REVUE Ein epochemachender neuer Schweizer-Reifen Konstruktive Verbesserungen grundlegender Bedeutung ermöglichten es, einen Reifen herzustellen, dessen Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft alles bisher Geschaffene weit überflügeln. Die neue breitere Lauffläche mit ihren mehr als 3000 Zähnen, welche die Strasse halten/leistet 35% mehr Kilometer. Nur der „Safety-Lock" - Cord -Unterbau, den Firestone-Champion-Reifen als einzige besitzen, konnte die Fahrsicherheit auf einen Grad der Vollkommenheit bringen, welcher den Automobilisten bisher unbekannt war. Firestone-Champion verkörpert höchsten Fortschritt und bodenständige Schweizer-Arbeit. i*^^^M FABRIK FÜR -PRODUKTE A.G. PRATTELN BEI BASEL